schlottern

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungschlot-tern
Wortbildung mit ›schlottern‹ als Erstglied: ↗schlotterig · ↗schlottrig  ·  mit ›schlottern‹ als Letztglied: ↗herumschlottern · ↗umschlottern  ·  mit ›schlottern‹ als Grundform: ↗Geschlotter · ↗Schlotter  ·  formal verwandt mit: ↗angstschlotternd
eWDG, 1976

Bedeutung

umgangssprachlich
1.
(an allen Gliedern) heftig zittern
Beispiele:
sie schlotterte vor Angst, Aufregung, Kälte, am ganzen Leib, an allen Gliedern
jmdm. schlottern die Knie, Glieder, Beine, Hände
eine schlotternde Gestalt
mit schlotternden Knien wankte er heran
2.
abwertend ein Kleidungsstück schlottert (um, an etw.) (= ein Kleidungsstück ist jmdm. viel zu weit und hängt sehr lose, faltig an seinem Körper)
Beispiele:
die Kleider schlottern ihm um die Glieder, an den Armen
der Anzug schlottert ihm um den, am Leib, Körper
weite, schlotternde Hosen, Anzüge, Kleider
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schlottern · schlott(e)rig · Schlotter
schlottern Vb. ‘heftig zittern’, mhd. slotern, slottern, sluttern ‘zittern, klappern, schwatzen’, nd. sluddern ‘schlottern’, nl. slodderen ist vielleicht eine Intensivbildung zu mhd. sloten ‘zittern, klopfen’, verwandt mit mhd. slūdern ‘schleudern, schlenkern’, anord. sloðra ‘sich vorwärtsschleppen’, schwed. sluddra ‘undeutlich sprechen, stammeln’, got. afslauþjan ‘in Angst versetzen’, afslauþnan ‘sich entsetzen’, und läßt sich mit ↗lottern, ↗schleudern und ↗schludern (s. d.) sowie russ. (älter) lytát’ (лытать) ‘sich um eine Arbeit drücken, müßig umhergehen’, serbokr. lútati ‘langsam gehen, mühsam suchen’ auf ie. *(s)leut-, *(s)lūt-, eine Dentalerweiterung der Wurzel ie. *(s)leu-, *(s)lū- ‘schlaff herabhängen, schlaff’ (s. ↗schlummern), zurückführen. schlott(e)rig Adj. ‘zitternd’ (16. Jh.), heute dafür meist schlotternd. Schlotter m. ‘das Zittern, Schüttelfrost, wabbelige Masse, Schlamm’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(eine) Gänsehaut bekommen · (jemandem) schlottern die Knie · ↗(vor Kälte) bibbern · am ganzen Körper zittern · ↗erbeben · ↗erschaudern · ↗erschauern · ↗erzittern · ↗schaudern · ↗schauern · weiche Knie haben · ↗zittern  ●  schuckern  regional · (vor Angst) schlottern  ugs. · gebeutelt werden  ugs. · zittern wie Espenlaub (Verstärkung)  ugs.
Assoziationen
  • Aspe · ↗Espe · ↗Zitterpappel  ●  Populus tremula  fachspr.
  • (eine) Gänsehaut bekommen · (jemandem) kalt sein · (jemandem) kalt werden · (vor Kälte) schlottern · ↗frieren · ↗frösteln · mit den Zähnen klappern · vor Kälte zittern  ●  ↗bibbern  ugs. · frieren wie ein Schneider  ugs. · ↗schnattern  ugs. · schuckern  ugs., regional
  • (jemandem) kalt den Rücken herunterlaufen · ↗(sich) graulen · ↗(sich) grausen · ↗(sich) gruseln · ↗schaudern · unheimlich (zumute) sein  ●  (jemanden) kalt überlaufen  geh.
  • Grausen · ↗Herzensangst · ↗Panik  ●  (sehr) große Angst  Hauptform · ↗Heidenangst  ugs. · Himmelangst  ugs. · ↗Höllenangst  ugs.
  • (eine) Riesenangst haben · Todesangst haben · sehr große Angst haben · tausend Ängste ausstehen  ●  (die) Panik kriegen  ugs. · (eine) Heidenangst haben  ugs. · (eine) Mordsangst haben  ugs. · (totale) Panik haben  ugs. · Blut und Wasser schwitzen  ugs. · Schiss haben  ugs. · tausend Tode sterben  ugs., fig.
Synonymgruppe
(eine) Gänsehaut bekommen · (jemandem) kalt sein · (jemandem) kalt werden · (vor Kälte) schlottern · ↗frieren · ↗frösteln · mit den Zähnen klappern · vor Kälte zittern  ●  ↗bibbern  ugs. · frieren wie ein Schneider  ugs. · ↗schnattern  ugs. · schuckern  ugs., regional
Assoziationen
  • (eine) Gänsehaut bekommen · (jemandem) schlottern die Knie · ↗(vor Kälte) bibbern · am ganzen Körper zittern · ↗erbeben · ↗erschaudern · ↗erschauern · ↗erzittern · ↗schaudern · ↗schauern · weiche Knie haben · ↗zittern  ●  schuckern  regional · (vor Angst) schlottern  ugs. · gebeutelt werden  ugs. · zittern wie Espenlaub (Verstärkung)  ugs.
  • blau gefroren sein · durchgefroren sein · sehr frieren · unterkühlt sein  ●  (sich) (den) Arsch abfrieren  derb · zum Eiszapfen werden  ugs., fig.
  • frisch · ↗frostig · ↗kalt · ↗kühl
  • Frostgefühl · Frösteln · ↗Kältegefühl
  • (sich) nicht aufwärmen können · im Kalten (arbeiten / bleiben / abwarten ... müssen) · in der Kälte (herumstehen / sich aufhalten ...)  ●  (sich) den Arsch abfrieren  derb · (sich) einen abfrieren  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Angst Anzug Bein Glied Hose Hüfte Jacke Knie Kälte Körper Leib Mantel Profi Schulter Wind bibbern frieren umschlottern

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schlottern‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und vorne im Licht schlottert ihnen das Drama viel zu groß am Leib.
Süddeutsche Zeitung, 02.02.2004
Und er aß zuwenig, die Hosen schlotterten ihm an den Beinen.
Die Zeit, 18.12.1992, Nr. 52
Wir waren derart sehr lange im Bad, ich schlotterte nachher erbärmlich.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1926. In: ders., Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1926], S. 122
Wir standen schlotternd im Schlackschnee, mit zerrissenen Stiefeln, viele barfuß.
Goote, Thor [d.i. Langsdorff, Werner von]: Die Fahne Hoch!, Berlin: Zeitgeschichte-Verlag 1933 [1933], S. 43
Er schlotterte und machte Anstalten, dem Offizier vor die Füße zu fallen.
Konsalik, Heinz G.: Der Arzt von Stalingrad, Hamburg: Dt. Hausbücherei 1960 [1956], S. 98
Zitationshilfe
„schlottern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schlottern>, abgerufen am 20.08.2019.

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