schmeicheln

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungschmei-cheln
Wortbildung mit ›schmeicheln‹ als Erstglied: ↗Schmeicheleinheit · ↗Schmeichelkatze · ↗Schmeichelkätzchen · ↗Schmeichelname · ↗Schmeichelrede · ↗Schmeichelwort · ↗Schmeichler · ↗schmeichelhaft
 ·  mit ›schmeicheln‹ als Letztglied: ↗abschmeicheln · ↗anschmeicheln · ↗einschmeicheln · ↗erschmeicheln · ↗umschmeicheln
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
jmdm. übertrieben und nicht ganz aufrichtig Angenehmes sagen, um dessen Gunst zu gewinnen
Beispiele:
er schmeichelte ihr mit schönen Worten
sie schmeichelte ihm, dass er ein bedeutender Mann wäre
sich [Dativ] mit einer Hoffnung, Selbsttäuschung schmeicheln
schmeichelnde Reden, Worte
etw. mit schmeichelndem Ton in der Stimme sagen
bildlich
Beispiel:
der Pelz, Samt, Stoff, die Frisur schmeichelt der Trägerin (= läßt ihre Gesichtszüge besonders weich und angenehm erscheinen)
übertragen
Beispiele:
das Bild ist geschmeichelt (= zu günstig)
eine geschmeichelte (= zu günstige) Zahl
2.
etw. schmeichelt jmdm.etw. hebt jmds. Selbstbewusstsein, erfreut jmdn.
Beispiele:
ihre Gunst, Meinung, ihr Wohlwollen schmeichelte ihm
jmds. Komplimente, Worte, Versprechen schmeicheln jmdm.
diese Worte schmeicheln seiner Eitelkeit, seinem Selbstgefühl
sich geschmeichelt fühlen
durch etw. geschmeichelt sein
Beispiel:
er war geschmeichelt, als man ihn um Rat fragte
3.
gehoben ›sich [Dativ] schmeicheln‹ + Gliedsatz im Inf.sich etw. zugute halten, einbilden
Beispiele:
ich schmeichle mir, den Text genau zu kennen, keine Vorurteile zu haben
ohne mir zu schmeicheln, ohne mir schmeicheln zu wollen, aber es war nicht einfach, das in Ordnung zu bringen
Kaldinger schmeichelt sich, ein getreues Bild der Menschen und Verhältnisse gegeben zu haben [SteinbergEinzug73]
4.
mit jmdm. zärtlich sein, jmdn. liebkosen
Beispiele:
das Kind schmeichelt mit der Mutter
das Kätzchen streicht schmeichelnd um die Füße
die Augen schmeicheln
mit den Augen schmeicheln
bildlich
Beispiele:
das Schmeicheln der Luft
Da nehmen die schmeichelnden Fluten sie auf [GoetheJohanna Sebus]
5.
sich in etw. schmeicheln
Beispiele:
die Musik schmeichelt sich ins Ohr (= klingt angenehm, geht leicht ein)
jmd. schmeichelt sich in jmds. Herz, Gunst (= jmd. gewinnt durch sein angenehmes Wesen jmds. Herz, Gunst, schmeichelt sich ein)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schmeicheln · Schmeichelei · schmeichelhaft · Schmeichler
schmeicheln Vb. ‘zärtlich sein, überschwenglich loben, jmdm. schöntun’, spätmhd. smeicheln ‘durch sanfte Berührung liebkosen’ ist Iterativbildung zu gleichbed. ahd. smeihhen (Hs. 12. Jh.), mhd. smeichen (vgl. ahd. smeihhāri, mhd. smeichære, smeicher ‘Liebkosender’), das mit mnd. smēken ‘schmeicheln’, mnl. smēken, smeiken, nl. smeken ‘flehen’, norw. (mundartlich) smeikja ‘streicheln, schmeicheln’ (germ. *smaikijan), ablautend smika ‘streichen, glätten’ und ahd. smeckar (9. Jh.), mhd. smecker ‘zierlich, schmächtig, eingefallen’ (vom Gesicht), aengl. smicer ‘schön, zierlich’, isl. smeykur ‘ängstlich’ sowie auch poln. smagły ‘schlank, schmächtig’, lit. smaĩgas ‘Stock, Pfahl, Stange’ auf die Gutturalerweiterung ie. *smē(i)g-, *smī̌g- der Wurzel ie. *smē-, *smēi- ‘schmieren, darüberwischen, -streichen, darüber hinreiben’ (s. auch ↗Schmach und ↗schmeißen) zurückgeführt werden kann; dazu gehört wohl auch ↗Schminke (s. d.), vielleicht auch griech. smḗn (σμῆν) ‘abreiben, abwischen’ und lat. macula ‘Fleck, Makel’. schmeichen wird bereits in frühnhd. Zeit durch schmeicheln