schweben

Grammatik Verb · schwebt, schwebte, hat/ist geschwebt
Aussprache 
Worttrennung schwe-ben
Wortbildung  mit ›schweben‹ als Erstglied: ↗Schwebebahn · ↗Schwebebalken · ↗Schwebebaum · ↗Schwebegerät · ↗Schwebekabine · ↗Schwebestoff · ↗Schwebestütz · ↗Schwebeteilchen · ↗Schwebezustand · ↗Schwebstaub · ↗Schwebstoff
 ·  mit ›schweben‹ als Letztglied: ↗anschweben · ↗aufschweben · ↗dahinschweben · ↗durchschweben · ↗einschweben · ↗emporschweben · ↗entschweben · ↗herabschweben · ↗herniederschweben · ↗niederschweben · ↗umschweben · ↗verschweben · ↗vorschweben · ↗vorüberschweben
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
irgendwo schwebensich ohne festen Halt frei in dem umgebenden Medium halten
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
in dieser Wasserschicht schwebt Plankton
eine Seifenblase steigt auf, schwebt und zerplatzt
eine Wolke schwebt am Himmel
irgendwohin schweben
sich in dem umgebenden Medium (langsam) frei bewegen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiele:
Altweibersommer schwebt durch die Luft
ein Luftballon schwebte über den Gartenzaun
bildlich
Beispiele:
Wo ... die milden, melancholischen Klagetöne der Ziehharmonika durch den blauen Herbstdunst schwebten [ G. HermannKubinke20]
Ein verirrter Schimmer schwebt / durch den Wald zum Fluß [ R. Dehmel2,41]
von einer bestimmten Stelle herabhängen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
ein Kran mit schwebenden Lasten
Er schwebte in einem Korb aus geflochtenen Weidenruten ... mit vier Seilen an einem Haken im Plafond befestigt [ J. RothHiob12]
sich leicht, wie schwerelos, gehend bewegen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiel:
sie schwebt leichtfüßig über die Gangway, im Tanz übers Parkett
ein Lächeln schwebtein schwaches Lächeln erscheint flüchtig
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiel:
[Professor X] um dessen Mund ein sarkastisches Lächeln schwebte [ E. T. A. Hoffm.Serapionsbrüder3,433]
2.
etw. schwebtetw. ist noch nicht entschieden oder abgeschlossen, etw. ist im Gange
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
gegen ihn schwebt ein Verfahren, Prozess
die Verhandlungen darüber schweben noch
nicht in ein schwebendes Verfahren eingreifen
er will alle schwebenden Angelegenheiten, Geschäfte rasch zum Abschluss bringen
schwebende Fragen, Probleme erörtern
3.
über etw. schwebenüber den Dingen stehen (und schöpferisch Einfluss nehmen)
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
daß dem, der als Dirigent über dem ganzen Kunstwerke [einem Automaten] schwebt, tiefere Kenntnisse zu Gebote stehen [ E. T. A. Hoffm.Serapionsbrüder3,429]
biblischUnd der Geist Gottes schwebte auf der Fläche der Wasser [ HaydnSchöpfungI 1]
4.
jmd. schwebt in Gefahrjmd. befindet sich in Gefahr
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
das Kind schwebt in höchster Lebensgefahr
sie schwebte lange in Ungewissheit über das Schicksal ihres verschollenen Bruders
spöttischer schwebt in höheren Regionen (= er ist wirklichkeitsfremd, der Wirklichkeit entrückt)
umgangssprachlichin tausend Ängsten schweben
eine Woche lang hatte er zwischen Leben und Tod geschwebt
5.
etw., jmd. schwebt jmdm. vor Augenjmd. hat eine (ungefähre) Vorstellung von etw., jmdm.
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
als Leiter dieses neuen Unternehmens schwebt ihnen N vor Augen (= sie denken an N als Leiter, stellen sich N als Leiter vor)
