sinken

GrammatikVerb · sank, ist gesunken
Aussprache
Worttrennungsin-ken
Wortbildung mit ›sinken‹ als Erstglied: ↗sinkbar  ·  mit ›sinken‹ als Letztglied: ↗absinken · ↗dahinsinken · ↗durchsinken · ↗einsinken · ↗herabsinken · ↗heruntersinken · ↗hinabsinken · ↗hineinsinken · ↗hinsinken · ↗hintenübersinken · ↗niedersinken · ↗umsinken · ↗untersinken · ↗vornübersinken · ↗vorsinken · ↗wegsinken · ↗zurücksinken · ↗zusammensinken · ↗zusinken
 ·  mit ›sinken‹ als Grundform: ↗entsinken · ↗versinken
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
(infolge der Schwerkraft) in eine langsame, abwärts gerichtete Bewegung geraten
a)
langsam und leicht, nahezu schwebend nach unten fallen, (auf etw.) hinabsinken
Beispiele:
der Nebel sank
die Waagschale sinkt
das Tuch, der Schleier, Fallschirm, Ballon, Drachen sinkt (langsam, lautlos, geräuschlos) zu Boden
die Blätter, Schneeflocken sinken (schwebend) zur Erde
das Blatt Papier sank in die Tiefe
der Körper, die Kiste sank auf den Grund (des Meeres)
der schwere Mantel sank (= glitt) von seinen Schultern
ein Jubeln und Staunen über das Aufsteigen und Sinken der silbernen Riesenapparate [Flugzeuge] [DürrenmattVersprechen99]
etw. sinken lassenetw. Hochgehaltenes dadurch, dass man seine Muskeln, Armmuskeln erschlaffen lässt, abwärts bewegen
Beispiele:
er ließ das Buch, die Zeitung, das Gewehr, die Geige, den Löffel, Arm, die Hand sinken
sein Kopf sank (ihm) auf die Schulter, Brust
ihre Arme, Hände sanken (müde) in den Schoß
bildlich
Beispiel:
gehoben wenn ich in den Abgrund des Verbrechens gesunken bin [G. Hauptm.4,210]
der Abend sinktder Abend beginnt, bricht an, es wird langsam dunkel
Beispiele:
es sinkt der Abend, die Nacht
sie fuhr bis in die sinkende Nacht
sie erreichten mit sinkender Nacht die Stadt
Die Nacht sinkt über die kleine winterliche Stadt [MoloEin Deutscher449]
b)
untergehen, untersinken
Beispiel:
die Sonne sinkt
die Sonne verschwindet langsam unter dem Horizont
Beispiele:
die sinkende Sonne warf ihre letzten Strahlen auf die Blumen
der Mond war im Sinken begriffen
bildlich jmds. Stern ist am, im Sinkenjmd. hat die Höhe des Erfolgs, Ruhms überschritten, jmds. Ansehen, Einfluss nimmt ab
Beispiel:
Der Stern des schönen ... Weibes begann damals schon zu sinken [LöscherAlles Getrennte40]
das Schiff sinktdas Schiff verschwindet langsam unter der Wasseroberfläche, versinkt
Beispiele:
der Kahn, Dampfer, das Boot sank unrettbar, kam ins Sinken
sprichwörtlich die Ratten verlassen das sinkende Schiff (= Menschen, auf die kein Verlass ist, ziehen sich bei drohender Gefahr zurück)
c)
in, unter etw. sinkensich in einem weichen Untergrund langsam nach unten bewegen, völlig oder zum Teil einsinken, versinken
Beispiele:
der Wagen, Mann sank in den Moorboden
sie sanken bei jedem Schritt tief in den Schnee
das Gebäude, der Grabstein ist allmählich in die Erde gesunken
bildlich
Beispiel:
sie wäre am liebsten vor Scham, Verlegenheit in den, unter den Boden, in die Erde gesunken
d)
gehoben ein Haus sinkt in Trümmerdas Haus verfällt, sinkt in sich zusammen
Beispiele:
die alten Paläste waren in Schutt gesunken
im zweiten Weltkrieg sanken ganze Städte in Schutt und Asche (= brannten nieder, wurden zerstört)
bildlich
Beispiele:
die Kultur der Inkas war in Trümmer gesunken (= zerstört)
er saß in sich gesunken (= gebückt) da
e)
aus der stehenden, aufrechten in eine zumeist waagerechte Körperhaltung geraten, langsam hinfallen, niedersinken
