stürmen

GrammatikVerb · stürmte, hat/ist gestürmt
Aussprache
Worttrennungstür-men
Wortbildung mit ›stürmen‹ als Erstglied: ↗Stürmer · ↗Stürmerei  ·  mit ›stürmen‹ als Letztglied: ↗anstürmen · ↗dahinstürmen · ↗davonstürmen · ↗drauflosstürmen · ↗durchstürmen · ↗einstürmen · ↗entlangstürmen · ↗erstürmen · ↗fortstürmen · ↗heranstürmen · ↗hereinstürmen · ↗hineinstürmen · ↗hinterdreinstürmen · ↗losstürmen · ↗nachstürmen · ↗voranstürmen · ↗vorstürmen · ↗vorwärtsstürmen
 ·  mit ›stürmen‹ als Grundform: ↗bestürmen
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
mit Hilfsverb ›hat‹
gehoben es stürmtein starker Wind weht, ein Sturm tobt
Beispiele:
seit drei Tagen stürmt es
es hat die ganze Nacht gestürmt und geschneit
selten das Wetter stürmtes herrscht stürmisches Wetter
Beispiel:
da eben das Wetter wieder zu stürmen anfing [KleistKohlhaas3,145]
übertragen
Beispiele:
eine stürmende Leidenschaft
Er ... fühlte, wie es in ihm stürmte [HeyseI 3,88]
jmd. stürmtjmd. ist erregt, wütend
Beispiel:
Sie konnte sich erhitzen, stürmen, geifern [FalladaJeder stirbt370]
2.
etw. heftig angreifen
a)
mit Hilfsverb ›hat‹
Militär etw. im Sturm, Sturmangriff nehmen, erobern
Beispiele:
eine Stadt, Anhöhe, Brücke, feindliche Stellung stürmen
die Infanterie hat den Graben des Gegners gestürmt
bildlich
Beispiele:
den Fahrkartenschalter, die Theaterkasse, den Bus stürmen
am Schluss der Vorstellung stürmten die begeisterten Zuschauer die Bühne
übertragen
Beispiel:
Wir sind keine Jugend mehr. Wir wollen die Welt nicht mehr stürmen [RemarqueIm Westen91]
b)
mit Hilfsverb ›hat‹
Militär einen Sturmangriff durchführen, im Sturmangriff vorgehen
Beispiele:
die Infanterie stürmt (mit dem Bajonett)
sie stürmten dreimal, wurden aber immer wieder zurückgeschlagen
c)
mit Hilfsverb ›hat‹
Sport beim Fußball, Handball, Hockey, Rugby das gegnerische Tor bedrängen, um einen Treffer zu erzielen
Beispiele:
in der zweiten Halbzeit stürmte unsere Mannschaft pausenlos und erzielte zwei Tore
er stürmt (= spielt als Angriffsspieler, Stürmer)
3.
mit Hilfsverb ›ist‹
jmd., etw. stürmt auf etw.jmd., etw. eilt, jagt, rast auf etw.
Beispiele:
die Kinder stürmen auf den Schulhof, aus dem Zimmer, in den Garten, nach Hause, zum Karussell, zur Mutter
der Hund stürmte durch, über die Wiesen
der Zug ist durch die Nacht gestürmt
Bis gegen Mitternacht stürmten Eiskörner und Wasserfluten talwärts durch das ... Dorf [BredelFünfzig Tage11]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Sturm · stürmen · anstürmen · Ansturm · Stürmer · stürmisch
Sturm m. ‘starker Wind, Aufruhr, Angriff’, ahd. sturm (um 800), mhd. sturm (md. auch storm) ‘Unruhe, Lärm, Kampf, Unwetter’, asächs. mnd. mnl. nl. aengl. engl. schwed. storm, anord. stormr (germ. *sturma-) kann mit Formen ohne anlautendes s- wie aengl. þrymm ‘Menge, lärmende Schar’, anord. þrymr ‘Lärm, Krachen’, lat. turma ‘Schar, Schwadron, Schwarm’ verbunden und als m-Ableitung zu der unter ↗Quirl (s. d.) angeführten Wurzel ie. *tu̯er-, *tur-, *tu̯ṛ-, *tru- ‘drehen, quirlen, wirbeln’ gestellt werden, wozu auch das unter ↗stören (s. d.) behandelte Verb gehört. Ausgehend von einer Bedeutung ‘quirlende, lebhafte, wirbelnde Bewegung’, steht das Substantiv in älterer Zeit häufig für ‘Kampf, Streit, kriegerischer Angriff’, z. B. Sturm laufen ‘anrennen’ (17. Jh.), älter den Sturm anlaufen (16. Jh.), zum Sturm (‘Angriff’) antreten, älter