Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

schnippen

Grammatik Verb · schnippt, schnippte, hat geschnippt
Aussprache [ˈʃnɪpn̩]
Worttrennung schnip-pen
Wortbildung  mit ›schnippen‹ als Letztglied: beiseiteschnippen · hinausschnippen · hineinschnippen · wegschnippen
 ·  formal verwandt mit: schnippsen · schnipsen
Herkunft lautmalerisch
ZDL-Vollartikel

Bedeutungen

1.
Mit
                    den Fingern schnippen
Mit den Fingern schnippen
(sbilles, CC0)
jmd. schnippt (etw.) (mit den Fingern)die Kuppe des Mittelfingers (seltener des Ringfingers) fest gegen die Kuppe des Daumens drücken und plötzlich abrutschen lassen, sodass ein deutlich hörbares Geräusch entsteht
Kollokationen:
hat Präpositionalgruppe/-objekt: im Takt schnippen
Beispiele:
»Ich stelle mir manchmal vor, dass jemand so macht«, sie schnippt mit den Fingern, »und dann ist der böse Traum vorbei.« [Süddeutsche Zeitung, 06.03.2020]
Pfarrer Wright schnippt die Finger zur Musik, wippt sich in Stimmung, dann beginnt er die Predigt, und er liest seiner Gemeinde die Leviten. [Der Spiegel, 11.02.2008]
Nein, hier war nicht Kapstadt, wo man nur mit dem Finger zu schnippen brauchte, und schon war ein Taxi zur Stelle oder ein Träger. [Neues Deutschland, 07.12.1957]
Wie soll man denn schreiben, wenn ständig diese wunderschönen Lieder laufen, einen verführen, sonst etwas zu tun, nichts zum Beispiel oder den Kopf zu wiegen und mit den Fingern zu schnippen? [Die Welt, 16.07.2018]
Laut dröhnt die Musik aus dem Radio, der Fahrer schnippt den Takt, die Fahrgäste swingen mit. [Süddeutsche Zeitung, 06.10.1999]
»Fräulein, bitte mich!« Zwanzig Kinderarme fliegen in die Luft, schnippen mit Daumen und Zeigefinger. Die Schüler der Klasse 3a der 5. Volksschule in Baumschulenweg wollen unbedingt ihren Muttis zeigen, daß sie das schwere Wort »Kolonialwarengeschäft« ohne zu stocken lesen können. [Neues Deutschland, 30.09.1949]
2.
Schnippen
                    mit
                    Daumen und Mittelfinger
Schnippen mit Daumen und Mittelfinger
jmd. schnippt (etw.) irgendwohinaus dem Daumen und einem anderen Finger ein O formen und die Spitze des anderen Fingers plötzlich abrutschen lassen, so dass dieser Finger mit dem Fingernagel gegen etw. stößt oder ein kleines Objekt fortschleudert
Kollokationen:
mit Akkusativobjekt: eine Kippe, eine Zigarette [auf die Straße, aus dem Fenster] schnippen
Beispiele:
Ob das Stäuben als das wichtigste Merkmal für den Beginn der Blüte schon eingetreten ist, lässt sich gut feststellen, wenn man mit dem Finger an die männlichen Kätzchen schnippt oder an den Zweigen rüttelt. [Die Welt, 19.05.2018]
Angelika nahm einen letzten Zug aus ihrer Zigarette und schnippte sie in eine Pfütze, in der bereits die aufgeweichten Filter dreier weiterer schwammen. [Hohlbein, Wolfgang: Das Druidentor. Stuttgart: Weitbrecht 1993, S. 5]
Enrico schnippte mit dem Fingernagel gegen den Glaspokal zwischen ihnen. [Schulze, Ingo: Simple Storys. Berlin: Berlin-Verl. 1998, S. 15]
Er schnippte Zigaretten aus einem zerknautschten Päckchen, die billigste und greulichste Sorte Zigaretten, die sie je geraucht hatte. [Reimann, Brigitte: Franziska Linkerhand. Berlin: Neues Leben 1974, S. 6]