Beispiele:
er ist nach vorn, hinten, zur Seite gesunken
sie sank (ohnmächtig, erschöpft) auf den Boden, die Erde, zur Erde, zu Boden
er sank schlafend vom Stuhl, seinem Nebenmann auf die Schulter
er sank ihr zu Füßen
in, auf etw. sinken
sich infolge starker Gemütsbewegung, Müdigkeit, Erschöpfung auf, in etw. langsam niederfallen lassen, sich niedersetzen, niederlegen
Beispiele:
er sinkt auf einen Stuhl, in die Polster des Eisenbahnabteils
er lässt sich (bestürzt, verwirrt, erschrocken, fassungslos, erleichtert) auf, in einen Sessel sinken
sie war auf das Bett gesunken, sank ins Bett
bildlich
Beispiel:
gehoben ins Grab sinken (= sterben)
f)
auf die, in die Knie sinkensich (von Ehrfurcht, Demut, Verehrung erfüllt, voller Andacht) auf die Knie niederlassen, niederknien
Beispiele:
er war vor ihr auf die, in die Knie gesunken
in der Frauenkirche, wenn bei erhobener Monstranz die Gläubigen auf die Knie sanken [BecherAbschied4,108]
in die Knie, ins Knie sinkenverzweifelt, erschöpft in eine kniende Stellung geraten, zusammensinken
Beispiele:
sie schrie auf und sank in die, ins Knie
er schüttelte den Jungen, bis er in die Knie sank
g)
jmdm. in die Arme sinkensich besonders gefühlsbetont, innig umarmen
Beispiele:
sie sanken einander in die Arme
sie sank weinend in seine Arme, an seine Brust, ihm ans Herz, an die Brust
2.
in der Höhe, im Niveau niedriger werden
Gegenwort zu steigen
a)
Beispiele:
das Hochwasser, der Wasserstand, Wasserspiegel, die Quecksilbersäule, das Quecksilber (im Thermometer) sinkt
die Temperatur, das Fieber ist gesunken
das Thermometer sinkt (= zeigt eine Verringerung der Temperatur an)
bildlich
Beispiel:
seine Stimme sinkt (= bewegt sich abwärts, wird tiefer)
b)
an Wert verlieren, im Wert fallen
Beispiele:
die Preise sinken, zeigen eine sinkende Tendenz
die Waren sinken im Preis (= werden billiger)
die Papiere, Aktien sind im Kurs, Wert gesunken
Was tun wir, wenn der Wert des Geldes noch weiter sinkt [MoloEin Deutscher82]
c)
weniger werden, sich verringern, abnehmen
Beispiele:
die Mietrückstände, seine Einkünfte sinken
die Säuglingssterblichkeit, Unfallzahl, Kriminalität, Ausschussquote sinkt
ihm sank der Mut (= er wurde mutlos)
der unerwartete Erfolg hob seinen gesunkenen Mut
sein Vertrauen sank immer mehr
sie haben die, alle Hoffnung sinken lassen (= aufgegeben)
nur den Mut nicht sinken lassen!
die Spannung, Aufmerksamkeit, das Interesse sinkt
Über zwei Wochen lang sank die Produktion von Tag zu Tag [Ch. WolfGeteilter Himmel80]
schlechter werden
Beispiele:
die Leistungen des Schülers sind stark gesunken
durch die Weltwirtschaftskrise sank der Lebensstandard im Land
ihre Stimmung, gute Laune sank
gehoben allmählich zu Ende gehen, zur Neige gehen, aufhören
Beispiele:
das Kerzenlicht, Kaminfeuer sinkt
der Tag sank (= es wurde Abend)
sie versuchte, ihm die letzten Wochen seines sinkenden Lebens zu verschönen
d)
unter das bisherige persönliche moralische Niveau geraten und die Achtung anderer verlieren
Beispiele:
er sank immer tiefer, mehr und mehr
er kann nicht tiefer sinken
er ist moralisch, sittlich (tief) gesunken
in jmds. Achtung sinken (= jmds. Achtung verlieren)
er sank in der Gunst des Publikums, bei seinen Verehrern
Trink nicht mehr ... sonst kommen wir ganz auf den Ruin. Und du sinkst vor allen Menschen [MarchwitzaJugend23]
Bertrand könne schon so tief gesunken sein, daß er hier unter falschem Namen verkehre [BrochPasenow19]
3.
