Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

spreizen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung sprei-zen
Häufige Falschschreibung spreitzen
Wortbildung  mit ›spreizen‹ als Erstglied: Spreizdübel · Spreizfuß · Spreizung · spreizbar · spreizbeinig
 ·  mit ›spreizen‹ als Letztglied: abspreizen · aufspreizen · auseinanderspreizen · ausspreizen · einspreizen · kreisspreizen · rückspreizen · seitspreizen · unterspreizen · verspreizen · vorspreizen · wegspreizen · zurückspreizen · überspreizen
 ·  mit ›spreizen‹ als Grundform: gespreizt
eWDG

Bedeutungen

1.
die Beine, Arme spreizendie Beine, Arme nach beiden Seiten vom Körper wegstrecken
Beispiele:
der Junge spreizte die Beine weit, stand mit gespreizten Beinen da
sie spreizte abwehrend die Arme
er saß mit gespreizten Schenkeln, Knien, Beinen auf dem Stuhl
Turnendas rechte Bein vorwärts, rückwärts, seitwärts spreizen
die Finger spreizendie Finger seitwärts voneinander wegbewegen
Beispiele:
er spreizt die Finger, Zehen
sie führte die Tasse mit gespreiztem Finger zum Mund
er fuhr sich mit gespreizter Hand durch das Haar
der Adler spreizt seine Fänge, Klauen
die Flügel, den Schwanz spreizendie Flügel, Schwanzfedern fächerartig auseinanderbreiten
Beispiele:
die Glucke spreizt ihre Flügel (über die Küken)
der Auerhahn, Pfau spreizt den Schwanz (zu einem breiten Fächer)
der Baum spreizt seine Äste (= streckt sie nach allen Seiten aus)
2.
abwertend sich spreizen
a)
sich mit auffälligen, affektierten Gebärden bewegen, sich in aufdringlicher, angeberischer Weise wichtig tun; sich aufspielen
Beispiele:
er spreizt sich sehr, wichtigtuerisch, eitel, hochmütig
die Filmdiva spreizte sich vor ihren Bewunderern, vor den Pressefotografen
Die Germanisten schwatzten von Goethes Liebschaften … spreizten sich mit unwichtigen Einzelheiten [ BrechtSchriften z. Theater1,166]
b)
sich (in affektierter, unnatürlicher Weise und oft nur zum Schein) sträuben, widersetzen
Beispiele:
er spreizte sich lange, mitzukommen
sie spreizte (= zierte) sich erst eine Weile, ehe sie das Geschenk annahm
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

spreizen · sprießen2 · Spreize · Sprieße · Sprieß · Spriet · Bugspriet
spreizen Vb. ‘etw. emporstehend machen, auseinanderstellen, -strecken, grätschen’, reflexiv (übertragen) ‘geziert einhergehen, sich aufspielen, sich sträuben, sich zieren’ spätmhd. spreutzen ‘(sich) stützen, stemmen’, frühnhd. auch ‘auseinanderstrecken, weit öffnen, auseinandersperren mit einem Querholz’ (in dieser Lautform noch bis Anfang 18. Jh.), frühnhd. (entrundet) spreizen (16. Jh.) sind Varianten mit Affrikata zu schwach flektierendem sprießen2 Vb. ‘(mit Holz) stützen, verstreben’, ahd. spriuzan ‘(unter)stützen, befestigen, sich stemmen’ (8. Jh.), mhd. spriuzen ‘stützen, stemmen’, frühnhd. spreussen, spreissen (16. Jh.). Es sind Ableitungen von dem zu stark flektierendem sprießen1 (s. d.) gehörenden Substantiv ahd. spriuza (10. Jh.), spätmhd. spreitze, spräutze frühnhd. sprücze, sprütze, sprutz (15. Jh.), nhd. Spreize f. (17. Jh.) ‘Stützbalken, Stütze’. Zugrunde liegt vielleicht die Vorstellung des sich wie ein gegabelter Ast emporreckenden Stützpfeilers. Dazu landschaftlich Sprieße f. auch Sprieß m. ‘Stütze, Stütz-, Querbalken, Sprosse, Strebe’, spätmhd. spriuze f. ‘Stützbalken’ sowie aus dem Nd. Spriet n. ‘Stange’, besonders (Seemannssprache) ‘vom Mast abgespreiztes Rundholz zum Ausspannen des viereckigen Sprietsegels’, in der Literatursprache (Anfang 18. Jh.) nach nd. Spriet, mnd. spriet, sprēt n., mnl. nl. spriet m., aengl. sprēot m., engl. sprit, germ. *spreuta-. Bugspriet n. ‘über den Bug hinausragende Segelstange’ (17. Jh.), mnd. bōchsprēt, nl. boegspriet, engl. bowsprit.

Thesaurus

Synonymgruppe
aufweiten · ausdehnen · ausweiten · breiter machen · dehnen · erweitern · spreizen · vergrößern · weiten  ●  expandieren  physikalisch, technisch · extendieren  veraltet

Typische Verbindungen zu ›spreizen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›spreizen‹.

Verwendungsbeispiele für ›spreizen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Um sie nicht noch unnötig zu verletzen, spreizte er behutsam ein Bein. [Canetti, Elias: Die Blendung, München: Hanser 1994 [1935], S. 24]
Die Finger seiner linken Hand spreizten sich, als wollte er etwas fassen. [Kolbenheyer, Erwin Guido: Paracelsus, München: J. F. Lehmanns 1964 [1917], S. 26]
Sie reißt weit die Augen auf, spreizt ruckartig die Arme. [Die Zeit, 18.12.1995, Nr. 51]
Waren die Scheiben gleich, wurden aber für verschieden groß gehalten, spreizten sich die Finger dennoch gleich weit. [Die Zeit, 25.09.1995, Nr. 39]
Für ihn hat sich „bereits eindeutig eine Tendenz zur Stabilität etabliert“, heißt es gespreizt. [Die Zeit, 04.11.1994, Nr. 45]
Zitationshilfe
„spreizen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/spreizen>.

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