siezen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungsie-zen
eWDG, 1976

Bedeutung

sich, einander siezen
sich mit jmdm. siezen
einander mit »Sie« anreden
Beispiele:
ich sieze mich mit ihm
wir siezen uns
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

sie · Sie1 · Sie2 · Sielein · Siechen · Si(e)ke · Sēke · siezen
sie Pers.pron. f. der 3. Person Sing. und m. f. n. der 3. Person Plur. Das Pers.pron. der 3. Person wird im Germ. allgemein mit dem Pronominalstamm ie. *ei-, *i- (s. ↗er, ↗es) gebildet. Daneben steht ein mit s- anlautender Stamm, der in got. si und ahd. sī̌ (Nominativ Sing. Fem.) wie auch in einigen Formen des Demonstrativums (s. ↗der, ↗die, ↗das, dort auch Weiteres zur Verwandtschaft) bzw. als zweiter Bestandteil des verstärkten Demonstrativums (s. ↗dieser, ↗diese, ↗dieses) vertreten ist. Das Pers.pron. der 3. Person Sing. entwickelt in Analogie zum einfachen Demonstrativum (Nominativ Sing. Fem. ahd. asächs. thiu, Akkusativ Sing. Fem. ahd. asächs. thia) einen entsprechenden femininen Nominativ ahd. asächs. siu bzw. Akkusativ ahd. asächs. sia. Das dadurch mit den starken Adjektiven endungsgleiche Personalpronomen bildet daraufhin diesen folgende Pluralformen wie Nominativ und Akkusativ Mask. ahd. sie, asächs. sia, sea, Fem. ahd. sio, asächs. sia, sea, Neutr. ahd. siu, asächs. siu, sia, sea. Bereits im Ahd. werden die vollen Formen vereinfacht zu , sie und si, die auch im Mhd. gelten (mnd. , mnl. si), bis sich im Nhd. sie (nl. zij) an allen Stellen durchsetzt. Die Anrede Sie f. Sing. an eine weibliche Person (17. Jh.), anfänglich höflicher als Ihr (s. ↗ihr), sinkt (18. Jh.) zur Anrede an sozial Niedrigstehende herab. Sie wird ersetzt (in beiden Geschlechtern) durch den Plural Sie1 der zunächst (Anfang 17. Jh.) als Anrede einer fürstlichen Person im Anschluß an pluralische Höflichkeitsformeln (wie Euer Gnaden u. dgl.) entsteht und bald als allgemeine Form der Anrede (Ende 17. Jh., anfangs noch neben Ihr) üblich wird. Substantiviert Sie2 f. ‘Tierweibchen’, besonders ‘Vogelweibchen’, mhd. , sie f. ‘Weib, Frau, Tierweibchen’. Meist als Deminutivum mit den Suffixen -lein, -chen (nd. -ke) Sielein n. (16. Jh.), spätmhd. siel. Siechen n. (um 1700), nd. Si(e)ke, Sēke n. In der Jägersprache wird die Bezeichnung zum Femininum Sieke, Sicke f. (18. Jh.), also nicht mehr als Deminutivum empfunden. siezen Vb. ‘jmdn. mit Sie anreden’ (17. Jh.); s. ↗duzen, ↗ihrzen.

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemanden) mit Sie anreden · (jemanden) siezen · Sie zu jemandem sagen · mit jemandem per Sie sein

Typische Verbindungen
computergeneriert

Elter Leser Spieler anreden duzen gern lieber sogar zurück

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›siezen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

So jedenfalls nannte mein Vater sie, und obwohl beide seit Jahrzehnten befreundet waren, siezten sie einander.
Der Tagesspiegel, 26.06.2004
Wir duzen uns seit 20 Jahren, wäre also albern, sich hier zu siezen.
Bild, 20.03.2002
Sie nahmen mich ernst, da sollten sie mich ruhig siezen.
Goosen, Frank: Liegen lernen, Frankfurt am Main: Eichborn AG 2000, S. 232
Daß er sie vorerst noch siezen würde, das war ihm klar.
Bädekerl, Klaus: Werthers Freundin. In: Hoffmann, Raoul (Hg.) Auf Live und Tod, München: Dt. Taschenbuch-Verl. 1983 [1979], S. 164
Seit 1740 siezt man sich allgemein in den oberen Schichten.
Reimann, Hans: Vergnügliches Handbuch der Deutschen Sprache, Düsseldorf: Econ-Verl. 1964 [1931], S. 114
Zitationshilfe
„siezen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/siezen>, abgerufen am 22.08.2019.

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