sklavisch

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungskla-visch
HerkunftSlawisch → Griechisch
eWDG, 1976

Bedeutung

abwertend
1.
unbedingt und uneingeschränkt gehorsam, unterwürfig
Beispiele:
sklavische Furcht
sklavischer Untertanengeist
Vetter redete Wolzow mit »Chef« an und gehorchte ihm sklavisch [NollHolt1,78]
ich ... halte mich sklavisch (= ohne Abstriche zu machen) oder doch jedenfalls ziemlich genau an die Gesetze [BrechtDreigroschenroman172]
2.
unfrei, unselbstständig, ohne eigene Erfindungsgabe gegenüber einem Vorbild, einer Vorlage
Beispiele:
eine sklavische Übersetzung, Nachahmung
er bindet sich nicht sklavisch an die Einheiten des Ortes und der Zeit [Wirk. Wort1957/58]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Sklave · Sklaverei · sklavisch · versklaven
Sklave m. ‘als Eigentum eines Sklavenhalters aller Rechte (Freiheit, Wohnung, Besitz) Beraubter, Mensch, der von etw., einer Person abhängig ist’. Das Substantiv ist gleichen Ursprungs wie Slawe. Mlat. Sclavus, das sich wie mlat. Slavus aus der Eigenbenennung der slawischen Völker- und Sprachgruppe herleitet (s. ↗Slawist), erscheint in Urkunden der Karolingerzeit, die sich auf bayerische Klöster beziehen, in doppelter Bedeutung. Es dient einerseits zur Bezeichnung von Angehörigen slawischer Stämme und kann dabei in gleicher Weise Freie und Unfreie (bzw. in Abhängigkeit Lebende) meinen (vgl. mlat. Sclavi, liberi et servi, 9. Jh.). Es bezeichnet andererseits Unfreie im Gegensatz zu den Freien (vgl. mlat. homines liberos et Sclavos, 9. Jh.). Auch im Mlat. Italiens entsteht im 10. Jh. die Bedeutung ‘Sklave’. Aus sachlichen Gründen (Entwicklung des Sklavenhandels) vermutet man einen Bedeutungsübergang ‘Slawe’ zu ‘Sklave’ (von dem auch byzant.-griech. Sklábos, Σκλάβος, s. ↗Slawist, betroffen wird) bereits für das 9. oder 10. Jh. auf dem Balkan. Wann sich in mlat. Sclavus, Slavus ‘Unfreier, Höriger’ die Vorstellung des ‘unfreien Slawen’ verliert, läßt sich nicht genau sagen. Das aus dem Mlat. entlehnte mhd. slave ‘Unfreier, Knecht’ kann jedenfalls ohne diesen Nebensinn gebraucht werden. Mhd. sl- entwickelt sich lautgerecht zu nhd. Schl-, daher findet sich seit dem 16. (bis ins 18.) Jh. die Form Schlav(e). Daneben stehen weiterhin mit Sl- anlautende Formen wie Slaf(e), aber auch solche mit Scl-, Skl-. Die endgültige formale und semantische Differenzierung zwischen Slawe und Sklave setzt sich erst im 18. Jh. durch. Zuvor können alle Formen in doppelter Bedeutung auftreten. Andere germ. Sprachen haben auch in den Wörtern für ‘Sklave’ den Anlaut sl-, vgl. mnd. slāve, nd. Slāw(e), engl. dän. slave, nl. slaaf. Sklaverei f. ‘Zustand der Unfreiheit, Rechtlosigkeit und vollständigen Abhängigkeit des Sklaven vom Sklavenhalter, schwere politische Unterdrückung’ (17. Jh.). sklavisch Adj. ‘unbedingt und uneingeschränkt gehorsam, unterwürfig, unfrei, unselbständig’ (16. Jh.). versklaven Vb. ‘zum Sklaven machen, in Sklaverei führen’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
blind ergeben · ↗devot · ↗hörig · ↗hündisch · ↗knechtisch · ↗kriecherisch · sklavisch · ↗speichelleckerisch · ↗untertänig · ↗unterwürfig  ●  ↗(jemandem) untertan  geh. · ↗servil  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
hörig · in Ketten · ↗leibeigen · sklavisch
Assoziationen
Synonymgruppe
hörig · in Ketten · ↗leibeigen · sklavisch
Synonymgruppe
hörig · ↗leibeigen · sklavisch  ●  in Ketten  fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abhängigkeit Anlehnung Anpassung Befolgung Bindung Ergebenheit Festhalten Gehorsam Imitation Kopie Nachahmer Nachahmung Umsetzung Unterwerfung Unterwürfigkeit befolgen beinahe binden einhalten ergeben fast festhalten folgen geradezu klammern kleben kopieren nachahmen orientieren unterwerfen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›sklavisch‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ohne daß er es bemerkte, geriet er dabei in sklavische Abhängigkeit von der Wirklichkeit.
Die Zeit, 23.08.1974, Nr. 35
Natürlich braucht er sich bei seinem Erbieten nicht gerade sklavisch an den Wortlaut des Gesetzes anzuklammern.
Berliner Tageblatt (Morgen-Ausgabe), 05.03.1915
Dieser leistete ihr längst in allen Dingen geradezu sklavischen Gehorsam.
Friedländer, Hugo: Die Ermordung des Grafen Komarowski vor dem Schwurgericht zu Venedig. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1911], S. 821
Sie sind tatsächlich sklavische Instrumente des Regimes, und gerade weil die Außenwelt sie für harmlos hält, ist es ihnen möglich, wirkungsvoller zu arbeiten.
o. A.: Einundvierzigster Tag. Mittwoch, den 23. Januar 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 20991
Sie sind tatsächlich sklavische Instrumente des Regimes, und gerade weil die Außenwelt sie für harmlos hält, ist es ihnen möglich, wirkungsvoller zu arbeiten.
o. A.: Siebenter Tag. Mittwoch, 28. November 1945. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1945], S. 21847
Zitationshilfe
„sklavisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/sklavisch>, abgerufen am 23.02.2019.

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