schnöde

GrammatikAdjektiv
Worttrennungschnö-de (computergeneriert)
Wortbildung mit ›schnöde‹ als Erstglied: ↗Schnödheit · ↗Schnödigkeit
eWDG, 1976

Bedeutung

gehoben, abwertend
1.
verachtenswert, nichtswürdig, unehrenhaft
Beispiele:
schnöde Habsucht, schnödes Misstrauen, schnöder Undank, Verrat, Wortbruch
er hat seinen schnöden Lebenswandel aufgegeben
sie hatte ihn schnöde hintergangen, beleidigt
schnöde gegen jmdn. handeln
sich schnöde betragen
bei einer Aufgabe schnöde versagen
ein schnöder (= kümmerlicher) Trost
Der Admiral Coligny hatte kämpfen müssen um eine schnöde Welt [H. MannJugend Henri Quatre6,266]
minderwertig, nichtig
Beispiele:
um schnöden Geldes, Gewinnes, Mammons willen etw. tun
nur des schnöden Beifalls wegen hatte er seine Ehre aufs Spiel gesetzt
2.
mit, voll Verachtung
Beispiele:
etw. in schnödem Ton äußern, sagen
sich schnöde äußern
jmdn. schnöde behandeln
jmdm. schnöde den Rücken kehren
Ich warf einen schnöden Blick auf das Buch [WerfelAbituriententag183]
kalt abweisend, rücksichtslos, gefühllos
Beispiele:
ihr schnödes, herzloses Geschwätz
eine schnöde und kränkende Antwort
jmdn. schnöde abweisen, abfertigen
jmdn. schnöde im Stich lassen, aufsitzen lassen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schnöde Adj. ‘verächtlich, geringschätzig, gemein’, mhd. snœde ‘Verachtung ausdrückend, vermessen, übermütig, rücksichtslos’, mit passivischer Bedeutung ‘verächtlich, ärmlich, erbärmlich, schlecht, gering’, mnd. snȫde ‘wertlos, klein, gering, armselig, schlecht, kümmerlich, ungesund, gemein, ehrenrührig’, mnl. snōde, nl. snood ‘verrucht, boshaft, niederträchtig’, anord. snauðr ‘arm, kahl’, schwed. snöd ‘schnöde’, ablautend aengl. besnyþian ‘berauben’ sowie anord. snoðinn ‘kahlgeschoren’, frühnhd. (alem.) beschnotten ‘knapp, kaum hinreichend’ (15. Jh.) und anord. snøggr ‘kurzhaarig’. Geht man von einer Bedeutung ‘beißend, greifend, schnappend’ mit Weiterentwicklung zu ‘kahl, geschoren’ aus, so ist Anschluß der genannten Formen an die verbreitete lautmalende, mit germ. sn- anlautende Wortgruppe (s. ↗Schnabel) möglich. Allerdings kann auch aind. kṣṇáuti ‘schleift, wetzt, schärft’, kṣuráḥ ‘Rasiermesser’ und lat. novācula (als Ableitung von *novāre aus *ksneu̯ā-) ‘Scher-, Rasiermesser’ vergleichend herangezogen werden, so daß sich über ie. *ksneu- Anschluß an die Wurzel ie. *kes- ‘kratzen, kämmen’ (wozu aslaw. česati ‘kämmen, abstreifen’) bzw. deren Erweiterung ie. *ksen-, *kseu- ergibt. Während in älterer Sprache die ursprüngliche passivische Bedeutung vorherrscht, heute nur noch in Wendungen wie schnöder (‘erbärmlicher’) Lohn, Undank, schnödes Gold, setzt sich in nhd. Zeit die mhd. noch zurückstehende aktivische Bedeutung ‘Geringschätzung, Verachtung ausdrückend’ durch, vgl. eine schnöde (‘gemeine’) Antwort, jmdn. schnöde (‘geringschätzig’) behandeln.

