schmierig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungschmie-rig (computergeneriert)
WortzerlegungSchmiere1-ig
Wortbildung mit ›schmierig‹ als Erstglied: ↗Schmierigkeit
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
von feuchtem, glitschigem Schmutz überzogen, durchtränkt
Beispiele:
ein schmieriger Kittel, Arbeitsanzug, Lappen, ein schmieriges Kleidungsstück
schmierige Finger, Hände
eine schmierige Schwelle, Treppe
der Regen hat die Fahrbahn schmierig gemacht
nach dem Abwischen der Kreide mit einem nassen Schwamm war die Tafel schmierig
jmd. sieht schmierig und verdreckt aus
ein schmieriges (= abgegriffenes) Buch
wir waren naß von ... Regen und Öl, schmierig wie Neugeborene [FrischHomo faber84]
abwertend in Bezug auf Sauberkeit vernachlässigt
Beispiele:
eine schmierige Kneipe
Wir gingen darauf in das erste beste schmierige Café [SeghersTransit5,246]
aus feuchtem, glitschigem Schmutz bestehend
Beispiele:
auf der Glasscheibe des Autos war ein schmieriger Film
es hatte sich auf der Wunde eine schmierige Schicht gebildet
2.
auf Sauberkeit nicht bedacht, unreinlich
Beispiel:
Vielleicht gab es unter den Schulmädchen auch mürrische und schmierige [SeghersAusflug14]
3.
umgangssprachlich, abwertend, übertragen von widerlich freundlichem, glattem, moralisch minderwertigem Wesen
Beispiele:
ein schmieriger Kerl, Bursche
Bereits aber hatte jemand dem schmierigen Wirt ... die Beleidigungen Dominiks hinterbracht [G. Hauptm.1,383]
unanständig, obszön, schmutzig
Beispiele:
schmierige Witze reißen
Alles hast du mir kaputt gemacht mit deiner verfluchten schmierigen Liebe [FalladaWolf2,334]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schmieren1 · Schmer · Schmerbauch · Schmerling · Schmierfink · Schmiergeld · Schmieralien · anschmieren · Schmiere2 · schmierig · Schmirgel2
schmieren1 Vb. ‘(be)streichen, einfetten’, ahd. smirwen (8. Jh.), mhd. smirwen, smirn, smern ‘(ein)schmieren, salben’, übertragen ‘bestechen’, mnd. mnl. smēren, nl. smeren, aengl. smierwan, engl. to smear, anord. smyrva, smyrja, schwed. smörja ist eine Bildung (germ. *smierwijan) zum Substantiv (wa-Stamm) Schmer m. n. ‘Fett, Schweineschmalz’, ahd. smero (Genitiv smerwes) ‘Fett’ (8. Jh.), mhd. smer, asächs. smero, mnd. smēr, mnl. smēre, smeer, smāre, nl. smeer, aengl. smeoru, engl. smear (‘Schmiere, Fettfleck’), anord. smjǫr, smør ‘Butter, Fett’, schwed. smör ‘Butter’ (germ. *smerwa-); vgl. auch (mit dem Suffix ie. -tro- gebildetes) got. smaírþr ‘Fett’. Herkunft unbekannt. Eine Verbindung zu griech. smýris, smíris (σμύρις, σμίρις) ‘Schleif- und Poliermittel, Schmirgel’ ist unsicher, so daß Verwandtschaft mit letztlich auf dem Griech. beruhendem ↗Schmirgel (s. d.) fraglich bleibt. Schmerbauch m. ‘dicker Bauch, Träger eines dicken Bauches’ (16. Jh.). Schmerling m. eßbarer, mit schmierigem Schleim bedeckter Röhrenpilz (18. Jh.); vgl. Marzell 