schlimm

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Wortbildung mit ›schlimm‹ als Erstglied: ↗schlimmstenfalls  ·  mit ›schlimm‹ als Letztglied: ↗allerschlimmst  ·  mit ›schlimm‹ als Grundform: ↗verschlimmern
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
schlecht, übel, böse
Beispiele:
schlimme Verhältnisse, Nachrichten, Erfahrungen
das waren damals schlimme Zeiten
wir waren in einer schlimmen Lage
das war ein schlimmer Tag
der Kranke hat eine schlimme Nacht hinter sich (= konnte wegen starker Schmerzen nicht schlafen)
etw. nimmt ein schlimmes Ende
das kann schlimme Folgen haben
auf das Schlimmste vorbereitet sein
sich auf das Schlimmste gefasst machen
mit dem Schlimmsten rechnen müssen
im letzten Augenblick wurde das Schlimmste (= ein Unglück) verhütet
er ist wirklich schlimm, am schlimmsten dran
ungünstig, unangenehm
Beispiele:
schlimm genug!
dadurch machst du es bloß noch schlimmer
man muss ja nicht gleich das Schlimmste annehmen
das hätte schlimm ausgehen können
nun ist das Schlimmste (= das Schwierigste, Gefährlichste) überwunden
im schlimmsten Falle (= wenn es gar nicht anders geht) fahren wir eben erst morgen
umgangssprachlich das ist eine schlimme (= wenig erfreuliche) Geschichte
die Radsportler hatten nun das schlimmste (= anstrengendste, schwierigste) Stück ihres Weges hinter sich
ein schlimmer (= sehr großer, grober) Fehler
ist es schlimm (= ein großer Nachteil, Schaden), wenn ich nicht dabei bin?
es ist nicht weiter schlimm (= es macht weiter nichts aus), wenn ...
das ist ja alles halb so schlimm
es gibt schlimmere Dinge
2.
sittlich schlecht, böse
Beispiele:
eine schlimme Tat
ein schlimmes Verbrechen
ein schlimmes Beispiel geben
jmdm. das Schlimmste zutrauen
er ist ein schlimmer Geselle
er hat einen, steht in einem schlimmen Ruf
schlimme Worte, Gedanken
umgangssprachlich, scherzhaft du bist ja ein ganz Schlimmer (= ein Schwerenöter)
zu Kindern
Beispiel:
ihr seid aber heute schlimm (= ungezogen)
3.
krank, entzündet
Beispiele:
er hat einen schlimmen Finger
ein schlimmes Auge, Ohr
eine schlimme Brust
umgangssprachlich er hat etw. Schlimmes an der Hand
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schlimm · verschlimmern
schlimm Adj. ‘nicht gut, übel, böse’. Herkunft ungeklärt. Ahd. slimb ‘verdreht, verrenkt’ (11. Jh.), mhd. slimp ‘schief, schräg, verkehrt’, slimbes Adv., mnd. slim ‘schief, krumm, schlecht’, mnl. slim, slem ‘schief’, nl. slim und ahd. slimbī ‘Schiefheit’ (um 1000), ablautend mnl. slom ‘schief’, anord. slœma ‘schräg hauen’ möchte de Vries Nl. 650 als eine sachlich dem Hausbau entstammende Bezeichnung zu dem unter ↗Saal (s. d.) behandelten Substantiv stellen und von der Wurzel ie. *sel- ‘Wohnraum’ herleiten. Pokorny 1, 657 hält dagegen an dem (wenngleich mit Bedenken vorgetragenen) Vergleich mit lit. slim̃pti ‘schlendern’, lett. slīps (aus *slimpas) ‘schräg, steil’ fest, so daß Anschluß an ie. *(s)lemb(h)- (s. ↗Schlamm, ↗Schlampe), die nasalierte Form der unter ↗Lappen (s. d.) genannten Wurzel ie. *lē̌b-, *lō̌b-, *lā̌b- ‘schlaff herabhängen(d)’ (hier mit anlautendem s- wie auch in ↗schlafen, ↗schlaff, ↗schlapp, s. d.), möglich wäre. Die alte, noch in obd. Mundarten erhaltene Bedeutung ‘schief, schräg’ geht in Verwendungen wie etw. steht, wird schlimm (16. Jh.), d. h. ‘es geht nicht geradeaus’, in ‘schlecht, übel, böse’ über, so daß schlimm als Attribut einerseits Substantive mit pejorativem Sinn verstärkt (vgl. schlimmes Unglück, schlimmes Unwetter, schlimmes Verbrechen), andererseits in Verbindung mit Personenbezeichnungen (ein schlimmer Knabe, 18. Jh.) sich zum Gegenwort von (moralisch) gut entwickelt. Umgangssprachlich auch im Sinne von ‘krank’ (ein schlimmes ‘entzündetes, krankes’ Auge haben). verschlimmern Vb. ‘etw. noch schlimmer machen, als es ist’, älter auch (heute reflexiv) ‘schlimmer werden’ (17. Jh.). verschlimmbessern Vb. ‘durch eine vermeintliche Verbesserung noch schlimmer machen’ (18. Jh., von Lichtenberg geprägt?).

