schwingen

Grammatik Verb · schwingt, schwang, hat/ist geschwungen
Aussprache 
Worttrennung schwin-gen
Wortbildung  mit ›schwingen‹ als Erstglied: ↗Schwingachse · ↗Schwingboden · ↗Schwingflügel · ↗Schwingflügelfenster · ↗Schwingkreis · ↗Schwingschleifer · ↗Schwingtür
 ·  mit ›schwingen‹ als Letztglied: ↗abschwingen · ↗anschwingen · ↗aufschwingen · ↗ausschwingen · ↗einschwingen · ↗emporschwingen · ↗herunterschwingen · ↗herüberschwingen · ↗hin- und herschwingen · ↗hinaufschwingen · ↗hinunterschwingen · ↗hinüberschwingen · ↗hochschwingen · ↗mitschwingen · ↗nachschwingen · ↗rückschwingen · ↗zurückschwingen · ↗zuschwingen
 ·  mit ›schwingen‹ als Grundform: ↗beschwingen · ↗erschwingen · ↗geschwungen
 ·  formal verwandt mit: ↗Keulenschwingen
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
sich, jmdn., etw. wie ein Pendel, große Bogen beschreibend, regelmäßig hin- und herbewegen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
a)
etw. schwingt
Beispiele:
das Pendel, Perpendikel, Trapez, die Glocke schwingt
Physikdas Pendel schwingt mit großer Amplitude
die Girlanden zwischen den Bäumen schwangen im Wind
die offene Tür hat langsam in ihren Angeln geschwungen
eine Glocke gerät ins Schwingen
eine Schaukel wird zum Schwingen gebracht
mit schwingenden (= wippenden) Schritten
ein schwingender (= sich beim Gehen hin- und herbewegender, weiter) Rock
bildlich
Beispiel:
Sein [des Steppenwolfs] Leben schwingt ... zwischen tausenden, zwischen unzählbaren Polpaaren [ HesseSteppenw.4,243]
b)
jmd. schwingt sichjmd. bewegt sich mit Hilfe einer Schaukel hin und her, jmd. schaukelt, wiegt sich
Beispiele:
sie hat sich auf der, mit der Schaukel hoch in die Luft geschwungen
Vögel schwangen sich auf, in den Zweigen
c)
jmd., etw. schwingt etw.jmd., etw. bewegt etw. in (großen) Bogen
Beispiele:
der Vorsitzende schwang die Glocke und bat die Anwesenden um Ruhe
er schwingt die Fahne, Fackel
scherzhaftden Taktstock schwingen
winkend, grüßend schwang (= schwenkte) er seinen Hut
der Wind schwang die Wäsche auf der Leine
die Faust, Peitsche, den Stock, Hammer schwingen (= mit der Faust, Peitsche, dem Stock, Hammer zum Schlag ausholen)
die Holzfäller schwangen ihre Äxte
salopp, scherzhaftdie Maurerkelle schwingen (= als Maurer arbeiten)
übertragen
Beispiele:
umgangssprachlicher schwang in seinem Verein das Zepter (= hatte die Leitung)
saloppsie schwingt den Pantoffel (= sie beherrscht ihren Ehemann)
saloppeine Rede, (große, lange) Reden schwingen (= eine Rede, Reden halten, lange reden)
saloppgroße Töne schwingen (= sich aufspielen)
salopp, derbdie große Klappe schwingen (= sich wichtig machen, angeben)
umgangssprachlich, scherzhaftdas Tanzbein schwingen (= tanzen)
d)
Turnen sich, etw. schwungvoll pendelnd oder kreisend bewegen
Beispiele:
jmd. schwingt am Barren
das Schwingen im Stütz am Pferd, im Hang an den Ringen
den Rumpf, die Arme, Beine schwingen
die Gymnastinnen schwangen die Keulen
e)
Landwirtschaft
Beispiel:
den Flachs schwingen (= den Flachs mit der Flachsschwinge bearbeiten)
2.
jmdn., sich mit Schwung drehend, kreisend, in weiten Bogen vorwärtsbewegen
a)
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
der Tänzer hat seine Partnerin im Kreise geschwungen
die Paare schwingen sich im Tanz, in der Runde
b)
Skisport
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiel:
die Skifahrer schwangen durch den Wald, über die Hänge
3.
etw., jmdn., sich mit einmaligem energischem Schwung, im Bogen auf ein bestimmtes Ziel zu bewegen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
etw., jmdn., sich auf, aus, in, über, von etw. schwingen
er schwingt den Sack, das Bündel auf den Rücken
sie schwang ihre Beine auf, über die Sessellehne
jmd. schwingt sich aus dem Fenster, Sattel, auf das Fahrrad, Pferd, in den Sattel, Wagen, über die Reling, den Zaun, vom Pferd, Motorrad
der Vogel schwingt sich (= fliegt) auf den Ast, in die Luft
4.
etw. schwingtetw. vibriert, erzittert
a)
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
eine Membrane schwingt
das Flugzeug sackte mit schwingenden Tragflächen ab
der Marschtritt der Kolonne brachte die Brücke ins, zum Schwingen
b)
etw. vibriert hörbar
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
eine Saite schwingt
die schwingenden Hölzer eines alten Claviers [ BobrowskiClaviere54]
c)
gehoben etw. klingt, tönt in zu- und abnehmender Lautstärke, rhythmisch
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
ein Ton, Rhythmus schwingt
seine Stimme schwang noch im Raum
ein hoch schwingender Ton
übertragen
Beispiele:
Freude, Angst, Verzweiflung schwingt in jmds. Worten
in seiner Bemerkung, Stimme hat eine leise Ironie geschwungen
d)
gehoben etw. breitet sich in akustisch wahrnehmbaren Schwingungen über, durch etw. aus
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’/‘hat’
Beispiele:
der Klang der Glocken, Sirenen schwang über die Stadt
eine Melodie, jmds. Stimme ist, hat durch den Saal geschwungen
sie sprach mit weithin schwingender Stimme
5.
gehoben bogenförmig, wellenförmig verlaufen, sich bogenförmig, wellenförmig erstrecken
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
eine Hecke schwingt sich in weitem Bogen um den Park, Garten
eine Brücke schwingt sich (= wölbt sich) über dem, den Fluss
Die Eisenketten, die sich in niederem Bogen von Steinpflock zu Steinpflock schwangen [ KasackStadt219]
Die Berge schwangen sich in edlen Linien [ Feuchtw.Söhne186]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schwingen · Schwinge · beschwingt · Schwingung · erschwingen · erschwinglich
schwingen Vb. ‘weit ausholend hin- und herbewegen’, ahd. swingan (8. Jh.), mhd. swingen ‘schwingen, schütteln, fliegen, schweben, sich bewegen’, asächs. swingan ‘sich schwingen, stürzen’, mnd. swingen, mnl. swinghen ‘schlingern, drehen, werfen’, aengl. swingan ‘sich schwingen, fliehen, schlagen, züchtigen, treiben’, engl. to swing (germ. *swing(w)an). Außergerm. Verwandte sind spärlich und unsicher. Wenn sich air. seng ‘schlank’ und vielleicht aind. svájatē ‘umarmt, umschlingt, umfaßt’, páriṣvakta- ‘eng umschlungen’ vergleichen lassen, ist ein Ansatz ie. *su̯eng-, *su̯enk- ‘biegen, drehend schwingen, schwenken’ möglich. Dazu stellen sich auch ↗Schwanz, ↗Schwang, ↗Schwank, ↗schwanken, ↗schwenken und ↗schwach (s. d.). Als Grundbedeutung für das Verb ist ‘weit ausholend hin- und herbewegen’ anzunehmen. Schwinge f. ‘Vogelflügel’ (16. Jh.), asächs. swinga ‘Knüppel, Prügel, Keule’ (11. Jh.), spätmhd. swinge ‘Gerät zum Schwingen, Flachs-, Hanfschwinge, Getreide-, Futterschwinge’, verächtlich auch ‘Schwert’. beschwingt Part.adj. ‘beflügelt, unbeschwert’ (18. Jh.), zu beschwingen Vb. ‘in Bewegung setzen, beflügeln’ (17. Jh.). Schwingung f. ‘schwingende Bewegung, das Schwingen’ (17. Jh.), ‘sich wiederholende, zwischen zwei Grenzwerten stattfindende Bewegung’, auch als Terminus der Physik (18. Jh.). erschwingen Vb. ‘aufbringen, bezahlen’, eigentlich wohl sich erschwingen ‘sich aufschwingen zu etw.’ (16. Jh.), mhd. erswingen ‘schwingend in Bewegung setzen, aufschwingen, abstreifen, schwingend erreichen’. erschwinglich Adj. ‘finanziell tragbar’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
oszillieren · ↗pendeln · ↗schaukeln · schwingen · ↗wiegen
Synonymgruppe
baumeln · hin- und herpendeln · ↗hin- und herschwingen · hin- und herwedeln · ↗pendeln · schwingen · ↗wedeln
Synonymgruppe
oszillieren · ↗pulsieren · schwingen  ●  schwummern  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›schwingen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schwingen‹.

