Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

speiben

Grammatik Verb · speibt, spieb, hat gespieben (Präteritum ungebräuchlich)
Nebenform selten speiben · Verb · speibte, hat gespeibt (Präteritum ungebräuchlich)
Aussprache [ˈʃpaɪ̯bn̩]
Worttrennung spei-ben
Wortbildung  mit ›speiben‹ als Letztglied: anspeiben  ·  mit ›speiben‹ als Grundform: Speibe
Herkunft dialektale Form von speien

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. [A , umgangssprachlich, D-Südost , mundartlich] ⟨jmd. speibt⟩ (wegen Übelkeit) Mageninhalt aus dem Mund befördern
    1. a) ⟨zum Speiben⟩
    2. b) [A , umgangssprachlich, D-Südost , mundartlich, abwertend] ⟨bis zum Speiben⟩ Synonym zu bis zum Erbrechen
  2. 2. [seltener] [A , umgangssprachlich, D-Südost , mundartlich] ⟨jmd. speibt (etw.) (irgendwohin)⟩ Speichel oder etw. anderes absichtlich mit Schwung aus dem Mund befördern
DWDS-Vollartikel

Bedeutungen

1.
A , umgangssprachlich, D-Südost , mundartlich jmd. speibt(wegen Übelkeit) Mageninhalt aus dem Mund befördern
Beispiele:
Im Rettungsboot war eine alte Frau neben mir, die hat gespieben und da bin auch ich seekrank geworden. [Der Standard, 23.09.2000]
»Er hat in die Abwasch gschbieben« versteht in Deutschland niemand. Die Deutschen wissen nicht, was speiben ist, und sie wissen nicht, was eine Abwasch ist. Ich möchte aber den Josef Hader oder den Roland Düringer nicht sagen lassen: »Er hat in die Spüle gereihert.« So vergräme ich mir das österreichische Publikum. [Der Standard, 07.12.2018]
Da ist auch kein Gegenüber, das das Mahl auf meinem Teller mit [»]Wäh, grauslich – das willst du essen, das schaut aus wie gespieben![«] kommentiert. [Kurier, 22.05.2016]
Soviel kann ich gar nicht essen, wie ich speiben möcht, wenn ich ein solches Bild seh. [Blumen für den Waffengraf?, 10.11.2011, aufgerufen am 31.08.2020]
Wenn ein zwölfjähriger Bub nach vier oder fünf Halben (= halben Liter Bier) ins Gebüsch speibt, ist das anscheinend ganz normal. Aber wehe, er wird mit mit einem Joint erwischt. [Süddeutsche Zeitung, 27.02.1997]
Ich bin da zum ersten Mal gelaufen, hab zum ersten Mal gschpiem, zum ersten Mal graucht – alles in Straubing. [Landshuter Zeitung, 14.12.2017] ungewöhnl. Schreibung
»Nie ist etwas ernsthaftes [sic!] passiert«[,] sagt Susanne G[…], die Fränkin: »Es hat net amal (= nicht einmal) einer ins Klo gschpeibt [Südkurier, 03.03.2011] ungewöhnl. Schreibung
a)
Phrasem:
A , umgangssprachlich, D-Südost , mundartlich, abwertendzum Speiben (= abstoßend, widerwärtig, in unerträglicher Weise)
siehe auch zum Kotzen
Beispiele:
Vater und Tochter entsorgten den Müll aus dem Wald in einem Sammelzentrum. »Es stinkt zum Speiben [NÖ Nachrichten, 13.06.2019]
Auch die »Experten« genau jener Wirtschaft und Industrie, die keine Älteren beschäftigen will, fordert: Anhebung des Pensionsalters! […] Es ist zum Speiben! [Kurier, 02.12.2013]
Um es galant zu formulieren, der fesche Bursch war nicht mein Typ. Ungalant: ich fand ihn zum Speiben. [Eine gute Partie, 17.11.2012, aufgerufen am 01.09.2020]
