Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

singen

Grammatik Verb · singt, sang, hat gesungen
Aussprache 
Worttrennung sin-gen
Wortbildung  mit ›singen‹ als Erstglied: Singakademie · Singdrossel · Singebewegung · Singeclub · Singefreizeit · Singegruppe · Singeklub · Singekreis · Singer · Singerei · Singestunde · Singgemeinde · Singkreis · Singmesse · Singprobe · Singschule · Singschwan · Singspiel · Singstimme · Singstunde · Singvogel · Singweise · Sänger · singbar
 ·  mit ›singen‹ als Letztglied: Gesinge · Probe singen · Quempassingen · absingen · ansingen · aufsingen · aussingen · besingen · durchsingen · einsingen · frei singen · freisingen · heruntersingen · lobsingen · mitsingen · nachsingen · umsingen · vorsingen · weitersingen · wettsingen · zersingen · zusingen
 ·  mit ›singen‹ als Grundform: Gesang
eWDG

Bedeutungen

1.
mit der Stimme eine geordnete, melodische Folge von Tönen hervorbringen
Beispiele:
das Mädchen, Kind, der Chor singt (ein Lied)
er kann nicht singen
eine Arie, ein Duett, einen Schlager, ein Solo singen
umgangssprachlicheins singen
er sang die Partie des Boris Godunow
die erste, zweite Stimme singen
solo, im Chor, zweistimmig, mehrstimmig, Sopran, Tenor, auswendig, vom Blatt, nach Noten singen
er sang richtig, falsch, rein, laut, tief, mit Ausdruck, mit rauer, voller, geschulter Stimme
sie singt sehr hoch, silberhell, glockenrein, leise vor sich hin
in einer Oper singen
er singt zur Gitarre
ein Kind in den Schlaf singen
sie singt wie eine Nachtigall (= sie hat eine sehr schöne Stimme)
die Lerche, Amsel singt fröhlich
sie wanderten singend durch den Wald
das gemeinschaftliche, chorische Singen
er leitete ein offenes Singen (= er leitet eine Veranstaltung, bei der jeder Teilnehmer mitsingen darf)
sprichwörtlichwo man singt, da lass dich ruhig nieder
bildlich
Beispiel:
gehobendie Geigen sangen leise ihr himmlisches Lied [ FühmannJudenauto18]
übertragen
Beispiele:
saloppjmd. hört die Engel im Himmel singen (= jmd. hat sehr starke Schmerzen)
umgangssprachlichdavon kann ich ein Lied, weiß ich ein Liedchen zu singen (= davon könnte ich viel erzählen, darüber kann ich aus eigener Erfahrung mitsprechen)
spöttischeine Lobeshymne auf jmdn., etw. singen (= jmdn., etw. sehr loben)
umgangssprachlich, spöttischein Loblied auf jmdn., etw. singen (= jmdn., etw. sehr loben)
spöttischjmds. Lob singen (= jmdn. sehr loben)
das ist ihm nicht an der Wiege gesungen worden (= das war nicht vorauszusehen)
singendin höherer, die Sprechsilben dehnender Stimmführung
Grammatik: im Partizip I
Beispiele:
er spricht singend, mit singendem Ton(fall), Akzent, in einem singenden Dialekt
»Ich weiß nicht«, sagte er mit der singenden, etwas zögernden, lang auf jedem Laut verweilenden Stimme [ HesseNarziß5,69]
2.
einen melodisch vibrierenden, anhaltenden oder an- und abschwellenden Ton von sich geben
Beispiele:
der Teekessel, der Wassertopf, das heiße Wasser begann zu singen
der Wind, das Meer, das Feuer singt
die Wellen, Telefondrähte, Motoren singen
das Auto fuhr mit singenden Reifen
es, das Blut sang ihm in den Ohren, Schläfen
Das Motorrad brummte auf, knatterte und sang dann [ SeegerHabicht278]
3.
dichterisch mit poetischen Ausdrucksmitteln von etw. erzählen, berichten, etw. in einer Dichtung verherrlichen
Beispiele:
der Dichter sang von vergangenen Zeiten, der Liebe, den Abenteuern der alten Recken
viele alte Volkslieder singen von der Schönheit der Natur
4.
salopp etw. (in einem Verhör) aussagen, gestehen, verraten
Beispiele:
ein Bandenmitglied hatte gesungen
Weiß ich denn, ob ich dichthalte? Da haben schon ganz andere gesungen [ UhseBertram237]
[Lagerältester] Krämer singt nicht, aus dem holst du nicht mal einen Gedankenstrich 'raus [ ApitzNackt58]
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat A2.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