1, 615. Schmierfink m. ‘wer unsauber ist, unsauber schreibt’ (16. Jh.), zu schmieren ‘sudeln, unsauber schreiben’ (16. Jh.). Schmiergeld n. ‘Bestechungsgeld’ (17. Jh.). Schmieralien Plur. ‘Bestechungsgeschenke, - gelder’ (17. Jh.), ‘schlechtes Geschreibsel’ (18. Jh.), nach mit lateinischer Pluralendung scherzhaft gebildetem schmiralia (17. Jh.). anschmieren Vb. ‘besudeln’ (15. Jh.), ‘jmdm. etw. (durch Betrug) anhängen, aufhalsen’ (16. Jh.), ‘betrügen, übervorteilen’ (18. Jh.), reflexiv ‘sich (mit allen Mitteln) einschmeicheln’ (19. Jh.). Schmiere2 f. ‘Schmierfett’ (15. Jh.), ‘fettiger Schmutz’ (17. Jh.). Auch ‘schlechtes Theater, Wanderbühne’ (19. Jh.), anschließend an schmieren ‘unsauber schreiben’ (s. oben), danach ‘(inhaltlich) flüchtig, schlecht schreiben’ (18. Jh.), entsprechend ‘solche Stücke schlecht darbieten’. schmierig Adj. ‘fettig, schmutzig’ (16. Jh.). Eine eigenwillige Wortwahl der Studentensprache ist Schmirgel2 m. für den klebrigen Rückstand in der Tabakspfeife (18. Jh.), lautlich anklingend an den Wortstamm schmier- (wie in schmieren, schmierig, s. oben), danach landschaftlich (rhein., md.) auch Schmürgel, Schmurgel.

Thesaurus

Synonymgruppe
flutschig · ↗schleimig · ↗schlierig · schmierig · ↗ölig  ●  ↗glitschig  Hauptform
Assoziationen
Synonymgruppe
beschmutzt · ↗dreckig · mit Schmutz behaftet · schmierig · schmutzbehaftet · ↗schäbig · ↗unhygienisch · ↗unrein · ↗unsauber · verdreckt · verschmutzt · verunreinigt · voller Schmutz  ●  ↗kotig  veraltend · ↗schmutzig  Hauptform · Drecks...  derb · Schmuddel...  ugs. · dreckig und speckig  ugs. · ↗mistig  ugs. · ↗ranzig  ugs. · ↗räudig  ugs. · ↗schmuddelig  ugs. · ↗siffig  ugs. · steht vor Dreck  ugs. · verranzt  ugs. · ↗versifft  ugs. · voller Dreck und Speck  ugs. · voller Mist  ugs. · vor Dreck stehen  ugs.
Assoziationen
  • (lauter) Flecke haben · Flecke aufweisen · ↗befleckt · besudelt · ↗fleckig · mit Flecken übersät · verfleckt · voller Flecke
  • bestaubt · mit Staub bedeckt · mit Staub überzogen · ↗staubbedeckt · ↗staubig · staubüberzogen · ↗verstaubt · voller Staub
  • mit Ruß überzogen · rußbedeckt · ↗rußig · verrußt · voller Ruß
  • vermüllt · voller Müll · von Müll übersät  ●  zugemüllt  ugs.
  • Ferkelei  ugs. · ↗Sauerei  ugs. · ↗Schweinerei  ugs.
  • abgehalftert · ↗abgerissen · ↗abgetakelt · abgewirtschaftet · am Ende · ↗desolat · in einem schlechten Zustand · ↗marode · ↗mies · ruiniert · ↗schäbig · ↗ungepflegt · verdorben · ↗verkommen · verlottert · verludert · verlumpt · ↗verschlissen · verwahrlost · verwildert · zerfasert · zerfleddert · ↗zerlumpt · zerschlissen  ●  ↗(äußerlich) heruntergekommen  Hauptform · (herumlaufen) wie ein Penner  derb, abwertend · ↗abgefuckt  derb, jugendsprachlich · abgeranzt  ugs. · abgewrackt  ugs. · auf den Hund gekommen  ugs. · ↗gammelig  ugs. · muchtig  ugs., berlinerisch · vergammelt  ugs.
