spießig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungspie-ßig
Wortbildung mit ›spießig‹ als Erstglied: ↗Spießigkeit
eWDG, 1976

Bedeutung

abwertend engstirnig, kleinlich, wie ein Spießer
Beispiele:
spießige Enge, Kleinbürgerlichkeit
er war in seinen Ansichten konventionell und spießig
daß sie maßvolle kleine Bürger sind, die nichts wollen, als Kindern und Enkeln ein spießiges Wohlleben verschaffen [H. Mann12,8]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Spieß2 · Spieß3 · spießen · Spießbürger · Spießer · spießbürgerlich · spießig · Spießgeselle
Spieß2 m. alte Wurf- und Stoßwaffe, ahd. spioʒ (um 800; vgl. als Jagdwaffe swīnspioʒ, 8. Jh.), mhd. spieʒ ‘Kampf-, Jagdspieß’, auch ‘Spießträger’, asächs. spiot, mnd. spēt, mnl. spiet, anord. spjōt ‘Spieß, Speer’, schwed. spjut ‘Speer’. Herkunft unbekannt. Ein Zusammenhang mit griech. speú͞dein (σπείδειν) ‘sich sputen, eilen, streben, sich anstrengen’, transitiv ‘antreiben, beschleunigen’, spūdḗ (σπουδή) ‘Eile, Eifer, Mühe, Ernst, Wohlwollen’, lit. spáusti (aus *spáudti) ‘(aus)drücken, -pressen’, intransitiv ‘eilen’ mit einer Ausgangsform ie. *(s)p(h)eud- ‘drücken, mit Nachdruck betreiben, eilen’ (vgl. Pokorny 1, 999), wonach der geschleuderte Spieß als ‘Eilender’ zu deuten wäre, ist wenig befriedigend. de Vries in: PBB (T) 80 (1958) 20 faßt dagegen germ. *speuta- ‘Spieß’ als vokalische Variante von germ. *spita- ‘Spitze’ (s. ↗Spieß) auf. Spieß3 m. in der Soldatensprache ‘Kompanie-, Hauptfeldwebel’ (um 1900), anspielend auf den Offizierssäbel, den dieser früher zu tragen berechtigt war; vgl. bereits mhd. spieʒ, nhd. Spieß ‘Spießträger, Krieger’ (bis 17. Jh.). spießen Vb. ‘(mit dem Spieß) durchbohren’ (17. Jh.). Nicht hierher, sondern zu ↗Spieß gehört mhd. spiʒʒen ‘an den Bratspieß stecken’ und auch frühnhd. spissen ‘mit dem Spieß, mit der Stichwaffe durchstechen’ (16. Jh.), das sich jedoch semantisch an ↗Spieß anlehnt. Unklar in seiner Zugehörigkeit ist mhd. (md.) spīʒen ‘aufspießen’. Spießbürger m. ‘kleinlich denkender, engstirniger Mensch’ (17. Jh.), studentisches Schimpfwort, eigentlich ‘der mit dem Spieß bewaffnete, zu Fuß kämpfende Bürger’; im 18. Jh. (Wieland) in die Literatursprache aufgenommen. Daraus verkürzt Spießer m. (19. Jh.). spießbürgerlich Adj. ‘kleinstädtisch, kleinlich, engstirnig’ (18. Jh.); entsprechend spießig Adj. (um 1900). Spießgeselle m. ‘Mittäter in einer üblen Sache’ (17. Jh.), eigentlich ‘der (ebenfalls mit einem Spieß kämpfende) Waffengefährte’ (16. Jh.). Den pejorativen Sinn erhält das Wort durch den schlechten Ruf, den in älterer Zeit Landsknechte und Soldaten genießen.

Thesaurus

Synonymgruppe
bieder · ↗borniert · brav und bieder · ↗engstirnig · ↗kleinbürgerlich · ↗philisterhaft · ↗piefig · ↗provinziell · ↗spießbürgerlich · ↗spießerhaft  ●  spießig  Hauptform · ↗philiströs  geh., bildungssprachlich
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Behaglichkeit Elternhaus Enge Gemütlichkeit Idyll Interieur Kaff Kleinbürger Kleinbürgertum Kleinstadt Mief Milieu Muff altmodisch autoritär bieder bigott blöd empfunden engstirnig kleinbürgerlich kleinkariert langweilig miefig muffig provinziell prüde verklemmt verlogen ziemlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›spießig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber als Kind war ich sehr spießig, und das habe ich noch immer in mir.
Die Zeit, 24.08.2009, Nr. 34
Ich liebe sie sehr, aber sie ist schon ziemlich spießig.
Der Tagesspiegel, 23.02.2001
Der Slogan des Seniors »Der Stern unter den Versicherungen« trug ihm freundliche Bemerkungen wie »furchtbar, altmodisch, spießig« seitens der jüngeren Kollegin ein.
Hars, Wolfgang: Nichts ist unmöglich! Lexikon der Werbesprüche, München: Piper 2001 [1999], S. 300
Auf die Tauben, die spießigen Kaffeetanten, du teiltest seine Verachtung für sie.
Venske, Regula: Marthes Vision, Frankfurt am Main: Eichborn Verlag 2006, S. 109
Wenn ich mich nicht irre, werden von Scheler sogar die spießigsten Ansichten über Schwiegermütter, einer affirmativen Analyse, also einer philosophischen Rechtfertigung unterzogen.
Schuh, Franz: Schreibkräfte, Köln: DuMont 2000, S. 90
Zitationshilfe
„spießig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/spießig>, abgerufen am 19.01.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Spießhirsch
Spießgeselle
Spießertum
Spießerseele
Spießermoral
Spießigkeit
Spießrute
Spießrutenlauf
Spießrutenlaufen
Spike