singen · singbar · Singer · Singsang · Singspiel
singen Vb. ‘Gesang vortragen’. Mit dem gemeingerm., stark flektierenden Verb ahd. singan ‘singen, preisen, ein (Saiten)instrument spielen, Zauberformeln sagen’ (8. Jh.), mhd. singen, auch ‘dichten, frohlocken, pfeifen, knistern’, asächs. singan, mnd. singen, mnl. singhen, nl. zingen, afries. sionga, siunga, aengl. singan, engl. to sing, anord. syngja, syngva, schwed. sjunga, got. siggwan ‘singen, vorlesen, rezitierend vortragen’ (germ. *singwan) sind vergleichbar griech. omphḗ (ὀμφή, aus *song‐ͧhā) ‘Götterstimme, göttliche Offenbarung, Orakelspruch, Wahrzeichen’ und mkymr. de(h)ongl ‘erklären’, so daß sich ie. *sengu̯h- ‘singen, mit singender Stimme feierlich vortragen’ ansetzen läßt. Dazu Sang, Gesang (s. d.). singbar Adj. ‘durch Gesang darstellbar, sich singen lassend’ (Anfang 18. Jh.). Singer m. ‘wer singt’, mhd. singære; vgl. Meistersinger (15. Jh.). Singsang m. geringschätzig für ‘Gesang, immer wiederkehrendes Gerede’ (18. Jh.), lautnachahmende, reduplizierende Bildung mit Sekundärablaut. Singspiel n. ‘Bühnenstück mit musikalischen Einlagen’ (17. Jh.), auch im Sinne von ‘Oper’ (18. Jh.).

Thesaurus

Musik
Synonymgruppe
jodeln · tirilieren · trällern · tönen  ●  singen  Hauptform · intonieren  geh. · schmettern  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
flöten · schlagen (Fink, Nachtigall)  ●  singen (Vogel)  Hauptform
Oberbegriffe
  • Laute von sich geben
Assoziationen
Synonymgruppe
(mit den Ermittlungsbehörden) zusammenarbeiten · alles verraten · gestehen · geständig sein · kooperieren · reden  ●  kooperativ (sein)  verhüllend · auspacken (ausplaudern)  ugs., salopp, Hauptform, fig. · quatschen  ugs., salopp · singen  ugs., salopp, veraltet
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›singen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›singen‹.

Verwendungsbeispiele für ›singen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Im Alter von 11 Jahren sang er erstmals in einem Chor. [Lehmann, Dieter: Gulak-Artemowski. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1979], S. 37326]
Er beschließt, den Gegner zu überlisten, und fordert ihn auf zu singen. [Rechenberg, Peter: Was ist Informatik?, München: Hanser 1994 [1991], S. 304]
Es werden Lieder gesungen, die ich schon mal gehört habe, aber nicht so recht mitsingen kann. [Merian, Svende: Der Tod des Märchenprinzen, Hamburg: Buntbuch-Verl. 1980 [1980], S. 86]
Ich spiele aber zu Hause noch Gitarre, und die Stücke, die ich singe, die kann ich selbst begleiten. [Runge, Erika (Hg.), Bottroper Protokolle, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1968, S. 87]
Sie zwingen sich, in falschen Tonlagen zu singen, das rächt sich. [Tucholsky, Kurt: Staatspathos. In: Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1930]]
Zitationshilfe
„singen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/singen>.

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