Verwendungsbeispiele für ›schwingen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Rauschend fuhren die Sensen, von kräftigen Armen geschwungen, durch die reifen Halme.
Brief von Kurt Rohrbach vom 26.08.1915. In: Witkop, Philipp (Hg.), Kriegsbriefe gefallener Studenten, München: Müller 1928 [1915], S. 228
Meggie schwang die Beine aus dem Bett und trat ans Fenster.
Funke, Cornelia: Tintenherz, Hamburg: Cecilie Dressler Verlag 2003, S. 53
Die Stimme schwingt ruhig und klar durch den schweigenden Raum.
Goote, Thor [d.i. Langsdorff, Werner von]: Die Fahne Hoch!, Berlin: Zeitgeschichte-Verlag 1933 [1933], S. 146
Ich schwang mich über das Fensterbrett und sprang ins Freie.
Simmel, Johannes Mario: Der Stoff, aus dem die Träume sind, Güterlsoh: Bertelsmann u. a. [1973] [1971], S. 108
Das Boot schwingt heran, setzt mit leisem Schurren auf den Sand auf.
Horster, Hans-Ulrich [d.i. Rhein, Eduard]: Ein Herz spielt falsch, Köln: Lingen 1991 [1950], S. 130
Der Arzt schwang sich in den Sattel und trabte davon.
Schaper, Edzard: Der Henker, Zürich: Artemis 1978 [1940], S. 439
Ein Hochzeitsfest ist der ideale Anlaß, wieder einmal das Tanzbein zu schwingen.
Schäfer-Elmayer, Thomas: Der Elmayer. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1991], S. 4599
Zitationshilfe
„schwingen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schwingen>, abgerufen am 25.09.2020.

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