schlucken

Grammatik Verb · schluckt, schluckte, hat geschluckt
Aussprache 
Worttrennung schlu-cken
Wortbildung  mit ›schlucken‹ als Erstglied: Schluckauf · Schluckbeschwerden · Schluckbruder · Schlucker · Schluckimpfstoff · Schluckimpfung · Schluckkrampf · Schlucklaut · Schluckreflex · Schluckspecht · Schluckstörung · Schluckvorgang
 ·  mit ›schlucken‹ als Letztglied: Degenschlucken · Feuerschlucken · aufschlucken · einschlucken · herunterschlucken · hineinschlucken · hinterschlucken · hinunterschlucken · niederschlucken · runterschlucken · wegschlucken
 ·  mit ›schlucken‹ als Binnenglied: Lärm schluckend · Schall schluckend · lärmschluckend · schallschluckend
 ·  mit ›schlucken‹ als Grundform: Schlucken · verschlucken
Mehrwortausdrücke  eine Kröte schlucken
eWDG

Bedeutungen

1.
einen Bissen, etw. Flüssiges, besonders Medikamente, durch zusammenziehende Bewegung der Zungenmuskeln und Halsmuskeln und die einsetzende Peristaltik der Speiseröhre vom Mund in den Magen gelangen lassen
Beispiele:
einen (Nahrungs)bissen schlucken
Medikamente schlucken
Tabletten unzerkaut schlucken
der Patient musste vor der Untersuchung die Magensonde schlucken
er hat beim Schwimmen viel Wasser geschluckt
er konnte vor Schmerzen nicht schlucken, hatte Beschwerden beim Schlucken
Joachim schluckte tapfer an seinem Brei, der etwas verbrannt roch […] [ WiechertEinfaches Leben202]
bildlich
Beispiel:
umgangssprachlichsie mussten beim Kohlestapeln viel Staub schlucken (= einatmen)
an etw. zu schlucken habenmit etw. schwer fertig werden
Beispiele:
an den Folgen dieser Maßnahme wird er noch lange zu schlucken haben
bei so viel Frechheit musste sie erst (ein paarmal, etwas) schlucken, bevor sie antworten konnte (= es verschlug ihr zunächst die Sprache)
er machte ihr Vorwürfe, sie schluckte nur (= beherrschte sich und schwieg)
etw. Unangenehmes widerwillig, aber ohne Widerrede, wehrlos hinnehmen
Beispiele:
eine Beleidigung, hämische Anspielung schlucken müssen
sie hat manchen Tadel, Vorwurf, manche Grobheit von ihm geschluckt
wie hat sie diese Nachricht geschluckt?
er musste die bittere Pille, den harten Brocken schlucken
2.
umgangssprachlich, übertragen
a)
etw. schluckt etw., jmdn.etw. nimmt etw., jmdn. in sich auf
Beispiele:
die U‑Bahn schluckt täglich ungeheure Menschenmassen
er war spurlos verschwunden, als ob die Erde ihn geschluckt hätte
die Gestalt war wie von der Nacht, vom Nebel geschluckt
etw. saugt etw. auf, absorbiert etw.
Beispiele:
der trockene Erdboden schluckt viel Regenwasser
dunkle Farben, Möbel schlucken Licht
der Teppich schluckt Schall
Der brandende Arbeitslärm wird von schalldichten Wänden geschluckt […] [ WallraffWir brauchen Dich33]
b)
etw. schluckt etw., jmdn.etw. verbraucht, verschlingt etw., jmdn.
