schnappen

Grammatik Verb · schnappt, schnappte, hat/ist geschnappt
Aussprache 
Worttrennung schnap-pen
Wortbildung  mit ›schnappen‹ als Erstglied: ↗Schnappatmung · ↗Schnapper · ↗Schnapphahn · ↗Schnappmesser · ↗Schnapprollo · ↗Schnapprouleau · ↗Schnappsack · ↗Schnappschloss · ↗Schnappschuss · ↗Schnappverschluss
 ·  mit ›schnappen‹ als Letztglied: ↗abschnappen · ↗aufschnappen · ↗ausschnappen · ↗einschnappen · ↗erschnappen · ↗wegschnappen · ↗zurückschnappen · ↗zusammenschnappen · ↗zuschnappen · ↗überschnappen
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
etw., jmdn. rasch mit dem Maul, Schnabel zu greifen suchen, um es, ihn festzuhalten
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
a)
nach etw., jmdm. schnappen
Beispiele:
der Hund schnappte nach der Wurst, einer Fliege, den Beinen des Kindes
der Fisch schnappte nach dem Köder
die Gans schnappte nach dem Bissen
der Hund schnappt um sich
das Tier schnappte den Brocken
b)
umgangssprachlich nach Luft schnappen (= rasch und mühsam atmen)
Beispiele:
der Kranke schnappte mit Mühe nach Luft
er schnappt nach Luft, wenn er den Koffer hebt
(frische) Luft schnappen (= (frische) Luft atmen)
Beispiele:
er geht ans Fenster, um (frische) Luft zu schnappen
wir wollen noch etwas frische Luft schnappen (= noch etwas an die frische Luft gehen)
2.
salopp etw., jmdn. mit schnellem Zugriff festhalten
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
a)
sich [Dativ] etw. schnappen
Beispiele:
sich ein Huhn schnappen
ich schnappte mir den Korb, Eimer
er schnappte sich seine Mappe und ging
übertragen
Beispiele:
nach einer Erbschaft schnappen (= eine Erbschaft zu erlangen suchen)
nach Neuigkeiten schnappen (= begierig sein, etw. zu erfahren)
b)
jmdn., der sich eines Vergehens schuldig gemacht hat, festnehmen
Beispiele:
man hat den Dieb geschnappt
die Polizei schnappte den Schmuggler an der Grenze
3.
etw. schnappt irgendwohin (= etw. vollführt eine mit einem Geräusch verbundene, kurze, schnelle Bewegung)
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’/‘hat’
Beispiele:
als ich auf die Harke trat, schnappte mir der Stiel ins Gesicht
die Tür schnappt ins Schloss (= schließt sich)
etw. schnappt
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiel:
man hörte das Schnappen (= Auf- und Zuklappen) der Gartenschere
4.
landschaftlich, salopp es hat geschnappt (= es ist zu Ende)
a)
Beispiel:
Des Jungen Herz war wahrhaftig ein Bienenhaus, und die Mädchen flogen darin ein und aus. Nun aber schien es geschnappt zu haben [BredelVäter167]
b)
es hat geschnappt (= jmds. Geduld ist zu Ende)
Beispiel:
wenn du so weiterbummelst, dann hat's geschnappt
c)
derb es hat bei ihr geschnappt (= sie ist schwanger)
Beispiel:
Übrigens hat's bei meiner geschnappt [FalladaBlechnapf209]
5.
umgangssprachlich vor Erregung stimmlos etw. sagen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
»was ist los?« schnappte er
»Oh«, schnappte der Engländer und gewann etwas Atem [MoloEin Deutscher341]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schnappen · überschnappen · übergeschnappt · schnapp · Schnapphahn · Schnappschuß
schnappen Vb. ‘(mit Mund, Maul, Schnauze, Schnabel bzw. vergleichbaren Geräten geräuschvoll) ergreifen und festhalten, zupacken, eine schnell zufassende Bewegung machen, schnell zuklappen’, mhd. snappen intransitiv ‘schnappen, wanken, plaudern, schwatzen’, transitiv ‘jmdn., etw. packen, angreifen, schnappend essen bzw. fressen’, mnd. snappen ‘nach Atem schnappen, plappern, schwatzen’, mnl. snappen ‘schwatzen’, nl. snappen ‘erhaschen, verstehen, schwatzen’ stehen mit expressiver Konsonantendopplung neben mhd. snaben, auch (md.) sneben ‘schnelle und klappernde Bewegungen machen, schnauben, hüpfen, stolpern, wanken’, transitiv ‘stoßen’, nl. (mundartlich) snāpen ‘schnappen’, fläm. snaperen ‘naschen’, anord. snapa ‘schnappen’, isl. snapa, auch ‘schmarotzen’. Sämtlich lautmalende Bildungen (s. auch einen anderen Vokal aufweisendes ↗schnippen) mit anlautendem germ. sn- (s. ↗Schnabel). überschnappen Vb. ‘fehlerhaft einrasten, überdrehen’ (17. Jh.), von der Stimme ‘sich überschlagen’ (18. Jh.), vom Verstand ‘ein bißchen verrückt werden’ (Anfang 19. Jh.). übergeschnappt Part.adj. ‘wirr im Kopf’ (19. Jh.). schnapp Interjektion ein schnappendes Geräusch nachahmend; dazu mit Sekundärablaut schnippschnapp (15. Jh.), mhd. snippensnap. Schnapphahn m. ‘berittener Wegelagerer’ (15. Jh.), dann ‘Dieb, Wegelagerer’ überhaupt (16. Jh.), zu schnappen ‘schnell zufassen’ und Hahn ‘kecker Kerl’. Vgl. mhd. snap m. ‘das Schnappen, Straßenraub, Geschwätz’. Schnappschuß m. schnell zupackender Schuß (Jägersprache), abgefeuert ohne genaues Anvisieren auf ein sich rasch bewegendes Nahziel (19. Jh.); ‘Momentaufnahme’ mit dem Fotoapparat (1. Hälfte 20. Jh.), nach engl. snapshot (vgl. aus dem Mnd. oder Mnl. entlehntes engl. to snap ‘schnappen’).