den Sturm antreten ‘angreifen’ (16. Jh.), (zum) Sturm (‘Aufruhr’) schlagen (16. Jh.). Vgl. Sturm und Drang literarische Strömung des 18. Jhs., sogenannte Geniezeit (19. Jh.), benannt nach einem Dramentitel von F. M. Klinger (1776) im Sinne von ‘innerer Aufruhr’. stürmen Vb. ‘sehr windig sein, kriegerisch anrennen, erobern’, ahd. sturmen (8. Jh.), mhd. stürmen ‘Unruhe machen, lärmen, sich bewegen, schwirren, streiten, kämpfen, berennen’. anstürmen Vb. ‘anrennen, angreifen, vorwärtsstürmen’, mhd. anestürmen; Ansturm m. ‘Angriff, Andrang, große Nachfrage’ (14. Jh.). Stürmer m. ‘wer stürmt, Kämpfer’, mhd. sturmære, stürmære. stürmisch Adj. ‘drängend, lebhaft, lärmend’, geläufig seit dem 16. Jh., vgl. mhd. stürmec sowie stürmische Adv. und ahd. sturmlīh (Hs. 12. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
eilen · ↗galoppieren · ↗hasten · ↗hechten · ↗hetzen · ↗huschen · ↗pfeifen · ↗rasen · schnell laufen · ↗schnellen · ↗sprinten · ↗stieben  ●  ↗fegen  fig. · ↗laufen  Hauptform · ↗rennen  Hauptform · ↗schießen  fig. · Gummi geben  ugs. · Hackengas geben  ugs. · ↗dahinpreschen  ugs. · die Beine in die Hand nehmen  ugs., fig. · ↗düsen  ugs. · ↗fetzen  ugs. · fitschen  ugs., ruhrdt. · ↗fliegen  geh., fig., literarisch · ↗flitzen  ugs. · ↗jagen  ugs. · ↗pesen  ugs. · ↗preschen  ugs. · ↗sausen  ugs. · ↗spurten  ugs. · stürmen  ugs. · ↗wetzen  ugs. · ↗zischen  ugs.
Oberbegriffe
  • einen Fuß vor den anderen setzen · ↗gehen · ↗laufen  ●  zu Fuß gehen  Hauptform · ↗latschen  ugs., salopp · zu Fuß laufen  ugs.
  • (sich) fortbewegen · von A nach B kommen
Unterbegriffe
Assoziationen
  • in schneller Gangart · schnellen Schrittes  ●  mit kurzen, schnellen Schritten  militärisch · eilenden Schrittes  geh. · hurtigen Schenkels  ugs., ironisch · im Sauseschritt  ugs. · im Schweinsgalopp  ugs.
  • langsam laufen · ↗schnüren (z.B. Füchse) · ↗traben
Synonymgruppe
bestürmen · ↗erstürmen · stürmen · vorandringen · voranpreschen · ↗voranstürmen · ↗vordringen · ↗vorpreschen · ↗vorstürmen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bühne Chart Demonstrant Fan Gebäude Hitparade Lokal Pistole Polizist Rasen Räuber Sondereinsatzkommando Spezialeinheit Spielfeld Uhr Wohnung anstürmen davonstürmen einstürmen entgegenstürmen heranstürmen hereinstürmen losstürmen regnen schneien voranstürmen vorbeistürmen vorstürmen weiterstürmen zustürmen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›stürmen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Deswegen bin ich auch so auf den Trainer los gestürmt.
Bild, 18.03.2002
Eine Gruppe von 30 Mann habe versucht, das Gebäude zu stürmen.
Der Tagesspiegel, 18.02.1999
Wieder stürmte es, wieder schneite es, wieder war es in der Nacht kurz nach elf.
Fallada, Hans: Wer einmal aus dem Blechnapf frißt - Bd. 2, Berlin u. a.: Aufbau-Verl. 1990 [1934], S. 154
Kurze Zeit darauf stürmt Herr B., der zweite Anwärter auf den neuen Posten, in den Raum.
Goetz von Schüching, Ruth: Durch gute Lebensart zum Erfolg, Leipzig: Hesse & Becker 1932 [1925], S. 7
Es war unmöglich, das Haus, das stark besetzt schien, frontal zu stürmen.
Klabund: Der Marketenderwagen. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1918], S. 2324
Zitationshilfe
„stürmen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/stürmen>, abgerufen am 15.10.2019.

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