sonderlich

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungson-der-lich (computergeneriert)
Wortbildung formal verwandt mit: ↗absonderlich
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
besonder, außergewöhnlich
a)
nur in Verbindung mit einer Verneinung
Beispiele:
er schaffte es ohne sonderliche Mühe, hatte keine sonderliche Lust dazu
diese Arbeit machte ihm keine sonderliche Freude
das spielt dabei keine sonderliche Rolle
es hat keine sonderliche Eile damit
nichts Sonderliches
nichts Besonderes
Beispiele:
das hat nichts Sonderliches zu bedeuten
Hans Geiz ... tat, als sei solch sausende Schlittenfahrt nichts Sonderliches [FalladaMurkelei108]
b)
adverbiell
α)
umgangssprachlich nicht sonderlichnicht sehr, nicht besonders
Beispiele:
er war nicht sonderlich begeistert von unserem Vorhaben
diese Aufführung, das Buch hat mir nicht sonderlich gefallen
sie hat sich nicht sonderlich gefreut, angestrengt, schätzt ihn nicht sonderlich
etw. nicht sonderlich ernst nehmen
der kleine Farbunterschied fällt nicht sonderlich auf
»bist du zufrieden mit dem neuen Rezept?« »Nicht sonderlich«
»wie geht es dir?« »Nicht sonderlich« (= »wie geht es dir?« »Nicht sehr gut«)
Hafis-Effendi war bei seinesgleichen nicht sonderlich beliebt [Roda RodaCicerone377]
β)
süddeutsch, österreichisch, schweizerisch, gehoben besonders, vor allem
Beispiele:
es war mir, als wenn alle mit den Fingern auf mich wiesen ... sonderlich die beiden Kinder [Droste-Hülsh.942]
Carl und sein um weniges älterer Bruder Josef ... verbrachten ihre frühe Jugend, und sonderlich die Schulferien, großenteils in einem Garten [DodererLederbeutelchen107]
2.
sonderbar, seltsam
Beispiele:
ein sonderlicher Mensch
er ist etwas sonderlich, wurde von dieser Zeit an noch sonderlicher
es war uns sonderlich zumute
Es war immer ein sonderlicher Mann, Annchen, dein Vater [RaabeSperlingsgasseI 1,95]
Seit einiger Zeit hatte Thomas eine sonderliche Neigung, Automarken zu studieren [SchallückWenn man aufhören könnte72]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

