Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

spekulieren

Grammatik Verb · spekuliert, spekulierte, hat spekuliert
Aussprache 
Worttrennung spe-ku-lie-ren
Wortbildung  mit ›spekulieren‹ als Erstglied: Spekulant · Spekulation  ·  mit ›spekulieren‹ als Letztglied: herumspekulieren · verspekulieren
Herkunft aus speculārīlat ‘(umher)spähen, sich umsehen, auskundschaften, beobachten’ < specerelat ‘sehen’
eWDG

Bedeutungen

1.
umgangssprachlich auf etw. spekulierenauf, mit etw. rechnen, etw. zu erlangen hoffen
Beispiele:
sie spekulierten darauf, den Garten pachten zu können
Wenn Sie … glauben, daß der Jansch ebenfalls auf den Laden spekuliert [ A. ZweigErziehung319]
etw. zum eigenen Vorteil auszunutzen suchen
Beispiel:
auf jmds. Leichtgläubigkeit, Gutmütigkeit, Unwissenheit spekulieren
2.
abwertend besonders an der Börse (oftmals unsichere) Geschäfte betreiben, um Gewinne zu erzielen
Beispiele:
mit Grundstücken, Wertpapieren spekulieren
auf, an der Börse spekulieren
3.
landschaftlich nachsinnen, grübeln
Beispiel:
er spekulierte lange, was er in diesem Fall tun sollte
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

spekulieren · Spekulant · Spekulation · spekulativ
spekulieren Vb. ‘nachdenken, gewagte, riskante Geschäfte machen, auf etw. rechnen’, mhd. speculieren ‘sich in religiöse Betrachtung versenken, (Gott) zu erforschen suchen, sinnen’ wird durch die Mystiker entlehnt aus lat. speculārī ‘(umher)spähen, sich umsehen, auskundschaften, beobachten’; zu lat. specere ‘sehen’. Bei den Reformatoren (Luther) erhält spekulieren den abschätzigen Nebensinn ‘forschen, nachdenken auf phantastischer (d. h. nicht auf biblischer Überlieferung beruhender) Grundlage’, verallgemeinert ‘ohne Bezug zur Wirklichkeit nachsinnen, forschen’, auch ‘dichten’ (16. Jh.). Doch bleibt daneben wertneutraler Gebrauch im Sinne von ‘nachdenken, überlegen, mutmaßen’ erhalten, in der Philosophie weiterentwickelt zu ‘durch bloßes Denken (ohne Empirie) Erkenntnisse zu gewinnen suchen’ (18. Jh.). Eine eigene Verwendungsweise zeigt die Kaufmannssprache, wo ‘Berechnungen, Überlegungen anstellen, die einen Erfolg möglich erscheinen lassen, solche Absichten und Geschäfte ausführen’ (16. Jh., geläufig 18. Jh.) in ‘riskante Geschäfte machen’ übergeht. Davon herzuleiten ist der allgemeinsprachliche Gebrauch spekulieren (‘rechnen’) auf etw. (Ende 18. Jh.). – Spekulant m. philosophisch ‘wer über metaphysische Dinge nachdenkt, Grübler’ (17. Jh.), kaufmannssprachlich ‘wer mit Risiko nach Gewinn strebt, auf Gewinn rechnender Unternehmer’ (18. Jh.); vgl. lat. speculāns (Genitiv speculantis), Part. Präs. zu lat. speculārī (s. oben). Spekulation f. mhd. speculācie (Anfang 14. Jh.), frühnhd. Speculacz (15. Jh.), Speculation (16. Jh.), aus spätlat. speculātio (Genitiv speculātiōnis) ‘das Ausschauhalten, Ausspähen, Betrachtung, das Beschauen’; entsprechend dem Gebrauch des Verbs zuerst bei den Mystikern ‘Betrachtung Gottes und seiner Schöpfung, geistliche Verzückung’, dann ‘tiefsinniges Nachdenken, Betrachten, Forschen’ (16. Jh.), philosophisch ‘kontemplatives, von der Wirklichkeit losgelöstes Erkenntnisstreben’ (18. Jh.), bald auch abschätzig windige, müßige Speculation ‘Spintisiererei’ (18. Jh.). Kaufmannssprachlich ‘kaufmännische Berechnung, riskante, auf Gewinn zielende Unternehmung’ (18. Jh.). spekulativ Adj. philosophisch (als Gegensatz zu empirisch) ‘in reinen Begriffen denkend, wirklichkeitsfremd, übersinnlich’, verallgemeinert ‘grübelnd, forschend, zur Spekulation neigend’ (17. Jh.), kaufmannssprachlich ‘berechnend, auf Gewinn, Handelsvorteil bedacht’ (19. Jh.), aus mlat. speculativus ‘in forschendes Denken sich versenkend, betrachtend’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(abenteuerliche) Vermutungen (anstellen) · (drauflos) spekulieren · Kaffeesatzleserei (betreiben) · Spekulationen anstellen · herumspekulieren · keine gesicherte Datenbasis (zugrunde legen) · orakeln · wilde Spekulationen (...) · zwischen den Zeilen (lesen)  ●  (herum)fantasieren  abwertend · (sich etwas) zusammenphantasieren  abwertend · (sich) in (abenteuerlichen) Spekulationen ergehen  variabel · (sich etwas) aus den Fingern saugen  ugs., fig. · herumraten  ugs. · herumspinnen  ugs., abwertend · herumspintisieren  geh., abwertend
Assoziationen
Antonyme
  • (drauflos) spekulieren
Synonymgruppe
Mutmaßungen anstellen · Vermutungen anstellen · annehmen · mutmaßen · spekulieren
Synonymgruppe
(etwas tun) mit dem Hintergedanken, dass · (sich) Chancen ausrechnen (auf) · (sich) erhoffen · setzen (auf) · spekulieren (auf)
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›spekulieren‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›spekulieren‹.

Verwendungsbeispiele für ›spekulieren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Über die vielleicht zerstörenden Folgen haben wir oben etwas spekuliert. [Jonas, Hans: Das Prinzip der Verantwortung, Frankfurt a. M.: Insel-Verl. 1979, S. 389]
Wie man sieht, spekulierte ich nicht auf einen schnellen Sieg. [Moers, Walter: Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 932]
Warum Frankreich so üppig ausgestattet wird, darüber kann man wirklich nur spekulieren. [Die Zeit, 21.11.1997, Nr. 48]
Spekuliert wird über Namen, die man den zuständigen Politikern erst soufflieren muß. [Die Zeit, 14.03.1997, Nr. 12]
Zuvor spekulierte das Blatt bereits über das »Ende von Aids". [Die Zeit, 10.01.1997, Nr. 3]
Zitationshilfe
„spekulieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/spekulieren>.

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