Beispiele:
die Anschaffungen haben das ganze Geld geschluckt
die Dampfkraftwerke schlucken viel Wasser
[…] die Katastrophen hätten all unsere Kräfte geschluckt […] [ JakobsBeschreibung181]
c)
abwertend jmd. schluckt etw.jmd. eignet sich etw. gewaltsam an, ergreift gewaltsam von etw. Besitz
Beispiel:
Weil die Engländer Frankreich bis zur Loire besetzten. Weil sie das Land ganz schlucken wollen [ BrechtJeanne d’Arc2]
ein Konzern schluckt kleinere Betriebeein Konzern schaltet im Konkurrenzkampf kleinere Betriebe aus und übernimmt sie
Beispiel:
[…] die Wirtschaftskrise […] bei der die großen Monopole die kleinen Unternehmer schlucken […] [ BredelFünfzig Tage133]
jmd. schluckt etw.jmd. nimmt etw. habgierig an sich
Beispiele:
die Erben schluckten horrende Summen
[…] wenn Jakob kam und Geld verlangte, dann gab sie […] Was hatte der Jakob schon alles geschluckt! [ ViebigDie vor d. Toren39]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schlucken · Schluck · Schlucken · Schluckauf · Schlucker
schlucken Vb. ‘feste oder flüssige (Nahrungs)stoffe aus dem Mund in den Magen befördern, hinunterschlingen’, mhd. slucken ‘schlingen, schluchzen’, mnd. slucken, mnl. slocken, nl. slokken steht wie ahd. slucko ‘Fresser, Schlemmer’ (8. Jh.) mit expressiver Konsonantendopplung (germ. *slukkēn) neben einem noch resthaft in mnd. slūken ‘(hinunter)schlucken’, schwed. sluka ‘verschlingen, schlucken’ erhaltenen starken Verb (germ. *slūkan), zu dem (als schwaches Verb) auch mhd. slūchen, frühnhd. (bis 16. Jh.) schlauchen ‘schlingen, schlucken’, ahd. slūh ‘Schlund’ (um 1000), mhd. slūch ‘Schlund, Kehle, Gurgel’ und anord. slok ‘Wasserrinne’ gehören. Außergerm. vergleichen sich griech. (nasaliert) lýnx (λύγξ) ‘Schluckauf’, lýzein (λύζειν) ‘Schluckauf haben’, air. slucim, ir. sloigim ‘ich schlucke’, atschech. lkāti, tschech. lkáti, lykati ‘seufzen, wehklagen, jammern’, apoln. poln. łkać ‘schluchzen’, apoln. łykać ‘schluchzen’, poln. łykać ‘schlucken’, so daß von einer Wurzel ie. *(s)leug-, *(s)leuk- ‘schlucken’ ausgegangen werden kann. Vgl. die Intensivbildungen schlucksen ‘schluchzen, schlucken’ (17. Jh.) und schluchzen (s. d.). Schluck m. ‘das Hinunterschlucken, die Menge, die auf einmal geschluckt wird’, mhd. sluc f., im Nhd. nur noch auf das Trinken bezogen. Älter auch ‘das Schluchzen’ (15. Jh.), ‘Kehle’ (16. Jh.), ‘Getränk’ (18. Jh.). Schlucken m. ‘Schluckauf’ (17. Jh.). Schluckauf m. (19. Jh.), nach nd. Sluckup (18. Jh.); vgl. mnd. slūk-, sluckup ‘Trunkenbold, Säufer’. Schlucker m. ‘wer herunterschluckt’, und zwar ‘Schlemmer, Prasser’ (16. Jh.; vgl. ahd. slucko, s. oben), guter Schlucker ‘tüchtiger Trinker’, armer Schlucker ‘Hungerleider, bemitleidenswerter Kerl’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
einnehmen · hinunterschlucken · schlucken
Synonymgruppe
(Kraftstoff) verbrauchen  ●  fressen  ugs. · saufen  ugs. · schlucken  ugs.
Synonymgruppe
(klaglos) über sich ergehen lassen · (sich) (notgedrungen) arrangieren mit · (sich) abfinden (mit) · (sich) bescheiden (mit) · (sich) ergeben in · (sich) fügen (in) · (sich) in sein Schicksal ergeben · (sich) kleiner setzen · ertragen · hinnehmen  ●  (sich) schicken (in)  veraltet · (sich) d(a)reinfinden  geh., veraltet · (sich) dreinschicken (in)  geh., veraltend · keinen Aufstand machen  ugs. · schlucken  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • (etwas) nehmen, wie es kommt  ●  gleichmütig hinnehmen  Hauptform · (ein) Gemüt wie eine Brummfliege haben  ugs. · (etwas) nehmen, wie die Kuh das Gras frisst  ugs.
