schlendern

GrammatikVerb · schlenderte, ist geschlendert
Aussprache
Worttrennungschlen-dern (computergeneriert)
Wortbildung mit ›schlendern‹ als Erstglied: ↗Schlendergang · ↗Schlenderschritt  ·  mit ›schlendern‹ als Letztglied: ↗anschlendern · ↗durchschlendern · ↗entlangschlendern · ↗fortschlendern · ↗heranschlendern · ↗herumschlendern · ↗umherschlendern · ↗vorbeischlendern · ↗zurückschlendern
eWDG, 1976

Bedeutung

umgangssprachlich langsam und gemächlich gehen, spazieren
Beispiele:
beschaulich, gemütlich schlendern
sie schlendern auf und ab, hin und her
er ist kreuz und quer durch die Altstadt geschlendert
straßauf, straßab schlendern
sie schlendern den Hügel hinab
über den Platz, Markt schlendern
wir schlendern zum Berghotel
ein schlendernder Gang
er kam mit schlendernden Schritten
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schlendern · schlenzen1 · schlunzen · Schlendrian
schlendern Vb. ‘gemächlich, nachlässig, entspannt gehen’, Übernahme (17. Jh.) von gleichbed. mnd. slenteren, nd. slendern, slentern, nl. slenteren in die Studentensprache, dann in die Literatursprache. Mit Ablaut entspricht ostfries. sluntern ‘schlottern, schlaff hängen, sich schlottrig bewegen’. Das Verb läßt sich mit ↗schlingen, ↗Schlitten (s. d.) an dort genanntes ie. *(s)leidh- ‘schlüpfrig, gleiten’ anschließen; es ist vielleicht als Iterativbildung aufzufassen zu einem Verschiebung von t zu z aufweisenden nhd. schlenzen1 Vb. ‘müßig, nachlässig herumgehen, sich herumtreiben, tändeln’ (17. Jh.), das Schlenzen und Scharwenzen (‘Tändeln und Liebedienern’) mit den Weibern (Goethe), mhd. slenzen ‘liebkosend tändeln’ (14. Jh.); vgl. dazu mhd. slenzic ‘müßig, träge’, auch (ablautend) gleichbed. schlunzen Vb. (19. Jh.). Schlendrian m. ‘Schlamperei, Liederlichkeit, althergebrachter Brauch’, bereits früh latinisiert den schlenttrianum triben ‘in gewohnter Weise vorgehen’ (Seb. Brant, 1495, hier abschätzig ‘nach der alten Leier handeln’), auch (nordd., md.) ‘nachlässiger Mensch’ (Ende 17. Jh.). Wohl (das Humanistenlatein spöttisch nachahmend) gebildet in Anlehnung an die lat. Endung -(i)ānus, vgl. lat. hortulānus ‘zum Garten gehörig’ (hortulus ‘Gärtchen’), castellānus ‘zum castellum gehörig’, auch substantiviert ‘Bewohner eines befestigten Ortes’, entsprechend Mariānus ‘Anhänger des Marius’; von daher wird Schlendrian teils als Personenbezeichnung (wie ↗Grobian, s. d.), teils (obwohl im Lat. bei Wörtern solcher Endung nicht üblich) als Verbalabstraktum gebraucht. Oder liegt in letzterem Falle eine Zusammensetzung vor mit Jahn m. ‘bei landwirtschaftlicher u. ä. Arbeit sich bildender Gang, Reihe’, z. B. ‘die Reihe des gemähten Getreides oder Grases, in Reihen gestapeltes abgehauenes Busch- oder Strauchholz’, mhd. jān ‘Gewinn, fortlaufende Reihe (der Reime), Reihe gemähten Grases, geschnittenen Getreides’? Dieses steht mit n-Suffix und einer Ausgangsbedeutung ‘Arbeitsgang’ zu der unter ↗Jahr (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *ei- (oder *ei̯ə-?) ‘gehen’. Schlendrian wäre dann als ‘nachlässig, ohne viel Überlegung ausgeführte, althergebrachte Art und Weise (zu arbeiten)’ aufzufassen.

Thesaurus

Synonymgruppe
(ein wenig) herumspazieren · (einen) Bummel machen · (einen) Spaziergang machen · (einen) Stadtbummel machen · (einmal) an die frische Luft gehen · (sich die) Füße vertreten · (sich) die Beine vertreten · ↗flanieren · frische Luft schnappen · ↗herumschlendern · ↗promenieren · schlendern · ↗spazieren gehen · ↗umherbummeln · ↗wandeln  ●  ↗(sich) ergehen  veraltet · ↗spazieren  Hauptform · dahintändeln  geh. · ↗lustwandeln  geh. · ↗umhertigern  ugs.
Oberbegriffe
  • einen Fuß vor den anderen setzen · ↗gehen · ↗laufen  ●  zu Fuß gehen  Hauptform · ↗latschen  ugs., salopp · zu Fuß laufen  ugs.
Assoziationen
Antonyme
  • schlendern
Synonymgruppe
bummeln · gemütlich gehen · langsam gehen · schlendern · ↗trollen · ↗trotten · ↗zotteln
Assoziationen
  • (gemütlich) hinterhergeschlendert kommen · (in aller Ruhe) hinterhertrollen · hinterhergeschlichen kommen · ↗hinterhertrotten · langsam hinterherkommen  ●  hinterhergezottelt kommen  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Boulevard Fahrerlager Fußgängerzone Gasse Kopfsteinpflaster Spaziergänger Weihnachtsmarkt dahinschlendern durchschlendern entgegen entlangschlendern gelangweilt gemächlich gemütlich heran herbei hereinschlendern herumschlendern hinauf hinunterschlendern hinüber lässig umherschlendern vorbei vorbeischlendern vorüber ziellos zu zurück zuschlendern

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schlendern‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Gegen 17.15 Uhr betrat er die Bank, schlenderte seelenruhig durch den Raum.
Bild, 05.04.2006
Ich sah sie ans Ende des Gangs in den nächsten Wagen schlendern.
Müller,Herta: Der König verneigt sich und tötet, München: Carl Hanser Verlag 2003, S. 108
Es sind letzte Arbeiten, die Häuser wirken fein herausgeputzt, Touristen schlendern übers Pflaster.
Süddeutsche Zeitung, 29.11.1999
Er schlenderte auf das Boot zu, als sei nichts geschehen.
Andersch, Alfred: Sansibar oder der letzte Grund, Olten: Walter 1957 [1957], S. 204
Sie schlenderten langsam über den Hof in das Haus zurück.
Held, Kurt: Die rote Zora und ihre Bande, Aarau: Sauerländer 1989 [1941], S. 147
Zitationshilfe
„schlendern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schlendern>, abgerufen am 23.10.2019.

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