siech

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Wortbildung mit ›siech‹ als Grundform: ↗Sieche · ↗Siechheit
eWDG, 1976

Bedeutung

gehoben, veraltend an einer schweren, langwierigen Krankheit leidend, durch schwere, langwierige Krankheit oder Alter hinfällig, gebrechlich
Beispiele:
ein siecher Greis, Mann
sie hatte den Siechen bis zu seinem Tode gepflegt
Wo keine Steinadler, keine Luchse mehr ... auf sieche Tiere lauern [GrzimekWildes Tier179]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

siech · siechen · dahinsiechen · Siechtum
siech Adj. ‘krank, hinfällig, schwer leidend (ohne Besserungsaussichten)’. Die Herkunft des Adjektivs ahd. sioh (8. Jh.), mhd. siech ‘krank’, besonders ‘aussätzig’, asächs. siok, mnd. sēk, mnl. siec, nl. ziek, afries. siāk, aengl. sēoc, engl. (mit Vokalkürzung) sick, anord. sjūkr, schwed. sjuk, got. siuks (germ. *seuka-) ist trotz mehrerer Deutungsversuche nicht geklärt. Man hat für die Wortgruppe siech, siechen, Seuche, Sucht Verwandtschaft mit ↗saugen (s. d.) und Anschluß an die dort genannte Wurzel erwogen und auf die alte Vorstellung verwiesen, nach der Dämonen dem Kranken das Leben aussaugen; vgl. Lid in: Norsk Tidsskrift f. Sprogvidenskap 7 (1934) 170. Andere hingegen ziehen armen. hiucanim ‘sieche hin’ und mir. socht (aus ie. *sug-to-) ‘Schweigen, Depression’ vergleichend heran und erschließen eine Wurzel ie. *seug- ‘bekümmert, traurig, gekränkt, krank’; vgl. Pokorny 1, 915. siech wird bereits seit spätmhd. Zeit verdrängt von ↗krank (s. d.). siechen Vb. ‘langsam durch schwere Krankheit verlöschen’, ahd. siohhēn ‘krank sein, schwach werden’ (um 800), mhd. siechen ‘krank sein oder werden, durch Krankheit abgehen’, mnd. sēken, mnl. sieken, anord. sjūkna ‘erkranken’; ein starkes Verb liegt dagegen vor in got. siukan ‘krank sein’ (s. ↗Sucht). In neuerem Dt. steht für siechen weithin dahinsiechen Vb. (19. Jh.). Siechtum n. ‘sich lange hinziehende Krankheit ohne Besserungsaussichten’, ahd. siohtuom (10. Jh.), mhd. siechtuom ‘Krankheit, Kränklichkeit’.

Thesaurus

Synonymgruppe
arbeitsunfähig (Arbeitsrecht) · erkrankt · gesundheitlich angegriffen · ↗kränklich · ↗leidend · nicht gesund · siech (veraltet oder landschaftlich) · ↗verletzt  ●  ↗krank  Hauptform · außer Gefecht  ugs. · ↗malad  ugs., kölsch · ↗malade  ugs.
Unterbegriffe
  • schwer krank · ↗sterbenskrank · ↗todgeweiht · ↗todkrank · unheilbar krank  ●  es bald hinter sich haben  sarkastisch · ↗schwerkrank  Hauptform · am Abnibbeln  ugs. · am Abnippeln  ugs. · es nicht mehr lange machen  derb · schwer darniederliegen  geh., veraltet
Assoziationen
  • angeschlagen · nicht fit · ↗unpässlich · ↗unwohl  ●  nicht in bester Verfassung  verhüllend · nicht in der besten Verfassung  verhüllend · ↗indisponiert  geh. · neben der Spur  ugs. · wacklig auf den Beinen  ugs.
  • abgeschlafft · keine Energie mehr haben · ↗kraftlos · ↗lasch · ↗matt · saft- und kraftlos · ↗schlaff · ↗schlapp  ●  (es .. einfach) nicht mehr gehen  ugs. · ↗alle  ugs. · ↗ausgelutscht  ugs. · ausgepowert  ugs. · ↗daneben  ugs. · ↗down  ugs., veraltend · duhne  ugs., rheinisch · fix und foxi  ugs., veraltet, scherzhaft · geschafft  ugs. · ↗groggy  ugs. · in den Seilen hängen  ugs. · ↗kaputt  ugs. · lurig  ugs., rheinisch · nüntig  ugs., vorarlbergerisch, schweiz., selten · ohne Saft und Kraft  ugs. · ↗platt  ugs.
  • krank sein · ↗kränkeln · ↗leiden
  • (jemandem wurde) Bettruhe verordnet · ↗bettlägerig (sein) · das Bett hüten (müssen) · mit (...) im Bett liegen · nicht aufstehen (dürfen) · nicht aufstehen (können)  ●  (jemanden) ans Bett fesseln  fig. · ans Bett gefesselt sein  fig. · (jemanden) aufs Krankenbett werfen  geh., fig., veraltet, literarisch · (jemanden) aufs Krankenlager werfen  geh., veraltet, literarisch, fig. · (jemanden) aufs Lager werfen  geh., veraltend, fig. · ↗(schwer) darniederliegen  geh. · flach liegen  ugs.
  • im Krankenhaus · mit Aufnahme im Krankenhaus · ↗stationär
  • entzündet · vereitert · ↗wund  ●  ↗schlimm  ugs., regional

Typische Verbindungen
computergeneriert

Branche Friedensprozeß Genre Greis Konjunktur König Körper Leib Patient Wirtschaft krank längst ohnehin

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›siech‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber offenbar hat er es geschafft, Bayer nach einem siechen Jahr wieder Leben einzuhauchen.
Süddeutsche Zeitung, 30.07.2001
Wir werden auch bald wirtschaftlich dazu gezwungen sein, etwas zu tun, damit „alt“ nicht gleichzeitig auch „siech“ bedeutet.
Die Zeit, 11.04.1986, Nr. 16
Der Herr hielt an und sprach freundlich zu den siechen Göttern.
Klepper, Jochen: Der Vater, Gütersloh: Bertelsmann 1962 [1937], S. 90
Er saß siech und schattenhaft in seinem Büro und arbeitete bis drei Uhr nachts.
Reger, Erik [d.i. Dannenberger, Hermann]: Union der festen Hand, Kronberg/Ts.: Scriptor 1976 [1931], S. 167
Zwar hast du bürgernützlich recht gehabt wie jeder Arsch zu seiner Zeit Doch die ist siech und lahm und jetzt lang totgeschlagene Vergangenheit!
Späth, Gerold: Commedia, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1980 [1980], S. 84
Zitationshilfe
„siech“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/siech>, abgerufen am 17.10.2019.

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