sprachlos

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung sprach-los
Wortzerlegung Sprache-los
Wortbildung  mit ›sprachlos‹ als Erstglied: ↗Sprachlosigkeit
eWDG

Bedeutungen

1.
so erstaunt, erschrocken oder entrüstet, dass man zunächst nicht sprechen kann
Beispiele:
sprachlose Verblüffung
er war sprachlos vor Entrüstung, Wut
er starrte sprachlos auf die Notiz
wo gibt's denn das, da bin ich aber sprachlos!
2.
ohne Sprache
Beispiel:
ihre Blicke trafen sich in sprachlosem Einverständnis
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Sprache · sprachlich · -sprachig · Sprachforscher · Sprachlehre · sprachlos · Sprachwissenschaft
Sprache f. ‘Anlage, Fähigkeit zu sprechen, auf menschlichen Lauten aufbauendes System von Zeichen, die der Mensch mit Hilfe seiner Sprechorgane hervorbringt, Verständigungsmittel, Mittel des Ausdrucks von Gedanken und Bewußtseinsinhalten’, ahd. sprāhha (8. Jh.), mhd. sprāche, asächs. sprāka, mnd. mnl. sprāke, nl. spraak (germ. *sprēkō), aengl. sprǣc (germ. *sprēki-), ablautende Abstrakta zu dem unter ↗sprechen (s. d.) behandelten Verb. Sie bezeichnen zunächst den ‘Vorgang des Sprechens’ und die ‘Fähigkeit zu sprechen’. Neben den genannten Formen stehen (wie bei sprechen) solche ohne -r-, vgl. aengl. spēc, (westsächs.) spǣc, engl. speech, mhd. spaht. sprachlich Adj. ‘die Sprache betreffend’ (19. Jh.); vgl. bereits (ohne unmittelbare Nachfolge) ahd. sprāhlīh ‘erwägend, beratend’ (um 1000). -sprachig Adj. ‘eine bestimmte Zahl von Sprachen sprechend, in einer bestimmten Sprache abgefaßt’, nur als Grundwort in adjektivischen Komposita, vgl. zweisprachig, deutschsprachig (19. Jh.). Sprachforscher m. ‘wer die Sprache wissenschaftlich untersucht’ (18. Jh.). Sprachlehre f. ‘Morphologie und Syntax, Grammatik’ (Anfang 17. Jh.), dafür älter Sprachkunst (16. Jh.), Übersetzung von lat. ars grammatica. sprachlos Adj. ‘(vor Erstaunen, Entsetzen) unfähig zu sprechen, stumm’, ahd. sprāhnalōs (11. Jh.), mhd. sprāchlōs ‘stumm’. Sprachwissenschaft f. (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
in Schweigen gehüllt · ↗schweigsam · sprachlos · ↗still · still und stumm · ↗stumm · ↗stumm wie ein Fisch · ↗verschwiegen · verstummt · ↗wortlos  ●  ↗stad  bayr., österr.
Assoziationen
  • (sich) kurz fassen · ↗einsilbig · kurz angebunden · nicht gesprächig · nicht viele Worte machen · redescheu · wenig auskunftsfreudig · ↗wortarm · ↗wortkarg · ↗zurückhaltend (reagieren)  ●  ↗kurzsilbig  veraltet · nicht kooperativ (mit Ermittlern)  Jargon · ↗schmallippig (reagieren)  fig. · kurz ab  ugs. · ↗maulfaul  ugs. · ↗zugeknöpft  ugs.
  • distanziert · in sich gekehrt · ↗introvertiert · nach innen gekehrt · nicht mitteilsam · ↗reserviert · ↗unaufgeschlossen · ↗unzugänglich · ↗verschwiegen · ↗zurückhaltend  ●  nicht erreichbar  fig. · ↗verschlossen  Hauptform, fig. · ↗zugeknöpft  ugs.
  • gehemmt · ↗kontaktarm · ↗kontaktscheu · ↗scheu · ↗schüchtern · selbstunsicher (psychol.) · ↗unsicher · ↗zaghaft · ↗zurückhaltend  ●  ↗verklemmt  ugs.
  • (die) Aussage verweigern · (die) Omertà gilt (für) · (sich) bedeckt halten · aus jemandem ist nichts herauszubekommen · beharrlich schweigen · jede Antwort verweigern · keine Aussage machen · nicht aussagen · nicht aussagen (gegen) · nicht kooperieren (mit Ermittlungsbehörden) · nichts sagen · nichts sagen wollen (zu) · zusammenhalten wie Pech und Schwefel  ●  ↗(sich) ausschweigen  Hauptform · (den) Mund halten  ugs. · (die) Zähne nicht auseinanderbekommen  ugs. · der Omertà unterworfen (sein)  geh. · ↗dichthalten  ugs. · ↗dichtmachen  ugs. · nicht mit der Sprache herausrücken  ugs. · nicht singen  ugs., Jargon
