schwinden

GrammatikVerb · schwand, ist geschwunden
Aussprache
Worttrennungschwin-den (computergeneriert)
Wortbildung mit ›schwinden‹ als Erstglied: ↗Schwindmaß · ↗Schwindsucht · ↗Schwindung
 ·  mit ›schwinden‹ als Letztglied: ↗dahinschwinden · ↗entschwinden · ↗hinschwinden · ↗verschwinden
eWDG, 1976

Bedeutung

allmählich immer weniger, geringer werden, bis nichts mehr übrig ist
a)
gehoben abnehmen, nachlassen, sich verringern
Beispiele:
der Nebel, das Tageslicht schwindet
meine Vorräte, Reserven schwinden von Tag zu Tag mehr
sein Augenlicht, Gedächtnis, Einfluss, Misstrauen schwand nach und nach
ihm schwand allmählich, immer mehr der Mut
er zählte seine rasch schwindende Barschaft nach
seine Hoffnung ist schon fast völlig geschwunden
etw. ist im Schwinden (begriffen) (= etw. verringert sich ständig, nimmt immerzu ab)
b)
gehoben vergehen
Beispiele:
die Jahre schwinden
der Sommer schwand, und es wurde Herbst
jmdm. schwinden die Sinne, schwindet das Bewusstsein (= jmd. verliert das Bewußtsein, wird ohnmächtig)
entschwinden, verschwinden
Beispiele:
das Schiff, Flugzeug schwand aus seinem Blick, unseren Augen
am nächsten Morgen war der Schnee geschwunden
plötzlich, jäh war das Lächeln von ihrem Gesicht geschwunden
das war völlig, ganz und gar aus meinem Gedächtnis geschwunden
sie trauert den geschwundenen Illusionen nach, beklagt das Schwinden der Zeit, Jahre
c)
fachsprachlich unter bestimmten physikalischen Bedingungen um ein bestimmtes Maß an Rauminhalt verlieren
Beispiel:
frisches Holz schwindet beim Trocknen
d)
Rundfunk durch Interferenz an Lautstärke verlieren
Beispiel:
ein Sender schwindet
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schwinden · Schwund · verschwinden · Schwindsucht
schwinden Vb. ‘sich vermindern, aufhören zu existieren’, ahd. swintan ‘abmagern, welken, bewußtlos werden’ (um 800), mhd. swinden ‘abnehmen, vergehen, abmagern, welken, bewußtlos werden’, asächs. farswindan, aengl. swindan; s. auch ↗schwindeln und ↗verschwenden. Herkunft unsicher. Vergleichbar sind aslaw. uvędati ‘verwelken’, russ. vjánut’, uvjadát’ (вянуть, увядать) ‘welken’ und (ablautend) kslaw. ǫditi ‘räuchern’, vielleicht auch armen. k‛andel ‘zerstören, ruinieren, abbrechen’, so daß eine Wurzel ie. *(s)u̯endh- ‘schwinden’ angenommen werden könnte. Auffällig ist hingegen semantisch nahestehendes ahd. swīnan ‘schwinden, abnehmen’ (um 800), mhd. swīnen, auch ‘abmagern, welken, in Ohnmacht fallen’, mnd. swīnen ‘träge sein’, isl. (ohne n-Erweiterung) svía ‘nachlassen’ zu der unter ↗schweigen (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *su̯i- ‘schwinden, nachlassen, schweigsam werden’; ein lautgerechter Anschluß von germ. *swenda-, nhd. schwinden ist hier freilich nicht möglich. Schwund m. ‘Zustand der Verminderung, das Sichvermindern’, junge Bildung zum Verb (zuerst bei Campe). verschwinden Vb. ‘völlig aufhören zu existieren’, ahd. firswintan ‘verschmachten, verschwinden’ (9. Jh.), mhd. verswinden ‘unsichtbar, unwirklich werden, vergehen, umkommen, sterben’. Schwindsucht f. ‘Auszehrung, Krankheit, bei der der Körper sich verzehrt’, Bezeichnung für Tuberkulose (15. Jh., swintsucht). Daneben gleichbed. swīnsuht, schweinsuht (ebenfalls 15. Jh.) zu ahd. swīnan, mhd. swīnen ‘abnehmen, dahinschwinden, abmagern, bewußtlos werden’ (s. oben). Übersetzungen von griech. phthísis (φθίσις) ‘Auszehrung, Schwindsucht’.

Thesaurus

Synonymgruppe
abflauen · schwinden
Antonyme
  • schwinden
Synonymgruppe
dahingehen · schwinden · ↗vergehen · ↗zergehen  ●  ↗schmelzen  fig. · schmelzen wie Schnee an der Sonne  fig. · ↗zerschmelzen  fig. · ↗dahinschmelzen  geh., fig. · ↗dahinschwinden  geh. · weniger werden  ugs.
Synonymgruppe
(immer) unwahrscheinlicher werden (lassen) · (sich) weiter entfernen von · auf unbestimmte Zeit verschoben werden · im Schwinden begriffen sein · schwinden (lassen)  ●  auf den Sankt-Nimmerleinstag verschieben  fig. · in weite Ferne rücken (lassen)  Hauptform
Assoziationen
  • (sich) als Illusion herausstellen · (sich) als unrealistisch erweisen · (sich) nicht erfüllen · (sich) nicht realisieren · (zer)platzen wie eine Seifenblase · nicht Realität werden · nicht in Erfüllung gehen  ●  ↗(sich) zerschlagen (Hoffnungen)  fig. · ↗zerplatzen (Träume)  fig. · (in sich) zusammenfallen wie ein Kartenhaus  ugs.
  • (der) Wunsch (ist/war) der Vater des Gedankens · ↗Illusion · ↗Wunschbild · ↗Wunschdenken · ↗Wunschtraum · ↗Wunschvorstellung · falsche Hoffnung · frommer Wunsch  ●  schöner Traum  fig. · zu hoch gegriffen (Ziel)  fig. · ↗Blütentraum  geh.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Akzeptanz Ansehen Auftriebskraft Aussicht Autorität Begeisterung Bereitschaft Berührungsangst Bewußtsein Chance Einfluß Euphorie Furcht Glaube Hemmung Hoffnung Kaufkraft Kraft Mißtrauen Popularität Rückhalt Selbstvertrauen Vertrauen Zuversicht allmählich dahinschwinden hinschwinden langsam zusehends Überlebenschance

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schwinden‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und auf einmal schwand das Interesse an Dingen, die er sich zuvor noch heiß ersehnt hatte.
Der Tagesspiegel, 04.10.2000
Deshalb schwindet die Zahl der aufrechten Demokraten zusehends, das beweist die abnehmende Beteiligung an den Wahlen.
Süddeutsche Zeitung, 09.09.2000
Schwindet später die Spannung, kann die Fläche durch Antreiben der Keile nachgespannt werden.
o. A.: Lexikon der Kunst - A. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1987], S. 24576
In der Tat war mein Geld auf unerklärliche Weise geschwunden.
Salomon, Ernst von: Der Fragebogen, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1961 [1951], S. 599
Als wir den Ort aber betraten, schwand bereits die luxuriöse Idee des alten Führers.
Lehmann, Lilli: Mein Weg. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1913], S. 23054
Zitationshilfe
„schwinden“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schwinden>, abgerufen am 16.11.2018.

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