schreien

GrammatikVerb · schrie, hat geschrien/geschrieen
Aussprache
Worttrennungschrei-en
Wortbildung mit ›schreien‹ als Erstglied: ↗Schreier · ↗Schreierei · ↗Schreihals · ↗Schreiknötchen · ↗Schreikrampf
 ·  mit ›schreien‹ als Letztglied: ↗abschreien · ↗anschreien · ↗aufschreien · ↗ausschreien · ↗beschreien · ↗dazwischenschreien · ↗durcheinanderschreien · ↗einschreien · ↗entgegenschreien · ↗erschreien · ↗herausschreien · ↗herumschreien · ↗hinausschreien · ↗hineinschreien · ↗hinterherschreien · ↗losschreien · ↗niederschreien · ↗totschreien · ↗umherschreien · ↗vollschreien · ↗zuschreien · ↗überschreien
 ·  mit ›schreien‹ als Grundform: ↗Geschrei · ↗schreiend · ↗verschreien
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
einen Schrei, mehrere Schreie ausstoßen, sehr laut rufen, brüllen
Beispiele:
laut, gellend, schrill, durchdringend, markerschütternd, kläglich, mörderisch, wütend schreien
aus vollem Halse (= ganz laut), mit aller Kraft, in den höchsten Tönen schreien
das Kind schrie die ganze Nacht hindurch
umgangssprachlich das Kind schreit einem die Ohren voll
wir hörten ein entsetzliches, qualvolles Schreien
vor Angst, Schmerz, Qual schreien
die Affen, Katzen, Krähen schreien
das Käuzchen, eine Eule schreit
die Möwen flogen schreiend (= kreischend) hinter dem Schiff her
wie ein Tier, Berserker schreien
umgangssprachlich er schreit wie am Spieß, als ob er am Spieß stäke
das Vieh schreit nach Futter, Wasser
übertragen etw. schreit zum Himmeletw. ist empörend, fordert Sühne
Beispiel:
dieser Skandal schreit zum Himmel
umgangssprachlich, spöttisch
Beispiele:
das ist (ja) zum Schreien (komisch)!
ihr neuer Hut ist zum Schreien (= urkomisch)
2.
etw. ungehemmt in größtmöglicher Lautstärke rufen, ausrufen
Beispiele:
er schrie seinen Schmerz, seine Verachtung dem andern ins Gesicht
schrei nicht so, ich bin nicht taub (= sprich leiser)
»Ich hasse dich!« schrie sie
Ach und Weh schreien (= klagen und jammern)
Zetermordio, Zeter und Mord(io) schreien (= laut zetern, um Hilfe rufen)
(nach, um) Hilfe schreien
die Marseillaise wurde gespielt und Hurra geschrien [RennKrieg406]
übertragen nach etw., jmdm. schreienetw., jmdn. heftig verlangen, fordern
Beispiele:
nach Rache, Vergeltung schreien
ihr Herz schrie nach ihrem Mann, den Kindern
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schreien · Schrei · Schreier · Marktschreier · marktschreierisch · Geschrei · Schreihals · verschreien
schreien Vb. ‘gellende Laute von sich geben, laut rufen, weinen’. Das stark flektierende Verb ahd. scrīan (9. Jh.), mhd. schrīen, schrīn ‘rufen, schreien, jammern’, asächs. skrīan, mnd. schrī(g)en, mnl. scrīen, afries. skrīa (germ. *skreian) sowie schwach flektierendes ahd. giscreiōn (um 1000), mhd. schrīen, schrīn, mnd. schreyen, mnl. screyen, nl. schreien sind verwandt mit mnl. scrēuwen, nl. schreeuwen, nd. schrēwen ‘schreien’, südnl. schremen, aengl. *scrǣman, mengl. shreame, engl. to scream ‘schreien, kreischen’. Vergleicht man ferner (ohne anlautendes s-) anord. hreimr ‘Lärm, Getöse’, hrīna, norw. rine ‘schreien, jammern’ (von Schweinen) und zieht bret. screo ‘kreischender Meervogel’, air. scret ‘Schrei’, lett. (älter) krina ‘Sau’ heran, so läßt sich ie. *(s)krei- ansetzen als eine Erweiterung der Wurzel ie. *ker-, *kor-, *kr-, Schallnachahmung für heisere, rauhe Töne (s. ↗Harke, ↗Rabe, ↗Rachen, ↗Reiher). Schrei m. ‘einmaliger gellender, durchdringender (menschlicher) Laut’, ahd. screi (9. Jh.), mhd. schrei, schrē ‘Ruf, Schrei, Geschrei, Gerücht’. Schreier m. ‘wer schreit’, mhd. schrīære, schrīer ‘Schreier, Ausrufer, Herold’. Marktschreier m. ‘wer auf Märkten laut seine Waren anpreist, fahrender Händler’ (17. Jh.); marktschreierisch Adj. (18. Jh.). Geschrei n. ‘lautes Schreien’, ahd. giscrei (11. Jh.), mhd. geschrei(e), geschrē ‘Geschrei, Ruf’. Schreihals m. ‘Schreier, Kind, das viel weint’ (16. Jh.). verschreien Vb. ‘in schlimmen Ruf bringen, verleumden’, eigentlich (bei der Mordklage) ‘öffentlich ausrufen, bekanntmachen’, dann auch ‘Übles, Böses über jmdn. öffentlich verbreiten’, mhd. verschrīen; stark und schwach flektierende Formen stehen bis ins 18. Jh. nebeneinander.