  • (jemandes) Lippen sind versiegelt · kein Wort (zu etwas) verlieren · keine Antwort geben · nichts sagen · stumm bleiben  ●  ↗schweigen  Hauptform · (das) Sprechen verlernt haben  ugs., ironisch · (den) Mund halten  ugs. · (sich) in Schweigen hüllen  geh. · den Rand halten  ugs. · kein Sterbenswörtchen sagen  ugs. · keinen Mucks von sich geben  ugs. · keinen Piep sagen  ugs. · keinen Ton sagen  ugs. · schweigen wie ein Grab  ugs. · sein Herz nicht auf der Zunge tragen  ugs., fig. · still schweigen (veraltet lit.)  geh. · stumm wie ein Fisch sein (bildl.)  ugs.
Antonyme
  • sprachlos
Synonymgruppe
erstaunt · ↗perplex · ↗platt · sprachlos · verblüfft · ↗verdattert · ↗verdutzt · verwundert  ●  ↗baff  ugs. · bass erstaunt  geh., veraltend, Verstärkung · geplättet  ugs., fig. · platt wie 'ne Flunder  ugs., Verstärkung · platt wie eine Briefmarke  ugs.
Assoziationen
  • außer Fassung · ↗entgeistert · ↗fassungslos · geschockt · ↗ratlos · schockiert · ↗verständnislos · wie vom Schlag getroffen  ●  ↗(ganz) durcheinander  ugs., fig. · ↗(ganz) von den Socken  ugs. · (jemandem) bleibt die Spucke weg  ugs., fig. · (jemanden) trifft der Schlag  ugs., fig. · dazu fällt jemandem nichts mehr ein  ugs. · die Welt nicht mehr verstehen  ugs. · erstaunten Auges  geh., altertümelnd, scherzhaft · ↗konsterniert  geh. · ↗verdattert  ugs. · wie vor den Kopf geschlagen  ugs.
  • (erst einmal) nichts zu sagen wissen · (sehr) erstaunt sein · ↗(sich) wundern · ↗angaffen · aus dem Staunen nicht mehr herauskommen · ↗bestaunen · ↗bewundern · kaum glauben wollen (was man sieht) · kaum glauben wollen (was man zu hören bekommt) · mit offenem Mund dastehen · seinen Augen nicht trauen (wollen) · seinen Ohren nicht trauen (wollen) · ↗staunen · verwundert anstarren  ●  nicht schlecht staunen  Verstärkung · (den) Mund nicht mehr zubekommen  ugs. · (jemanden) anstarren wie ein Wesen vom anderen Stern  ugs., variabel · (jemanden) anstarren wie einen Marsmenschen  ugs. · Bauklötze staunen  ugs., Verstärkung · Glotzaugen machen  ugs. · Kulleraugen machen  ugs. · doof gucken  ugs. · große Augen machen  ugs. · gucken wie ein Auto  ugs., veraltend · wer beschreibt mein Erstaunen (als)  geh., literarisch, variabel, veraltend, floskelhaft
  • (etwas) nicht fassen können · (etwas) nicht glauben wollen · nicht bedacht haben · nicht eingestellt (gewesen) sein (auf) · nicht gerechnet haben (mit) · nicht vorbereitet (gewesen) sein (auf) · überrascht werden (von)  ●  (völlig) überrascht (sein)  Hauptform · (für jemanden / jemandem) sehr plötzlich kommen  ugs. · (jemandem) bleibt die Spucke weg  ugs., fig. · aus allen Wolken fallen  ugs., fig. · kalt erwischt werden  ugs. · mit etwas überhaupt nicht gerechnet haben  ugs. · ↗nicht auf dem Schirm (gehabt) haben  ugs., fig.

Typische Verbindungen zu ›sprachlos‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›sprachlos‹.

Verwendungsbeispiele für ›sprachlos‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Ort zwingt einen zum Niedersitzen, zum sprachlosen endlosen Schauen.
Süddeutsche Zeitung, 18.11.2003
Da nistet er sich ein und bringt, sprachlos, den Garten zum Erblühen.
Der Tagesspiegel, 02.10.1998
Sie hat uns getroffen in der Stadt und sie war sprachlos.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 07.04.1942, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Aber einen Mut hat die Frau, wir sind alle sprachlos.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 18.07.1938, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Als er sah, wer wir waren, war er sprachlos vor Staunen.
Bischoff, Charitas: Bilder aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1912], S. 21512
Zitationshilfe
„sprachlos“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/sprachlos>, abgerufen am 18.01.2021.

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