diese Taufe, die ihr als ein entzückendes kleines Fest mit Blumen, Konfekt und Schokolade vor Augen geschwebt hatte [ Th. MannBuddenbrooks1,377]
6.
etw. schwebt jmdm. auf der Zunge, auf den Lippen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
a)
jmd. weiß etw., ohne es sofort sagen zu können
Beispiel:
Ich hatte gewußt, daß es ein einfaches Adjektiv war, es hatte mir auf der Zunge geschwebt, war weggerutscht [ BöllWort88]
b)
jmd. ist im Begriff, etw. zu sagen
Beispiel:
ihr schwebte schon eine boshafte Bemerkung auf den Lippen, die sie dann aber doch unterdrückte
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schweben · Schwebe · Schwebebalken
schweben Vb. ‘sich langsam und frei in der Luft bewegen, unentschieden sein’, ahd. swebēn ‘hin und her bewegen, ebben und fluten, branden’ (8. Jh.), mhd. sweben ‘sich fließend, schiffend, schwimmend, fliegend hin und her bewegen, in der Schwebe, unentschieden sein’, mnd. mnl. swēven ‘von einer Seite zur anderen treiben, in der Schwebe, unentschieden sein’, nl. zweven ‘hin und her gehen, treiben’, aengl. for(þ)swefian ‘Glück, Erfolg haben’ (germ. *swibēn) ist verwandt mit ahd. sweibōn ‘sich drehen, bewegen, rollen’ (8. Jh.) sowie dem starken Verb mhd. swīfen ‘sich bewegen, schwingen’, aengl. swīfan ‘umherschweifen, gleiten, streichen’, anord. svīfa ‘schwingen, schweben, fahren’, vgl. auch aengl. engl. swift ‘schnell’, und läßt sich mit lett. svàipīt ‘peitschen’ (eigentlich wohl ‘die Peitsche schwingen’) auf ie. *su̯eip- zurückführen, eine Labialerweiterung der Wurzel ie. *su̯ē̌(i)- ‘biegen, drehen, schwingen’, zu der das unter ↗schweifen (s. d.) behandelte Verb und (mit Gutturalerweiterung) russ. (landschaftlich) svigát’ (свигать) ‘sich herumtreiben, eilen, laufen’ sowie lit. svaĩgti ‘taumeln, schwanken, schwindlig werden’ gehören. Schwebe f. ‘Zustand des Schwebens, Unentschiedenheit, Gleichgewicht’, mhd. swebe; vorzugsweise in bildlichen Wendungen wie in der Schwebe (‘zwischen zwei Möglichkeiten, unentschieden’) sein, halten, bleiben (seit dem 19. Jh. üblich). Schwebebalken m. Turngerät mit einem auf einem Gestell befestigten Balken für Balancier- und Gleichgewichtsübungen (20. Jh.), älter Schwebebaum (Anfang 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
etwas in der Schwebe halten · im Ungewissen lassen · schweben
Synonymgruppe
hängen lassen · schweben
Synonymgruppe
(sich) erheben · ↗aufschwingen · ↗aufsteigen · ↗fliegen · ↗gleiten · schweben · ↗segeln
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›schweben‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schweben‹.

Verwendungsbeispiele für ›schweben‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie schweben in zarten Feldern aus Farbe, die Hagen aufgemalt hat.
Die Welt, 22.05.2001
Ursprünglich war man davon ausgegangen, dann nur stündlich schweben zu können.
Der Tagesspiegel, 07.10.1999
Er schien wahrhaftig zu schweben, so sanft waren seine Bewegungen.
Krüss, James: Mein Urgroßvater und ich, Hamburg: Oetinger 1959, S. 133
Boote in der Ferne scheinen in der Luft zu schweben.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1926. In: ders., Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1926], S. 28
Ihre Füße schweben hoch über den beiden Polen der Erde.
Scheerbart, Paul: Immer mutig! In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1902], S. 4510
Zitationshilfe
„schweben“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schweben>, abgerufen am 26.09.2020.

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