schmissig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungschmis-sig
GrundformSchmiss2
Wortbildung mit ›schmissig‹ als Erstglied: ↗Schmissigkeit
eWDG, 1976

Bedeutung

umgangssprachlich schwungvoll, flott
Beispiele:
ein schmissiger Marsch, Song, ein schmissiges Lied, ein schmissiger Text
schmissige (Marsch)musik, Melodien
ein schmissiges Plakat
[er] kompensiert seine Verlegenheit ... durch schmissige Antworten [HochhuthStellvertreterI 2]
[ich] suchte meinem (eigentlich scheuen) Wesen etwas Keckes, Schmissiges ... zu geben [St. ZweigAmok287]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schmeißen1 · schmeißen2 · Schmiß · schmissig · Geschmeiß · Schmeißfliege · Schmeiße
schmeißen1 Vb. ‘werfen, schleudern’. Das starke Verb ahd. smīʒan ‘aufstreichen, schmieren’ (um 1000; vgl. bismīʒan, 8. Jh., ūʒsmīʒan, 9. Jh.), mhd. smīʒen ‘streichen, schmieren, schlagen’, asächs. bismītan ‘beflecken’, mnd. smīten ‘schlagen, werfen, schleudern’, mnl. smīten ‘schlagen, werfen’, nl. smijten, afries. smīta, aengl. smītan ‘beschmieren, besudeln’, engl. to smite (dichterisch) ‘schlagen, treffen’, got. bismeitan ‘bestreichen’, gasmeitan ‘aufstreichen’ (germ. *smītan) läßt sich an eine Dentalerweiterung ie. *smeid- der Wurzel ie. *smē-, *smēi- ‘schmieren, darüberwischen, -streichen, darüber hinreiben’ anschließen, zu der auch die unter ↗Schmach und ↗schmeicheln (s. d.) aufgeführten Wortformen gehören. Die beiden divergierenden Grundbedeutungen ‘streichen, schmieren’ und ‘werfen, schlagen’ lassen sich am ehesten aus der Lehmbauweise erklären, indem der Lehm zuerst in die Wand bzw. das Flechtwerk geworfen und dann glattgestrichen wird. In der Studentensprache entsteht die Wendung ein Faß Bier, eine Runde schmeißen ‘spendieren’ (19. Jh., eigentlich wohl ‘das Geld dafür auf den Tisch werfen’?). Daneben steht schwach flektierendes schmeißen2 Vb. ‘besudeln, Kot abwerfen’ besonders von Vögeln (15./16. Jh., danach noch in südd. Mundarten), ahd. bismeiʒen ‘besudeln’ (um 1000), mhd. gesmeiʒen. Schmiß m. ‘Hieb, Schlag’ (17. Jh.), in der Studentensprache ‘bei der Mensur durch Säbel oder Degen entstandene Wunde, Narbe’ (19. Jh.), zu ↗schmeißen in der alten Bedeutung ‘schlagen’ (s. oben). schmissig Adj. ‘voller Narben’ (Studentensprache, 19. Jh.), ‘voller Schwung, verwegen’ (Gaunersprache, Mitte 19. Jh.). Geschmeiß n. ‘Ungeziefer, Gesindel, Pack’ (16. Jh.), mhd. gesmeiʒe ‘Unrat, Kot (von Tieren), Brut, Gezücht, Insekteneier (besonders von Fleischfliegen)’; Schmeißfliege f. ‘Fleischfliege’ (16. Jh.), vielleicht verdeutlichende Zusammensetzung zu gleichbed. (allerdings erst später bezeugtem) Schmeiße f. (17. Jh.); beide Bildungen zu ↗schmeißen ‘besudeln, Kot abwerfen’, da Insekteneier teils als Kot angesehen, teils damit verglichen werden. Vgl. Pfeifer Tiernamen 713 f.

Thesaurus

Synonymgruppe
chic · ↗elegant · ↗fesch · ↗flott · ↗kleidsam · ↗modisch · ↗schick · schmissig · ↗schmuck · ↗schnittig  ●  ↗frech  fig. · ↗cool  ugs. · ↗geil  ugs. · ↗schnatz  ugs., regional · ↗schnieke  ugs., berlinerisch · ↗stylish  fachspr., werbesprachlich · ↗todchic (Verstärkung)  ugs. · ↗todschick (Verstärkung)  ugs.
Assoziationen
  • (perfekt) gestylt · durchgestylt · herausgeputzt · ↗piekfein  ●  (schwer) in Schale  ugs. · aufgebrezelt  ugs. · aufgedonnert  ugs. · aufgetakelt  ugs. · ↗geschniegelt  ugs. · geschniegelt und gebügelt  ugs. · geschniegelt und gestriegelt  ugs. · in Kluft  ugs. · wie ein Pfingstochse  ugs. · wie ein Zirkuspferd  ugs.
  • (die) Mode sein · Konjunktur haben(d) · Szene... · ↗aktuell · dem Zeitgeist entsprechend · ↗gefragt · im Trend liegen(d)  ●  (...) ist das neue (...; ist der / die neue ...)  Jargon, floskelhaft · zum guten Ton gehören(d)  fig. · (voll) im Trend  ugs. · ↗Kult  ugs. · ↗angesagt  ugs. · ↗en vogue  geh., franz. · ↗hip  ugs. · hoch im Kurs stehen  ugs. · im Schwange (sein)  geh. · ↗in (betont, Emphase)  ugs., engl. · in Mode  ugs., Hauptform · ↗kultig  ugs. · ↗sexy  ugs., fig. · ↗trendig  ugs. · ↗trendy  ugs.
  • ausgehfertig · ↗stadtfein
Synonymgruppe
begeistert · ↗beschwingt · ↗flott · mit Feuereifer · mit Verve · mit wehenden Fahnen · ↗ungehemmt · voller Begeisterung · voller Elan  ●  mit fliegenden Fahnen  fig. · schmissig  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
rassig · schmissig · ↗schnittig
Synonymgruppe
prickelnd · schmissig · ↗schnittig · ↗spritzig · sprühend · ↗temperamentvoll
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Klang Lied Marsch Marschmusik Melodie Musical Musik Rhythmus Schlagzeile Show Song Titel frech geradezu klingen witzig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schmissig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Doch seit Bush ins Weiße Haus eingezogen ist, hat man die schmissige Melodie dort kein einziges Mal gehört.
Süddeutsche Zeitung, 12.02.2001
Das Stück ist nämlich ein rasantes, schmissiges Musical, geradezu elektrisierend intensiv getanzt, gesungen und gespielt.
Die Welt, 23.10.2004
Nicht aber vergaß der Herr, sich mit einem schmissigen Heil Hitler zu verdrücken.
Thelen, Albert Vigoleis: Die Insel des zweiten Gesichts, Düsseldorf: Claassen 1981 [1953], S. 445
Schallte aus den Lautsprechern draußen vom Thingplatz schmissige Marschmusik durch die offenen Fenster herein?
Becker, Jürgen: Aus der Geschichte der Trennungen, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1999, S. 36
Doch noch bevor die Ziffern auf 15.00 Uhr umspringen konnten, ertönte in vereinzelten Kopfhörern die scheppernd schmissige Erkennungsmelodie eines Zeichentrickfilms.
Düffel, John von: Houwelandt, Köln: DuMont Literatur und Kunst Verlag 2004, S. 73
Zitationshilfe
„schmissig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schmissig>, abgerufen am 22.11.2019.

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