schwänzeln

GrammatikVerb · schwänzelt, schwänzelte, hat/ist geschwänzelt
Aussprache
Worttrennungschwän-zeln
Wortbildung mit ›schwänzeln‹ als Letztglied: ↗anschwänzeln · ↗herumschwänzeln · ↗umherschwänzeln
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
mit dem Schwanz wedeln
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
der Hund hat lebhaft geschwänzelt, als er uns kommen sah
er hielt eine schwänzelnde Forelle in der Hand
Imkerei den Hinterleib schnell hin- und herbewegen
Beispiel:
die Biene teilt durch Schwänzeln ihren Genossinnen die Lage einer neuen Futterstelle mit
schwanzwedelnd laufen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiel:
der Hund ist freudig um seinen Herrn geschwänzelt
2.
umgangssprachlich, spöttisch geziert gehen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiele:
sie ist über den Platz, durch den Saal geschwänzelt
er kam uns schwänzelnd entgegen, trat schwänzelnd auf uns zu
3.
umgangssprachlich, abwertend sich übereifrig, unterwürfig um jmdn. bemühen, vor jmdm. scharwenzeln
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’, mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiele:
er hat ständig vor seinem Vorgesetzten, ist ständig um seinen Vorgesetzten geschwänzelt
Er ... hatte gewaltig auf die Engländer geschimpft. Jetzt aber schwänzelte er vor ihnen [RennKrieg ohne Schlacht180]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schwanz · schwänzen1 · schwänzeln · Schwänzer · schwänzen2
Schwanz m. beweglicher Fortsatz der Wirbelsäule bei Wirbeltieren, ‘Schweif’ ist seit dem 13. Jh. belegt, mhd. swanz, auch ‘schwankende, tanzartige Bewegung, Schleppe, Schmuck, Zierde’ und (spätmhd.) übertragen ‘Penis’, rückgebildet aus mhd. swanzen ‘sich schwenkend bewegen, hin und her schwanken, umherstreifen’, dem wohl eine vorauszusetzende Intensivbildung *swankezen zu dem unter ↗schwanken (s. d.) behandelten Verb vorausgeht. Dieses gehört zu der unter ↗schwingen (s. d.) angegebenen Wortgruppe, so daß als Ausgangsbedeutung für Schwanz ‘der (Hin-und-her-)Bewegliche, der Schwankende’ anzunehmen ist. Mhd. swanz löst ahd. zagal, mhd. zagel, nhd. (älter und mundartlich) ↗Zagel (s. d.) ab, das bereits in mhd. Zeit ebenfalls die Bedeutung ‘Penis’ annimmt und daher in der frühnhd. Literatursprache allmählich gemieden wird. schwänzen1 Vb. ‘den Unterricht u. ä. versäumen, bummeln’, seit dem 18. Jh. in der Studentensprache nachgewiesen. Die Bedeutung stammt wohl von rotw. swensen ‘über Land laufen’ (1724), schwentzen ‘(durchs Land) gehen’ (16. Jh.), das auf schwänzen ‘sich schwenkend (im Tanz) bewegen, tanzartig, geziert einherstolzieren’ (bis ins 17. Jh.), mhd. swenzen ‘schwenken, putzen, zieren’, mnd. swentzen ‘schwenkend sich bewegen, hin und her schwanken’ (aus *swenkezen, Intensivum zu dem unter ↗schwenken behandelten Verb) bzw. mhd. swanzen (s. oben) zurückgeht; dazu auch die Iterativbildung schwänzeln Vb. ‘geziert einherstolzieren, auffällig mit dem Schwanz wedeln, jmdn. umschmeicheln’, mhd. swenzeln. Schwänzer m. ‘wer Unterricht u. ä. versäumt’ (19. Jh.), zuvor ‘Prahler’ (17. Jh.), zu ↗schwänzen (s. oben). schwänzen2 Vb. ‘mit einem Schwanz versehen’ (16. Jh.), abgeleitet von Schwanz.

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem) nach dem Mund reden · ↗(sich) anbiedern · (sich) einschmeicheln (bei) · (sich) lieb Kind machen (bei jemandem) · ↗Rad fahren · ↗hofieren · ↗katzbuckeln  ●  kratzfüßeln  fig. · ↗nachsteigen  österr. · (jemandem) Honig um den Bart schmieren  ugs., fig. · (sich) einkratzen (bei)  ugs., salopp · ↗(sich) ranschmeißen  ugs. · Kreide fressen  ugs., fig. · ↗herumscharwenzeln (um)  ugs. · rumschleimen  ugs. · ↗schleimen  ugs. · schwänzeln  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Heck herumschwänzeln umschwänzeln

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schwänzeln‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In schnellen Kurven läßt sie noch immer gern das Heck schwänzeln.
Bild, 19.11.2004
Ernsthafter Defensivarbeit entledigt, schwänzelt er hinter den Spitzen und sorgt mit wachem Auge und blitzendem Fuß für entscheidende Öffnungen.
Der Tagesspiegel, 20.04.2004
Sie schwänzelten dem Heiligen voraus und hinterdrein, und jeweils ein Pärchen hielt sich dicht bei seinen dicken Waden.
Die Zeit, 06.10.1978, Nr. 41
Die Fahrzeuge quietschen, schwänzeln und krachen deshalb gelegentlich an Bordsteine.
Süddeutsche Zeitung, 08.10.1996
Der Heimleiter schwänzelt um den hohen Gast und bringt immer wieder den Geldbedarf seiner Organisation aufs Tapet.
Die Zeit, 23.04.2001, Nr. 17
Zitationshilfe
„schwänzeln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schwänzeln>, abgerufen am 09.12.2019.

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