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandes) habhaft werden · auffliegen lassen · ↗aufgreifen · ↗ausheben · ↗ergreifen · ↗ertappen · ↗erwischen · ↗fangen · ↗fassen · ↗festnehmen · ↗greifen · hochgehen lassen · ↗stellen · ↗verhaften · zu fassen kriegen  ●  (jemandem) das Handwerk legen  fig. · ↗(wieder) einkassieren  ugs., salopp, fig. · am Schlafittchen packen  ugs. · arripieren  geh., veraltet · ↗aufbringen (Schiff)  fachspr., Jargon · ↗hochnehmen  ugs. · ↗hoppnehmen  ugs. · ↗hopsnehmen  ugs. · ↗kaschen  ugs. · ↗kassieren  ugs. · ↗kriegen  ugs. · ↗packen  ugs. · schnappen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemanden) erwischen · ↗(jemanden) fangen · (jemanden) schnappen · ↗(jemanden) stellen · (jemanden) zu fassen bekommen  ●  ↗(jemanden) haschen  altertümelnd, literarisch
Assoziationen
  • dingfest machen · ↗gefangen nehmen · in Gewahrsam nehmen · in Haft nehmen · ↗inhaftieren · ↗verhaften · vorläufig festnehmen  ●  aus dem Verkehr ziehen  fig. · ↗festnehmen  Hauptform · (die) Handschellen klicken lassen  ugs., auch figurativ · ↗arretieren  geh., veraltet · ↗einkassieren  ugs.
  • (jemanden) ertappen (bei) · (jemanden) ertappen, als er gerade dabei ist, zu (...) · (jemanden) erwischen, wie er gerade (...) · auf frischer Tat ertappen · in flagranti erwischen
  • (jemandem) nachsetzen · ↗(jemanden) jagen · ↗(jemanden) treiben · ↗(jemanden) verfolgen · (jemanden) vor sich her treiben · weiter verfolgen  ●  hinter jemandem her sein  ugs.
  • (jemandem) beikommen · ↗(jemanden) belangen · (jemanden) zu fassen bekommen  ●  (jemanden) am Arsch kriegen  derb · (jemanden) an den Hammelbeinen kriegen  ugs., fig. · (jemanden) an den Wickel bekommen  ugs. · (jemanden) an den Wickel kriegen  ugs., salopp · ↗(jemanden) drankriegen  ugs. · (jemanden) zu fassen kriegen  ugs.
Synonymgruppe
(einfach) mitnehmen · ↗(sich) (ungerechtfertigterweise) aneignen · ↗(sich) einverleiben · (sich) vergreifen an · (ungerechtfertigterweise) in seinen Besitz bringen · an sich bringen · an sich nehmen · ↗einheimsen · ↗erbeuten · ↗erjagen · zugespielt bekommen  ●  ↗(sich) zueignen  juristisch · ↗kapern  fig. · (einen) Fitsch machen  ugs., rheinisch · (sich an etwas) gesund stoßen  ugs. · ↗(sich) (einfach) nehmen  ugs. · (sich) an Land ziehen  ugs. · ↗(sich) grabschen  ugs. · ↗(sich) greifen  ugs. · ↗(sich) gönnen  ugs. · ↗(sich) krallen  ugs. · (sich) reinpfeifen  ugs. · ↗(sich) reinziehen  ugs. · (sich) schnappen  ugs. · (sich) unter den Nagel reißen  ugs. · ↗abgreifen  ugs. · ↗absahnen  ugs. · ↗abstauben (u.a. Sport)  ugs. · ↗einsacken  ugs. · ↗einstreichen  ugs. · ↗ergattern  ugs. · ↗erwischen  ugs. · mitgehen lassen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
angeln (nach) · ↗fischen (nach) · ↗grabschen (nach) · ↗haschen (nach) · schnappen (nach) · zu erhaschen versuchen · zu erwischen versuchen · zu fangen versuchen  ●  ↗greifen (nach)  Hauptform
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) greifen · (sich) schnappen · ↗ergreifen · ↗fassen · ↗festhalten · in die Hand nehmen · nicht aus der Hand geben · nicht loslassen · ↗packen  ●  ↗nehmen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemanden) strafrechtlich verfolgen · (jemanden) zur Verantwortung ziehen  ●  (jemanden) beim Arsch kriegen  derb · (jemanden) beim Wickel packen  ugs., variabel · ↗(jemanden) drankriegen  ugs. · (sich) (jemanden) schnappen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
auffangen · ↗fangen · schnappen

Typische Verbindungen zu ›schnappen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schnappen‹.

Verwendungsbeispiele für ›schnappen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich habe meine achtjährige Tochter geschnappt, und dann sind wir nichts wie raus.
Der Tagesspiegel, 25.01.2005
Jetzt gelang es den Beamten endlich, den Killer zu schnappen.
Bild, 27.07.2001
Wenn es hell war, schnappte er nach den Sternen, hätte er sie gefaßt, er haßte den Hunger.
Schuh, Franz: Schreibkräfte, Köln: DuMont 2000, S. 234
Schließlich schnappte sie wieder ruckartig auf ihre normale Größe zusammen.
Moers, Walter: Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 1032
Wenn das so weitergeht, holt man mich bald wieder zurück und schnappt mich am Kragen.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 04.07.1943, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Zitationshilfe
„schnappen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schnappen>, abgerufen am 02.07.2020.

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