»Du kommst also aus Sizilien«, stellte der Lupus fest und schnippte mit dem Fingernagel ein winziges Stäubchen von seinem blauen Tuchmantel. [Bayer, Ingeborg: Der Teufelskreis. Würzburg: Arena 1995 [1968], S. 5]
3.
jmd. schnippt etw. irgendwohinmit dem Zeigefinger kurz auf eine brennende Zigarette tippen, um Asche zu entfernen
Synonym zu schnipsen (c)
Kollokationen:
mit Akkusativobjekt: die Asche [in den Aschenbecher, von der Zigarette] schnippen
Beispiele:
Dietmar lehnte sich zurück, schlug die Beine übereinander und schnippte etwas Zigarettenasche in den Aschenbecher. [Überarbeitung 4, 23.09.2013, aufgerufen am 31.08.2020]
Sie schnippte die Asche von ihrer Zigarre, drehte sich und ging weiter zum nächsten Raum. [Die Welt, 20.07.2019]
Die Kultur‑Managerin zündet sich die erste von vielen Zigaretten an, schnippt die Asche lässig auf einen Unterteller. [Süddeutsche Zeitung, 25.03.2017]
Der Mieter hatte Asche einer Zigarette »leicht fahrlässig« in den Abfalleimer auf dem Balkon geschnippt. [Bild, 27.06.2014]
»Als ich neun Jahre alt war, kam die Revolution«, sagt Miguel plötzlich und schnippt nervös Asche in eine Tasse. [Die Welt, 21.04.2010]
4.
jmd. schnippt (mit) etw.etw. durch Ziehen oder Drücken in Spannung versetzen und dann loslassen (sodass etw. durch die Luft fliegt)
Beispiele:
Ganz schmerzlos ist es [das Entfernen eines Tattoos] auch nicht: »Es fühlt sich ungefähr so an, als würde man mit einem Gummiband gegen die Haut schnippen«, sagt D[…]. [Mittelbayerische, 24.10.2017]
Wer am weitesten ein Gummiband schnippen oder am schnellsten einen mit Wasser gefüllten Ballon balancieren konnte, hatte gute Chancen auf den Sieg. [Thüringer Allgemeine, 14.06.2011]
Viele Blätter sind nicht mehr an den Bäumen und Sträuchern. Die letzten, die dort noch hängen, werden mitunter von meinen gefiederten Futterplatzbesuchern bei ihrem Abflug von Ästen und Zweigen der Sträucher oder Bäume geschnippt. [Orchestrale Blätterfallsucht, 28.11.2013, aufgerufen am 31.08.2020]
Ein einfaches Gummiband am Handgelenk ist außerdem ein gutes Stoppschild für negative Gedanken: einfach schnippen und schon ist unsere Vorstellungskraft von beängstigenden Mentalbildern abgelenkt. [Reisenews Online, 17.11.2010, aufgerufen am 01.09.2020]
5.
jmd. schnippt mit etw.eine Schere (geräuschvoll) öffnen und schließen, mit ihr schneiden
Synonym zu schnipsen (e)
Beispiele:
»So, und jetzt schneiden wir dir die Haare!«, sagte Fred und schnippte mit der Schere in die Luft. [Eva Markert: Freds jüngste Kundin, 19.01.2011, aufgerufen am 01.09.2020]
»Wieviel soll denn ungefähr ab?«, fragt sie und schnippt erwartungsfroh mit ihrer Schere. [Neue Westfälische, 18.08.2010]
Die Saarbrücker Zeitung hat Wirte gefragt, wie die Namen ihrer Gaststätten zu Stande kamen. Heute: Die Quierschieder Kneipe Klick‑Klack. Namensgeber für die Gaststätte war ein Friseur, der die Angewohnheit hatte, ständig mit seiner Schere zu schnippen. [Saarbrücker Zeitung, 14.06.2007]
