spüren

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungspü-ren
Wortbildung mit ›spüren‹ als Erstglied: ↗Spürhund · ↗Spürnase · ↗Spürsinn · ↗spürbar
 ·  mit ›spüren‹ als Letztglied: ↗abspüren · ↗anspüren · ↗aufspüren · ↗ausspüren · ↗durchspüren · ↗herausspüren · ↗nachspüren
 ·  mit ›spüren‹ als Grundform: ↗Gespür · ↗erspüren · ↗verspüren
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
etw. körperlich wahrnehmen
Beispiele:
eine Berührung, einen Luftzug, stechenden Schmerz spüren
Hunger, Müdigkeit spüren
einen schlechten Geschmack, ein Würgen im Hals spüren
spürst du schon die Wirkung der Tablette, Spritze?
er spürte sein Herz schneller schlagen
eine Krankheit, das Alter am eigenen Leibe spüren, zu spüren bekommen
jmd. spürt die, seine Jahre (= jmd. hat Beschwerden, die auf sein vorgeschrittenes Alter zurückzuführen sind)
jmd. spürt seinen Magen, seine Galle (= jmds. Magen, Galle schmerzt)
er spürt den Wein (= die Wirkung des Weins)
jmd. bekommt den Stock, jmds. Fäuste zu spüren (= jmd. wird von jmdm. mit dem Stock, den Fäusten geschlagen)
vielleicht hatte sie auch nichts gespürt, denn ich hatte sie tatsächlich nur mit den Fingerspitzen angetippt [KafkaAmerika308]
2.
etw., besonders einen seelischen Vorgang, innerlich wahrnehmen
Beispiele:
jmd. spürt Angst, Widerwillen
jmd. spürt jmds. Überlegenheit, Hass, Blick
sie ließ ihn ihre Geringschätzung, Verachtung deutlich spüren
jmd. spürt ein menschliches Rühren
hast du nicht gespürt (= gemerkt), dass sie dir damit helfen wollte?
von Freude, Begeisterung war nichts zu spüren
jetzt hat er ihren Egoismus am eigenen Leibe gespürt, zu spüren bekommen
3.
(mit Hilfe eines Hundes) ein Wild suchen, der Spur eines Wildes folgen
Beispiele:
die Hunde spüren (einen Fuchs), im Unterholz nach Wild
spürende Jagdhunde
Ich hab den Sechserbock wieder gespürt, den der Rittmeister so gerne kriegen wollte [FalladaWolf1,273]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Spur · spurlos · Spurweite · großspurig · spuren · spüren · spürbar · Spürhund · Spürsinn
Spur f. ‘(Fuß)abdruck, hinterlassenes Zeichen, Fährte’, ahd. spor n. ‘Fußspur’ (8. Jh.), mhd. spor, spur, spür f. n. ‘Fährte, Spur’, mnd. spōr n., mnl. spōr(e) n., nl. spoor, aengl. anord. spor n., schwed. spår (germ. *spora n. ‘Fußabdruck’) sind abgeleitet im Sinne von ‘Tritt’ von germ. *spurnan ‘treten’ (s. ↗Sporn) und gehören zur Wurzel ie. *sp(h)er(ə)- ‘zucken, mit dem Fuße wegstoßen, zappeln, schnellen’. Das zunächst neutrales Genus aufweisende germ. *spura- entwickelt im Mhd. feminin gebrauchte Formen, die sich im 16. Jh. durchsetzen. Spur bedeutet als altes Jagdwort ‘durch Tritt mit dem Fuß hinterlassener Abdruck’ (auf einer Unterlage, im Boden), übertragen das ‘hinterlassene Zeichen’, vgl. keine Spur ‘kein Zeichen’ (z. B. keine Spur von Mitleid), nicht die geringste Spur ‘nicht das geringste Merkmal, nicht der geringste Anhaltspunkt’ (alle 18. Jh.). spurlos Adv. ‘ohne jeden Anhaltspunkt, Nachweis’ (18. Jh.). Spurweite f. ‘Schienenabstand’ bei der Eisenbahn (19. Jh.). großspurig Adj. ‘aufgeblasen, angeberisch’ (19. Jh.). spuren Vb. (von Wagen) ‘eine Spur halten’, übertragen ‘sich einordnen, nicht abweichen, gehorchen’ (19. Jh.). spüren Vb. jägersprachlich ‘die Spur suchen, ihr folgen’, übertragen (13. Jh.) ‘wahrnehmen, merken’, (17. Jh.) ‘empfinden, fühlen’, ahd. spurien, spurren ‘der Spur des Wildes nachgehen’ (8. Jh.), mhd. spürn, auch ‘etw. aufsuchen, wahrnehmen’, mnl. spōren, spueren ‘nachspüren, forschen, untersuchen’, nl. speuren, aengl. spyrian ‘eine Spur machen, verfolgen, reisen, nachforschen’, anord. spyrja, schwed. spörja ‘fragen, hören, erfahren’ (germ. *spurjan). spürbar Adj. ‘fühlbar, merklich’ (18. Jh.). Spürhund m. ‘Jagdhund für das Aufspüren der Fährte des Wildes’, ahd. spurihunt (11. Jh.), mhd. spürhunt. Spürsinn m. ‘Fähigkeit zur Fährtensuche’ (beim Jagdhund), ‘feines, untrügliches Gefühl, etw. zu finden’ (18. Jh.).