Er findet die Kulturpolitik in Österreich »zum Speiben«[.] [Der Standard, 28.07.2009]
Es war zum Speiben, wie der herumgeschleimt hat. [Heute, 22.09.2008]
Nein, da kann man einfach nicht wegzappen. Herrenwitze zum Speiben. [Kronen Zeitung, 07.05.2008]
[…] Pornos – die finde ich zum Speiben langweilig. [Wienerin, 0.1.04.2008]
b)
A , umgangssprachlich, D-Südost , mundartlich, abwertend
Phrasem:
bis zum Speiben (= bis zum Überdruss, ohne Ende)
Beispiele:
Monatelange Untersuchungen, monatelanger Prozess, monatelang die Medien‑Enthüllungen, detailliert bis zum Speiben. [Kleine Zeitung, 08.09.2013]
Insofern erwarte ich mir einfach, dass jeder rackert bis zum Speiben und dann sieht man eh, ob am Ende unser starkes Kollektiv der individuellen Klasse etwas entgegenzusetzen hat. [LASK-Fans vor Besiktas, 09.08.2018, aufgerufen am 17.03.2021]
Wer sich den Kultur‑ und Informationssender ORF III ansieht, das Programm[,] in dem nicht die amerikanischen Verblödungsserien bis zum Speiben ausgestrahlt werden, der erkennt: Christoph Takacs, Chefredakteur dieses Senders, ist der beste Mann für den ORF Salzburg. [Kronen Zeitung, 17.09.2016]
2.
seltener, A , umgangssprachlich, D-Südost , mundartlich jmd. speibt (etw.) (irgendwohin)Speichel oder etw. anderes absichtlich mit Schwung aus dem Mund befördern
Beispiele:
[…] auf dem vom Bildhauer Joseph Michael Neustifter geschaffenen Brunnen am Marktplatz prangt großmächtig [Graf] Luckners Gestalt. Eingeweihte Beobachter erfreuen sich gerne daran, wenn der Bronze‑Luckner ahnungslosen Touristen einen Schwall Brunnenwasser in den Nacken speibt. [Süddeutsche Zeitung, 31.12.2021]
Und wohin schieben wir die urösterreichischen Rowdys ab, die ungeniert an Hauswände pinkeln und in die Straßenbahn speiben? Die gibt’s nämlich auch, und nicht zu knapp. [Profil, 20.10.2008]
Um meine Höhenangst zu bedienen, soll ich über die höchste Fußgängerbrücke Europas in Arzl im Pitztal latschen. Die ist 94 Meter hoch und 137,7 Meter lang und heißt jetzt Benny‑Raich‑Brücke. Von der lasse es sich prima speiben. [Wiener, 21.07.2016]
im BildUm sich des Vorstandes zu entledigen und nebenbei noch den Gewerkschaften in die Suppe zu speiben, verfällt die FPÖ in eine derart widerliche Stammtisch‑Argumentation, dass sich auch der letzte Rest an Sachkompetenz zu verabschieden droht. [Industriemagazin, 01.09.2001]

letzte Änderung:

Thesaurus

Medizin
Synonymgruppe
(Nahrung) nicht bei sich behalten (können) · (etwas) erbrechen · (sich) erbrechen · (sich) übergeben · hochwürgen · speien  ●  Magen(inhalt) oral entleeren  variabel · speiben  österr., bayr. · spucken  regional · (das Essen) kommt oben wieder heraus  ugs. · (sich) auskotzen  derb · Bröckchen lachen  ugs. · brechen  ugs. · göbeln  ugs., regional · kotzen  derb · reihern  ugs. · rückwärts essen  ugs., scherzhaft · vomieren  geh., lat.
Assoziationen
Zitationshilfe
„speiben“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/speiben>.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
speeren
speditiv
spedieren
specknackig
speckig
speichelleckerisch
speicheln
speicherbar
speichern
speien