Aber dann zückt mein Lehrmeister, den Fisch an der Schnur aus dem Wasser haltend, eine kleine Schere, schnippt damit ins Maul des Karpfens, der nun, vom Haken befreit, wieder ins tiefe Wasser zurückjagt. [Die Zeit, 11.10.1985]
Eine Frau schnippte zornig mit einer Schere und schrie: »Ich will Verräterfleisch essen!« [Der Spiegel, 05.09.1951]
6.
etw. schnipptvon Scheren   sich (geräuschvoll) öffnen und schließen, (geräuschvoll) schneiden
Synonym zu schnipsen (f)
Beispiele:
Manchmal wird leise geredet oder gelacht, ansonsten hört man nur ab und zu eine Nähmaschine rattern oder eine Schere schnippen. [Welt am Sonntag, 18.11.2007]
Pandemie [Überschrift] Kein Föhn faucht, keine Schere schnippt: Max G[…] und Susanne S[…] erzählen, was Lockdown [für Friseure] bedeutet. [Mittelbayerische, 26.01.2021]
»Klick‑Klack« schnippt die Schere[.] [Saarbrücker Zeitung, 14.06.2007]
Beim Friseur spielt das Radio. […] Um meine Ohren (Kopf geduldig schräg nach vorn gebeugt) schnippt die Schere. Der Friseur summt mit. [die tageszeitung, 10.10.1992]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schnip(p) · schnip(p)s · Schnip(p) · Schnip(p)s · schnippschnapp · schnippen · schnippern · schnip(p)sen · schnippeln · Schnippchen · Schnippel · Schnipsel
schnip(p), schnip(p)s Interjektion Schallwort für ein kurzes, knipsendes Geräusch mit den Fingern, beim Schneiden mit der Schere (16. Jh.), substantiviert Schnip(p), Schnip(p)s m. ‘schnelle, knispsende Bewegung, schnappender Schnitt mit der Schere, abgeschnittenes Stück, Kleinigkeit, Unbedeutendes’ (16. Jh.), auch ‘kurzer Augenblick’ (in eim Schnips ‘im Nu’, 16. Jh.). Mit lautmalendem Vokalwechsel (Sekundärablaut) schnippschnapp Interjektion Schallnachahmung des wiederholten Schneidens oder Klapperns (15. Jh.), substantiviert mhd. snippensnap m. ‘Schwätzer’, auch scherzhaft für ‘Schneider’ (17. Jh.), und Schnippschnapp(schnurr) n. ein Kartenspiel (18. Jh.). schnippen Vb. (mit sich aneinander reibenden Fingern) ‘eine schnelle, einen hellen, knipsenden Ton hervorrufende Bewegung machen’ (16. Jh.), ‘mit der Schere zuschnappen’ (18. Jh.), md. nd. snippen (auch ‘schwatzen, plaudern, zischeln’, 16. Jh.), nl. snippen, engl. to snip ‘schneiden’, nhd. (obd.) schnipfen ‘in kleine Stücke schneiden, mit einer schnellen Bewegung etw. wegschnappen’. Daneben gleichbedeutend, doch intensivierend schnippern Vb. (17. Jh.), schnip(p)sen Vb. und schnippeln Vb. (beide 18. Jh.). Schnippchen n. ‘schnellende, knipsende Bewegung und das dabei entstehende Geräusch’ (Schnipgin, Anfang 17. Jh.), meist in der Wendung ein Schnippchen schlagen ‘sich lustig machen, einen Streich spielen’ (17. Jh.), Deminutivum zu Schnip(p) m. (s. oben). Schnippel m. n. ‘kleines abgeschnittenes oder abgerissenes Stück’ (um 1800), nd. Snippel; intensivierend. Schnipsel m. n. (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
schnellen · schnippen · schnipsen  ●  schnalzen  ugs., österr., bayr. · schnicken  ugs.

Typische Verbindungen zu ›schnippen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schnippen‹.

Zitationshilfe
„schnippen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schnippen>.

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