sozial

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungso-zi-al (computergeneriert)
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›sozial‹ als Erstglied: ↗Sozialabgabe · ↗Sozialanthropologie · ↗Sozialausgabe · ↗Sozialbau · ↗Sozialberichterstattung · ↗Sozialbevollmächtigte · ↗Sozialbewegung · ↗Sozialcharta · ↗Sozialdemokrat · ↗Sozialdemokratie · ↗Sozialeinkommen · ↗Sozialetat · ↗Sozialethik · ↗Sozialexperte · ↗Sozialfonds · ↗Sozialforschung · ↗Sozialfürsorge · ↗Sozialgeografie · ↗Sozialgeographie · ↗Sozialgericht · ↗Sozialgerichtsbarkeit · ↗Sozialgeschichte · ↗Sozialgesetzbuch · ↗Sozialgesetzgebung · ↗Sozialhistoriker · ↗Sozialhygiene · ↗Sozialindikator · ↗Sozialist · ↗Sozialkasse · ↗Sozialkonstruktivismus · ↗Sozialkontrolle · ↗Sozialkosten · ↗Sozialkunde · ↗Soziallehre · ↗Sozialleistung · ↗Sozialmedizin · ↗Sozialmorphologie · ↗Sozialordnung · ↗Sozialpartner · ↗Sozialpartnerschaft · ↗Sozialpolitik · ↗Sozialpolitiker · ↗Sozialprestige · ↗Sozialprodukt · ↗Sozialprognose · ↗Sozialprogramm · ↗Sozialpsychologe · ↗Sozialpsychologie · ↗Sozialpädagogik · ↗Sozialraum · ↗Sozialreformismus · ↗Sozialressort · ↗Sozialstatistik · ↗Sozialtarif · ↗Sozialtechnologie · ↗Sozialverband · ↗Sozialverhältnis · ↗Sozialversicherung · ↗Sozialverträglichkeit · ↗Sozialwesen · ↗Sozialwissenschaft · ↗Sozialwohnung · ↗Sozialökologie · ↗sozialdemokratisch · ↗sozialgeografisch · ↗sozialgeographisch · ↗sozialisieren · ↗sozialkritisch · ↗sozialkulturell · ↗sozialmedizinisch · ↗sozialreformerisch · ↗sozialschädlich · ↗sozialstrukturell · ↗sozialverträglich · ↗sozialökonomisch
 ·  mit ›sozial‹ als Letztglied: ↗antisozial · ↗asozial · ↗parasozial · ↗unsozial
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
den Zusammenhang, das Zusammenleben der Menschen in der Gesellschaft betreffend
Beispiele:
der soziale Charakter der Sprache
das soziale Leben, Milieu
die sozialen Verhältnisse der Menschen
das Kind wird sozial, es kommt immer mehr mit anderen Menschen in Berührung [Gesundheit1964]
daß sich der Mensch einmal durch seine Arbeit im sozialen Verband aus der Tierwelt heraushob [Gesundheit1969]
Biologie, übertragen gesellig lebend, nicht solitär
Beispiele:
viele Tiere leben in einer Art sozialem Verband, verfügen über ein gut ausgebildetes soziales Verhalten
Die Tiger in einer Dressurgruppe bilden eine Art Rudel, das eine feste soziale Rangordnung hat wie jede Hundemeute und jeder Hühnerhof [GrzimekZwanzig Tiere19]
2.
die ökonomische und politische Struktur einer gegebenen Gesellschaft betreffend
Beispiele:
das soziale Fundament, Gefüge
Staaten mit unterschiedlicher sozialer Ordnung
die sozialen und politischen Gegebenheiten
eine soziale Erneuerung, Neugestaltung
eine soziale Revolution
ein ökonomisch und sozial zurückgebliebenes Land
der Roman enthielt eine ergreifende soziale Anklage gegen den Feudalismus
der Kampf um soziale Gerechtigkeit
die soziale Frage (= Gesamtheit der Fragen, die eine Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse verlangen)
die soziale Entwicklung
der soziale Fortschritt
soziale Erschütterungen, Konflikte, Krisen, Missstände, Spannungen, Strömungen
3.
die Zugehörigkeit der Menschen zu verschiedenen Klassen, Gruppen oder Schichten innerhalb der Gesellschaft betreffend
Beispiele:
die soziale Struktur der Bevölkerung wandelt sich allmählich
die soziale Gliederung der Studenten nach ihrer Herkunft
Menschen unterschiedlicher sozialer Herkunft, Stellung
eine soziale Gruppe, Schicht
die soziale Schichtung der Gesellschaft
soziale Schranken, Unterschiede
eine Verschärfung der sozialen Gegensätze
4.
die wirtschaftliche Situation vieler Mitglieder der Gesellschaft betreffend
Beispiele:
soziales Elend
die soziale Not, Sicherheit, Unsicherheit
auf das Wohlergehen der Mitglieder der Gesellschaft gerichtet
Beispiele:
die sozialen Errungenschaften
die soziale Fürsorge, Gesetzgebung
soziale Maßnahmen zum Schutz der Arbeiter
das soziale Verantwortungsgefühl
sozial denken, empfinden, handeln
diese sozialen (= gemeinnützigen) Einrichtungen sind bewundernswert
Wirtschaft die soziale Marktwirtschaft (= Marktwirtschaft, bei welcher der Staat zur Minderung sozialer Härten und zur Sicherung des freien Wettbewerbs eingreift)
Wirtschaft der soziale Wohnungsbau (= teilweise staatlich finanzierter und geförderter Bau von Sozialwohnungen)
soziale LeistungenLeistungen, die zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Lebensbedingungen, zur kulturellen und gesundheitlichen Betreuung und für materiell in Not geratene Arbeitnehmer, Mitglieder der Gesellschaft dienen
Beispiel:
die sozialen Leistungen eines Betriebes, der Gesellschaft
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