sonder · sonder · sonder · sondern · Sonderling · sonderbar · sonderlich · sondern · absondern · aussondern
sonder Präp. mit Akkusativ ‘ohne’; heute nur noch in Fügungen wie sonder Tadel, sonder Zweifel, sondersgleichen. Ahd. suntar (9. Jh.), mhd. mnd. sunder ‘außer, ohne’ (vgl. auch anfrk. sundir) setzt sich seit dem 16. Jh. in der durch Senkung von u zu o vor Nasal entstandenen md. Form sonder durch (s. auch ↗Sommer, ↗Sonne, ↗Wonne u. a.). Voraus geht ein Adverb ahd. suntar ‘abseits, gesondert, für sich’ (8. Jh.), mhd. mnd. sunder ‘auf eine gesonderte Weise, abseits, im einzelnen, für sich, ausschließlich, ausgezeichnet, sehr’, asächs. sundar ‘abgesondert, besonders’, mnl. sonder, aengl. sundor ‘beiseite, für sich’ (in engl. asunder ‘auseinander, entzwei’), anord. sundr ‘gesondert, auseinander, entzwei’, got. sundrō ‘abgesondert, allein’; verwandt sind aind. sanutáḥ ‘weg, fort, abseits’, griech. áter (ἄτερ) ‘ohne, fern von’, air. sain ‘verschieden, besonders’, lat. sine ‘ohne’, so daß auf Formen wie ie. *seni-, *senu-, *sṇter- ‘für sich, abgesondert’ zurückgegangen werden kann, die möglicherweise zu dem unter ↗sich (s. d.) genannten Reflexivstamm ie. *se-, eigentlich ‘abseits, getrennt, für sich’, gebildet sind. Das Adverb wird seit dem 16. Jh. von besonders (s. ↗besonder) abgelöst. Daneben sonder Adj. ‘für sich abgetrennt, extra’, bis ins 18. Jh. geläufig, danach nur vereinzelt und von ↗besonder (s. d.) verdrängt (erhalten in Komposita wie Sonderdruck, -stellung, -zuteilung), ahd. suntar ‘entlegen, entfernt, abgesondert’ (11. Jh., vielleicht bereits 8. Jh.?), mhd. mnd. sunder ‘abgesondert, alleinstehend, einsam, besonder, ausschließlich, eigen, ausgezeichnet’. sonder Konj. ‘vielmehr’ (bis ins 17. Jh.), ahd. suntar ‘sonder, doch’ (9. Jh.), mhd. mnd. sunder ‘ausgenommen, außer, gleichwohl, vielmehr, indessen, aber’. Dazu tritt gleichbed. sondern Konj. mhd. (md.) sundern (14. Jh.), eigentlich Dativ Plur. des Adjektivs (s. oben), das sich vom Omd. im 16. Jh. durch Luther ausbreitet. Sonderling m. ‘wer sich durch auffallendes, abweichendes Verhalten von seinen Mitmenschen abhebt und absondert, Kauz’ (17. Jh.), zuvor wertneutral ‘wer sich absondert’ (16. Jh.). sonderbar Adj. ‘merkwürdig, herausfallend, unerklärlich’, ahd. suntarbāri ‘abgesondert’ (10. Jh.), mhd. sunderbære, -bar ‘besonder, ausgezeichnet, alleinstehend, unverheiratet’, zusammengesetzt mit dem unter ↗-bar (s. d.) behandelten Suffix. sonderlich Adj. ‘merkwürdig’, Adv. ‘besonders’, ahd. suntarlīh (um 1000, suntarlīhho Adv., 9. Jh.), mhd. sunderlich ‘abgesondert, besonder’, sunderlīche, -līchen Adv. sondern Vb. ‘trennen, aussortieren’, ahd. suntarōn (9. Jh., gisuntarōt Part. Prät., um 800), mhd. sundern ‘abtrennen, unterscheiden’. absondern Vb. ‘loslösen, isolieren, ausscheiden (von Flüssigkeiten), sich abheben’, mhd. abesundern ‘vermögensrechtlich abfinden, loslösen’. aussondern Vb. ‘auswählen und aussortieren’, mhd. ūʒsundern ‘abtrennen, entfernen’.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Mühe anstrengen auffallen aufregen aufregend ausgeprägt beeindrucken behagen bekümmern beliebt beunruhigen bisher bislang erwärmen geliebt geschätzt grämen imponieren interessieren irritieren mögen nicht nie ohnehin originell scheren schätzen stören verwundern überraschen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›sonderlich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Daß sie wieder einmal totgesagt werden, ficht sie auch nicht sonderlich an.
Die Welt, 13.08.2005
Allerdings war das Feld bei diesem Rennen nicht sonderlich stark besetzt.
Der Tagesspiegel, 22.04.2003
Wer alles nur so in sich hineinschlingt, ist kein sonderlich aufmerksamer Gast.
Dänhardt, Reimar: Fein oder nicht fein, Berlin: Deutscher Militärverl. 1972 [1968], S. 153
Ich glaube, gerade sie wird es nicht so sonderlich hart treffen.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1942. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1942], S. 8
Sie sieht nicht mehr jung aus, aber auch nicht sonderlich leidend.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1929. In: ders., Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1929], S. 9
Zitationshilfe
„sonderlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/sonderlich>, abgerufen am 21.10.2019.

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