seelisch

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung see-lisch
GrundformSeele
Wortbildung  mit ›seelisch‹ als Letztglied: innerseelisch

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. die Seele betreffend
    1. psychisch
  2. 2. [Religion] die Seele betreffend
eWDG

Bedeutungen

1.
die Seele betreffend
entsprechend der Bedeutung von Seele (1)
Beispiele:
seelische Regungen
ein seelisches Erlebnis
seelischer Schmerz
seelische Leere
aus dem seelischen Gleichgewicht, seelisch aus dem Gleichgewicht kommen
sein seelisches Gleichgewicht wiedererlangen
umgangssprachlicheinen seelischen Knacks haben
daß du der seelischen Größe eines Russen die höchste Anerkennung ausgesprochen hast [ H. HauserEnde der NachtI 1]
psychisch
Beispiele:
seelische Vorgänge, Reaktionen
seelische Konflikte, Spannungen, Erregungen, Belastungen, Depressionen
schwere seelische Erschütterungen
geistige und seelische, körperliche und seelische Störungen
ein seelischer Schock
ein schwerer seelischer Zusammenbruch
eine schwere seelische Krise durchmachen
körperliche und seelische Erschöpfung
das ist seelisch bedingt
jmds. seelischer Zustand, Verfassung
Ein Exzem kann im Zustand seelischer Entspannung völlig verschwinden [ Gesundheit1964]
2.
Religion die Seele betreffend
entsprechend der Bedeutung von Seele (3)
Beispiele:
seelisch angefochten sein
der Pfarrer gewährte ihr seelischen Halt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Seele · seelisch · beseelen · entseelt · seelenverwandt · Seelsorge · Seelsorger
Seele f. ‘Gesamtbereich der menschlichen Empfindungen und des Erlebnisvermögens’, in religiösem Sinne ‘der für unsterblich gehaltene spirituelle Teil des Menschen’, ahd. sēla (8. Jh.), mhd. sēle, asächs. sēola, siola, sēla, mnd. sēle, mnl. siele, nl. ziel, afries. sēle, aengl. sāwol, sāw(e)l, engl. soul, got. saiwala (die nordgerm. Ausdrücke beruhen auf Entlehnung aus dem Aengl.). Herkunft unbekannt. Man vermutet in germ. *saiw(a)lō eine l-Ableitung von dem unter See (s. d.) behandelten Substantiv (‘die vom See Herstammende, zum See Gehörende’), da nach altem Glauben der Germanen die Seelen der Menschen vor der Geburt und nach dem Tod im Wasser leben sollen. Fraglich bleibt jedoch, ob dieser Glaube allgemein verbreitet war; daher wird auch die Meinung vertreten, Seele als bisher unerklärtes Tabuwort anzusehen. Häufig sind formelhafte Fügungen und Wendungen; vgl. Leib und Seele für die ‘körperliche und geistige Seite’ des Menschen, mhd. līp unde sēle, ahd. līhhamo joh sēla (9. Jh.); mit, an Leib und Seele ‘völlig, ganz und gar’ (16. Jh.). Auf der christlichen Vorstellung des göttlichen Ursprungs der unsterblichen Seele beruhen Beteuerungsformeln wie bei meiner Seele, vgl. mhd. bī sēl und triuwe swern. Die Seele wird als der innere, der empfindende Teil des Menschen angesehen, vgl. jmdm. auf der Seele liegen ‘ihn belasten, bedrücken’, auf der Seele haben (18. Jh.), auf die Seele fallen, auf der Seele brennen (19. Jh.); etw. (eine Last) von der Seele wälzen (18. Jh.); jmdm. aus der Seele sprechen ‘die Überzeugung, die Empfindungen eines anderen ausdrücken’ (19. Jh.). Die Fügung schöne Seele, seit den Mystikern des 14. Jhs. (mhd. diu sēle schœne) bis ins 17. Jh. dem religiösen Bereich angehörend, wird unter dem Einfluß Wielands (1750), der „Nouvelle Héloïse“ Rousseaus (frz. belle âme) und der engl. Romanliteratur im Sinne von ‘empfindsames, tugendhaftes Gemüt’ Ausdruck einer Harmonie von innerer Haltung und äußerer Erscheinung. Häufig mit charakterisierendem Attribut für ‘Mensch’ schlechthin, vgl. eine gute Seele ‘ein guter Mensch’, fromme, ehrliche, arme, schwarze Seele (sämtlich 18. Jh.); auch keine Seele ‘niemand’ (17. Jh.), 200 Seelen (18. Jh.); eine Seele von Mann, von Mensch u. ä. (18. Jh.). Die alte Vorstellung, daß sich die Seele im Hauch, im Atem manifestiere, liegt Ausdrücken für ‘sterben’ zugrunde: seine Seele ausblasen (17. Jh.), mhd. die sēle gēt ūʒ dem munde. seelisch Adj. ‘auf die Seele bezüglich, psychisch’ (16. Jh.). beseelen Vb. ‘mit einer Seele versehen’ (17. Jh.), übertragen ‘mit Inhalt, mit Leben, mit Gefühl erfüllen’. entseelt Part.adj. ‘der Seele beraubt, tot’ (17. Jh.), zu entseelen (16. Jh.). seelenverwandt Adj. ‘in seinem innersten Empfinden und Fühlen übereinstimmend oder ähnlich’ (18. Jh.). Seelsorge f. ‘Hilfe, Beratung und Leitung der Gemeindemitglieder’ (durch den Geistlichen im Auftrag der Kirche, 16. Jh.), nach älterem Seelsorger m. ‘Pfarrer’ (15. Jh.), frühnhd. vereinzelt auch ‘Testamentsvollstrecker’ (15. Jh.).

Thesaurus

Psychologie, Religion
Synonymgruppe
emotional · emotionell · gefühlsmäßig · mental · seelisch  ●  affektiv  fachspr.
Synonymgruppe
psychisch · psychologisch · seelisch
Synonymgruppe
Gemüts... · geistig · seelisch · zerebral
Synonymgruppe
gedanklich · geistig · innerlich · mental · psychisch · seelisch

Typische Verbindungen zu ›seelisch‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›seelisch‹.

Verwendungsbeispiele für ›seelisch‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Seelischen Schaden schon gar nicht, ich glaube, auf der Straße, da erlebt man mehr. [o. A.[Autorenkollektiv am Psychologischen Institut der Freien Universität Berlin]: Sozialistische Projektarbeit im Berliner Schülerladen Rote Freiheit. Frankfurt: Fischer Bücherei 1971, S. 432]
Er ist es nicht immer von der seelischen Einstellung der Massen her. [Kriegk, Otto: Der deutsche Film im Spiegel der Ufa, Berlin: Ufa-Buchverl. 1943, S. 293]
Keines der älteren Jahrhunderte hatte derart ein einzelnes Sterben als ein besonderes seelisches Sein zu erleben vermocht. [Beenken, Hermann: Das Neunzehnte Jahrhundert in der deutschen Kunst, München: Bruckmann 1944, S. 237]
Merkwürdigerweise tritt er hier am besten ausgeprägt zunächst innerhalb des seelischen Seins auf. [Hartmann, Nicolai: Der Aufbau der realen Welt, Berlin: de Gruyter 1940, S. 183]
Er hat versucht, sie seelisch zu vernichten, aber mich hat er wahrhaftig fast gekillt. [Der Spiegel, 05.01.1998]
Zitationshilfe
„seelisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/seelisch>.

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