Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

speisen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung spei-sen
Wortbildung  mit ›speisen‹ als Erstglied: Speisehalle · Speisehaus · Speiseleitung · Speiselokal · Speiseraum · Speisesaal · Speisezimmer · Speiseöl
 ·  mit ›speisen‹ als Letztglied: abspeisen · ausspeisen · einspeisen
 ·  mit ›speisen‹ als Grundform: verspeisen
eWDG

Bedeutungen

1.
gehoben eine Mahlzeit einnehmen, essen
Beispiele:
zu Mittag, zu Abend, à la carte speisen
landschaftlichzur Nacht speisen
gut, schlecht, ausgiebig, warm, kalt speisen
gemeinsam (mit der Familie, mit Freunden, Kollegen), in kleinem Kreise, allein, in einer Gaststätte, an einer festlichen Tafel speisen
im Hotel haben wir ausgezeichnet gespeist
haben Sie schon gespeist?
(ich) wünsche, wohl zu speisen, wohl gespeist zu haben
etw. zu sich nehmen, etw. essen
Beispiel:
Sie speisten kleine knusprige … Krebse, zartgegrilltes Geflügel [ KoeppenTod16]
2.
gehoben jmdn. speisenjmdm. zu essen geben, jmdn. verpflegen
Beispiele:
(Ferien)gäste, Kinder speisen
siebenhundert Evakuierte in der jungen Vorstadt – kein geringes Problem, sie zu speisen [ A. ZweigDe Vriendt236]
3.
Technik eine Anlage, Maschine, einen Apparat mit dem für den Betrieb Erforderlichen versorgen
Beispiele:
eine Lichtanlage, Eisenbahnstrecke mit Strom speisen
ein Rundfunkgerät aus dem Netz (= Stromnetz) speisen
einen Dampfkessel, eine Beregnungsanlage mit Wasser speisen
ein von Batterien gespeister Elektromotor
Die Öfen des Erfurter Gaswerkes werden jetzt … mit Erdgas gespeist [ Tageszeitung1962]
etw. in etw. speisenetw. in etw. leiten, in etw. fließen lassen
Beispiel:
das neue Großkraftwerk hat den ersten Strom in das öffentliche Netz, in das Verbundnetz gespeist
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Speise · speisen · abspeisen · verspeisen · Speisung · Speisekammer
Speise f. ‘feste bzw. zubereitete Nahrung, Gericht’, ahd. spīsa (9. Jh.), mhd. spīse ‘feste Nahrung, Kost, Lebensmittel, eigene Haushaltung’, auch ‘Metallgemisch zum Glockenguß’ (vgl. Glockenspeise), mnd. mnl. spīse, nl. spijs, afries. spise ist entlehnt aus mlat. *spēsa (vgl. aital. spesa Sing. ‘Nahrung’, spese Plur. ‘Vorräte’), einem Wort der Klostersprache, dessen aus mlat. spensa, expensa ‘Nahrung, Lebensmittel’ entwickeltes geschlossenes ē mit germ. ī wiedergegeben wird. Zugrunde liegt lat. expēnsa f. ‘Ausgabe, Aufwand’, kirchenlat. (Klostersprache) ‘Lebensunterhalt, Proviant’, das (wohl aus einer Fügung pecūnia expēnsa ‘ausgegebenes Geld’) substantivierte Part. Perf. von lat. expendere ‘gegeneinander aufwägen, abwägen, erwägen, auszahlen, ausgeben, bezahlen’. Die gleiche Lautentwicklung von ē zu germ. ī, nhd. ei zeigen Feier, Kreide, Seide (s. d.). – speisen Vb. in gehobener Sprache ‘eine Mahlzeit einnehmen, essen’, transitiv ‘zu essen geben, versorgen’, mhd. spīsen, auch ‘Metalle miteinander mischen’. abspeisen Vb. ‘beköstigen, aufhören zu essen’ (16. Jh.), übertragen ‘jmdn. unbefriedigend, mit wenigem abfertigen, vertrösten’ (17. Jh.). verspeisen Vb. ‘aufessen’ (17. Jh.). Speisung f. ‘Beköstigung’, mhd. spīsunge, auch ‘Proviant’. Speisekammer f. ‘Vorratsraum für Nahrungsmittel’ (15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(eine) Mahlzeit zu sich nehmen· essen· speisen· zu Tisch sein (Arbeitswelt)  ●  dinieren  geh. · tafeln  geh.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) einverleiben· (sich) gütlich tun (an)· (sich) zu Gemüte führen· Nahrung aufnehmen· essen· speisen· verkosten· verschmausen· verspeisen· zu Munde führen  ●  (etwas) zwischen die Kiemen bekommen  ugs. · Essen fassen  ugs. · einnehmen (Mahlzeit)  geh. · fressen  derb · futtern  ugs. · in sich hineinschaufeln  ugs. · mampfen  ugs. · spachteln  ugs. · verdrücken  ugs. · vernaschen  ugs. · verputzen  ugs. · verspachteln  ugs. · weghauen  ugs. · wegputzen  ugs. · wegspachteln  ugs.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe

Typische Verbindungen zu ›speisen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›speisen‹.

Verwendungsbeispiele für ›speisen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das religiöse Leben eines Volkes wird aus vielen, meist verborgen rinnenden Quellen gespeist. [Jahrbuch des Vereins für Wissenschaftliche Pädagogik, 1911, Bd. 43]
So wunderbar hatte er schon lange nicht zu Mittag gespeist. [Der Tagesspiegel, 24.01.1953]
Unser Wissen über sie speist sich aus antiken Quellen, die oft propagandistisch verfärbt sind. [o. A.: Kelten in Deutschland. In: Bild der Wissenschaft auf CD-ROM, Stuttgart: Dt. Verl.-Anst. 1999 [1998]]
Nein, kann ich nicht, will ich nicht, speisen schon gar nicht. [Die Zeit, 20.05.1999, Nr. 21]
Was speiste man in jener denkwürdigen Nacht, und wie wurde es serviert? [Die Zeit, 25.04.1997, Nr. 18]
Zitationshilfe
„speisen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/speisen>.

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