Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.
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Bedeutungen

1.
etw. schlepptetw. bewegt sich schwerfällig schleifend über eine Fläche dahin
Beispiele:
das lange Kleid, der lange Säbel schleppt am Boden
der Anker schleppt über den Grund
schleppendschwerfällig, schlurfend
Grammatik: oft im Partizip I
Beispiele:
ein schleppender Gang
mit schleppenden Schritten gehen
übertragen langsam und stockend
Beispiele:
eine schleppende Rede, Stimme
eine schleppende Unterhaltung führen
eine schleppende Abfertigung
die schleppende Erledigung von Aufträgen
das Tempo wurde schleppend
schleppend sprechen
dann erhob sich ein schleppender Gesang [ CramerKonzessionen280]
die Entwicklung des Seitenbordmotors … geht zu schleppend voran [ Tageszeitung1963]
2.
etw., jmdn., sich mit aller Kraft, mühsam fortbewegen, fortziehen
Beispiele:
der Dampfer schleppt die Lastkähne
die Fischdampfer schleppen die Netze
der Traktor schleppt einen Wagen
einen Frachter in den Hafen schleppen
er schleppt ein Bein (= zieht es nach)
Passanten schleppten den Taumelnden in ein Haus
[Doppeldecker] schleppen Segelflugzeuge auf Höhe [ Sibylle1965]
bildlich
Beispiele:
salopp, scherzhaftjmdn. durch die ganze Stadt schleppen (= jmdn. halb widerstrebend durch die ganze Stadt führen)
salopp, scherzhaftjmdn. mit ins Kino, zu einem Vergnügen schleppen
salopp, abwertenddie Gefangenen wurden vor den Richter, zum Verhör geschleppt (= brutal hingebracht)
sich schleppen
Beispiele:
sich langsam, schwerfällig, ein paar Schritte schleppen
sich am Stock, auf Krücken schleppen
er konnte sich kaum noch schleppen
sich an den Tisch, zum Bett schleppen
bildlich
Beispiele:
umgangssprachlichder Zug schleppt sich über die Anhöhe
umgangssprachlichich schleppe mich bloß noch (= lebe nur noch kümmerlich dahin) [ KlepperSchatten209]
übertragen
Beispiel:
der Prozess schleppt sich schon ins dritte Jahr (= zieht sich schon über zwei Jahre hin)
3.
etw. Schweres mühsam tragen
Beispiele:
einen Sack, den Koffer, Korb schleppen
Steine, Ziegel schleppen
was bringt ihr da geschleppt?
etw. mit aller Anstrengung schleppen
etw. auf dem Rücken, unter dem Arm schleppen
Kisten auf den Boden, Kohlen in den Keller, Pakete nach Hause schleppen
er hat alles mit sich geschleppt
Welch eine Last Wasser schleppt sie bergauf! [ FedererRegina Lob285]
jmdn. schleppen
Beispiele:
sie schleppte das Schwesterchen auf dem Arm
einen Kranken aus dem Bett schleppen
umgangssprachlich sich mit einer Last schleppensich mit einer Last abmühen
Beispiele:
sich mit dem Gepäck, mit dem schweren Rucksack schleppen
sie schleppen sich mit den schweren Möbeln noch zu Tode
übertragen
Beispiele:
einen Kummer mit sich schleppen (= mit Kummer belastet sein)
er schleppt sich mit einem alten Leiden (= quält sich damit ab)
4.
Landwirtschaft den Boden im Frühjahr mit der Schleppe bearbeiten
Beispiel:
den Acker, ein Feld schleppen
5.
salopp ein Kleidungsstück lange tragen, oft anziehen und abnutzen
Beispiel:
diesen Mantel habe ich geschleppt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schleppen · schleppend · Schleppe · Schlepper · Schlepptau
schleppen Vb. ‘auf dem Boden nachziehen, mühsam forttragen, fortziehen’, reflexiv ‘sich mit Anstrengung bewegen’. Mnd. slēpen ‘schleppen, schleifen’, die nd. Form des unter schleifen2 (s. d.) behandelten Verbs, wird im 13. Jh. in die Sprache der Deutschordensliteratur übernommen (vielleicht schon damals mit Kürzung des Stammvokals) und über das Md. weiter verbreitet. – schleppend Part.adj. ‘langsam, ohne Schwung’ (vgl. mnd. slēpen in seinen Bedeutungen ‘langsamen Schrittes gehen’, übertragen ‘langsamen Fortgang haben’), z. B. schleppendes Geschäft (17. Jh.), schleppende Schreibart, Sprache (18. Jh.), schleppender Gang (19. Jh.). Schleppe f. ‘hinten lang auslaufender Teil eines Rockes, Kleides’ (17. Jh.), unter lautlicher Anlehnung an das Verb aus nd. Slēpe, Sleep (vgl. mnd. slēpehoyke ‘langer, schleppender Mantel’). Die Mode, eine Schleppe zu tragen, entsteht im 12. Jh., dafür mhd. swanz, swenzelīn, swenzel ‘Schleppe, Schleppkleid’. Schlepper m. ‘wer schleppt’ (17. Jh.), ‘Schlepptau’ (18. Jh.), ‘Schiff, das andere (stromaufwärts) zieht, Schleppdampfer’ (19. Jh.), ‘Traktor’ (20. Jh.), nd. Slepper. Schlepptau n. ‘Tau zum Ziehen von Schiffen, von Lasten’ (18. Jh.); jmdn. ins Schlepptau nehmen ‘sich jmds. annehmen, ihm helfen’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) etwas aufladen · schleppen · tragen · transportieren
Unterbegriffe
Synonymgruppe
abschleppen · hinter sich her schleifen · mitreißen · reißen · schleppen · zerren · ziehen  ●  trecken  regional
Synonymgruppe
(sich) dahinschleppen · (sich) mit schleppendem Gang fortbewegen · (sich) schleppen · schleppend gehen · schlurfen · schlurfend gehen · trotten  ●  kriechen  fig. · daherlatschen  ugs. · latschen  ugs. · schlappen  ugs. · trödeln  ugs. · zockeln  ugs. · zuckeln  ugs.
Oberbegriffe
  • einen Fuß vor den anderen setzen · gehen · laufen  ●  zu Fuß gehen Hauptform · latschen ugs., salopp · zu Fuß laufen ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›schleppen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schleppen‹.

Verwendungsbeispiele für ›schleppen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Was mußten wir nicht schon damals alles mit uns schleppen! [Hahn, Ulla: Unscharfe Bilder, München: Deutsche Verlags-Anstalt 2003, S. 39]
An verschiedenen Bauten schleppte sich die Arbeit augenscheinlich noch langsamer als vorher dahin. [Marchwitza, Hans: Roheisen, Berlin: Verlag Tribüne Berlin 1955, S. 317]
Es ist noch gar nicht lange her, da schleppte er Holz. [Auerbach, Erich: Mimesis, Bern: Francke 1959 [1946], S. 22]
Die Juden schleppen sich an ihnen bis auf den heutigen Tag. [Meyer, Eduard: Geschichte des Altertums, Bd. IV,1. In: Geschichte des Altertums, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1901], S. 18727]
Ich schleppte mich in mein Büro, es würde einer dieser fürchterlichen Tage werden, ich wusste es. [C’t, 2001, Nr. 15]
Zitationshilfe
„schleppen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schleppen>.

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