schocken

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungscho-cken
HerkunftNiederländisch → Französisch
Wortbildung mit ›schocken‹ als Erstglied: ↗Schocker
eWDG, 1976

Bedeutungen

Medizin Nervenkranke, Geisteskranke mit einem künstlich erzeugten Schock behandeln
Beispiel:
der Patient wurde elektrisch, durch Insulingaben geschockt
übertragen jmdn. sehr erschrecken, jmdm. einen Schlag versetzen
Beispiele:
diese Nachricht hat ihn geschockt
lass dich nicht schocken, wenn man dich danach fragt
die Hörer waren geschockt (= schockiert), mit welcher Offenheit die Sendung diese Probleme behandelte
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schock1 · schockieren · schocken1 · Schocker
Schock1 m. ‘großer Schreck, plötzliche Erschütterung’. Um 1700 wird frz. choc in der Bedeutung ‘militärischer Zusammenstoß, Schlag, Attacke’ ins Dt. entlehnt; bis ins 19. Jh. hält sich frz. oder französierende Schreibung Choc, Choque, Chok. Im 19. Jh. wird (ebenfalls aus frz. choc stammendes) engl. shock ‘heftiger Stoß, Schlag, (nervliche) Erschütterung’ als medizinisches Fachwort für eine durch plötzlichen Schlag, Stoß oder Schreck hervorgerufene physische oder psychische Erschütterung des Organismus (auch als Heilbehandlung für Krankheiten) im Dt. üblich (eingedeutscht Schock) und geht im 20. Jh. auch in die oben genannte Bedeutung ‘großer Schreck, plötzliche Erschütterung’ über. Mfrz. frz. choc ist eine Ableitung von apikard. choquier ‘stoßen, anprallen, militärisch zusammenstoßen’, frz. choquer ‘anstoßen, (militärisch) zusammenstoßen, einen Stoß versetzen, (moralisch) anstoßen’, das als schockieren Vb. zuerst (17. Jh.) in der genannten militärischen Bedeutung, dann ‘mit den Gläsern anstoßen’ (bis ins 18. Jh.), besonders aber im Sinne von ‘Anstoß erregen hinsichtlich bestehender Vorstellungen von Anstand und gutem Ton, verletzen, beleidigen’ ins Dt. gelangt. Apikard. choquier, chuquier ist aus dem Germ. (am Niederrhein?) entlehnt, vgl. mhd. schocken, schucken, mnd. schocken ‘stoßen, schütteln, in schaukelnder Bewegung sein’ und die zugehörige, unter ↗Schaukel (s. d.) angeführte Wortgruppe. schocken1 Vb. ‘Geisteskranke oder auch psychisch Erkrankte durch Elektroschock zu heilen versuchen’ (um 1950), ‘in Furcht versetzen, verletzen, durch ein von der Norm abweichendes Verhalten provozieren, abstoßen’ (60er Jahre 20. Jh.); vgl. gleichbed. engl. to shock. Schocker m. etw., das schockt, ein medizinisches Gerät (Elektroschocker), ein Gruselstück (Roman, Film, 20. Jh.), entsprechend engl. shocker.

Schock2 · schocken2 · schockweise · Schockschwerenot
Schock2 n. Die Bezeichnungen für einen Garbenhaufen bzw. für eine Menge von 60 Stück mhd. schoc m. ‘Haufen, Büschel, Schopf’, als Neutrum (md.) ‘Anzahl von 60 Stück’ (13. Jh.), (obd.) schoche m. ‘aufgeschichteter Heuhaufen, Heuschober’, asächs. skokk m. ‘60 Stück’, mnd. schok ‘Garbenstand des Getreides, Hocke, 60 Stück’, nl. schok ‘60 oder 20 Stück’, aengl. *sc(e)oc, (daraus, wenn nicht aus dem Mnd. entlehnt) mengl. engl. shock ‘Hocke, aufgerichteter Garbenhaufen’ stellen sich als Formen mit s-Anlaut zu lit. káugė ‘Heuhaufen’, lett. kaudze ‘Haufen, Schober’ und sind mit den unter ↗Hocke (s. d.) genannten Wortformen auf ie. *keug-, *kūg- zurückzuführen, eine Gutturalerweiterung der Wurzel ie. *keu-, *keu̯ə- ‘biegen, Wölbung, Höhlung’ (dazu s. auch ↗hoch, ↗Hügel, ↗Hobel, ↗Haufen, ↗hüpfen, ↗Haube). Als älteste Bedeutung ist ‘(Garben)haufen’ anzunehmen; aus dem Brauch, immer 60 Garben zusammenzusetzen, entwickelt sich die Mengenbezeichnung ‘60 Stück’. Zur Bedeutungsentwicklung s. auch ↗Mandel. Das Zahlenmaß ist jedoch unterschiedlich, vgl. das alte Schock ‘20 Stück’, das neue oder schwere Schock ‘60 Stück’, das leichte Schock ‘40 Stück’ (18. Jh.). schocken2 Vb. ‘anhäufen, Getreidegarben in Haufen setzen’, spätmhd. mnd. schocken. schockweise Adj. Adv. ‘immer ein Schock (60 Stück)’, übertragen ‘in großer Anzahl, haufenweise’ (Anfang 18. Jh.). Schockschwerenot Interjektion gemäßigtes Fluchwort, bei dem Schock, Schwerenot verstärkend, als den Umfang, die Last der Not betonend empfunden wird (19. Jh.). Wahrscheinlich eine euphemistische Umbildung von Gotts-schwere-Not (vgl. Schwerenot ‘Epilepsie’, s. ↗schwer).

Thesaurus

Synonymgruppe
einen Skandal hervorrufen · schocken · ↗schockieren

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anblick Ankündigung Anleger Bahnrekord Bayer Bestzeit Bilanzskandal Bluttat Börsianer Doppelschlag Enthüllung Fan Finanzmarkt Finanzwelt Fußball-Fan Fußball-Welt Gastgeber Gegentor Gewinneinbruch Gewinnwarnung Hiobsbotschaft Konkurrenz Kunstwelt Nachricht Nachspielzeit Quartalsverlust Rückstand Umsatzwarnung VfB Weltelite

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schocken‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wie er sind am Tag nach der Tat auch die anderen Nachbarn geschockt.
Der Tagesspiegel, 29.09.2004
Im Rennen schockte er dann wie immer bei Olympia den Rest des Feldes.
Süddeutsche Zeitung, 09.02.1998
Ich ging betroffen, um nicht zu sagen geschockt, in mein Zimmer.
Brussig, Thomas: Helden wie wir, Berlin: Verl. Volk und Welt 1996 [1995], S. 8
Wenn sie später, ohne geschockt zu werden, in einen ähnlich gestreiften Kasten gebracht wurden, zeigten sie starke Fluchttendenzen.
Klix, Friedhart: Information und Verhalten, Berlin: Deutscher Verl. der Wissenschaften 1971, S. 375
Anfänglich seien die meisten Partner der Europäischen Gemeinschaft von dem Gedanken eines vereinigten Deutschland mit 80 Millionen Menschen geschockt gewesen.
Nr. 297: Gespräch Kohl mit Lee Kuan Yew vom 31. Mai 1990. In: Deutsche Einheit, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1990], S. 29033
Zitationshilfe
„schocken“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schocken>, abgerufen am 17.10.2019.

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