  • (sich) aussöhnen (mit) · (sich) nicht länger auflehnen (gegen) · seinen Frieden machen mit
  • (das ist) der Lauf der Welt · (das) ist einfach so · nicht zu ändern sein · so ist das Leben (eben) · so ist das nun mal · so ist es nun mal · so ist nun mal das Leben · so läuft das heute  ●  (das) ist halt so  ugs. · (das) ist leider so  ugs. · (es) ist nun mal so  ugs. · Et kütt wie et kütt.  ugs., kölsch · c'est la vie  ugs., franz. · da kann man (eh) nichts machen  ugs. · da machste nix (dran)  ugs. · es ist, wie es ist  ugs. · ist doch so!  ugs. · ist so!  ugs. · kann passieren  ugs.
  • dem freien Spiel der Kräfte überlassen · den Dingen ihren Lauf lassen · hinnehmen · nicht eingreifen  ●  geschehen lassen  Hauptform
  • Harmlosigkeit · Unbedenklichkeit · Ungefährlichkeit · Unschädlichkeit
  • (einen) Rückzieher machen · (es mit/bei etwas) bewenden lassen · (es) aufgeben · (es) aufstecken · (etwas) auf sich beruhen lassen · (sich dem) Schicksal ergeben · (sich dem) Schicksal fügen · (sich mit etwas) abfinden · (sich) beugen · (sich) geschlagen geben · aufhören zu kämpfen · kapitulieren · klein beigeben · nicht weiter versuchen · nicht weiterverfolgen · nicht weiterversuchen · passen · passen müssen · resignieren  ●  (das) Feld räumen (müssen)  fig. · (die) Waffen strecken  fig. · aufgeben  Hauptform · (das) Handtuch schmeißen  ugs., fig. · (das) Handtuch werfen  ugs., fig. · (den) (ganzen) Bettel hinschmeißen  ugs. · (den) (ganzen) Bettel hinwerfen  ugs. · (den) (ganzen) Kram hinschmeißen  ugs. · (den) (ganzen) Krempel hinschmeißen  ugs. · (die) Brocken hinschmeißen  ugs. · (die) Brocken hinwerfen  ugs. · (die) Flinte ins Korn werfen  ugs., fig. · (die) Segel streichen  ugs. · (etwas) stecken  ugs. · (sich) ins Bockshorn jagen lassen  ugs. · (sich) schicken (in)  geh., veraltet · abbrechen  ugs. · aufstecken  ugs. · die weiße Fahne hissen  ugs., fig. · einpacken (können)  ugs., fig. · hinschmeißen  ugs. · in den Sack hauen  ugs. · schmeißen  ugs., fig. · zurückrudern  ugs., fig.
  • (die) Hoffnung verlieren · (es) aufstecken · (sich) aufgeben · (sich) verlorengeben · aufgeben · den Mut sinken lassen · den Mut verlieren · hoffnungslos sein · klein beigeben · nicht mehr an sich glauben · resignieren · verzweifeln  ●  den Kopf hängen lassen  ugs., fig. · den Schwanz einziehen  ugs., fig. · schwarzsehen  ugs. · verzagen  geh.
Synonymgruppe
(etwas) zu sich nehmen · einnehmen (Medikament) · konsumieren (Suchtmittel) · schlucken  ●  (sich etwas) einwerfen  ugs., fig. · (sich etwas) reinpfeifen  ugs. · (sich etwas) reinziehen  ugs. · (sich etwas) reinzischen  ugs. · ingestieren  fachspr., sehr selten
Oberbegriffe
Synonymgruppe
(sich etwas) bieten lassen · (sich etwas) gefallen lassen · (sich) nicht wehren (gegen) · (sich) nicht widersetzen · (widerspruchslos) hinnehmen · Nachsicht üben · dulden · einstecken · in Kauf nehmen · leisetreten · nicht protestieren · schlucken · stillhalten · tolerieren · verschmerzen  ●  (es) nicht auf einen Streit ankommen lassen (wollen)  variabel · (die) Füße stillhalten  ugs., fig. · konnivieren  geh. · mitmachen  ugs.
