Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

schwinden

Grammatik Verb · schwindet, schwand, ist geschwunden
Aussprache 
Worttrennung schwin-den
Wortbildung  mit ›schwinden‹ als Erstglied: Schwindmaß · Schwindsucht · Schwindung
 ·  mit ›schwinden‹ als Letztglied: dahinschwinden · entschwinden · hinschwinden · verschwinden
eWDG

Bedeutung

allmählich immer weniger, geringer werden, bis nichts mehr übrig ist
a)
gehoben abnehmen, nachlassen, sich verringern
Beispiele:
der Nebel, das Tageslicht schwindet
meine Vorräte, Reserven schwinden von Tag zu Tag mehr
sein Augenlicht, Gedächtnis, Einfluss, Misstrauen schwand nach und nach
ihm schwand allmählich, immer mehr der Mut
er zählte seine rasch schwindende Barschaft nach
seine Hoffnung ist schon fast völlig geschwunden
etw. ist im Schwinden (begriffen) (= etw. verringert sich ständig, nimmt immerzu ab)
b)
gehoben vergehen
Beispiele:
die Jahre schwinden
der Sommer schwand, und es wurde Herbst
jmdm. schwinden die Sinne, schwindet das Bewusstsein (= jmd. verliert das Bewusstsein, wird ohnmächtig)
entschwinden, verschwinden
Beispiele:
das Schiff, Flugzeug schwand aus seinem Blick, unseren Augen
am nächsten Morgen war der Schnee geschwunden
plötzlich, jäh war das Lächeln von ihrem Gesicht geschwunden
das war völlig, ganz und gar aus meinem Gedächtnis geschwunden
sie trauert den geschwundenen Illusionen nach, beklagt das Schwinden der Zeit, Jahre
c)
fachsprachlich unter bestimmten physikalischen Bedingungen um ein bestimmtes Maß an Rauminhalt verlieren
Beispiel:
frisches Holz schwindet beim Trocknen
d)
Rundfunk durch Interferenz an Lautstärke verlieren
Beispiel:
ein Sender schwindet
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schwinden · Schwund · verschwinden · Schwindsucht
schwinden Vb. ‘sich vermindern, aufhören zu existieren’, ahd. swintan ‘abmagern, welken, bewußtlos werden’ (um 800), mhd. swinden ‘abnehmen, vergehen, abmagern, welken, bewußtlos werden’, asächs. farswindan, aengl. swindan (westgerm. *swendan; s. auch schwindeln und verschwenden). Herkunft unsicher. Vergleichbar sind aslaw. uvędati ‘verwelken’, russ. vjánut’, uvjadát’ (вянуть, увядать) ‘welken’ und (ablautend) kslaw. ǫditi ‘räuchern’, vielleicht auch armen. k‛andel ‘zerstören, ruinieren, abbrechen’, so daß eine Wurzel ie. *(s)u̯endh- ‘schwinden’ angenommen werden könnte. Auffällig ist hingegen semantisch nahestehendes ahd. swīnan ‘schwinden, abnehmen’ (um 800), mhd. swīnen, auch ‘abmagern, welken, in Ohnmacht fallen’, mnd. swīnen ‘träge sein’, isl. (ohne n-Erweiterung) svía ‘nachlassen’ zu der unter schweigen (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *su̯i- ‘schwinden, nachlassen, schweigsam werden’; ein lautgerechter Anschluß von germ. *swenda-, nhd. schwinden ist hier freilich nicht möglich. Schwund m. ‘Zustand der Verminderung, das Sichvermindern’, junge Bildung zum Verb (zuerst bei Campe). verschwinden Vb. ‘völlig aufhören zu existieren’, ahd. firswintan ‘verschmachten, verschwinden’ (9. Jh.), mhd. verswinden ‘unsichtbar, unwirklich werden, vergehen, umkommen, sterben’. Schwindsucht f. ‘Auszehrung, Krankheit, bei der der Körper sich verzehrt’, Bezeichnung für Tuberkulose (15. Jh., swintsucht). Daneben gleichbed. swīnsuht, schweinsuht (ebenfalls 15. Jh.) zu ahd. swīnan, mhd. swīnen ‘abnehmen, dahinschwinden, abmagern, bewußtlos werden’ (s. oben). Übersetzungen von griech. phthísis (φθίσις) ‘Auszehrung, Schwindsucht’.

Thesaurus

Synonymgruppe
abflauen · schwinden
Synonymgruppe
dahingehen · schwinden · vergehen · zergehen  ●  schmelzen  fig. · schmelzen wie Schnee an der Sonne  fig. · zerschmelzen  fig. · dahinschmelzen  geh., fig. · dahinschwinden  geh. · weniger werden  ugs.
Synonymgruppe
(immer) unwahrscheinlicher werden (lassen) · (sich) weiter entfernen von · auf unbestimmte Zeit verschoben werden · im Schwinden begriffen sein · schwinden (lassen)  ●  auf den Sankt-Nimmerleinstag verschieben  fig. · in weite Ferne rücken (lassen)  Hauptform
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›schwinden‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schwinden‹.

Verwendungsbeispiele für ›schwinden‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In der Tat war mein Geld auf unerklärliche Weise geschwunden. [Salomon, Ernst von: Der Fragebogen, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1961 [1951], S. 599]
Auch die zentrale Macht des Hofes schwand in einem langsamen Prozeß. [Nitschke, August: Frühe christliche Reiche. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 7076]
Als jenes Bild in den letzten Jahrzehnten zerbrach, ist er von selbst geschwunden. [Kraft, H.: Chiliasmus. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1957], S. 20589]
Die Wirkung schwindet darum nicht, daß er von uns gegangen ist. [Wilamowitz-Moellendorff, Ulrich von: Erinnerungen 1848-1914. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1928], S. 3144]
Seine Kräfte schwinden, er kann kaum mehr gehen, kaum mehr sehen. [Die Zeit, 16.12.1999, Nr. 51]
Zitationshilfe
„schwinden“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schwinden>.

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