schleusen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungschleu-sen
Wortbildung mit ›schleusen‹ als Erstglied: ↗Schleuser · ↗Schleusung  ·  mit ›schleusen‹ als Letztglied: ↗ausschleusen · ↗durchschleusen · ↗einschleusen · ↗weiterschleusen
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
etw., besonders ein Schiff, durch eine Schleuse bringen
Beispiele:
Frachter, Lastkähne durch einen Kanal schleusen
Abwässer, Gase schleusen (= ableiten)
2.
übertragen etw., jmdn. sicher durch Hindernisse bringen, geleiten
Beispiele:
eine Autokolonne durch den Großstadtverkehr schleusen
ein Verfahren durch sämtliche Instanzen schleusen (= gehen lassen)
die Reisenden wurden durch die Passkontrolle geschleust (= wurden einzeln hindurchgeführt)
jmdn., etw. auf ungesetzliche Weise über eine Grenze, durch eine Kontrolle bringen
Beispiel:
[Agentenzentralen] schleusen ihre Agenten mit gefälschten Personalpapieren in die DDR [Tageszeitung1965]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schleuse · schleusen · durchschleusen
Schleuse f. ‘Anlage zum Absperren eines Wasserlaufs’ (zur Überwindung von Höhenunterschieden in der Flußschiffahrt) wird im 16. Jh. aus mnd. slǖse ‘Anlage zum Stauen von Wasser’ in die Literatursprache aufgenommen und lautlich dem Hd. angeglichen. Mnd. slūse (so zuerst 1237 in einer Hamburger Urkunde), slǖse ist eine Entlehnung von mnl. slūse, sluise (nl. sluis), einem Wort, das die die Hamburger Marschen trockenlegenden Holländer dem Nd. vermitteln. Es stammt aus dem Ausdruck der Wasserbautechnik mlat. sclusa, exclusa, spätlat. exclūsa ‘Damm, Wehr’ (woraus auch afrz. escluse, frz. écluse ‘Schleuse’), dem substantivierten fem. Part. Perf. von lat. exclūdere (exclūsum) ‘ausschließen, abweisen, hindern’. Die oft auftretende Schreibung Schleuße (noch im 19. Jh.) bringt das Substantiv irrig mit schließen in Verbindung. schleusen Vb. durchschleusen Vb. ‘ein Schiff durch eine Schleuse befördern’, übertragen ‘durch Hindernisse bringen, geleiten’ (beide 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
bugsieren · ↗dirigieren · ↗führen · ↗geleiten · ↗leiten · ↗lotsen · ↗manövrieren · ↗navigieren · ↗regieren · schleusen
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bande Blutbahn Eizelle Erbgut Fiskus Gen Kunstmarkt Körperzelle Menschenhändler Metalldetektor Nadelöhr Nebeneingang Parteikasse Schlepper Schlepperbande Schwarzgeld Steueroase Virus Wirtschaftskreislauf Zelle Zellkern ausschleusen durchschleusen einschleusen herabschleusen herunterschleusen stückeln vorbei vorbeischleusen zurückschleusen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schleusen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Auf diese Weise schleust man ein gewisses subversives Element ein.
Die Zeit, 18.06.2001, Nr. 25
Am unproblematischsten scheint es da noch, die Zinsen nach unten zu schleusen.
Der Tagesspiegel, 19.10.1998
So konnten die Programme vieler Benutzer mehrmals an einem Tag durch einen Computer geschleust werden.
Rechenberg, Peter: Was ist Informatik?, München: Hanser 1994 [1991], S. 7
Die meisten Gäste fuhren nach dem offiziellen Teil der Geburtstagsfeier wieder davon und mußten aus dem Tor geschleust werden.
Rode, Axel: Das Erbe der Guldenburgs, Bergisch-Gladbach: Lübbe 1986, S. 10
Der war gewohnt, mit gradliniger Marschmusik zur Tribüne geschleust zu werden.
Grass, Günter: Die Blechtrommel, Darmstadt: Luchterhand 1959, S. 135
Zitationshilfe
„schleusen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schleusen>, abgerufen am 21.09.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Schleuse
schleunig
Schleuderzentrifuge
Schleuderware
Schleudertrauma
Schleusengeld
Schleusenkammer
Schleusenkanal
Schleusenrechen
Schleusenschacht