Thesaurus

Synonymgruppe
blass · ↗dröge · ↗eintönig · ↗fade · ↗farblos · ↗geisttötend · ↗grau · grau in grau · kontrastarm · ↗langatmig · ↗langweilig · ↗monoton · ↗reizlos · ↗schal · schnöde · ↗spannungsarm · ↗stupid · ↗stupide · ↗trist · ↗trostlos · wenig aufregend · öd · öde  ●  ↗fad  ugs. · ↗trocken  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
erbärmlich · ↗niederträchtig · ↗schandbar · schnöde · ↗schändlich · ↗verachtenswert · ↗verächtlich  ●  eine Schande  ugs.
Assoziationen
Militär
Synonymgruppe
08/15 · Allerwelts... · Alltags... · ↗Durchschnitt · ↗Mittelmaß · Null Acht Fünfzehn · ↗Standard · ↗allgemein · ↗alltäglich · ↗banal · ↗billig · ↗durchschnittlich · ↗einfach · ↗gemein · ↗gewöhnlich · gibt's im Überfluss · ↗mittelmäßig · nichts Besonderes · ↗normal · ↗nullachtfünfzehn · ↗ordinär · ↗profan · ↗schlicht · schnöde · ↗seriell · überall vorhanden  ●  ↗Dutzendware  abwertend, fig. · ↗Hausmannskost  fig. · ↗handelsüblich  fig. · von der Stange  fig. · Plain Vanilla  fachspr., Jargon · ↗mittelprächtig  ugs. · ↗stinknormal  ugs.
Assoziationen
  • Billig... · ↗anspruchslos · auf Wühltischniveau · einfachster Machart · für den Massengeschmack · ↗niveaulos · ohne Anspruch · ohne Niveau · ohne geistigen Nährwert  ●  ↗Massenware  fig.
  • banal · ↗oberflächlich · ↗trivial
  • (ganz) anständig · ↗annehmbar · ausreichend · ↗brauchbar · guter Durchschnitt · ↗hinreichend · reicht (aus)  ●  (da) gibt's nichts zu meckern  ugs. · (da) kann man nicht meckern  ugs. · (da) kann man nichts sagen  ugs. · ↗(ganz) akzeptabel  ugs. · (ist) auch schön!  ugs., ironisierend · ganz ordentlich  ugs. · gut und schön (aber)  ugs. · kann angehen  ugs. · kann sich sehen lassen  ugs. · keine Offenbarung (aber ...)  ugs. · könnte schlimmer sein  ugs., ironisch · leidlich gelungen  geh. · nicht schlecht  ugs. · nicht übel  ugs. · passt schon  ugs., süddt. · schon in Ordnung  ugs. · schon okay  ugs. · schön und gut (aber)  ugs.
  • Trampelpfade (des Althergebrachten, bereits Bekannten o.ä.)  fig. · eingefahrene Bahnen  fig. · eingefahrene Gleise  fig.
  • (ganz) nett (soweit) · ↗gefällig (Film, Inszenierung) · ↗glatt · ↗mittelmäßig · ohne Ecken und Kanten · ohne weitergehenden Anspruch  ●  soweit okay  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Mammon Undank Verrat

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schnöde‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Schließlich ist es immer schöner, neben den schnöden persönlichen Interessen auch hehre Ziele zu verfolgen.
Der Tagesspiegel, 12.05.2001
Wenn sie über den Kern ihrer Wissenschaft reden, dann geht es nicht um schnödes Programmieren.
Die Zeit, 02.01.1998, Nr. 2
Doch sein Blick ruht nicht auf dem schnöden Geld, er ruht in sich.
Busch, Werner: Das sentimentalische Bild, München: Beck 1993, S. 315
Er schien durchaus bereit, mein schnödes Verhalten im Prater zu verzeihen.
Hartung, Hugo: Ich denke oft an Piroschka, Frankfurt a. M.: Büchergilde Gutenberg 1980 [1954], S. 15
Sie allein ersetzt durch milde sanfte edle Geste das schnöde Wort!
Altenberg, Peter: Mein Lebensabend, Mein Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1919], S. 6251
Zitationshilfe
„schnöde“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schnöde>, abgerufen am 19.09.2019.

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