sinnlich

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungsinn-lich
Wortbildung mit ›sinnlich‹ als Erstglied: ↗Sinnlichkeit  ·  mit ›sinnlich‹ als Letztglied: ↗außersinnlich · ↗unsinnlich · ↗übersinnlich
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
durch die Sinnesorgane wahrnehmbar
Beispiele:
die sinnliche Erfahrung, Wahrnehmung, Empfindung
sinnliche Eindrücke
etw. sinnlich (= durch die Sinnesorgane) aufnehmen, wahrnehmen
die sinnlich wahrnehmbare Wirklichkeit
gehoben die sinnliche Welt
das Sinnliche und das Rationale bilden im Erkenntnis- und Forschungsprozess eine Einheit
Philosophie die sinnliche Stufe der Erkenntnis (= die Stufe der Empfindung und Wahrnehmung)
2.
den Sinnengenuss, besonders den geschlechtlichen Genuss, betreffend
Beispiele:
sinnliches Verlangen, sinnliche Begierde, Freuden, Genüsse
sinnliche Leidenschaften erwachen in jmdm., beherrschen jmdn.
eine (rein) sinnliche Liebe
sie, dieser Anblick erregte ihn sinnlich
jmd. ist (sehr) sinnlich (= jmd. ist stark geschlechtlich veranlagt)
jmd. ist eine sinnliche Natur, hat eine starke sinnliche Natur, Veranlagung
ein sinnlicher (= auf eine starke geschlechtliche Veranlagung hindeutender, begehrlicher) Mund
er, sie hat sehr sinnliche Lippen
sinnliche, sinnlich erregende Musik
die schwüle, sinnliche Atmosphäre in einer Bar
Sie hat all den sinnlichen Reiz einer Frau, die gerne Frau ist, die glücklich ist, Frau zu sein [FalladaWolf1,266]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Sinn · sinnig · unsinnig · Unsinn · sinnlich · Sinnlichkeit · sinnlos · übersinnlich · Sinnbild · Sinngedicht · sinnreich · sinnvoll
Sinn m. ‘Fähigkeit, Reize zu empfinden, Denken, Gedanken, Gesinnung, Gemüt, Verstand, geistiger Inhalt’, ahd. (9. Jh.), mhd. mnd. mnl. afries. sin, nl. zin stellt sich als Verbalsubstantiv zu dem unter ↗sinnen (s. d.) behandelten stark flektierenden Verb und gehört mit den dort sowie den unter ↗Gesinde und ↗senden (s. d.) angeführten Formen zu einer Wurzel ie. *sent- ‘eine Richtung nehmen, gehen’, übertragen ‘empfinden, wahrnehmen’. Die Übertragung der Bedeutung fällt bei Sinn bereits vollständig in vorgerm. Zeit (anders als bei ↗sinnen, s. d.). Häufig in festen Wendungen wie bei Sinnen (‘bei Verstand’) sein, mhd. bī sinne sīn; von Sinnen (‘nicht bei Verstand’) sein, vgl. mhd. von sinnen komen; Sinn (‘Lust, Neigung’) für etw. haben (18. Jh.), im Sinn haben ‘beabsichtigen’ (Anfang 17. Jh.), seine fünf Sinne beisammen haben ‘gesunden Menschenverstand besitzen’ (18. Jh., älter seine fünf Sinne haben, 15. Jh.). sinnig Adj. ‘durchdacht, überlegt’, ahd. sinnīg ‘mit Sinnen, Vernunft begabt, verständig, erkennend, weise’ (um 1000), mhd. sinnec, sinnic ‘verständig, besonnen, klug, sinnreich’. unsinnig Adj. ‘ohne Sinn, töricht, unvernünftig, absurd’, ahd. unsinnīg (um 1000), mhd. unsinnec, -sinnic ‘nicht bei Verstand, verrückt, sinnlos’. Unsinn m. ‘Albernheit, Nonsens’ (18. Jh., nach engl. nonsense), älter ‘Torheit, Raserei, Wahnsinn, Bewußtlosigkeit’ (so bis ins 19. Jh.), mhd. unsin, rückgebildet aus unsinnec. sinnlich Adj. ‘mit den Sinnen wahrnehmbar, körperlich, sexuellen Dingen leicht zugänglich’, vom Plur. Sinne ausgehend (besonders seit dem 18. Jh. geläufig), mhd. sin(ne)lich ‘durch die Sinne geschehend’, im Unterschied zu mhd. geistec ‘verständig, klug’; dazu Sinnlichkeit f. mhd. sinnelīcheit. sinnlos Adj. ‘ohne Sinn und Verstand, zwecklos, ohne Zusammenhang’, ahd. sinnilōs ‘nicht mit Sinnen begabt, wahnsinnig’ (um 1000), mhd. sinnelōs, auch ‘ohnmächtig, bewußtlos’. übersinnlich Adj. ‘mit den Sinnen nicht wahrnehmbar, übernatürlich’ (17. Jh.). Sinnbild n. ‘Symbol’ (17. Jh.), Übersetzung für ↗Emblem (s. d.), zunächst für eine mit den Augen wahrnehmbare Darstellung allegorischen Inhalts, seit dem 18. Jh. für ‘Symbol’. Sinngedicht n. (Mitte 17. Jh.), Übersetzung für ↗Epigramm (s. d.). sinnreich Adj. ‘zweckentsprechend’, mhd. sinnerīche ‘verständig, klug, erfahren, scharfsinnig’. sinnvoll Adj. ‘gehaltvoll’ (18. Jh.), ‘zweckdienlich’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(die) Blicke auf sich ziehen(d) · (die) Hormone in Wallung bringen(d) · (ihre) weiblichen Reize zur Geltung bringen(d) · ↗(sexuell) ansprechend · ↗(sexuell) reizend · Fantasien auslösen(d) · Lust machen(d) · Männerherzen höher schlagen lassen(d) · Phantasien auslösen(d) · ↗atemberaubend · ↗atemraubend · aufregend · aufreizend · ↗erotisch · erotisierend · ↗erregend · ↗knackig · ↗reizvoll · sinnlich · stimulierend · ↗verführerisch · ↗wohlgeformt · ↗wohlgestaltet · ↗wohlproportioniert · zum Anbeißen  ●  ↗(sexuell) attraktiv  Hauptform · ↗sexy  engl. · (die) Hormone ankurbeln(d)  ugs. · aphrodisierend  geh. · betörend  geh. · ↗geil  ugs. · ↗heiß  ugs. · ↗knusprig  ugs., fig. · ↗kurvig  ugs. · ↗lasziv  geh. · ↗lecker  ugs., fig. · mit heißen Kurven  ugs. · ↗rassig  ugs., veraltet · ↗scharf  ugs. · von ansprechender Körperlichkeit  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
herausfordernd · ↗lasziv · sinnlich · ↗verführerisch · ↗zügellos · ↗übermütig  ●  ↗geil  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
genießerisch · ↗genussreich · ↗genussvoll · ↗genüsslich · ↗lustvoll · ↗sinnenfreudig · sinnlich  ●  ↗hedonistisch  geh. · ↗lustbetont  geh., ironisierend
Assoziationen
  • (in dieser Beziehung) kein Kind von Traurigkeit · alles mitnehmen · nicht verschmähen · nicht von der Bettkante stoßen · nichts anbrennen lassen  ●  die Blümlein am Wegesrand pflücken  fig. · kein Kostverächter  fig.
  • Genießer · ↗Genussmensch · ↗Hedonist · ↗Lebenskünstler  ●  ↗Epikureer  geh.
Synonymgruppe
fleischlich · ↗körperlich · ↗leiblich · sinnlich

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anschaulichkeit Anschauung Ausstrahlung Begehren Begierde Eindruck Empfindung Erfahrbarkeit Erfahrung Erleben Erlebnis Erscheinung Evidenz Genuß Gewißheit Lippe Präsenz Reiz Scheinen Trieb Unmittelbarkeit Verführung Vergnügen Wahrnehmung erfahrbar erotisch faßbar intellektuell wahrnehmbar übersinnlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›sinnlich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er verstehe sein anspruchsvolles Programm nur selten sinnlich zu präsentieren.
Die Welt, 26.11.2005
Leider ist der Öffentlichkeit der sinnliche Genuß der Bibliothek als Ensemble verwehrt.
Der Tagesspiegel, 05.04.1997
Aber sinnlich hat die heimliche Lektüre dieser guten Bücher nie auf mich gewirkt.
Ganghofer, Ludwig: Lebenslauf eines Optimisten. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 18202
Der Künstler in ihm verlangte die sinnliche Breite des Geschehens darzustellen.
Dilthey, Wilhelm: Der Aufbau der geschichtlichen Welt in den Geisteswissenschaften. In: Philosophie von Platon bis Nietzsche, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1910], S. 873
Auf zahlreichen Bildern berühmter Maler sind diese Dichtungen sinnlich dargestellt.
Haeckel, Ernst: Die Welträtsel, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1899], S. 34367
Zitationshilfe
„sinnlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/sinnlich>, abgerufen am 23.08.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Sinnkriterium
Sinnkrise
Sinnkonstruktion
Sinnkonstitution
Sinnigkeit
Sinnlichkeit
sinnlos
Sinnlosigkeit
Sinnorientierung
Sinnpflanze