Thesaurus

Synonymgruppe
brüllen · schreien  ●  ↗bläken  ugs. · ↗blöken  ugs. · ↗dröhnen  ugs. · ↗plärren  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
brüllen · ↗grölen · ↗johlen · laut werden · schreien
Oberbegriffe
  • Laute von sich geben
Assoziationen
Synonymgruppe
rufen · schreien · ↗skandieren  ●  ↗brüllen  ugs. · ↗krakeelen  ugs. · ↗kreischen  ugs. · ↗krähen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
brüllen · ↗orgeln (Jägerspr.) · ↗röhren · schreien
Oberbegriffe
  • Laute von sich geben
Synonymgruppe
krähen (Kind, Baby) · schreien · ↗weinen
Synonymgruppe
Tränen vergießen · ↗jammern · ↗schluchzen · schreien (Baby) · ↗weinen (vor) · ↗wimmern  ●  ↗weinen (über)  Hauptform · (sich) ein Tränchen verdrücken  ugs. · ↗barmen  geh., poetisch · ↗bläken  ugs., abwertend, regional · das heulende Elend haben  ugs. · ↗flennen  ugs., regional · ↗greinen  ugs. · ↗heulen  ugs. · leise weinend (in der Ecke)  ugs., floskelhaft · ↗plieren  ugs. · ↗plinsen  ugs., norddeutsch · ↗plärren  ugs., abwertend, regional
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • (jemandem) schießen (die) Tränen in die Augen · (plötzlich) weinen müssen  ●  (das) heulende Elend bekommen  ugs.
Assoziationen
  • Tränchen  abwertend · ↗Träne  Hauptform · ↗Zähre  veraltet
  • Traurigkeit heucheln  ●  (den) Traurigen mimen  ugs. · (sich) ein paar Tränchen verdrücken  ugs. · Krokodilstränen vergießen  ugs., Hauptform · Krokodilstränen weinen  ugs. · auf traurig machen  ugs.
  • bejammern · ↗klagen · ↗lamentieren · ↗wehklagen · ↗zetern  ●  ↗jammern  Hauptform · ↗barmen  geh., veraltend, regional, literarisch · ↗heulen  ugs. · ↗janke(r)n  ugs. · ↗raunzen  ugs., österr.
  • gefühlig · gefühlsbesoffen · ↗gekünstelt · im Überschwang der Gefühle · ↗kitschig · ↗larmoyant · ↗melodramatisch · mit reichlich Herz und Schmerz · rührstückhaft · ↗schmalzig · ↗seelenvoll · ↗sentimental · ↗theatralisch · ↗tränenselig  ●  ↗gefühlsbetont  Hauptform · ↗gefühlsduselig  ugs. · mit Pipi inne Augen  ugs., ruhrdt.
  • herumjanken · ↗janken · keine Ruhe geben  ●  (rum)knöttern  ugs., ruhrdt. · ↗(rum)quaken  ugs. · ↗herumquengeln  ugs. · ↗quengeln  ugs.