Thesaurus

Synonymgruppe
arg · ↗bedenklich · ↗ernstlich · ↗schwer  ●  ↗bös(e)  ugs. · ↗fies  ugs., rheinisch · schlimm  ugs.
Synonymgruppe
leidig · ↗lästig · ↗misslich · nicht erwünscht · nicht wünschen · nicht wünschenswert · ↗schlecht · schlimm · ↗schrecklich · störend · ↗unangenehm · ↗unbequem · ↗unerfreulich · ↗unerquicklich · ↗unerwünscht · ↗ungeliebt · ↗ungut · ↗unliebsam · ↗unschön · ↗unwillkommen · wenig beneidenswert · ↗widrig · ↗ärgerlich  ●  ↗blöd (ärgerlich)  ugs. · ↗dumm (ärgerlich)  ugs. · etwas Dummes  ugs.
Assoziationen
  • (geistig) beschränkt · ↗(geistig) minderbemittelt · ↗blöd · ↗blöde · ↗dämlich · geistig nicht (mehr) auf der Höhe · ↗idiotisch · ↗irrsinnig · keinen Grips im Kopf (haben) · nicht besonders helle · nicht gerade helle · ↗schwachköpfig · ↗stockdumm · ↗strohdumm · ↗stupid · ↗stupide · unintelligent · weiß nicht (mehr), was er sagt · weiß nicht (mehr), was er tut  ●  Stroh im Kopf (haben)  fig. · ↗dumm  Hauptform · ↗talentfrei  ironisch · (das) Pulver nicht erfunden haben  ugs. · (die) Weisheit nicht mit Löffeln gegessen haben  ugs. · (die) Weisheit nicht mit dem Schöpflöffel gegessen haben  ugs. · (ein) Spatzenhirn haben  ugs. · (jemandem) haben sie ins Gehirn geschissen  derb · (so dumm) dich beißen doch die Schweine im Galopp  ugs., Spruch · (so) dumm wie 10 Meter Feldweg  ugs. · (so) dumm wie Bohnenstroh  ugs. · (so) dumm, dass ihn die Gänse beißen  ugs. · (so) dumm, dass ihn die Schweine beißen  ugs. · (total) Banane (sein)  ugs. · (voll) panne  ugs. · ballaballa  ugs. · ↗bedeppert  ugs. · ↗behämmert  ugs. · ↗bekloppt  ugs. · ↗beknackt  ugs. · ↗belämmert  ugs. · ↗bescheuert  ugs. · beschruppt  ugs. · besemmelt  ugs. · ↗bestusst  ugs. · birnig  ugs. · ↗deppert  ugs., süddt. · ↗doof  ugs. · dumm wie Brot  ugs. · dumm wie Schifferscheiße  derb · dümmer als die Polizei erlaubt  ugs. · ↗gehirnamputiert  derb · ↗grenzdebil  derb · hirnig  ugs. · ↗hohl  ugs. · ↗merkbefreit  ugs. · naturblöd  ugs. · nicht (ganz) bei Trost  ugs. · nicht bis drei zählen können  ugs. · nicht ganz dicht  ugs. · ↗saublöd  ugs. · ↗saudoof  ugs. · ↗saudumm  ugs. · selten dämlich (Verstärkung)  ugs. · strunzdoof  ugs. · ↗strunzdumm  ugs. · strunzendumm  ugs. · unterbelichtet  ugs. · von allen guten Geistern verlassen  ugs.
  • bedauerlich · ↗bedauernswert · ↗beklagenswert · ↗deplorabel · ↗desolat · ein Jammer (sein) · ↗jammerschade  ●  ↗betrüblich  geh. · ↗schade  ugs.
  • (einen) unschönen Verlauf nehmen · (etwas) nimmt Formen an... · es kommt zu Unerfreulichkeiten  ●  (sich) unerfreulich entwickeln  Hauptform
Synonymgruppe
schlimm · ↗schmerzlich · ↗schmerzvoll · schwer zu ertragen  ●  ↗bitter  fig. · ↗hart  ugs.
Assoziationen
Antonyme
  • schlimm
Synonymgruppe
(die Situation ist) schlimm · es ist schlecht bestellt (um) · im Argen liegen · zu Sorgen Anlass geben
Assoziationen
  • Auswüchse · Missstände · schlimme Zustände
Synonymgruppe
entzündet · vereitert · ↗wund  ●  schlimm  ugs., regional
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Albtraum Auswirkung Auswuchs Befürchtung Ding Dürre Erlebnis Fall Falle Fehler Feind Folge Katastrophe Krise Lage Nichts Niederlage Schmerz Situation Unfall Verbrechen Verletzung Zustand aussehen besonders ergehen erwischen gar genauso so

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schlimm‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Als afrikanischer Spieler ist es immer schlimm, so etwas zu hören.
Die Zeit, 24.10.2013 (online)
Die schlimmsten Szenen spielten sich meist zu fortgeschrittener Stunde ab.
Der Spiegel, 17.11.1986
Das ist nebenbei gesagt viel schlimmer noch als ungehörig, das ist dumm.
Volkland, Alfred: Überall gern gesehen. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1941], S. 22798
Er wurde nicht einmal schlimmer, sondern er wurde einfach vernichtend.
Traven, B.: Das Totenschiff, Berlin: Büchergilde Gutenberg 1929 [1926], S. 378
Aber auch das war am Ende schlimm genug für die kranken Sinne der frommen kleinen Mädchen.
Ewers, Hanns Heinz: Alraune, München: Herbig 1973 [1911], S. 155
Zitationshilfe
„schlimm“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schlimm>, abgerufen am 17.10.2019.

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