Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

schmissig

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung schmis-sig
GrundformSchmiss2
Wortbildung  mit ›schmissig‹ als Erstglied: Schmissigkeit
eWDG

Bedeutung

umgangssprachlich schwungvoll, flott
Beispiele:
ein schmissiger Marsch, Song, ein schmissiges Lied, ein schmissiger Text
schmissige (Marsch)musik, Melodien
ein schmissiges Plakat
[er] kompensiert seine Verlegenheit … durch schmissige Antworten [ HochhuthStellvertreterI 2]
[ich] suchte meinem (eigentlich scheuen) Wesen etwas Keckes, Schmissiges … zu geben [ St. ZweigAmok287]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schmeißen1 · schmeißen2 · Schmiß · schmissig · Geschmeiß · Schmeißfliege · Schmeiße
schmeißen1 Vb. ‘werfen, schleudern’. Das starke Verb ahd. smīʒan ‘aufstreichen, schmieren’ (um 1000; vgl. bismīʒan, 8. Jh., ūʒsmīʒan, 9. Jh.), mhd. smīʒen ‘streichen, schmieren, schlagen’, asächs. bismītan ‘beflecken’, mnd. smīten ‘schlagen, werfen, schleudern’, mnl. smīten ‘schlagen, werfen’, nl. smijten, afries. smīta, aengl. smītan ‘beschmieren, besudeln’, engl. to smite (dichterisch) ‘schlagen, treffen’, got. bismeitan ‘bestreichen’, gasmeitan ‘aufstreichen’ (germ. *smītan) läßt sich an eine Dentalerweiterung ie. *smeid- der Wurzel ie. *smē-, *smēi- ‘schmieren, darüberwischen, -streichen, darüber hinreiben’ anschließen, zu der auch die unter Schmach und schmeicheln (s. d.) aufgeführten Wortformen gehören. Die beiden divergierenden Grundbedeutungen ‘streichen, schmieren’ und ‘werfen, schlagen’ lassen sich am ehesten aus der Lehmbauweise erklären, indem der Lehm zuerst in die Wand bzw. das Flechtwerk geworfen und dann glattgestrichen wird. In der Studentensprache entsteht die Wendung ein Faß Bier, eine Runde schmeißen ‘spendieren’ (19. Jh., eigentlich wohl ‘das Geld dafür auf den Tisch werfen’?). Daneben steht schwach flektierendes schmeißen2 Vb. ‘besudeln, Kot abwerfen’ besonders von Vögeln (15./16. Jh., danach noch in südd. Mundarten), ahd. bismeiʒen ‘besudeln’ (um 1000), mhd. gesmeiʒen. – Schmiß m. ‘Hieb, Schlag’ (17. Jh.), in der Studentensprache ‘bei der Mensur durch Säbel oder Degen entstandene Wunde, Narbe’ (19. Jh.), zu schmeißen1 in der alten Bedeutung ‘schlagen’ (s. oben). schmissig Adj. ‘voller Narben’ (Studentensprache, 19. Jh.), ‘voller Schwung, verwegen’ (Gaunersprache, Mitte 19. Jh.). Geschmeiß n. ‘Ungeziefer, Gesindel, Pack’ (16. Jh.), mhd. gesmeiʒe ‘Unrat, Kot (von Tieren), Brut, Gezücht, Insekteneier (besonders von Fleischfliegen)’; Schmeißfliege f. ‘Fleischfliege’ (16. Jh.), vielleicht verdeutlichende Zusammensetzung zu gleichbed. (allerdings erst später bezeugtem) Schmeiße f. (17. Jh.); beide Bildungen zu schmeißen2 ‘besudeln, Kot abwerfen’, da Insekteneier teils als Kot angesehen, teils damit verglichen werden. Vgl. Pfeifer Tiernamen 713 f.

Thesaurus

Synonymgruppe
chic · elegant · fesch · flott · kleidsam · modisch · schick · schmissig · schmuck · schnittig  ●  frech  fig. · cool  ugs., engl. · geil  ugs. · schnatz  ugs., regional · schnieke  ugs., berlinerisch · stylish  fachspr., werbesprachlich · todchic  ugs., Verstärkung · todschick  ugs., Verstärkung · très chic  geh., franz.
Assoziationen
  • (perfekt) gestylt · durchgestylt · herausgeputzt · piekfein  ●  (schwer) in Schale  ugs. · geschniegelt  ugs. · geschniegelt und gebügelt  ugs. · geschniegelt und gestriegelt  ugs. · in Kluft  ugs.
Synonymgruppe
begeistert · beschwingt · flott · mit Eifer · mit Feuereifer · mit Verve · mit wehenden Fahnen · ungehemmt · voller Begeisterung · voller Elan  ●  mit fliegenden Fahnen  fig. · schmissig  ugs.
Synonymgruppe
rassig · schmissig · schnittig
Synonymgruppe
prickelnd · schmissig · schnittig · spritzig · sprühend · temperamentvoll
Synonymgruppe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›schmissig‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schmissig‹.

Finale Klang Lied Melodie Musik Musikkabarett Rede Rhythmus Rock’n’roll-songs Song Stück Titel

Verwendungsbeispiele für ›schmissig‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Doch seit Bush ins Weiße Haus eingezogen ist, hat man die schmissige Melodie dort kein einziges Mal gehört. [Süddeutsche Zeitung, 12.02.2001]
Das Stück ist nämlich ein rasantes, schmissiges Musical, geradezu elektrisierend intensiv getanzt, gesungen und gespielt. [Die Welt, 23.10.2004]
Nicht aber vergaß der Herr, sich mit einem schmissigen Heil Hitler zu verdrücken. [Thelen, Albert Vigoleis: Die Insel des zweiten Gesichts, Düsseldorf: Claassen 1981 [1953], S. 445]
Gerade 61 Jahre alt geworden, hat er mit Politik nichts mehr am Hut, jagt eher guten Weinen nach als schmissigen Schlagzeilen. [Die Zeit, 11.12.2000, Nr. 50]
So hallte es denn nicht selten von schmissiger Tanzmusik im Hospital. [Die Zeit, 06.02.1950, Nr. 06]
Zitationshilfe
„schmissig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schmissig>.

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