sinnieren

GrammatikVerb · sinnierte, hat sinniert
Aussprache
Worttrennungsin-nie-ren (computergeneriert)
Wortbildung mit ›sinnieren‹ als Erstglied: ↗Sinnierer
eWDG, 1976

Bedeutung

umgangssprachlich grüblerisch nachdenken
Beispiele:
jmd. sitzt da und sinniert (vor sich hin)
er sinnierte über das Gespräch, über Tod und Leben
sie legte das Buch in den Schoß und verfiel, kam ins Sinnieren
Hagedorn sinnierte: »Es geht um Gerechtigkeit, nicht um Rache ...« [M. W. SchulzStaub im Wind12]
Er bastelte gern, sinnierte über Neuerungen [FusseneggerAntlitz85]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

sinnen · besinnen · besinnlich · Besinnung · entsinnen · ersinnen · sinnieren · Ansinnen
sinnen Vb. ‘nachdenken, grübeln, seine Gedanken planend auf etw. richten’, ahd. sinnan ‘gehen, reisen, wandern, streben, verlangen’ (9. Jh.), mhd. sinnen ‘gehen, reisen, wahrnehmen, merken, verstehen, seine Gedanken oder Begierden auf etw. richten’, mnd. sinnen ‘erstreben, denken, nachsinnen’, nl. (aus dem Dt.) zinnen, aengl. sinnan, auch ‘achthaben, sorgen’. Für das stark flektierende Verb und das zugehörige, unter ↗Sinn (s. d.) behandelte Verbalsubstantiv ist von einem Nasalpräsens germ. *senþnan, *sendnan auszugehen, das sich mit ahd. sind ‘Weg, Richtung, Seite’ (8. Jh.), mhd. sint, auch ‘Reise, Fahrt’, asächs. sīð, aengl. sīþ ‘Weg, Gang, Reise’, anord. sinn ‘Mal, Gang’, got. sinþs ‘Gang’ (s. ↗Gesinde sowie verwandtes ↗senden) und dem dazu gebildeten schwach flektierenden Verb ahd. sindōn ‘sich auf den Weg begeben, reisen’ (um 800), mhd. sinden, asächs. sīðon, aengl. sīþian, anord. sinna sowie mit air. sēt ‘Weg’, awest. hant- ‘gelangen (lassen)’, kymr. hynt ‘Weg, Straße’, lit. siũͅsti ‘senden, schicken’, auch mit lat. sentīre ‘fühlen, empfinden, wahrnehmen, Einsicht haben, meinen, denken’, sēnsus ‘Empfindung, Gesinnung, Ansicht, Sinn’, lit. sintė́ti ‘sich entschließen, denken’ auf eine Wurzel ie. *sent- ‘eine Richtung nehmen, gehen’, übertragen ‘empfinden, wahrnehmen’ zurückführen läßt. Als Ausgangsbedeutung für die heute allein geltende übertragene Verwendung ist ‘seine Gedanken in eine Richtung gehen lassen, sie auf etw. richten’ anzusetzen. besinnen Vb. ‘überlegen, nachdenken, sich erinnern’, in neuerer Zeit nur reflexiv, mhd. besinnen ‘worüber nachdenken, etw. ausdenken’, reflexiv ‘sich bewußt werden, überlegen’. besinnlich Adj. ‘nachdenklich, beschaulich’, mhd. besintlīche Adv. ‘mit Überlegung’ (mit unorganischem -t-), frühnhd. besynnlich (16. Jh.). Besinnung f. ‘Überlegung, Erinnerung, Bewußtsein’ (17. Jh.), ohne Besinnung ‘ohne Bewußtsein’ (18. Jh.). entsinnen Vb. reflexiv ‘sich erinnern’, älter auch transitiv ‘der Sinne berauben’, mhd. entsinnen ‘von Sinnen kommen’, reflexiv ‘zu Verstand kommen, bei Verstand sein, etw. in seinen Verstand aufnehmen, erkennen, erinnern’. ersinnen Vb. ‘erdenken, ausdenken’, mhd. ersinnen ‘erforschen, erdenken, erwägen’. sinnieren Vb. ‘grübeln, nachdenken’ (19. Jh.), moderne Weiterbildung in Analogie zu anderen Verben auf -ieren. Ansinnen n. ‘Forderung, (nicht zumutbarer) Vorschlag’ (15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(etwas) reflektieren · ↗(sich etwas) bewusst machen · ↗(sich mit etwas) auseinandersetzen · (sich über etwas) Gedanken machen · ↗bedenken · ↗grübeln · ↗nachdenken · ↗nachgrübeln · ↗nachsinnen · sinnieren (über) · ↗überdenken · ↗überlegen  ●  (sich etwas) durch den Kopf gehen lassen  ugs. · ↗klamüsern  ugs. · ↗reflektieren  geh.
Assoziationen
  • (eine) Erinnerung (in sich) wachrufen · (sich) (wieder) in Erinnerung rufen · (sich) (wieder) ins Gedächtnis rufen · (sich) ins Gedächtnis zurückrufen · ↗(sich) zurückerinnern · (wieder) in sich wachrufen · in (seinen) Erinnerungen kramen · in sich gehen  ●  ↗reminiszieren  selten · ↗(sich) zurückbesinnen  geh. · (wieder) vor seinem geistigen Auge entstehen lassen  geh. · ↗memorieren  geh., selten
  • (sich) erkundigen · ↗(sich) informieren · (sich) kundig machen · (sich) sachkundig machen  ●  (sich) schlaumachen  ugs.
  • (etwas) nicht aus dem Kopf bekommen · immer wieder denken müssen (an) · ständig an etwas denken müssen · von dem Gedanken nicht loskommen (dass / zu)  ●  Zwangsgedanken haben  fachspr., medizinisch
Synonymgruppe
brüten · ↗grübeln · sinnieren

Typische Verbindungen
computergeneriert

Banker Bier Einsamkeit Erzähler Erzählerin Ich-Erzähler Song Spaziergang Unsinn Vergänglichkeit Werner darüber dasitzen debattieren derweil halblaut hin hinein hinterher hocken jüngst kürzlich laut melancholisch nach philosophieren seither unlängst vielleicht zurücklehnen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›sinnieren‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ohne die Bau geht es überhaupt nicht, lasse ich mich gern überreden ", sinniert sie und freut sich erst mal auf ihre vierten Spiele.
Die Welt, 07.09.2000
Wohlgelaunt sinniert er bereits über das Marketing für den Morgen danach.
Der Tagesspiegel, 22.03.2000
Beide sinnierten gern vor sich hin, beide hielten sich gern abseits.
Hausmann, Manfred: Abel mit der Mundharmonika. In: ders., Gesammelte Werke, Berlin: Fischer 1983 [1932], S. 7
Sie steht müd und schwitzend vor dem Herd und sinniert.
Christ, Lena: Die Rumplhanni. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1917], S. 17550
In seinem Zimmer sinniert Prospero über sein Verständnis des Theaters nach.
Fath, Rolf: Werke - R. In: Reclams Opernlexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1998], S. 19017
Zitationshilfe
„sinnieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/sinnieren>, abgerufen am 22.05.2019.

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