Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

schwanken

Grammatik Verb · schwankt, schwankte, hat/ist geschwankt
Aussprache 
Worttrennung schwan-ken
Wortbildung  mit ›schwanken‹ als Erstglied: Schwankschwindel · Schwankung  ·  mit ›schwanken‹ als Letztglied: anschwanken · dahinschwanken · hereinschwanken · hinausschwanken · vorwärtsschwanken · vorüberschwanken · zurückschwanken
eWDG

Bedeutungen

1.
sich schwingend bewegen
a)
sich hin und her bewegen, auf und ab bewegen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
die Bäume, Türme, Tragflächen schwankten im Wind
das Boot hat während der Überfahrt unaufhörlich geschwankt
der Untergrund, Steg, das Gerüst schwankte unter meinen Füßen
mir haben die Knie, mir hat der Kopf geschwankt, als ich das sah
ein schwankendes Rohr, Schiff
ein schwankender Mast
wir standen auf schwankendem Boden
b)
sich taumelnd, schaukelnd in einer bestimmten Richtung vorwärtsbewegen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiele:
der Betrunkene schwankte bis zur Tür, Theke, ist aus dem Lokal geschwankt, ging mit schwankenden Schritten nach Haus
eine schwere Fuhre Heu schwankte über das Feld
2.
nicht fest, nicht stabil sein, sich ständig verändern
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
beim Benzin schwanken die Preise stark
das Klima schwankt beträchtlich in diesen Breitengraden
die Magnetnadel, der Zeiger der Waage, des Barometers schwankt (= steht nicht still)
das Befinden des Kranken schwankt von Tag zu Tag
sein Gesundheitszustand ist schwankend
Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten, / Die früh sich einst dem trüben Blick gezeigt [ GoetheFaustZueignung]
unsere Stimmung schwankte seltsam zwischen Heiterkeit, Wehmut und Tränen [ HartungWunderkinder134]
in der Stärke, Intensität wechseln
Beispiele:
seine Stimme hatte merklich geschwankt
er sprach mit schwankender Stimme
3.
zögern, sich nicht entschließen können, unschlüssig, unsicher sein
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
innerlich, zwischen zwei Möglichkeiten schwanken
ich schwankte keinen Augenblick, was in diesem Fall zu tun sei
nichts konnte ihn schwanken machen, schwankend machen
mein Glaube an ihn geriet ins Schwanken
schwankende (= unbeständige) Menschen, Charaktere, Gemüter
daß ich … in der Liebe zu meinem Mann nie geschwankt habe [ BrechtDreigroschenroman477]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schwanken · schwank · Schwankung
schwanken Vb. ‘hin und her schwingen, wanken, taumelnd gehen’, mhd. swanken ‘schwanken, taumeln, schwingen, schwenken’. Das Verb ist abgeleitet von schwank Adj. ‘schwankend, stürmisch, beweglich, biegsam, schlank, dünn, schmächtig’, mhd. swanc, mnd. swank ‘schwach, schmächtig, zart, hilfsbedürftig’, vgl. auch (mit r-Suffix) mhd. swanger ‘schwankend, biegsam’, mnl. swanger ‘beim Gehen schwankend’, aengl. swancor ‘biegsam, schmächtig’, anord. svangr ‘dünn, biegsam, hungrig’. Zu der unter schwingen (s. d.) genannten Wortgruppe. – Schwankung f. ‘von der Geraden abweichende Bewegung, das Schwanken’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
schwanken · taumeln · torkeln · trudeln · wanken  ●  wackeln  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(einen) Eiertanz aufführen · (sich) nicht entscheiden können (zwischen) · (sich) nicht festlegen (wollen) · Eiertänze vollführen · Festlegungen vermeiden · sich nicht festnageln lassen  ●  unentschlossen sein  Hauptform · herumeiern  ugs. · herumtun  ugs. · hin- und hergerissen sein  ugs. · schwanken (zwischen)  ugs.
Assoziationen
Mathematik
Synonymgruppe
schwanken  ●  variieren  fachspr.
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) verändern · hin- und herpendeln · schwanken · wechseln  ●  (ständig) Volten schlagen  geh. · flottieren  geh., bildungssprachlich · fluktuieren  geh., bildungssprachlich
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›schwanken‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schwanken‹.

Verwendungsbeispiele für ›schwanken‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Füße schwer schleppend schwankte sie auf das Sofa zu. [Ewers, Hanns Heinz: Alraune, München: Herbig 1973 [1911], S. 96]
Niemals im Leben habe ich eine Wahl getroffen, in diesem Sinne auch niemals geschwankt. [Schlögel, Karl: Petersburg, München Wien: Carl Hanser Verlag 2002, S. 163]
Sie waren bis 1596 in ihrer Stellung zu Rom schwankend. [Smolitsch, I.: Kiew. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1959], S. 25277]
Wegen der vielen Kehren schwankten die Wagen sehr stark, so daß die nächtliche Ruhe einigermaßen schwierig zu gewinnen war. [Ostwald, Wilhelm: Lebenslinien. Eine Selbstbiographie, 3 Teile. In: Simons, Oliver (Hg.), Deutsche Autobiographien 1690 – 1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1927], S. 39464]
Die übrige Ausstattung schwankt von Gerät zu Gerät teilweise erheblich. [C’t, 2001, Nr. 5]
Zitationshilfe
„schwanken“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schwanken>.

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