schwören

GrammatikVerb · schwor, hat geschworen
Nebenform veraltend schwören · Verb · schwur, hat geschworen
Aussprache
Worttrennungschwö-ren
Wortbildung mit ›schwören‹ als Letztglied: ↗abschwören · ↗einschwören  ·  mit ›schwören‹ als Grundform: ↗beschwören · ↗geschworen · ↗verschwören
 ·  formal verwandt mit: ↗Geschworene
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
vor einer Behörde, (staatlichen) Institution einen Eid ablegen
a)
zur Feststellung der Wahrheit
Beispiele:
vor Gericht (einen Eid) schwören
der Zeuge hat einen Meineid, falschen Eid geschworen
er hatte mit erhobener Hand geschworen
Ich schwöre, nach bestem Wissen die reine Wahrheit gesagt und nichts verschwiegen zu haben (= Eidesformel) [Strafgesetzbuch DDR105]
b)
um treue Pflichterfüllung zu geloben
Beispiele:
den Diensteid, Treueid schwören
Medizin den hippokratischen Eid schwören
Militär den Fahneneid schwören
2.
die Wahrheit einer Erklärung beteuern, ein Versprechen feierlich bekräftigen, geloben
Beispiele:
schwöre (es mir)!
ich schwöre, dass ich es mit eigenen Augen gesehen habe
er schwor es auf Ehre und Gewissen, bei seiner Ehre, seinem Leben, beim Leben seiner Kinder
salopp er schwor es beim Barte des Propheten
etw. hoch und heilig schwören
umgangssprachlich Stein und Bein schwören
einen (feierlichen, heiligen) Eid schwören
übertrieben tausend (heilige) Eide schwören
etw. geloben, feierlich versprechen
Beispiele:
jmd. schwört Rache, Besserung, Verschwiegenheit
er hat ihr ewige Treue, Liebe geschworen
ich schwöre, dass ich es nie wieder tun werde
die geschworene Treue brechen
sich [Dativ] etw. schwören
sich etw. ernsthaft, fest vornehmen
Beispiel:
ich habe es mir geschworen, und ich bleibe dabei
3.
auf etw., jmdn. schwörenvon etw., jmdm. fest überzeugt sein, einer Sache, jmdm. unbedingt vertrauen
Beispiele:
sie schwört auf dieses Hausmittel, diese Methode
er schwört auf seinen Freund, Lehrer, Kollegen
ich schwöre darauf, dass er es schafft
ich möchte, könnte schwören (= bin fast sicher), dass er morgen anruft
ich hätte darauf schwören können!
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schwören · beschwören · verschwören · Verschwörer · Verschwörung
schwören Vb. ‘(vor Gericht feierlich) einen Eid ablegen’. Das gemeingerm., zu den j-Präsentien gehörende, stark flektierende Rechtswort ahd. swer(i)en, swerren (8. Jh.), mhd. swern, asächs. swerian, mnd. swēren, mnl. swēren, auch ‘fluchen’, nl. zweren, afries. swera, swara, aengl. swerian, engl. to swear, anord. sverja, schwed. svära (germ. *swarjan) und (ohne j-Suffix) got. swaran ist verwandt mit (schwach flektierendem) anord. svara ‘antworten, verteidigen’, svar ‘Antwort, Verteidigung’, schwed. svar ‘Antwort’, asächs. andswōr ‘Antwort’, aengl. andswaru, engl. answer. Die Herkunft ist schwierig zu beurteilen. Wenn sich griech. hermēné͞us (ἑρμηνεύς) ‘Übersetzer, Deuter, Ausleger’, lat. sermo (aus *su̯ermō-?) ‘Wechselrede, Unterhaltung, Gespräch, Vortrag’, aslaw. svarъ ‘Kampf, Streit’, russ. (derb) svára (свара), ssóra (ссора, aus *sъsora) ‘Streit, Zank, Hader’ vergleichen lassen, kann auf