spießen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungspie-ßen (computergeneriert)
Wortbildung mit ›spießen‹ als Letztglied: ↗anspießen · ↗aufspießen
Duden GWDS, 1999

Bedeutungen

1.
a)
selten durchstechen, durchbohren
b)
selten mit der Spitze stecken, hängen bleiben
2.
a)
mit einem spitzen Gegenstand aufnehmen
b)
auf einen spitzen Gegenstand stecken
c)
selten mit einem spitzen Gegenstand an, auf etw. befestigen, (fest)stecken
3.
(einen spitzen Gegenstand) in etw. hineinstecken, hineinbohren
4.
österreichisch
a)
sich verklemmen
b)
nicht in gewünschter Weise vorangehen, stocken
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Spieß2 · Spieß3 · spießen · Spießbürger · Spießer · spießbürgerlich · spießig · Spießgeselle
Spieß2 m. alte Wurf- und Stoßwaffe, ahd. spioʒ (um 800; vgl. als Jagdwaffe swīnspioʒ, 8. Jh.), mhd. spieʒ ‘Kampf-, Jagdspieß’, auch ‘Spießträger’, asächs. spiot, mnd. spēt, mnl. spiet, anord. spjōt ‘Spieß, Speer’, schwed. spjut ‘Speer’. Herkunft unbekannt. Ein Zusammenhang mit griech. speú͞dein (σπείδειν) ‘sich sputen, eilen, streben, sich anstrengen’, transitiv ‘antreiben, beschleunigen’, spūdḗ (σπουδή) ‘Eile, Eifer, Mühe, Ernst, Wohlwollen’, lit. spáusti (aus *spáudti) ‘(aus)drücken, -pressen’, intransitiv ‘eilen’ mit einer Ausgangsform ie. *(s)p(h)eud- ‘drücken, mit Nachdruck betreiben, eilen’ (vgl. Pokorny 1, 999), wonach der geschleuderte Spieß als ‘Eilender’ zu deuten wäre, ist wenig befriedigend. de Vries in: PBB (T) 80 (1958) 20 faßt dagegen germ. *speuta- ‘Spieß’ als vokalische Variante von germ. *spita- ‘Spitze’ (s. ↗Spieß) auf. Spieß3 m. in der Soldatensprache ‘Kompanie-, Hauptfeldwebel’ (um 1900), anspielend auf den Offizierssäbel, den dieser früher zu tragen berechtigt war; vgl. bereits mhd. spieʒ, nhd. Spieß ‘Spießträger, Krieger’ (bis 17. Jh.). spießen Vb. ‘(mit dem Spieß) durchbohren’ (17. Jh.). Nicht hierher, sondern zu ↗Spieß gehört mhd. spiʒʒen ‘an den Bratspieß stecken’ und auch frühnhd. spissen ‘mit dem Spieß, mit der Stichwaffe durchstechen’ (16. Jh.), das sich jedoch semantisch an ↗Spieß anlehnt. Unklar in seiner Zugehörigkeit ist mhd. (md.) spīʒen ‘aufspießen’. Spießbürger m. ‘kleinlich denkender, engstirniger Mensch’ (17. Jh.), studentisches Schimpfwort, eigentlich ‘der mit dem Spieß bewaffnete, zu Fuß kämpfende Bürger’; im 18. Jh. (Wieland) in die Literatursprache aufgenommen. Daraus verkürzt Spießer m. (19. Jh.). spießbürgerlich Adj. ‘kleinstädtisch, kleinlich, engstirnig’ (18. Jh.); entsprechend spießig Adj. (um 1900). Spießgeselle m. ‘Mittäter in einer üblen Sache’ (16. Jh.), eigentlich ‘der (ebenfalls mit einem Spieß kämpfende) Waffengefährte’ (16. Jh.). Den pejorativen Sinn erhält das Wort durch den schlechten Ruf, den in älterer Zeit Landsknechte und Soldaten genießen.

Thesaurus

Synonymgruppe
einklemmen · ↗klemmen  ●  einzwicken  österr., bair. · spießen  österr., bair.
Synonymgruppe
festklemmen · ↗verkeilen  ●  spießen  österr., bair.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Angelhaken Ast Bajonett Beute Dorn Feder Fisch Gabel Gartenzaun Haken Horn Kartoffel Kopf Lanze Messer Mund Nadel Pfahl Schmetterling Schweinekopf Schwert Stange Stock Wurm Zahnstocher auf aufspießen durchspiessen genüßlich vorsichtig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›spießen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das Leben selbst sprengte 1926 die Formate, und die Künstler spießten die Fetzen auf Papier.
Der Tagesspiegel, 10.08.2001
Da drehte die Kuh durch, spießte einen der Männer mit den Hörnen auf, schleuderte die anderen durch die Luft.
Bild, 11.06.2005
Anschließend werden sie auf die Gabel gespießt und stückweise gegessen.
Smolka, Karl: Gutes Benehmen von A - Z. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1957], S. 18966
Er spießt seine Beute ruhig auf Dornen für den Hunger am nächsten Tag.
Müller, Herta: Herztier, Reinbek: Rowohlt 1994, S. 94
Vaihinger erblickt dieses als, fängt es ein und spießt es auf.
Mauthner, Fritz: Wörterbuch der Philosophie. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1910], S. 18425
Zitationshilfe
„spießen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/spießen>, abgerufen am 20.07.2019.

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