Thesaurus

Psychologie
Synonymgruppe
empfinden · ↗fühlen · spüren · ↗verspüren · ↗wahrnehmen
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
  • taktile Wahrnehmung
  • Fühlbarkeit · Taktilität
Synonymgruppe
(eine) Nase haben für · (etwas) sagt jemandem sein Bauchgefühl · Lunte riechen · spüren · ↗wittern  ●  den Braten riechen  fig. · im Urin haben  fig.
Assoziationen
  • (jemandem ist / wird) mulmig (bei) · (jemandem ist etwas) nicht ganz geheuer · (jemandem ist) unbehaglich (bei) · (jemandem ist) ungemütlich (bei) · (jemandem ist) unwohl (bei)
  • (ein) ungutes Gefühl haben (bei) · (jemandem) nicht geheuer sein · (jemandem) nichts Gutes schwanen
  • (die) Intuition haben · den siebten Sinn haben · intuitiv wissen
  • (die) Zeit gekommen sehen · Hoffnung schöpfen  ●  Morgenluft wittern  fig.
  • (eine) dunkle Ahnung haben · ↗(etwas) ahnen · ↗(jemandem) schwanen · Vorahnung(en) haben · ↗erahnen · ↗erwarten · kommen sehen · ↗vorausahnen · ↗voraussehen · ↗vorhersehen · ↗wittern
  • (das) zweite Gesicht (haben) · hellsehen können · hellseherische Fähigkeiten (haben)
  • (den) richtigen Riecher haben · (ein) Gespür haben (für) · (ein) Näschen haben (für) · (eine) Nase haben (für) · ↗(etwas) wittern  ●  (einen) Riecher haben (für)  Hauptform
  • Ahnung · ↗Bauchgefühl · ↗Eingebung · ↗Gefühl · ↗Gespür · ↗Instinkt · ↗Intuition · ↗Vorahnung · innere Stimme  ●  sechster Sinn  ugs. · siebter Sinn  ugs. · so ein (undeutliches) Gefühl  ugs.
  • (ein) sicheres Gespür haben (für) · (einen) untrüglichen Instinkt haben
  • (etwas) bemerken · ↗(jemandem) auffallen · (jemanden) aufhorchen lassen · (jemanden) stutzen lassen · aufmerksam werden (auf) · hellhörig werden · stutzig werden
Psychologie
Synonymgruppe
empfinden · ↗fühlen · spüren · ↗verspüren · ↗wahrnehmen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Atem Aufbruchstimmung Auswirkung Beben Druck Erleichterung Erschütterung Folge Gegenwind Hauch Leib Nacken Schmerz Zurückhaltung aufspüren da davon deutlich du förmlich hier ich kaum mehr nachspüren plötzlich schon sofort wenig überall

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›spüren‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber erst jetzt, über ein Jahr nach seinem Tod, denkt sie es nicht nur, sondern spürt es auch.
Die Zeit, 26.08.2013, Nr. 34
Noch wichtiger als die Umsetzung politischer Theorien schien ihr, die volle Intensität des Lebens zu spüren.
Der Spiegel, 04.03.1996
Daß sein Wort nicht gefragt war, bekam er deutlich zu spüren.
Brandt, Willy: Erinnerungen, Berlin: Ullstein 1997 [1989], S. 21
Denn jeder hier spürt es bis in die Knochen: das Gelobte Land ist nah!
Hilsenrath, Edgar: Der Nazi & der Friseur, Köln: Literar. Verl. Braun 1977, S. 258
Er spürte die sanften Bögen des Rückens unter seiner Hand.
Neutsch, Erik: Spur der Steine, Halle: Mitteldeutscher Verl. 1964 [1964], S. 172
Zitationshilfe
„spüren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/spüren>, abgerufen am 14.10.2019.

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