eine Wurzel ie. *su̯er- (auch *ser-?) ‘sprechen, reden’ zurückgegangen werden. Es bleibt offen, ob damit die Schallwurzel ie. *su̯er- ‘surren’ mit aind. svárati ‘gibt einen Ton von sich, tönt, erschallt, (be)singt’ (s. ↗Schwarm, ↗schwirren, ↗surren) identisch ist, die hier dann auf ‘sprechen, reden’ ausgedehnt wäre. Vornehmlich aus semantischen Gründen hält Seebold 482 einen Anschluß des Verbs mit beweglichem s- an die Wurzel ie. *u̯er- ‘feierlich sagen, sprechen’ (s. ↗Wort) für möglich. Die Grundbedeutung ist wohl ‘(vor Gericht) reden, aussagen’ und ‘eine Formel feierlich aussprechen’ (vgl. got. aiþis swaran ‘Eide schwören’). Bereits in früher Zeit kann schwören die Bedeutung ‘fluchen’ (noch um 1700 und bis heute z. B. im Engl.) annehmen (bedingt durch den Inhalt des feierlich Versprochenen oder das biblische Verbot, einen Schwur zu leisten?). Redensartlich Stein und Bein schwören ‘etw. fest behaupten’ (16. Jh.); zu erklären aus Stein ‘Altar’ und Bein ‘Heiligenreliquie’? beschwören Vb. ‘durch einen Schwur bekräftigen, inständig bitten, durch Zauberworte Geister und dgl. herbeirufen’, ahd. biswer(i)en, biswerren ‘flehentlich bitten’ (um 800), ‘durch Schwur bezeugen’ (9. Jh.), mhd. beswern, auch ‘mit Zaubersprüchen rufen oder bannen’. verschwören Vb. ‘sich gegen jmdn. mit jmdm. verbinden, ein Komplott schmieden’ (16. Jh.), nach lat. coniurāre ‘sich eidlich verbünden’ und daher anfangs entsprechend sich zusammen verschwören ‘geloben, etw. (nicht) zu tun’; ahd. firswer(i)en ‘falsch schwören’ (9. Jh.), mhd. verswern ‘falsch schwören, sich durch Eid lossagen, eidlich geloben, versichern (etw. nicht zu tun)’, im Sinne von verstärktem schwören. Verschwörer m. ‘Teilnehmer an einer Verschwörung’ (Anfang 19. Jh.); mhd. verswerer ‘wer sich von einem durch Eidschwur lossagt’. Verschwörung f. ‘Komplott’ (17. Jh.); vgl. ahd. firswerunga ‘Beschwörung, Meineid’ (Hs. 12. Jh.).

Typische Verbindungen
computergeneriert

Allah Allmächtige Allwissender Amtseid Bein Bibel Blutrache Eid Fahne Gefolgschaft Gehorsam Gott Koran Meineid Rache Stein Treue Treueeid Treueid Vergeltung abschwören darauf drauf ein einschwören feierlich herauf ich schwören zuschwören

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schwören‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Heute schwören alle, dass es dazu nicht mehr kommen dürfe.
Der Tagesspiegel, 01.03.2003
Sie haben hiermit geschworen, dass sie auf ungesetzlichem Wege nichts gegen die Verfassung unternehmen werden.
Die Welt, 31.01.2003
Ich habe mir geschworen, daß mir das nie passieren wird.
Der Spiegel, 30.06.1997
Das Jahr 1939 würde ruhiger werden, so schwor ich mir.
Brandt, Willy: Erinnerungen, Berlin: Ullstein 1997 [1989], S. 102
Das habe ich mir jedenfalls geschworen in einer Zeit, in der ich fast vor Hunger umgekommen wäre.
Degenhardt, Franz Josef: Die Abholzung, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1985], S. 185
Zitationshilfe
„schwören“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schwören>, abgerufen am 25.04.2019.

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