schmieren

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungschmie-ren (computergeneriert)
Wortbildung mit ›schmieren‹ als Erstglied: ↗Schmierer · ↗Schmiererei · ↗Schmierfett · ↗Schmierfilm · ↗Schmierfink · ↗Schmierflüssigkeit · ↗Schmiergeld · ↗Schmierheft · ↗Schmierinfektion · ↗Schmierkäse · ↗Schmierlappe · ↗Schmiermittel · ↗Schmierseife · ↗Schmierstelle · ↗Schmierstoff · ↗Schmierung · ↗Schmierzettel · ↗Schmieröl · ↗schmierfähig
 ·  mit ›schmieren‹ als Letztglied: ↗abschmieren · ↗anschmieren · ↗aufschmieren · ↗ausschmieren · ↗beschmieren · ↗draufschmieren · ↗einschmieren · ↗hinschmieren · ↗vollschmieren · ↗zusammenschmieren
 ·  mit ›schmieren‹ als Grundform: ↗Geschmier · ↗Geschmiere · ↗Schmiere1 · ↗verschmieren
 ·  formal verwandt mit: ↗dickgeschmiert
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
etw. Weiches, besonders Fettiges, auf etw. streichen
Beispiele:
Butter, Marmelade auf die Schnitte, auf eine Scheibe Brot schmieren
schmier (die Butter) nicht so dick!
Salbe auf eine Wunde, Lehm in die Fugen schmieren
salopp, bildlich jmdm. etw. aufs Butterbrot schmierenjmdm. etw. vorwerfen
Beispiele:
das brauchst du mir nicht (jedesmal) aufs Butterbrot zu schmieren
jmdm. Honig um den Mund, Bart schmieren (= jmdm. geschickt schmeicheln)
salopp, derb jmdm. Honig ums Maul schmieren (= jmdm. geschickt schmeicheln)
etw. mit etw. bestreichen
Beispiel:
eine Schrippe, Schnitte (mit Butter, Honig) schmieren
2.
etw. einfetten, ölen
Beispiel:
die Maschine, den Motor, das Tretlager eines Fahrrades, Achsen des Wagens (mit Öl) schmieren
salopp, scherzhaft, bildlich
Beispiel:
sich [Dativ] die Gurgel, Kehle schmieren (= trinken)
salopp etw. geht wie geschmiertetw. verläuft schnell, gut, ohne zu stocken
Beispiele:
das (= das Gelernte) geht ja wie geschmiert
etw. wie geschmiert hersagen
ihr Mundwerk geht wie geschmiert
damit, jetzt geht die Arbeit wie geschmiert
die Aktion läuft wie geschmiert
salopp, abwertend jmdn. schmieren, jmdm. die Hände schmierenjmdn. bestechen
Beispiel:
Unter uns gesagt: wir haben den Aufseher Müller noch einmal geschmiert [SeghersAusflug175]
3.
salopp (etw.) unsauber, nachlässig schreiben
Beispiele:
der Schüler hat auf diesem Zettel, in seinem Schreibheft entsetzlich geschmiert
er hat die Klassenarbeit sehr geschmiert, hat den Aufsatz ins Heft geschmiert
die Kinder haben allerlei an die Wand geschmiert
die Zahlen, Wörter sind ausgesprochen geschmiert
4.
etw. schmiertetw. schreibt, malt unsauber, schlecht
Beispiele:
dieser Füller, Kugelschreiber, Zeichenstift schmiert
die Farbe, Tinte schmiert (= ist dickflüssig, unrein)
umgangssprachlich jmd. schmiert (= jmd. spielt unsauber auf einem Instrument)
5.
salopp, abwertend besonders publizistische Erzeugnisse leichtfertig, verantwortungslos schreiben, verfassen
Beispiele:
er hat viele Seiten über dieses Thema, unzählige Zeitungsartikel geschmiert
Die Zeitungshelden müssen ja etwas über die Zurückeroberung der Stadt Soundso zu schmieren haben [MarchwitzaJugend403]
minderwertige Dichtung verfassen
Beispiel:
Tragödien schmierte er diverse / und Epen vollends dutzendweis [A. HolzBuch d. Zeit109]
6.
salopp jmdm. eine schmierenjmdm. eine Ohrfeige geben
Beispiel:
du kriegst gleich eine geschmiert
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schmieren1 · Schmer · Schmerbauch · Schmerling · Schmierfink · Schmiergeld · Schmieralien · anschmieren · Schmiere2 · schmierig · Schmirgel2
schmieren1 Vb. ‘(be)streichen, einfetten’, ahd. smirwen (8. Jh.), mhd. smirwen, smirn, smern ‘(ein)schmieren, salben’, übertragen ‘bestechen’, mnd. mnl. smēren, nl. smeren, aengl. smierwan, engl. to smear, anord. smyrva, smyrja, schwed. smörja ist eine Bildung (germ. *smierwijan) zum Substantiv (wa-Stamm) Schmer m. n. ‘Fett, Schweineschmalz’, ahd. smero (Genitiv smerwes) ‘Fett’ (8. Jh.), mhd. smer, asächs. smero, mnd. smēr, mnl. smēre, smeer, smāre, nl. smeer, aengl. smeoru, engl. smear (‘Schmiere, Fettfleck’), anord. smjǫr, smør ‘Butter, Fett’, schwed. smör ‘Butter’ (germ. *smerwa-); vgl. auch (mit dem Suffix ie. -tro- gebildetes) got. smaírþr ‘Fett’. Herkunft unbekannt. Eine Verbindung zu griech. smýris, smíris (σμύρις, σμίρις) ‘Schleif- und Poliermittel, Schmirgel’ ist unsicher, so daß Verwandtschaft mit letztlich auf dem Griech. beruhendem ↗Schmirgel (s. d.) fraglich bleibt. Schmerbauch m. ‘dicker Bauch, Träger eines dicken Bauches’ (16. Jh.). Schmerling m. eßbarer, mit schmierigem Schleim bedeckter Röhrenpilz (18. Jh.); vgl. Marzell 1, 615. Schmierfink m. ‘wer unsauber ist, unsauber schreibt’ (16. Jh.), zu schmieren ‘sudeln, unsauber schreiben’ (16. Jh.). Schmiergeld n. ‘Bestechungsgeld’ (17. Jh.). Schmieralien Plur. ‘Bestechungsgeschenke, - gelder’ (17. Jh.), ‘schlechtes Geschreibsel’ (18. Jh.), nach mit lateinischer Pluralendung scherzhaft gebildetem schmiralia (17. Jh.). anschmieren Vb. ‘besudeln’ (15. Jh.), ‘jmdm. etw. (durch Betrug) anhängen, aufhalsen’ (16. Jh.), ‘betrügen, übervorteilen’ (18. Jh.), reflexiv ‘sich (mit allen Mitteln) einschmeicheln’ (19. Jh.). Schmiere2 f. ‘Schmierfett’ (15. Jh.), ‘fettiger Schmutz’ (17. Jh.). Auch ‘schlechtes Theater, Wanderbühne’ (19. Jh.), anschließend an schmieren ‘unsauber schreiben’ (s. oben), danach ‘(inhaltlich) flüchtig, schlecht schreiben’ (18. Jh.), entsprechend ‘solche Stücke schlecht darbieten’. schmierig Adj. ‘fettig, schmutzig’ (16. Jh.). Eine eigenwillige Wortwahl der Studentensprache ist Schmirgel2 m. für den klebrigen Rückstand in der Tabakspfeife (18. Jh.), lautlich anklingend an den Wortstamm schmier- (wie in schmieren, schmierig, s. oben), danach landschaftlich (rhein., md.) auch Schmürgel, Schmurgel.