in etw. sinkenlangsam von einem Zustand in einen anderen geraten
Beispiele:
in Ohnmacht sinken (= ohnmächtig werden)
in (tiefen) Schlaf, Schwermut, Lethargie, Mutlosigkeit sinken
er sank in ein tiefes Schweigen
in Grübelei, Nachsinnen sinken
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

sinken · versinken
sinken Vb. ‘nach unten gleiten, langsam fallen’ (stark flektierend), ahd. (9. Jh.), asächs. sinkan, mhd. sinken ‘sich senken, versinken, untersinken, verschwinden’, mnd. mnl. sinken, nl. zinken, afries. sinka, aengl. sincan, engl. to sink, anord. søkkva, schwed. sjunka, got. sigqan (germ. *senkwan) ist vielleicht mit armen. ankanim ‘falle, weiche, nehme ab’ und griech. (homerisch) heáphthē (ἑάφθη) ‘fiel, sank’ (?) vergleichbar, so daß eine Wurzel ie. *sengu̯- ‘fallen, sinken’ angesetzt werden kann. S. auch ↗senken und ↗versacken. Strittig ist die Frage, in welchem Verhältnis die unter ↗seicht (s. d.) genannten germ. und außergerm. Formen zu den hier behandelten stehen. versinken Vb. ‘untergehen’, übertragen ‘in etw. völlig aufgehen und seine Umwelt vergessen’, ahd. firsinkan ‘untertauchen, untergehen’ (um 900), mhd. versinken, auch ‘sich in etw. vertiefen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
absacken · sinken · ↗untergehen · ↗versinken
Unterbegriffe
  • (stark) einbrechen  fig., variabel · (stark) sinken (Kurse, Preise)  Hauptform · ↗abstürzen  fig. · in den Keller rauschen  fig. · in den Keller gehen  ugs., fig.
Synonymgruppe
(sich) neigen · ↗(sich) senken · ↗abfallen · ↗einfallen · ↗entgleiten · ↗herabfallen · ↗herunterfallen · ↗herunterstürzen · sinken · ↗stürzen · ↗verringern  ●  ↗bröckeln  ugs.
Synonymgruppe
(stark) einbrechen  fig., variabel · (stark) sinken (Kurse, Preise)  Hauptform · ↗abstürzen  fig. · in den Keller rauschen  fig. · in den Keller gehen  ugs., fig.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(he)runtergehen · ↗(sich) lichten · ↗(sich) reduzieren · ↗(sich) verkleinern · ↗(sich) vermindern · ↗(sich) verringern · ↗(zahlenmäßig / prozentual) abnehmen · kleiner werden · nach unten gehen · ↗schrumpfen · sinken · weniger werden · ↗zurückgehen  ●  (die) Reihen lichten sich  Redensart, floskelhaft
Assoziationen
  • (stark) einbrechen  fig., variabel · (stark) sinken (Kurse, Preise)  Hauptform · ↗abstürzen  fig. · in den Keller rauschen  fig. · in den Keller gehen  ugs., fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anteil Arbeitslosenquote Arbeitslosigkeit DM Dollar Euro Gewinn Kurs Milliarde Million Niveau Preis Prozent Prozentpunkt Punkt Quartal Rendite Rentenmarkt Temperatur Umlaufrendite Umsatz Vergleich Vorjahr Zahl Zins absinken dadurch deutlich weiter zusammensinken

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›sinken‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Seit Monaten sinkt die Bereitschaft der Deutschen, ihre Organe zu spenden.
Die Zeit, 12.11.2013, Nr. 46
Die Zahl der Priester sank von 207 (1944) auf 143 (1967).
o. A.: Die Weltkirche im 20. Jahrhundert. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1979], S. 19312
Kaum aber hat er damit begonnen, läßt er die Arme wieder sinken.
Werfel, Franz: Die Vierzig Tage des Musa Dagh II, Stockholm: Bermann - Fischer 1947 [1933], S. 473
Der Kunde wird so lange beschwatzt, bis der Kurs wieder gesunken ist.
Friedländer, Hugo: Der König der Spieler Rudolf Stallmann und Genossen auf der Anklagebank. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1913], S. 3704
Er sah sich an der Kamera vorbeigehen und ins Bett sinken.
Glavinic, Thomas: Die Arbeit der Nacht, München Wien: Carl Hanser Verlag 2006, S. 285
Zitationshilfe
„sinken“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/sinken>, abgerufen am 20.06.2019.

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