  • anfangen zu weinen · in Tränen ausbrechen · in Weinen ausbrechen · ↗losweinen  ●  das heulende Elend kriegen  ugs. · ↗losheulen  ugs.
  • (sich die) Augen aus dem Kopf weinen · Rotz und Wasser heulen · Ströme von Tränen vergießen · dicke Tränen vergießen · heiße Tränen vergießen · heiße Tränen weinen · hemmungslos weinen · heulen wie ein Schlosshund · in Tränen aufgelöst sein · in Tränen schwimmen  ●  (die) Tränen laufen jemandem (nur so) übers Gesicht  variabel · (sich die) Augen ausweinen  fig. · (sich) in Tränen auflösen  fig. · alle Schleusen öffnen  fig · bittere Tränen vergießen  veraltend · heftig weinen  Hauptform · in Tränen zerfließen  fig. · hemmungslos losheulen  ugs.
  • (sich) ausweinen (bei jemandem)  auch figurativ · (sich) ausheulen (bei jemandem)  ugs., auch figurativ
  • (jemandem etwas) vorweinen  ●  ↗(jemandem etwas) vorjammern  abwertend · ↗(jemandem etwas) vorheulen  ugs.
  • (sich) eine Träne aus dem Augenwinkel wischen · feuchte Augen bekommen · nasse Augen bekommen  ●  dem Weinen nahe sein  Hauptform · Pipi in die Augen bekommen  derb
  • (jemandem) stehen die Tränen in den Augen · (jemandem) steht das Wasser in den Augen · Tränen in den Augen haben · feuchte Augen haben  ●  nasse Augen haben  Hauptform · Pipi in den Augen haben  derb
  • (sich) in den Schlaf weinen · (sich) müde weinen
  • fiepen · ↗jaulen · ↗wimmern · ↗winseln
  • (sich) (wehmütigen Gedanken) hingeben · hinterhertrauern · ↗nachhängen · ↗nachtrauern · ↗nachweinen
  • bei jeder Kleinigkeit weinen · immer gleich weinen · oft weinen · schnell weinen · sofort weinen (müssen)  ●  nah(e) am Wasser gebaut haben  Hauptform, fig.
  • gefühlsbeladen · ↗gefühlsselig · ↗gefühlvoll · ↗rührselig · ↗schmalzig · ↗schnulzig · ↗sentimental  ●  auf die Tränendrüse drücken(d)  ugs., fig.
  • (heftig) weinend · in Tränen aufgelöst · ↗tränenreich · unter Tränen
  • (den Verlust einer Person) beklagen · ↗(jemanden) beweinen · ↗bejammern · ↗betrauern · ↗trauern (um) (über) · ↗weinen (um)
  • Weinkrampf  ●  (das) heulende Elend  ugs. · Heulanfall  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Baby Hilfe Himmel Mordio Schmerz Zeter abschreien anschreien aufschreien ausschreien brüllen durcheinander einschreien entgegenschreien fortschreien förmlich geradezu herausschreien herumschreien hinausschreien laut lauter raus schreien toben voranschreien weinen weiterschreien zurückschreien zuschreien

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schreien‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie möge doch schreien, wenn es zu viele Journalisten an einem Tag seien, bittet die Dame vom Verlag.
Süddeutsche Zeitung, 05.03.2004
Sie pfeifen nicht, sie schreien nicht, sie stehen einfach nur da.
Der Tagesspiegel, 20.01.2003
Die Person näherte sich bedrohlich und die Frau im Bett schrie um Hilfe.
Kerner, Charlotte: Blueprint Blaupause, Weinheim: Beltz & Gelberg 1999, S. 140
Sie schrie nicht, offenbar war sie einen Moment lang benommen.
Killian, Hans: Auf Leben und Tod, München: Wilhelm Heyne Verlag 1976, S. 266
Die da drüben schreien einen Sieg mehr in die Welt, bei uns dagegen war alles schon lange vorher geplant.
Brief von Ernst G. an Irene G. vom 19.02.1945, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Zitationshilfe
„schreien“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schreien>, abgerufen am 19.12.2018.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Schreibzimmer
Schreibzeug
schreibwütig
Schreibwerkzeug
Schreibwerkstatt
schreiend
Schreier
Schreierei
Schreierpfeife
Schreihals