Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

segeln

Grammatik Verb · segelt, segelte, ist/hat gesegelt
Aussprache 
Worttrennung se-geln
eWDG

Bedeutungen

1.
den Winddruck zur Fortbewegung eines Fahrzeugs, besonders eines Bootes, nutzen, sich in einem Fahrzeug mit einem Segel, mit Segeln vorwärtsbewegen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’/‘hat’
Beispiele:
er ist, hat früher viel, gern gesegelt
ich bin, habe auf dem Müggelsee gesegelt
er hat heute den ganzen Nachmittag gesegelt
Sporteine Regatta segeln (= sich an einem Wettkampf für Segelboote beteiligen)
irgendwohin segeln
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiele:
sie sind ans andere Ufer, nach Rügen gesegelt
mit, vor dem Wind, gegen den Wind segeln
bildlich
Beispiel:
in jmds. Kielwasser, Fahrwasser segeln (= jmdm. willig folgen)
umgangssprachlich unter falscher, fremder Flagge segelnsich für etw. anderes ausgeben, als man in Wirklichkeit ist
Beispiel:
Nur müsse eben, wenn er auch natürlich die Verdienste Professor Rapps um den Fund ins rechte Licht rücken werde, das Buch unter seinem, Dierkopfs Namen segeln [ Feuchtw.in: Dt. Erzähler2,136]
eine Strecke segelneine Strecke in einem Fahrzeug mit Segeln zurücklegen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’/‘ist’
Beispiele:
er segelt diesen Kurs zum ersten Mal
bei normalen Winden segelt dieser Segelschlitten bis zu 36 km in der Stunde
ein Boot segeln
ein Boot durch den Winddruck fortbewegen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiel:
er hat noch nie ein Boot gesegelt
2.
übertragen schweben, durch die Luft fliegen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiele:
Wolken segeln über den Himmel
Möwen segeln durch die Luft
bunte Blätter segeln auf den Parkweg
Die Schwalben segeln im Blau [ StrittmatterTinko387]
der rote Aktendeckel … segelte auf den Fußboden [ SteinbergEinzug483]
die beste aller denkbaren Welten unseres guten Leibniz segelte ja in den Abgrund [ A. ZweigBeil203]
3.
salopp jmd. segeltjmd. geht schnell und geschwellt, Aufmerksamkeit fordernd
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiele:
Zum Schluß segelte dann Tante Katharina in die Stube [ E. WeberÖsterreich5]
als einmal … unvermutet um die Ecke ein Polizist segelte [ St. ZweigNovellen1,159]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Segel · segeln · Segler · Segelschiff · Segeltuch · Segelflugzeug · Segelflug
Segel n. ‘am Schiffsmast befestigte, mit Stricken gespannte Leinwand’, ahd. segal (8. Jh.), mhd. segel, sigel ‘Segel, Vorhang’, asächs. segal, mnd. sēgel, mnl. seil, seel, nl. zeil, afries. seil, aengl. seg(e)l, engl. sail, anord. segl, schwed. segel (germ. *segla-). Herkunft ungewiß. Vergleicht man anord. sœgr ‘losgerissenes Stück’, segi ‘Fleischstreifen’, kann an eine Verwandtschaft mit Säge (s. d.) und an einen Anschluß an die Wurzel ie. *sē̌k- ‘schneiden’ gedacht werden mit der wenig befriedigenden Bedeutung ‘abgeschnittenes Stück’. Szemerényi in: Lat. u. Europa (1978) 36 f. denkt an Entlehnung aus vlat. *segellum, lat. sagulum, Deminitivum zu lat. sagum ‘Stück Tuch, Mantel’. Segel, im Ahd. und Mhd. ein Mask., nimmt vom 17. Jh. an unter nd. und nl. Einfluß neutr. Genus an, wie es auch die übrigen germ. Formen aufweisen. segeln Vb. ‘mit Segel und Windkraft, mit einem Segelschiff fahren’, mhd. sigelen ‘segeln, schiffen, zu Schiff befördern’, mnd. sēgelen, mnl. seilen, sēghelen, nl. zeilen, aengl. segl(i)an, engl. to sail, anord. sigla, schwed. segla; heute auch ‘mit dem Segelflugzeug fliegen’ (20. Jh.). Segler m. ‘Segelschiff, Schiffer, wer Segelsport betreibt, zur Familie der Schwalben gehörender Vogel’, spätmhd. segeler. Segelschiff n. ‘mit Segeln, ohne Motor- oder Ruderkraft fahrendes Schiff’ (16. Jh.). Segeltuch n. ‘Segel’, mhd. segeltuoch; dann auch ‘grobe Leinwand’ für Segel, Planen, Zelte (Anfang 18. Jh.). Segelflugzeug n. ‘ohne Motor, im Aufwind und im Gleitflug fliegendes Flugzeug’; Segelflug m. (20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›segeln‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›segeln‹.

Verwendungsbeispiele für ›segeln‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Immerhin, die Herren duzen sich, und gelegentlich gingen einige von ihnen auch gemeinsam segeln. [Die Zeit, 22.03.1996, Nr. 13]
Wir hätten in zweieinhalb Jahren auch um die Welt segeln können. [konkret, 1983]
Mit weniger als sechs Mann lässt es sich nicht segeln. [Die Zeit, 14.05.2013, Nr. 17]
Er fällt nicht, sondern segelt; er flieht einerseits vor uns, andererseits springt er Dinge an und haftet fester an ihnen als mit einem Kleber befestigt. [Die Zeit, 06.02.2012, Nr. 06]
Das Kind aber wurde braun und bekam glänzende Augen, Es ruderte, segelte und schwamm. [Wiechert, Ernst: Das einfache Leben, München: Ullstein Taschenbuchverl. 2000 [1946], S. 101]
Zitationshilfe
„segeln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/segeln>.

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