schmollen · schmieren2 · Schmollwinkel
schmollen Vb. ‘aus Unwillen, Trotz schweigen, sich zurückziehen’, mhd. smollen ‘unwillig schweigen’, frühnhd. auch ‘das Gesicht zum Lachen verziehen, lächeln’, in diesem Sinne besonders 15. bis 18. Jh., danach allgemein durch schmunzeln verdrängt. Auszugehen ist von einer Bedeutung ‘das Gesicht, den Mund verziehen’. Als verwandt können herangezogen werden die l-Bildungen ahd. smielēn (11. Jh.), mhd. smielen ‘lächeln’, schwed. smila, dän. smile ‘lächeln’, engl. (wohl aus dem Skandinav.) to smile ‘lächeln’ und die r-Bildungen schmieren2 Vb. ‘lächeln’, ahd. smierēn (11. Jh.), mhd. smieren ‘lächeln’, aengl. smerian sowie (mit k-Formans) aengl. smearcian, smercian, engl. to smirk ‘schmunzeln’. Außergerm. sind vergleichbar aind. smáyatē ‘lächelt, lächelt verschämt, errötet’, griech. (mit d-Formans) meidiā́n (μειδιᾶν) ‘lächeln’, lat. mīrus ‘wunderbar, erstaunlich, sonderbar’, air. mīad ‘Ruhm, Stolz’, aslaw. smịjati sę, russ. smeját’sja (смеяться) ‘lachen’, so daß eine Wurzel ie. *(s)mei-, *(s)meu- ‘lächeln, erstaunen’ angenommen werden kann. Schmollwinkel m. ‘abgelegener Ort, wohin man sich unwillig und schweigend zurückzieht’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
bestechen · ↗korrumpieren  ●  schmieren  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
abschmieren · schmieren · ↗verschmieren · ↗ölen
Synonymgruppe
abschmieren · ↗fetten · schmieren
Synonymgruppe
kritzeln  ●  ↗herumkrakeln  ugs. · ↗herumkritzeln  ugs. · herumschmieren  ugs. · ↗hinkrakeln  ugs. · ↗hinkritzeln  ugs. · ↗hinschmieren  ugs. · ↗hinsudeln  ugs. · ↗krakeln  ugs. · schmieren  ugs. · ↗sudeln  ugs.
Oberbegriffe
Synonymgruppe
schmieren  ●  ↗manschen  ugs. · schmanten  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Brot Brötchen Butter Butterbrot Davidstern Gel Hakenkreuz Hauswand Hinterhand Marmelade Maul Mittelhand Parole Pausenbrot SS-Rune Salbe Schnittchen Stulle Unbekannte Vorhand Wurstbrot abschmieren anschmieren draufschmieren einschmieren hinschmieren vollschmieren zusammenschmieren zuschmieren ölen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schmieren‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Franz schmiert sich mit weißer Paste ein und seinen Vater auch.
Der Tagesspiegel, 03.10.2001
In der Küche schmierte ich ihm Brote, gab ihm Tee.
Bild, 20.11.1998
Du zwingst mich schon dazu, die Butter dicker zu schmieren.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 19.04.1941, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Wie sollte ich ihm das noch deutlicher unter die Nase schmieren!
Renn, Ludwig [d. i. Vieth v. Golßenau, Arnold Friedrich]: Krieg - Nachkrieg, Berlin: Aufbau-Verl. 1951 [1930], S. 416
Dadurch wird der Motor schneller warm und schneller korrekt geschmiert.
Dillenburger, Helmut: Das praktische Autobuch, Gütersloh: Bertelsmann 1965 [1957], S. 43
Zitationshilfe
„schmieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schmieren>, abgerufen am 20.10.2019.

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