schließen

Grammatik Verb · schließt, schloss, hat geschlossen
Aussprache 
Worttrennung schlie-ßen
Wortbildung  mit ›schließen‹ als Erstglied: Schließanlage · Schließer · Schließfach · Schließfrucht · Schließklappe · Schließkorb · Schließmuskel · Schließrahmen · Schließtag · Schließzelle · Schließzylinder · schließbar
 ·  mit ›schließen‹ als Letztglied: abschließen · anschließen · aufschließen · ausschließen · beischließen · beschließen · einschließen · erschließen · herumschließen · kurzschließen · umschließen · unterschließen · verschließen · wegschließen · zurückschließen · zusammenschließen · zuschließen · überschließen
 ·  mit ›schließen‹ als Binnenglied: Wach- und Schließgesellschaft · selbstschließend · vertragschließend
 ·  mit ›schließen‹ als Grundform: entschließen · geschlossen
Mehrwortausdrücke  die Augen für immer schließen
eWDG

Bedeutungen

1.
etw. mit einem Schlüssel dadurch unzugänglich machen, dass man ihn im Schloss umdreht, etw. zuschließen, verschließen
Beispiel:
eine Tür, das Haus, den Schrank, Koffer schließen
etw. Geöffnetes, Offenstehendes zumachen
Beispiele:
schließ bitte das Fenster, die Tür, es zieht
einen Deckel, Vorhang schließen
sie schloss die Augen, weil die Sonne blendete
den Mund schließen
die Hand zur Faust schließen
gehoben, verhüllender hat seine Augen für immer geschlossen (= ist gestorben)
die Autos mussten vor der geschlossenen Bahnschranke warten
das Geschäft, die Postfiliale, der Schalter hat von 13–15 Uhr, sonntags, wegen Urlaub geschlossen
wegen Krankheit ist diese Filiale vorübergehend geschlossen
die Gaststätte schließt um 22 Uhr
die Schule musste wegen Grippe geschlossen werden (= der Unterricht musste ausfallen)
das Buch schließen (= zuklappen)
einen Briefumschlag schließen (= zukleben)
einen Mantel, den Hemdkragen schließen (= zuknöpfen)
Elektrotechnikeinen Stromkreis schließen (= das Fließen des elektrischen Stroms bewirken)
einen Damm, eine Mauer schließen (= vollenden, zu Ende bauen)
eine Lücke schließen (= ausfüllen)
die Reihen schließen (= zusammenrücken, keine Lücke lassen)
sich schließen
Beispiele:
die Blüten schließen sich immer am Abend
die Wunde hat sich noch nicht (ganz) geschlossen
bildlich
Beispiel:
die Augen vor etw. schließen (= etw. nicht wahrhaben wollen)
übertragen
Beispiel:
über diese Angelegenheit, diesen Fall sind die Akten noch keineswegs geschlossen
2.
etw. schließt
die Tür schließt von selbst (= die Tür geht von selbst zu)
Beispiele:
die Tür schließt automatisch, selbsttätig
das Fenster schließt schlecht (= ist nicht dicht)
dieser Schlüssel schließt schlecht (= dieser Schlüssel passt schlecht für dieses Schloss)
Beispiel:
mein Schlüssel schließt schwer, nicht, gut
3.
jmdn., sich, etw. in etw. einsperren, einschließen
Beispiele:
den Gefangenen in eine Zelle schließen
er schloss sich in sein Zimmer
Geld in eine Kassette, in den Schreibtisch schließen
ein Tier, etw. mit einem Schloss an etw. befestigen
Beispiele:
er schloss den Hund an die Kette
das Fahrrad an einen Zaun schließen
4.
jmdn., etw. in etw. schließen (= jmdn., etw. umfassen, umschließen)
Beispiel:
voller Freude schließt sie ihn in die, ihre Arme
bildlich
Beispiel:
jmdn. in sein, ins Herz schließen (= liebgewinnen)
etw. in sich schließen (= etw. enthalten, bergen)
Beispiele:
dieses Problem schließt noch weitere Fragen in sich
diese Reise schloss viele schöne Erlebnisse in sich
5.
etw. beenden
Beispiele:
ein Gespräch, eine Unterredung, Diskussion, Sitzung schließen
er schloss seinen Brief, Bericht, das Protokoll mit den Worten …
6.
mit etw. schließen (= mit etw. zu Ende gehen, mit, in etw. enden)
Beispiele:
der Prozess schloss mit einem Freispruch
mit dieser Feststellung schließt die Novelle
7.
sich an etw. schließen (= auf etw. folgen, sich an etw. anschließen)
Beispiel:
an das Referat schloss sich eine lebhafte Diskussion
8.
etw. eingehen, abschließen
Beispiele:
er schließt Freundschaft, Kameradschaft mit ihm
vor einem Monat hat er mit ihr die Ehe geschlossen
einen Vertrag, Bund, ein Bündnis, einen Vergleich, Kompromiss schließen
Frieden schließen (= sich nach einem Streit versöhnen) (= einen Kriegszustand durch einen Friedensvertrag beenden)
9.
etw. aus etw. schließenaus etw. Gegebenem einen Schluss ziehen, etw. aus etw. folgern, herleiten
Beispiele:
daraus ist zu schließen, kann man schließen, muss geschlossen werden, dass …
aus seiner Freude schloss sie, dass ihm das Geschenk sehr gefallen hat
aus etw. auf etw. schließen
Beispiele:
aus seiner Begeisterung schlossen wir auf seine Bereitschaft, sich an dieser Aufgabe zu beteiligen
aus seiner gesunden Gesichtsfarbe haben wir auf seine Genesung geschlossen
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat A1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schließen · Schließer · schließlich
schließen Vb. ‘durch eine Vorrichtung (wie Pflock, Riegel, Schloß, Deckel, Knopf, Haken u. dgl.) zumachen’, ahd. slioʒan ‘verschanzen’? (9. Jh.; vgl. intslioʒan ‘aufschließen, öffnen’, 8. Jh.), mhd. slieʒen ‘(ver)schließen, umfassen, (zusammen)fügen, aneinander befestigen’ (germ. *sleutan), asächs. -slūtan, mnd. mnl. slūten, nl. sluiten, afries. slūta (germ. *slūtan), dem Nordgerm. und Ostgerm. fehlend. Wenn germ. *sleut- mit Konsonantenerleichterung aus ie. *skleud- hervorgegangen ist, sind (ohne anlautendes s-) vergleichbar lit. kliū́ti ‘hängenbleiben, hindern’, (mit k-Suffix) aslaw. kl’učь, russ. ključ (ключ) ‘Schlüssel’, kljuká (клюка) ‘Krücke, Krummstab’, serbokr. kljȕka ‘Haken, Schlüssel, Klammer’ und (mit -āu- statt -ē̌u-) griech. klé͞is, Genitiv kleidós (κλείς, κλειδός), älter klḗs (κλῄς) ‘Pflock, Ruderpflock, Querriegel, Haken, Schlüssel, Schlüsselbein’, lat. claudere (clausum) ‘verschließen, zusperren’, clāvus ‘Nagel, Pflock’, clāvis ‘Schlüssel, Riegel’, air. clō ‘Nagel’. Daraus ergibt sich eine Wurzel ie. *klē̌u-, *klāu- ‘Haken, krummes Holz oder Astgabel, Pflöckchen, an-, verhaken (sich anklammern), durch einen vorgesteckten Haken, Riegel, ein Pflöckchen verschließen’ (wozu auch Los, s. d.). Als Grundbedeutung ist wohl ‘Pflock’ (als ältestes Mittel zum Verschließen), verbal ‘einen Pflock einlegen und damit zumachen’, anzunehmen. Schließer m. ‘Pförtner, wer abschließt’ (17. Jh.); vgl. mnd. slūter (14. Jh.). schließlich Adj. ‘endlich, abschließend, am Schluß’ (16. Jh.), als Adverb schließentlich, schließlichen (16. Jh.), schließlich (17. Jh.). S. dazu auch Schluß, Schloß und Schlüssel.