Assoziationen
  • (sich) halten an · (sich) zu Herzen nehmen · akzeptieren · annehmen · beherzigen · ernst nehmen · hinnehmen  ●  (sich) gesagt sein lassen  ugs.
  • (klaglos) über sich ergehen lassen · (sich) (notgedrungen) arrangieren mit · (sich) abfinden (mit) · (sich) bescheiden (mit) · (sich) ergeben in · (sich) fügen (in) · (sich) in sein Schicksal ergeben · (sich) kleiner setzen · ertragen · hinnehmen  ●  (sich) schicken (in)  veraltet · (sich) d(a)reinfinden  geh., veraltet · (sich) dreinschicken (in)  geh., veraltend · keinen Aufstand machen  ugs. · schlucken  ugs.
  • (einen) Rückzieher machen · (es mit/bei etwas) bewenden lassen · (es) aufgeben · (es) aufstecken · (etwas) auf sich beruhen lassen · (sich dem) Schicksal ergeben · (sich dem) Schicksal fügen · (sich mit etwas) abfinden · (sich) beugen · (sich) geschlagen geben · aufhören zu kämpfen · kapitulieren · klein beigeben · nicht weiter versuchen · nicht weiterverfolgen · nicht weiterversuchen · passen · passen müssen · resignieren  ●  (das) Feld räumen (müssen)  fig. · (die) Waffen strecken  fig. · aufgeben  Hauptform · (das) Handtuch schmeißen  ugs., fig. · (das) Handtuch werfen  ugs., fig. · (den) (ganzen) Bettel hinschmeißen  ugs. · (den) (ganzen) Bettel hinwerfen  ugs. · (den) (ganzen) Kram hinschmeißen  ugs. · (den) (ganzen) Krempel hinschmeißen  ugs. · (die) Brocken hinschmeißen  ugs. · (die) Brocken hinwerfen  ugs. · (die) Flinte ins Korn werfen  ugs., fig. · (die) Segel streichen  ugs. · (etwas) stecken  ugs. · (sich) ins Bockshorn jagen lassen  ugs. · (sich) schicken (in)  geh., veraltet · abbrechen  ugs. · aufstecken  ugs. · die weiße Fahne hissen  ugs., fig. · einpacken (können)  ugs., fig. · hinschmeißen  ugs. · in den Sack hauen  ugs. · schmeißen  ugs., fig. · zurückrudern  ugs., fig.
  • (einer Sache) standhalten · aushalten · ausstehen · durchstehen · erdulden · ertragen  ●  verkraften  ugs.
Synonymgruppe
(seinem Unternehmen) einverleiben · (seinen Besitztümern) hinzufügen · (sich) aneignen · übernehmen  ●  (sich) unter den Nagel reißen  ugs. · schlucken  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(dreimal) (tief) schlucken (müssen) · (erst mal) tief Luft holen (müssen) · versuchen, ruhig Blut zu bewahren

Typische Verbindungen zu ›schlucken‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schlucken‹.

Verwendungsbeispiele für ›schlucken‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er bekam so viel davon zu schlucken, daß er beinahe aufgeschrien hätte. [Salten, Felix: Bambi, Frankfurt a. M.: Fischer 1956 [1923], S. 107]
Wer ist so dumm bei uns, so plumpe Lügen zu schlucken? [Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1953. In: ders., So sitze ich denn zwischen allen Stühlen, Berlin: Aufbau-Verl. 1999 [1953], S. 403]
Noch vor zehn Jahren hätte es jeder Mann weit von sich gewiesen, "weibliche" Östrogene zu schlucken. [Die Zeit, 05.02.1998, Nr. 7]
Immer wieder muss ich kräftig schlucken, um den Druck auszugleichen, und wenn wir wieder hochkommen, sieht es meistens wüst aus. [Die Zeit, 01.09.2008, Nr. 35]
Es scheint, wenn man Vater ist, muß man manches schlucken lernen. [Ganghofer, Ludwig: Lebenslauf eines Optimisten. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 18562]
Zitationshilfe
„schlucken“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schlucken>.

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