Synonymgruppe
anzüglich · eindeutig-zweideutig · ↗frivol · nicht (ganz) stubenrein · ↗pikant · ↗schlüpfrig · schmierig · ↗unanständig · ↗zweideutig
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) anbiedernd · Grenzen ignorierend · Grenzen verletzend · ↗anhänglich · ↗aufdringlich · bedrängend · belästigend · ↗distanzlos · drängelnd · drängend · in (bester) Stalker-Manier · ↗indiskret · ↗lästig · nicht abzuschütteln · peinlich indiskret · ↗penetrant · schmierig · ↗unangenehm · unangenehm vertraulich · von peinlicher Indiskretion · übertrieben zuvorkommend  ●  ↗grenzüberschreitend  Jargon · ↗zudringlich  Hauptform · lästig wie eine Klofliege  ugs. · nicht (wieder) loszuwerden  ugs. · ↗übergriffig  geh.
Assoziationen
  • (viel) Sitzfleisch haben · nicht zum Aufbruch zu bewegen (sein) · ↗schwer (wieder) loszuwerden (sein)
  • Paparazzo · Skandal-Fotograf  ●  Paparazza  weibl. · Paparazzi  Plural
  • aus tiefster Seele · ↗dringend · drängend · ↗eindringlich · flehend · ↗flehentlich · ↗händeringend · in flehendem Tonfall · ↗inständig · inständigst · ↗nachdrücklich · sehnlichst · unter Flehen  ●  beschwörend  Hauptform
  • (jemandem) sein Herz ausschütten · (jemandem) sein Leid klagen · (jemanden) behelligen mit  ●  (seine Sorgen) abladen bei  fig., variabel · (sich) ausweinen bei  auch figurativ · (jemandem) die Ohren volljammern  ugs. · (seinen Frust) rauslassen bei  ugs., variabel · ↗(sich) auskotzen  derb, fig.
  • (sich) Vertraulichkeiten herausnehmen · ↗(sich) aufdrängen · ↗bedrängen · ↗belästigen · lästig fallen · lästig sein · lästig werden · nicht in Ruhe lassen · zudringlich werden  ●  (jemandem) auf den Pelz rücken  ugs.
  • (sich) anbiedern(d) · als wären sie Freunde · ↗kumpelhaft · ↗plumpvertraulich · wie unter Freunden
Synonymgruppe
aufgesetzt freundlich · ↗glattzüngig · ↗heuchlerisch · kratzfüßig · ↗liebedienerisch · ↗schmeichelhaft · schmeichelnd · schmierig · zuckersüß lächelnd · übertrieben freundlich  ●  herumschleimend  ugs. · ↗honigsüß (lächeln / tun)  ugs. · ↗katzenfreundlich  ugs. · ↗scheißfreundlich  derb · schleimend  ugs. · ↗schleimig  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Belag Brühe Conferencier Conférencier Dreck Entertainer Flecken Flüssigkeit Gangster Grinsen Hausierer Kerl Laub Masse Matratze Oberhaut Piste Privatdetektiv Schlamm Typ Type Waschbecken abgegriffen anfühlen dreckig fett klebrig riechend schmutzig ölig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schmierig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das süße Mädel neben mir labert die ganze Zeit mit einem schmierigen Typen.
Die Zeit, 31.01.2011, Nr. 05
Drei schneeweiße Sofas werden schon bald ein unerwünschtes Muster von schmierigen kleinen Händen erhalten.
Noll, Ingrid: Ladylike, Zürich: Diogenes 2006, S. 287
Noch hat sich kein Politiker der Stadt an die schmierige Geschichte gewagt.
Süddeutsche Zeitung, 16.01.2001
Er muß Brei besorgen und ihn ihm mühselig in den schmierigen Mund stopfen.
Schwanitz, Dietrich: Männer, Frankfurt a. M.: Eichborn 2001, S. 39
Auch konnte jener schwarze schmierige Belag, der auf allen lag, und den wir geduldig vorsichtig lösten, seine Schönheit nicht mindern.
Grass, Günter: Die Rättin, Darmstadt: Luchterhand 1986, S. 205
Zitationshilfe
„schmierig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schmierig>, abgerufen am 19.10.2019.

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