sozial · asozial · Sozialismus · Sozialist · sozialistisch · sozialisieren
sozial Adj. ‘das Zusammenleben der Menschen in der Gesellschaft betreffend, gesellschaftlich, gemeinschaftlich, der Allgemeinheit verbunden’, auch ‘die Zugehörigkeit eines Menschen zu einer bestimmten Klasse, Schicht, Gruppe in der Gesellschaft, seine wirtschaftliche Situation sowie die ökonomische und politische Struktur der Gesellschaft betreffend’. Entlehnung (Anfang 19. Jh.) von frz. social, lat. sociālis ‘die Gesellschaft betreffend, gemeinschaftlich, gesellig’, abgeleitet von lat. socius ‘gemeinsam’ (s. ↗Sozius). Frz. social, zu Beginn des 17. Jhs. in der Bedeutung ‘gesellig’, wird im 18. Jh. bei den Enzyklopädisten, die in der Tradition der Naturrechtler (Grotius, Pufendorf) stehen, im Sinne von ‘auf die Beziehungen des Zusammenlebens gerichtet, der Gemeinschaft verbunden und ihr dienend’ zum Ausdruck einer natur- und vernunftgemäßen Moral, die das menschliche Zusammenleben prägt. Der Gebrauch des Adjektivs durch die Physiokraten setzt es in Beziehung zur Wirtschaft, bei Saint-Simon entwickelt es sich zum Gegensatz von frz. individuel, im weiteren erhält es im Hinblick auf eine Lösung ökonomisch bedingter gesellschaftlicher Gegensätze den Sinn ‘durch Beseitigung überkommener Privilegien den gesellschaftlich und wirtschaftlich Benachteiligten stützend’. Im Dt. begegnet sozial als selbständiges Adjektiv zuerst Anfang 19. Jh. (Schelling, Goethe), während die im Jahre 1800 erschienenen Übersetzungen von RousseausContrat social“ dafür gesellschaftlich, Gesellschafts- oder öffentlich als Äquivalent benutzen. Erst in Zusammenhang mit dem nach 1830 merkbar eindringenden revolutionären französischen Ideengut bürgert sich sozial im Dt. ein und wird zum politischen Schlagwort, vgl. soziale Frage, soziale Verhältnisse, soziales Leben, soziale Idee, soziale Reform (19. Jh.). Ältere Komposita wie Social(zu)stand, Socialgesetz (Ende 18. Jh.) dürften dagegen auf einer früheren, direkten Entlehnung aus dem Lat. beruhen. asozial Adj. ‘die Gesellschaft schädigend, gesellschaftliche Bindungen ablehnend, sich nicht in die Gemeinschaft einfügend’, gelehrte Bildung (Anfang 20. Jh.) zu sozial mit verneinendem a- (griech. ἀ- privativum). Sozialismus m. ‘erste Entwicklungsstufe der sozialökonomischen Gesellschaftsformation des Kommunismus’ sowie ‘Lehre vom Aufbau und der Entwicklung der sozialistischen und kommunistischen Gesellschaft’, latinisierte Übernahme (1839) von frz. socialisme. Die Substantivbildung steht zunächst für jede Lehre, die das gesellschaftliche Zusammenleben durch Beseitigung extremer Gegensätze neu ordnen will. Die frz. Bezeichnung ist zuerst 1831 in philosophisch-theologischem Zusammenhang belegt, gewinnt danach (1840) unter engl. Einfluß an Verbreitung, vgl. engl. socialism (1837), geprägt anstelle der alten Bezeichnung Owenism. Der Ausdruck wird sowohl für die Theorie und das System Owens als auch für alle sozialen Systeme und Bestrebungen (einschließlich der historischen), die diesem nahe stehen, also auch für die Vorstellungen Fouriers und Saint-Simons verwendet, dann umfassend für alle Lehren, die eine Verbesserung der gesellschaftlichen Verhältnisse anstreben. 1842 wird Sozialismus im Sinne von ‘Sozial- oder Gesellschaftswissenschaft’ gebraucht, muß aber dem neuen Terminus ↗Soziologie (s. d.) weichen. 1843 wird Sozialismus von Engels, 1845 von Marx und Engels im Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen über die Zeitströmungen aufgenommen. Um eine Abgrenzung von utopischen Theorien vorzunehmen, prägt Grün 1845 den Ausdruck wissenschaftlicher Sozialismus, der später durch Engels („Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft“) eine theoretische Begründung erhält. Der heutige Bedeutungsinhalt (s. oben) bildetsich im Laufe der geschichtlichen Entwicklung der Arbeiterbewegung heraus. Sozialist m. ‘Anhänger und Vertreter des Sozialismus und sozialistischen Gedankenguts’, Übernahme (1840) von engl. socialist (1822), ‘Anhänger Owens’ (1827), dann ‘Vertreter ähnlicher Ideen außerhalb Englands’ (z. B. in Frankreich), vgl. frz. socialiste (1830). Älter ‘Vertreter des Naturrechts’ (Ende 18. Jh.). sozialistisch Adj. ‘den Sozialismus betreffend’ (1839), engl. socialistic; zuvor ‘die Naturrechtslehre betreffend’ (socialistisches System, 1802). sozialisieren Vb. ‘zu einer Gemeinschaft zusammenschließen, humanisieren’ (vor Mitte 19. Jh.), ‘(Individuen) in die Gesellschaft eingliedern’ (Anfang 20. Jh.), dann ‘private Industrie verstaatlichen’ (um 1920); frz. socialiser.

