schwerfällig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungschwer-fäl-lig (computergeneriert)
Grundformschwerfallen
Wortbildung mit ›schwerfällig‹ als Erstglied: ↗Schwerfälligkeit
eWDG, 1976

Bedeutung

nicht gewandt, unbeholfen, langsam, träge
Beispiele:
schwerfällige Bewegungen, Schritte
ein schwerfälliger Mensch
er geht sehr schwerfällig, stand schwerfällig auf
der Dachs wird meist als träge und schwerfällig hingestellt
schwerfällig (= umständlich) denken, antworten
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schwer · Schwere · schwerlich · Schwermut · schwermütig · Schwerenot · Schwerenöter · Schwerkraft · Schwerpunkt · schwerfällig · schwerhörig
schwer Adj. ‘von großem Gewicht, von hohem Schwierigkeitsgrad’, ahd. swār (8. Jh.), swāri (9. Jh.) ‘schwer, drückend, schmerzlich’, mhd. swær(e), swār ‘wehtuend, schmerzlich, unangenehm, beschwerlich, betrübt, von großem Gewicht, vornehm’, asächs. mnd. swār, mnl. swaer, swāre, nl. zwaar, afries. swēr, aengl. swǣr, swār, auch ‘träge, schwach’, anord. svārr, schwed. svår, got. swērs ‘geachtet, geehrt’, eigentlich ‘schwerwiegend’ (germ. *swēra-, *swēri-) lassen sich vergleichen mit lit. sver̃ti ‘etw. wägen (um das Gewicht zu bestimmen), wiegen, Gewicht haben’, svarùs ‘schwer’, russ. (älter) osvér, osvír (освер, освир) ‘Hebel’, osvérit’, osvírit’ (осверить, освирить) ‘neigen, einer Seite das Übergewicht geben’, vielleicht auch mit griech. hérma (ἕρμα) ‘Stütze, Klippe, Stein, Ballast’ (falls eigentlich ‘schweres Gewicht, schwerer Stein, Steinblock’) und lat. sērius ‘ernsthaft, ernstlich’ (eigentlich ‘schwer, gewichtig’), so daß von einer auch mit anlautendem s- auftretenden Wurzel ie. *u̯er- ‘binden, anreihen, aufhängen’, auch zum Wägen, daher ‘schwer, Schnur, Strick’, ausgegangen werden kann. Schwere f. ‘Gewicht, Schwierigkeit’, ahd. swārī (8. Jh.), mhd. swære ‘Leid, Schmerz, Kummer, Bedrängnis, großes Gewicht’. schwerlich Adv. ‘kaum’ (16. Jh.), ahd. swārlīhho (9. Jh.), mhd. swærlīche ‘auf schwere Weise, mit Mühe, in hohem Grade’, neben ahd. swārlīh (8. Jh.), mhd. swærlich Adj. Schwermut f. ‘gedrückte Gemütsverfassung, Melancholie’ (16. Jh.), Rückbildung aus schwermütig Adj. ‘gedrückt, depressiv, melancholisch’, mhd. swærmüetic; doch vgl. bereits vereinzeltes mhd. swārmueti (13. Jh.). Schwerenot Interjektion (18. Jh.), eigentlich mhd. swære nōt, nhd. schwere Not ‘körperlicher Schmerz, Krankheit’, auch ‘Geburtswehen’, besonders aber ‘Fallsucht, Epilepsie’ (17. Jh.), von der man glaubte, daß sie einem Menschen durch teuflische Beschwörung angehext werden könne; daher erklären sich Wendungen wie die Schwerenot soll euch regieren, die Schwerenot kriegen (18. Jh.), danach elliptisch daß dich die Schwerenot! und als Ausruf der Verwünschung, Überraschung, Beteuerung Schwerenot! Vgl. nd. swärnötern ‘fluchen’. Schwerenöter m. ‘verfluchter Kerl’ (18. Jh.), ‘Schalk, durchtriebener Kerl, Schürzenjäger’ (19. Jh.). Schwerkraft f. ‘Anziehungskraft der Erde’ (18. Jh.). Schwerpunkt m. ‘Mittelpunkt (der Masse)’, übertragen ‘wichtigster Punkt’ (18. Jh.). schwerfällig Adj. ‘langsam, unbeweglich’ (18. Jh.), vgl. bereits mnd. swārvellich ‘nicht leicht beweglich’. schwerhörig Adj. ‘mit schlechtem Hörvermögen’ (Anfang 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
ohne Anmut · ↗plump · schwerfällig · ↗ungraziös
Assoziationen
Synonymgruppe
apathisch · ↗lethargisch · ↗passiv · ↗phlegmatisch · schwerfällig · ↗teilnahmslos · ↗träge  ●  ↗indolent  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
behäbig · ↗lahm · ↗langsam · ↗schleppend · schwerfällig · ↗träge  ●  ↗bummelig  ugs. · ↗lahmarschig  derb · ↗tranig  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Apparat Beamtenapparat Behördenapparat Bürokratie Entscheidungsmechanismus Entscheidungsprozeß Entscheidungsstruktur Koloß Maschinerie Parteiapparat Riese Staatsapparat Staatsbetrieb Tanker UN-Bürokratie Verwaltungsapparat aufgebläht behäbig bürokratisch ineffizient pedantisch plump schwülstig träge umständlich unbeholfen unbeweglich unflexibel verkrustet zeitraubend

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schwerfällig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Beladen wirkt er jedoch schwerfällig, neigt sich spürbar in Kurven.
Bild, 07.10.2005
Irgendwann wanden sich die Sätze, die andere an sie richteten, nur noch schwerfällig durch ihr Bewusstsein.
Die Welt, 16.05.2002
Damit ging sie schon voraus, schwerfällig auf ihren geschwollenen Beinen.
Simmel, Johannes Mario: Der Stoff, aus dem die Träume sind, Güterlsoh: Bertelsmann u. a. [1973] [1971], S. 36
Schwerfällige Boote glitten lautlos an der Rückseite der Häuser entlang.
Bischoff, Charitas: Bilder aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1912], S. 6873
Die Frau tastet sich an der Wand entlang zu der Alten hinüber und hockt sich schwerfällig neben sie hin.
Venske, Regula: Marthes Vision, Frankfurt am Main: Eichborn Verlag 2006, S. 181
Zitationshilfe
„schwerfällig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schwerfällig>, abgerufen am 11.12.2019.

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