schwülstig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungschwüls-tig (computergeneriert)
Wortbildung mit ›schwülstig‹ als Erstglied: ↗Schwülstigkeit
eWDG, 1976

Bedeutung

abwertend
1.
übermäßig verziert, überladen, überschwänglich
Beispiele:
ein schwülstiger Satz, Stil, Ausdruck
ein Stil ohne schwülstigen Überfluss
die Ausdrucksweise, der Brief, die Ansprache war schwülstig
jmd. redet, schreibt, formuliert schwülstig
2.
verschwollen, aufgedunsen
Beispiel:
Doppelkinn, Schwammbacken und Nackenfett haben das Ihrige getan, um das Gesicht ekelhaft schwülstig erscheinen zu lassen [Becher6,55]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schwulst · schwulstig · schwülstig
Schwulst m. ‘überschwengliche, hochtrabende Rede- und Schreibweise, überreicher Schmuck, Überladenheit’, ahd. swulst f. ‘Geschwulst’ (Hs. 12. Jh.), spätmhd. swulst f. ‘Schwiele, Schwellung, geschwollene Körperstelle’ ist (wie früher bezeugtes ↗Geschwulst, s. d.) mit st-Suffix ablautend zu dem unter ↗schwellen (s. d.) behandelten Verb gebildet. Es wird jedoch in dieser Bedeutung bereits von frühnhd. Zeit an durch Geschwulst verdrängt; Reste des alten Gebrauchs reichen kaum über das 18. Jh. hinaus. Dagegen ist Schwulst seit dem 18. Jh. in der übertragenen Bedeutung ‘Aufgeblähtheit, Überladenheit’ geläufig, zuerst bei Hagedorn (1757), dann bei Lessing, Wieland, Winckelmann, Schiller, Herder, die auch das heute in dieser Verwendung übliche maskuline Genus durchsetzen. schwulstig Adj. ‘krankhaft geschwollen’ (16. Jh.). Daneben übertragener Gebrauch wie bei umgelautetem schwülstig (16. Jh., ab 18. Jh. in diesem Sinne allein üblich) ‘aufgeblasen, hochtönend, formal überladen, überreich verziert’.

Thesaurus

Linguistik/Sprache
Synonymgruppe
aufgesetzt · gedrechselt · ↗gekünstelt · ↗geschwollen · ↗gespreizt · gestelzt · gewunden · ↗geziert · ↗künstlich · ↗manieriert · schwülstig · ↗theatralisch · ↗unecht · ↗unnatürlich · ↗überkandidelt  ●  ↗verquast  abwertend · ↗(übertrieben) bildungssprachlich  fachspr. · ↗affektiert  geh. · ↗artifiziell  geh. · ↗geschraubt  ugs. · ↗preziös  geh.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Atmosphäre Beschreibung Brief Erotik Formulierung Gedicht Melodram Pathos Phantasie Phrase Rede Rhetorik Sprache Stil Text Titel Ton kitschig klingen manchmal oft pathetisch schwerfällig schwül trivial verworren

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schwülstig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dazu zieht sich eine hanebüchene Story mit schwülstigen Fotos, die erotisch sein möchten, durch den Band.
Süddeutsche Zeitung, 27.11.1999
Diese werkstattartige Präsentation ließ die ohnehin wenig überzeugenden Texte noch schwülstiger beziehungsweise dröger erscheinen.
Die Welt, 13.04.2000
Es besaß Tiefe, eine herrliche, haftende, schwelgerische, dunkelbraune Tiefe, und war doch kein bißchen überladen oder schwülstig.
Süskind, Patrick: Das Parfum, Zürich: Diogenes 1985, S. 72
Das war nun auch eine Wahrheit und gar nicht sehr schwülstig.
Krausser, Helmut: Eros, Köln: DuMont 2006, S. 24
Die Schreibweise ist in hohem Grade schwülstig und überschwenglich, dabei anspruchsvoll.
Vorländer, Karl: Geschichte der Philosophie. In: Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1913], S. 7259
Zitationshilfe
„schwülstig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schwülstig>, abgerufen am 26.04.2019.

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