verdrängt. Als Ausgangsbedeutung ist ‘(zärtlich) darüber hin streichen, durch streichende Berührung liebkosen’ anzunehmen. Der Sinn des übertriebenen Lobens, Lobhudelns ist bereits im 15. Jh. ausgebildet; er bleibt neben seit alters gültigem ‘liebkosen, zärtlich sein’ und später (18. Jh.) sich entwickelndem ‘etw. schöner darstellen als die Wirklichkeit, jmdm. guttun, jmds. Selbstbewußtsein heben’ bis heute erhalten. Schmeichelei f. ‘Zärtlichkeit, überschwengliches Lob’ (17. Jh.). schmeichelhaft Adj. ‘angenehm, dem Selbstbewußtsein wohltuend’ (16. Jh.); vgl. mhd. smeichenhaft. Schmeichler m. ‘wer durch Lobhudelei seine Ziele erreichen will, Schönredner’ (15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
gut zureden · schmeicheln
Synonymgruppe
flirten · ↗flöten · ↗gurren · schmeicheln · ↗säuseln
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemandem) Nettigkeiten sagen · (jemandem) das sagen, was er hören will · ↗(jemanden) bauchpinseln · ↗(jemanden) einseifen · Komplimente machen · nette Dinge sagen · ↗schöntun  ●  (jemandem) schmeicheln  Hauptform · Süßholz raspeln  fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemandem) guttun · (jemandem) schmeicheln · Balsam für jemandes Seele sein · Musik in jemandes Ohren (sein)  ●  (das) hört sich gut an  floskelhaft · Ich könnte dir stundenlang zuhören.  Spruch, ironisierend · gerne hören  Hauptform · (das) klingt gut  ugs., Spruch · (jemandem) runtergehen wie Öl  ugs.
Synonymgruppe
gut stehen · schmeicheln · zur Geltung kommen
Synonymgruppe
(sich) ergehen in (einer Vorstellung) · (sich) in der Vorstellung gefallen (dass) · kokettieren mit (einer Vorstellung) · liebäugeln mit · mit dem Gedanken spielen  ●  (sich) schmeicheln  geh.
Assoziationen
  • (sich) gefallen (in seiner Rolle) als (...) · (sich) gefallen in · kokettieren mit
Synonymgruppe
(jemandem) stehen · (jemandes) Vorzüge betonen  ●  (jemandem) schmeicheln  geh. · ↗(jemanden) kleiden  geh., veraltend · ↗kleidsam (sein)  geh., veraltend · toll aussehen (in / mit / bei)  ugs., variabel
Assoziationen
  • was hältst du davon?  ●  (na,) was sagst du!?  ugs. · wie findest du's?  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ego Eitelkeit Gaumen Gegenüber Gemüt Kompliment Lob Nationalstolz Ohr Selbstbild Selbstgefühl Selbstwertgefühl Sinnen Tastsinn Teint abschmeicheln anschmeicheln einschmeicheln flehen flüstern gewiß lügen natürlich raunen schnurren sichtlich streicheln ungemein verführen verwöhnen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schmeicheln‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich fühle mich geschmeichelt, daß Sie sich in mich verwandelt haben.
Schwanitz, Dietrich: Männer, Frankfurt a. M.: Eichborn 2001, S. 191
Heute kränkt es ihn nicht, es schmeichelt ihm, wenn ihm eine besondere Nähe zur Wirtschaft nachgesagt wird.
Der Tagesspiegel, 27.09.1998
Und irgendwie fühlte ich mich geschmeichelt, diesen „Touristen“ offenbar nicht zugezählt zu werden.
Die Zeit, 17.09.1971, Nr. 38
Ich schmeichelte ihm, er war höflich, wir berührten uns freundlich.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1921. In: ders., Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1921], S. 187
Ich sah dich deinem Vater schmeichelnd über die grauen Haare zärtlich streichen.
Altenberg, Peter: Pròdromos. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1906], S. 6174
Zitationshilfe
„schmeicheln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schmeicheln>, abgerufen am 15.11.2019.

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