schmoren

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungschmo-ren
Wortbildung mit ›schmoren‹ als Erstglied: ↗Schmorbraten · ↗Schmorfleisch · ↗Schmorobst · ↗Schmortopf · ↗schmorenlassen
 ·  mit ›schmoren‹ als Letztglied: ↗anschmoren · ↗durchschmoren  ·  mit ›schmoren‹ als Grundform: ↗zerschmoren
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
etw. schmortetw. wird nach dem Anbraten im verdeckten Topf oder Tiegel langsam in wenig Flüssigkeit gar
Beispiele:
das Fleisch, der Speck, Braten, das Gemüse schmort (im Topf)
im Topf schmort es
Ein köstliches Geschenk ist es, wenn ein Apfel auf der heißen Ofenplatte schmort (= brät) [SteinbergEinzug228]
salopp, übertragen
Beispiele:
jmd. schmort im eigenen Saft (= ist sich selbst überlassen, denkt über die eigene Lage nach)
er wird ... in Untersuchungshaft gesetzt. Dort schmort er mehr als ein Jahr (= muss er sich mehr als ein Jahr gedulden) [Weltbühne1950]
unbearbeitet liegenbleiben
Beispiel:
der Antrag schmort monatelang, seit einem Jahr (im Schreibtisch)
2.
etw. in Fett anbraten und im verdeckten Topf oder Tiegel mit wenig Flüssigkeit gar werden lassen
Beispiel:
Fleisch, Gemüse, den Braten schmoren
3.
salopp jmd. schmortjmd. schwitzt, jmdm. ist es heiß
Beispiele:
jmd. schmort in der prallen Sonne
in der Hitze, bei dieser Temperatur haben wir ganz schön geschmort
am Strand liegen und schmoren
4.
Elektrotechnik, umgangssprachlich infolge zu hohen Stromdurchflusses sich stark erhitzen
Beispiel:
die Lichtleitung, ein Kabel schmort
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schmoren · schmurgeln · Schmorbraten
schmoren Vb. ‘kurz anbraten und im geschlossenen Topf garen (lassen)’, ein nd. Wort, seit dem 17. Jh. (schmoren, schmuren) in der Literatursprache. Die r-Bildung mnd. smōren (intransitiv) ‘ersticken’, (transitiv) ‘langsam kochen oder braten, mit heißem Wasser austreiben, ersticken’, mnl. smōren, nl. smoren ‘ersticken’, aengl. smorian ‘verschmoren, ersticken’, engl. (mundartlich) to smore ‘ersticken, den Atem benehmen, (er)würgen’ und mit l-Formans nd. smȫlen, mnl. smölen, nl. smeulen ‘glimmen, schwelen’, engl. smoulder ‘Rauch’ sind vergleichbar mit mir. smāl, smōl, smūal ‘Feuer, Glut, Asche’, russ. (älter) smálit’ (смалить) ‘absengen, Stinkendes, Übelriechendes verbrennen’, poln. smalić ‘versengen’ und (ablautend) russ. smolá (смола) ‘Harz, Pech, Teer’. Auszugehen ist von einer Wurzel ie. *smel- ‘langsam und rauchend verbrennen, schwelen’, zu der sich als k-Erweiterung auch lit. smil̃kti ‘glimmen, schwelen (von Feuer), qualmen, Rauch von sich geben’, smilkýti ‘räuchern’ stellen läßt. S. auch ↗Schmerz. schmurgeln Vb. ‘brutzeln’, lautmalende Weiterbildung mit iterativem l-Suffix (19. Jh.) von schmuren (s. oben). Schmorbraten m. (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
glimmen · schmoren · ↗schwelen
Synonymgruppe
dämpfen · ↗dünsten · ↗garen · ↗kochen · schmoren
Unterbegriffe
Synonymgruppe
ausglühen · ↗brennen · ↗glimmen · ↗glühen · ↗rösten · schmoren  ●  ↗kokeln  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Backofen Braten Ersatzbank Fegefeuer Gulasch Hölle Kerker Kessel Knast Ofen Pfanne Roulade Saft Schublade Schubladen Strafbank Topf Tribüne U-Haft Zwiebel anschmoren braten brutzeln durchschmoren dünsten grillen mitschmoren rösten schmoren weiterschmoren

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schmoren‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wer zöge es nicht vor, schnell verbrannt zu werden, als ewig schmoren zu müssen?
Die Zeit, 07.10.2004, Nr. 42
Statt dessen habe sie "im eigenen Saft geschmort", klagten Teilnehmer.
Der Tagesspiegel, 29.04.1998
Dem Aal kann es gleichgültig sein, ob er gebraten oder geschmort werden soll.
Bebel, August: Aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1910], S. 4347
Und zuletzt haben wir sie dann eineinhalb Stunden in der Bratpfanne schmoren lassen.
Brief von Ernst G. an Irene G. vom 25.09.1941, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Die Bratzeit beträgt etwa 1 Stunde, ältere Tiere sollten geschmort werden.
o. A.: Wir kochen gut, Leipzig: Verl. für d. Frau 1968 [1963], S. 107
Zitationshilfe
„schmoren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schmoren>, abgerufen am 17.10.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Schmorbraten
Schmonzette
Schmonzes
Schmollwinkel
Schmollmündchen
schmoren lassen
schmorenlassen
Schmorfleisch
schmorgen
Schmorgurken