sieden

Grammatik Verb · siedet, siedete, hat gesiedet
Grammatik Verb · siedet, sott, hat gesotten
Aussprache 
Worttrennung sie-den
Wortbildung  mit ›sieden‹ als Erstglied: ↗Siededruck · ↗Siedegrad · ↗Siedehitze · ↗Siedepfanne · ↗Siedepunkt · ↗Sieder · ↗Siederei · ↗Siedesalz · ↗Siedetemperatur · ↗Siedewasser · ↗Siedfleisch · ↗siedeheiß
 ·  mit ›sieden‹ als Letztglied: ↗absieden · ↗aufsieden · ↗einsieden · ↗übersieden
 ·  formal verwandt mit: ↗hartgesotten

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. ⟨etw. siedet⟩ eine Flüssigkeit, besonders Wasser, kocht, befindet sich in Siedetemperatur
    1. [gehoben, bildlich] ...
    2. [übertragen] ...
    3. ⟨etw. sieden⟩ eine Flüssigkeit, besonders Wasser, bis zum Kochen, auf Siedetemperatur erhitzen
  2. 2. ⟨etw. sieden⟩ eine rohe, unfertige Speise in reichlich Flüssigkeit gar kochen
    1. [landschaftlich, besonders süddeutsch, österreichisch, veraltend] ...
    2. ⟨etw. siedet⟩ eine rohe, unfertige Speise kocht (in reichlich Flüssigkeit), befindet sich in Siedetemperatur
  3. 3. ...
    1. [veraltend, landschaftlich, besonders süddeutsch, österreichisch] ⟨etw. sieden⟩ eine Speise, ein Getränk durch Kochen zubereiten, herstellen
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
etw. siedeteine Flüssigkeit, besonders Wasser, kocht, befindet sich in Siedetemperatur
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’, Partizip II ‘gesiedet’
Beispiele:
Wasser siedet bei 100 Grad (= verwandelt sich in Dampf)
das Wasser siedete, sott im Topf
der Kessel (= der Inhalt des Kessels) siedete
das Wasser beginnt zu sieden
Tee, Kaffee mit siedendem Wasser aufbrühen
sich mit siedender Seifenlauge, siedend heißem Öl verbrühen
etw. zum Sieden bringen
gehoben, bildlich
Beispiele:
ihm wurde siedend heiß bei dem Gedanken
Die Luft über beiden Maschinen siedete [ MundstockMann114]
übertragen
Beispiele:
er siedete (vor Wut), in ihm siedete es, sein Blut siedete (= er war sehr erregt, wütend)
ihn packte eine siedende Wut
sie durchzuckte ein siedender Schreck
dieser Zwischenfall brachte die Stimmung zum Sieden
die Stille sott in seinen Ohren [ M. WalserEhen53]
etw. siedeneine Flüssigkeit, besonders Wasser, bis zum Kochen, auf Siedetemperatur erhitzen
Beispiel:
Man siedete das Badewasser [ StrittmatterWundertäter12]
2.
etw. siedeneine rohe, unfertige Speise in reichlich Flüssigkeit gar kochen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’, Partizip II ‘gesotten’
Beispiel:
gehobenGebratenes und Gesottenes
landschaftlich, besonders süddeutsch, österreichisch, veraltend
Beispiele:
Fleisch, Fisch, Eier, Kartoffeln sieden
etw. in Wasser, Öl sieden
gesottene Krebse
als das Wasser kochte, schmiß er die ausgenommenen Fische rein und sott sie [ AnderschSansibar170]
etw. siedeteine rohe, unfertige Speise kocht (in reichlich Flüssigkeit), befindet sich in Siedetemperatur
Beispiele:
die Milch siedet
im Topf siedeten Eier, zwei Kochwürste
3.
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’, Partizip II ‘gesotten’
Beispiele:
fachsprachlichSalz, Seife, Leim sieden
fachsprachlichin dieser Saline wurden jährlich 50000 Zentner Kochsalz gesotten
veraltend, landschaftlich, besonders süddeutsch, österreichisch etw. siedeneine Speise, ein Getränk durch Kochen zubereiten, herstellen
Beispiel:
Er […] sott sich mehrmals am Tag ein starkes, gallenbitteres Getränk [ Erh. KästnerZeltbuch148]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

sieden · hartgesotten · Tauchsieder · Siedehitze · Siedepunkt
sieden Vb. ‘wallen, kochen’, ahd. siodan (9. Jh.; vgl. ungisotan Part. Prät., 8. Jh.), mhd. sieden, mnd. sēden, mnl. sieden, nl. zieden, afries. siātha aengl. sēoþan, engl. to seethe, anord. sjōða, schwed. sjuda (germ. *seuþan). Als ablautende Bildungen sind verwandt (mit kurzem Vokal) die unter ↗Sud (s. d.) und (mit langem Vokal bzw. Diphthong) die unter ↗Sodbrennen (s. d.) angegebenen Formen sowie anord. seyðir ‘Kochfeuer’, seyðr ‘Wirbelstrom’, sauðr ‘Schaf’ (eigentlich ‘was gekocht wird’), got. sauþs ‘(Brand)opfer’. Außergerm. vergleichen sich lit. siaũsti ‘(herum)tollen, aussgelassen sein, toben, wüten, branden, wogen’, auch ‘schlagen, werfen, (Getreide) worfeln, die Spreu vom Korn sondern’, russ.-kslaw. šutъ ‘Narr’, russ. šut (шут) ‘Narr, Possenreißer’, šutít’ (шутить) ‘Spaß machen, scherzen’, so daß sich ie. *seut- ‘heftig bewegt sein’ und (für das Germ.) ‘brodeln, sieden’ erschließen läßt. In fester Verbindung hartgesotten Part.adj. ‘hartgekocht’, übertragen (Ende 18. Jh.) ‘seelisch abgestumpft, unempfindlich’. Tauchsieder m. ‘in Wasser zu dessen Erhitzung einzutauchender Heizkörper’ (20. Jh.). Siedehitze f. Siedepunkt m. ‘Temperatur, bei der Wasser siedet, kocht’ (beide 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
aufbrühen · ↗kochen · sieden
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›sieden‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›sieden‹.

Verwendungsbeispiele für ›sieden‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das war zu viel, auch wenn man hart gesotten ist.
Süddeutsche Zeitung, 03.11.2001
Sie ließen sich unerschrocken enthaupten, rädern, rösten, sieden, kreuzigen, schinden und in Stücke reißen.
Die Welt, 15.01.2000
Veit bestand darin, daß er in siedendem Öl gesotten wurde.
Röhrich, Lutz: Veit. In: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten [Elektronische Ressource], Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994], S. 21500
Des ebenfalls braunhäutigen jungen Mannes Blut, ohnehin immer über einer kleinen Flamme, begann zu sieden.
Gütersloh, Albert Paris: Sonne und Mond, München: Piper 1984 [1962], S. 37
Er geht auf dem Achterdeck hin und her, siedend vor Wut.
Luckner, Felix von: Seeteufel, Herford: Kohler 1966 [1921], S. 16
Zitationshilfe
„sieden“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/sieden>, abgerufen am 19.09.2020.

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