Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

schmieren

eWDG

Bedeutungen

1.
etw. Weiches, besonders Fettiges, auf etw. streichen
Beispiele:
Butter, Marmelade auf die Schnitte, auf eine Scheibe Brot schmieren
schmier (die Butter) nicht so dick!
Salbe auf eine Wunde, Lehm in die Fugen schmieren
salopp, bildlich jmdm. etw. aufs Butterbrot schmieren (= jmdm. etw. vorwerfen)
Beispiele:
das brauchst du mir nicht (jedesmal) aufs Butterbrot zu schmieren
jmdm. Honig um den Mund, Bart schmieren (= jmdm. geschickt schmeicheln)
salopp, derbjmdm. Honig ums Maul schmieren (= jmdm. geschickt schmeicheln)
etw. mit etw. bestreichen
Beispiel:
eine Schrippe, Schnitte (mit Butter, Honig) schmieren
2.
etw. einfetten, ölen
Beispiel:
die Maschine, den Motor, das Tretlager eines Fahrrades, Achsen des Wagens (mit Öl) schmieren
salopp, scherzhaft, bildlich
Beispiel:
sich [Dativ] die Gurgel, Kehle schmieren (= trinken)
salopp etw. geht wie geschmiert (= etw. verläuft schnell, gut, ohne zu stocken)
Beispiele:
das (= das Gelernte) geht ja wie geschmiert
etw. wie geschmiert hersagen
ihr Mundwerk geht wie geschmiert
damit, jetzt geht die Arbeit wie geschmiert
die Aktion läuft wie geschmiert
salopp, abwertend jmdn. schmieren, jmdm. die Hände schmieren (= jmdn. bestechen)
Beispiel:
Unter uns gesagt: wir haben den Aufseher Müller noch einmal geschmiert[.] [ SeghersAusflug175]
3.
salopp (etw.) unsauber, nachlässig schreiben
Beispiele:
der Schüler hat auf diesem Zettel, in seinem Schreibheft entsetzlich geschmiert
er hat die Klassenarbeit sehr geschmiert, hat den Aufsatz ins Heft geschmiert
die Kinder haben allerlei an die Wand geschmiert
die Zahlen, Wörter sind ausgesprochen geschmiert
4.
etw. schmiert (= etw. schreibt, malt unsauber, schlecht)
Beispiele:
dieser Füller, Kugelschreiber, Zeichenstift schmiert
die Farbe, Tinte schmiert (= ist dickflüssig, unrein)
umgangssprachlichjmd. schmiert (= jmd. spielt unsauber auf einem Instrument)
5.
salopp, abwertend besonders publizistische Erzeugnisse leichtfertig, verantwortungslos schreiben, verfassen
Beispiele:
er hat viele Seiten über dieses Thema, unzählige Zeitungsartikel geschmiert
Die Zeitungshelden müssen ja etwas über die Zurückeroberung der Stadt Soundso zu schmieren haben[.] [ MarchwitzaJugend403]
minderwertige Dichtung verfassen
Beispiel:
Tragödien schmierte er diverse / und Epen vollends dutzendweis [ A. HolzBuch d. Zeit109]
6.
salopp jmdm. eine schmieren (= jmdm. eine Ohrfeige geben)
Beispiel:
du kriegst gleich eine geschmiert
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schmollen · schmieren2 · Schmollwinkel
schmollen Vb. ‘aus Unwillen, Trotz schweigen, sich zurückziehen’, mhd. smollen ‘unwillig schweigen’, frühnhd. auch ‘das Gesicht zum Lachen verziehen, lächeln’, in diesem Sinne besonders 15. bis 18. Jh., danach allgemein durch schmunzeln verdrängt. Auszugehen ist von einer Bedeutung ‘das Gesicht, den Mund verziehen’. Als verwandt können herangezogen werden die l-Bildungen ahd. smielēn (11. Jh.), mhd. smielen ‘lächeln’, schwed. smila, dän. smile ‘lächeln’, engl. (wohl aus dem Skandinav.) to smile ‘lächeln’ und die r-Bildungen schmieren2 Vb. ‘lächeln’, ahd. smierēn (11. Jh.), mhd. smieren ‘lächeln’, aengl. smerian sowie (mit k-Formans) aengl. smearcian, smercian, engl. to smirk ‘schmunzeln’. Außergerm. sind vergleichbar aind. smáyatē ‘lächelt, lächelt verschämt, errötet’, griech. (mit d-Formans) meidiā́n (μειδιᾶν) ‘lächeln’, lat. mīrus ‘wunderbar, erstaunlich, sonderbar’, air. mīad ‘Ruhm, Stolz’, aslaw. smịjati sę, russ. smeját’sja (смеяться) ‘lachen’, so daß eine Wurzel ie. *(s)mei-, *(s)meu- ‘lächeln, erstaunen’ angenommen werden kann. – Schmollwinkel m. ‘abgelegener Ort, wohin man sich unwillig und schweigend zurückzieht’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
bestechen · korrumpieren  ●  schmieren  ugs.
Assoziationen
Technik
Synonymgruppe
abschmieren · durchschmieren · fetten · schmieren · ölen
Assoziationen
Synonymgruppe
kritzeln  ●  herumkrakeln  ugs. · herumkritzeln  ugs. · herumschmieren  ugs. · hinkrakeln  ugs. · hinkritzeln  ugs. · hinschmieren  ugs. · hinsudeln  ugs. · krakeln  ugs. · schmieren  ugs. · sudeln  ugs.
Oberbegriffe
Synonymgruppe
schmieren  ●  manschen  ugs. · schmanten  ugs.

Typische Verbindungen zu ›schmieren‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schmieren‹.

Verwendungsbeispiele für ›schmieren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wie sollte ich ihm das noch deutlicher unter die Nase schmieren! [Renn, Ludwig [d. i. Vieth v. Golßenau, Arnold Friedrich]: Krieg – Nachkrieg, Berlin: Aufbau-Verl. 1951 [1930], S. 416]
Du zwingst mich schon dazu, die Butter dicker zu schmieren. [Brief von Irene G. an Ernst G. vom 19.04.1941, Feldpost-Archive mkb-fp-0270]
Einige, die noch neu sind, schmieren sich was dagegen unter die Nase. [Die Zeit, 19.09.2011, Nr. 38]
Auf jeden Fall war er gut geschmiert, wenn auch vielleicht nicht gut genug. [Die Zeit, 03.09.1982, Nr. 36]
Die öffentliche Verwaltung läuft längst nicht mehr geschmiert wie einst. [Süddeutsche Zeitung, 25.02.1994]
Zitationshilfe
„schmieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schmieren>.

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