Thesaurus

Synonymgruppe
Assoziationen
Synonymgruppe
extravertiert · ↗extrovertiert · ↗freundlich · ↗kontaktfreudig · ↗leutselig · ↗offen · sozial
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Absicherung Ausgleich Brennpunkt Einrichtung Engagement Fortschritt Friede Gerechtigkeit Herkunft Kompetenz Marktwirtschaft Netz Netzwerk Problem Schicht Sicherheit Sicherung Sicherungssystem Spannung Umfeld Ungerechtigkeit Ungleichheit Verantwortung Wohnungsbau kulturell politisch schwach wirtschaftlich ökologisch ökonomisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›sozial‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ein eigener Platz in der Welt macht das menschliche Tier zu einem sozialen Wesen.
Die Zeit, 26.01.1996, Nr. 5
Es darf auch nicht nur eine soziale Entwicklung sein, denn wir hätten nicht das Geld, um die sozialen Lasten zu bezahlen.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1987]
Zu dem religiösen Protest kommt häufig der soziale Protest hinzu.
P. M.: Peter Moosleitners interessantes Magazin, 1978, Nr. 12
Ein jedes Ereignis in der sozialen Welt erzeugt Wirkungen nach den verschiedensten Richtungen.
Schumpeter, Joseph: Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung, Berlin: Duncker u. Humblot 1997 [1912], S. 89
Zwei Wege hat im Zuge der Zeiten das soziale Denken eingeschlagen.
Baeck, Leo: Das Wesen des Judentums, Frankfurt a. M.: Kauffmann 1932 [1905], S. 223
Zitationshilfe
„sozial“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/sozial>, abgerufen am 15.12.2018.

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