Thesaurus

Synonymgruppe
aufgeben · schließen  ●  (aus dem Markt) ausscheiden  fachspr., Jargon · (den Laden) zumachen  ugs. · (seine) Pforten schließen  ugs. · dichtmachen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(ein) Ende haben · (in bestimmter Weise) ausgehen · ablaufen (Frist, Zeitabschnitt) · aufhören · ausklingen · auslaufen · ein (...) Ende finden · schließen · verfallen · zu Ende gehen · zur Neige gehen  ●  enden  Hauptform · sich neigen  geh. · zu Ende sein  ugs.
Assoziationen
  • abgelaufen · beendet · gewesen · herum · passé · vergangen · vorbei · vorbei (sein) mit · vorüber  ●  passee  alte Schreibung bis 2017 · tot und begraben (z.B. Hoffnungen)  fig. · Die Zeiten sind vorbei.  ugs., Spruch · Geschichte (sein)  ugs. · aus (sein) mit  ugs. · aus und vorbei  ugs. · dahin  geh. · das war (ein)mal  ugs. · es war einmal (und ist nicht mehr)  ugs., Spruch · gelaufen  ugs. · rum  ugs. · verflossen  ugs.
Synonymgruppe
(den) Betrieb einstellen · abwickeln · auflösen (Geschäft) · liquidieren · nicht weiterführen · schließen · stilllegen · vom Markt nehmen (Unternehmen)  ●  (jemandem den Laden) dichtmachen  ugs. · plattmachen  ugs.
Assoziationen
  • Filetstück  ●  (die) Rosinen vom Kuchen  ugs.
  • (die) Schulden reduzieren · aus den roten Zahlen herausbringen · sanieren · wieder auf Erfolgskurs bringen

Typische Verbindungen zu ›schließen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schließen‹.

Verwendungsbeispiele für ›schließen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es zeichnete sich aber zunächst eine geschlossene republikanische Front ab. [Die Zeit, 04.03.2013, Nr. 09]
Es sei denn, die westliche Welt tritt dem geschlossen entgegen. [Die Zeit, 25.02.2013, Nr. 08]
Der Kanzler ist nicht bereit, mit dieser Führung weitergehende Abkommen zu schließen. [Küsters, Hans Jürgen: Entscheidung für die deutsche Einheit. In: Deutsche Einheit, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1998], S. 184]
Konsequent wäre es nun, das Buch mit einigen Worten an ihn zu schließen. [Hasselbach, Ingo u. Bonengel, Winfried: Die Abrechnung, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1993], S. 158]
Es ist unglaublich schwierig, von einem Bild auf die Situation zu schließen, die das Bild erzeugt hat. [Rechenberg, Peter: Was ist Informatik?, München: Hanser 1994 [1991], S. 248]
Zitationshilfe
„schließen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schlie%C3%9Fen>.

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