Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

schreien

Grammatik Verb · schreit, schrie, hat geschrien (ungültig: geschrieen)
Aussprache  [ˈʃʀaɪ̯ən]
Worttrennung schrei-en
Wortbildung  mit ›schreien‹ als Erstglied: Schreier · Schreierei · Schreihals · Schreikind · Schreiknötchen · Schreikrampf · Schreipuppe · schreiend
 ·  mit ›schreien‹ als Letztglied: abschreien · anschreien · aufschreien · ausschreien · beschreien · dazwischenschreien · durcheinanderschreien · einschreien · entgegenschreien · erschreien · herausschreien · herumschreien · hinausschreien · hineinschreien · hinterherschreien · losschreien · niederschreien · rumschreien · totschreien · umherschreien · verschreien · vollschreien · zuschreien · überschreien
 ·  mit ›schreien‹ als Binnenglied: himmelschreiend  ·  mit ›schreien‹ als Grundform: Geschrei · Schrei
Mehrwortausdrücke  zum Himmel schreien · zum Schreien
eWDG und ZDL

Bedeutungen

1.
einen Schrei, mehrere Schreie ausstoßen, sehr laut rufen, brüllen
Beispiele:
laut, gellend, schrill, durchdringend, markerschütternd, kläglich, mörderisch, wütend schreien
aus vollem Halse (= ganz laut), mit aller Kraft, in den höchsten Tönen schreien
das Kind schrie die ganze Nacht hindurch
umgangssprachlichdas Kind schreit einem die Ohren voll
wir hörten ein entsetzliches, qualvolles Schreien
vor Angst, Schmerz, Qual schreien
die Affen, Katzen, Krähen schreien
das Käuzchen, eine Eule schreit
die Möwen flogen schreiend (= kreischend) hinter dem Schiff her
wie ein Tier, Berserker schreien
umgangssprachlicher schreit wie am Spieß, als ob er am Spieß stäke
das Vieh schreit nach Futter, Wasser
a)
übertragen etw. schreit zum Himmel (= etw. ist empörend, fordert Sühne)
Beispiel:
dieser Skandal schreit zum Himmel
b)
umgangssprachlich, spöttisch zum Schreien seinZDL
siehe auch zum SchreienZDL
Beispiele:
das ist (ja) zum Schreien (komisch)!
ihr neuer Hut ist zum Schreien (= urkomisch)
2.
etw. ungehemmt in größtmöglicher Lautstärke rufen, ausrufen
Beispiele:
er schrie seinen Schmerz, seine Verachtung dem andern ins Gesicht
schrei nicht so, ich bin nicht taub (= sprich leiser)
»Ich hasse dich!« schrie sie
Ach und Weh schreien (= klagen und jammern)
Zetermordio, Zeter und Mord(io) schreien (= laut zetern, um Hilfe rufen)
(nach, um) Hilfe schreien
die Marseillaise wurde gespielt und Hurra geschrien [ RennKrieg406]
übertragen nach etw., jmdm. schreienetw., jmdn. heftig verlangen, fordern
Beispiele:
nach Rache, Vergeltung schreien
ihr Herz schrie nach ihrem Mann, den Kindern

letzte Änderung:

Zum Originalartikel des WDG gelangen Sie hier.

Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schreien · Schrei · Schreier · Marktschreier · marktschreierisch · Geschrei · Schreihals · verschreien
schreien Vb. ‘gellende Laute von sich geben, laut rufen, weinen’. Das stark flektierende Verb ahd. scrīan (9. Jh.), mhd. schrīen, schrīn ‘rufen, schreien, jammern’, asächs. skrīan, mnd. schrī(g)en, mnl. scrīen, afries. skrīa (germ. *skreian) sowie schwach flektierendes ahd. giscreiōn (um 1000), mhd. schrīen, schrīn, mnd. schreyen, mnl. screyen, nl. schreien sind verwandt mit mnl. scrēuwen, nl. schreeuwen, nd. schrēwen ‘schreien’, südnl. schremen, aengl. *scrǣman, mengl. shreame, engl. to scream ‘schreien, kreischen’. Vergleicht man ferner (ohne anlautendes s-) anord. hreimr ‘Lärm, Getöse’, hrīna, norw. rine ‘schreien, jammern’ (von Schweinen) und zieht bret. screo ‘kreischender Meervogel’, air. scret ‘Schrei’, lett. (älter) krina ‘Sau’ heran, so läßt sich ie. *(s)krei- ansetzen als eine Erweiterung der Wurzel ie. *ker-, *kor-, *kr-, Schallnachahmung für heisere, rauhe Töne (s. Harke, Rabe, Rachen, Reiher). – Schrei m. ‘einmaliger gellender, durchdringender (menschlicher) Laut’, ahd. screi (9. Jh.), mhd. schrei, schrē ‘Ruf, Schrei, Geschrei, Gerücht’. Schreier m. ‘wer schreit’, mhd. schrīære, schrīer ‘Schreier, Ausrufer, Herold’. Marktschreier m. ‘wer auf Märkten laut seine Waren anpreist, fahrender Händler’ (17. Jh.); marktschreierisch Adj. (18. Jh.). Geschrei n. ‘lautes Schreien’, ahd. giscrei (11. Jh.), mhd. geschrei(e), geschrē ‘Geschrei, Ruf’. Schreihals m. ‘Schreier, Kind, das viel weint’ (16. Jh.). verschreien Vb. ‘in schlimmen Ruf bringen, verleumden’, eigentlich (bei der Mordklage) ‘öffentlich ausrufen, bekanntmachen’, dann auch ‘Übles, Böses über jmdn. öffentlich verbreiten’, mhd. verschrīen; stark und schwach flektierende Formen stehen bis ins 18. Jh. nebeneinander.

Thesaurus

Synonymgruppe
brüllen · schreien  ●  bläken  ugs. · blöken  ugs. · dröhnen  ugs. · plärren  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
brüllen · grölen · johlen · laut werden · schreien
Oberbegriffe
  • Laute von sich geben
Assoziationen
Synonymgruppe
rufen · schreien  ●  brüllen  ugs. · krakeelen  ugs. · kreischen  ugs. · krähen  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen
  • gellen · gellend schreien · schrill tönen · schrillen
  • Pommernadler veraltet · Schreiadler Hauptform · Aquila pomarina fachspr., lat., griechisch · Clanga pomarina fachspr., lat., griechisch
Synonymgruppe
Oberbegriffe
  • Laute von sich geben
Synonymgruppe
krähen (Kind, Baby) · schreien · weinen
Synonymgruppe
(es) fließen Tränen · Tränen vergießen · jammern · schluchzen · schreien (Baby) · weinen (vor) · wimmern  ●  (jemandem) laufen die Tränen (über das Gesicht)  variabel · weinen (über)  Hauptform · (jemandem) kullern die Tränen (über das Gesicht)  ugs., fig., variabel · (sich) ein Tränchen verdrücken  ugs. · barmen  geh., poetisch · bläken  ugs., abwertend, regional · das heulende Elend haben  ugs. · flennen  ugs., regional · greinen  ugs. · heulen  ugs. · leise weinend (in der Ecke)  ugs., floskelhaft · plieren  ugs. · plinsen  ugs., norddeutsch · plärren  ugs., abwertend, regional
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›schreien‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schreien‹.

Zitationshilfe
„schreien“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schreien>.

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