stampfen

GrammatikVerb · stampfte, hat/ist gestampft
Aussprache
Worttrennungstamp-fen (computergeneriert)
Wortbildung mit ›stampfen‹ als Erstglied: ↗Stampfasphalt · ↗Stampfbeton · ↗Stampfer · ↗Stampfkartoffeln · ↗Stampflehm
 ·  mit ›stampfen‹ als Letztglied: ↗aufstampfen · ↗einstampfen · ↗feststampfen · ↗hereinstampfen · ↗hineinstampfen · ↗hinterdreinstampfen · ↗losstampfen · ↗zurückstampfen
 ·  mit ›stampfen‹ als Grundform: ↗Gestampf · ↗Gestampfe · ↗zerstampfen
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
laut und kräftig, mit Nachdruck auftreten
a)
mit Hilfsverb ›hat‹
Beispiele:
mit dem Fuße, den Füßen stampfen
ärgerlich, trotzig, fest auf den Boden stampfen
die Pferde wieherten und stampften
die Erde dröhnte unter den stampfenden Hufen der fliehenden Herde
aber der hatte die hände in den Hosentaschen und stampfte bloß etwas stärker im Gehen [KafkaAmerika76]
in einem Rhythmus, Takt fest auftreten
Beispiele:
mit den Stiefeln hatte er den Takt dazu gestampft
die Zuschauer forderten ungeduldig stampfend (= trampelnd) den Beginn der Vorstellung
auf etw. stampfenkräftig auf etw. treten
Beispiel:
er riss den Brief in Fetzen, warf sie zu Boden und stampfte darauf
etw. durch kräftiges Auftreten abschütteln
Beispiel:
er stampfte sich [Dativ] den Lehm, Schnee von den Schuhen
Seemannssprache, übertragen
Beispiele:
das Schiff stampft (= bewegt sich bei hohem Seegang heftig auf und nieder)
noch lange nach dem Sturm stampfte die See (= herrschte hoher Wellengang)
b)
mit Hilfsverb ›ist‹
schwerfällig, kräftig auftretend gehen, marschieren
Beispiele:
er stampfte quer durch den Garten, das Zimmer
über das Stoppelfeld, durch den tiefen Schnee stampfen
In drohendem Parademarsch stampft eine Kompanie geradeaus [ZuchardtSpießrutenlauf8]
übertragen
Beispiel:
Seemannssprache das kleine Schiff stampfte mühsam über das aufgewühlte Meer
2.
mit Hilfsverb ›hat‹
sich heftig und regelmäßig bewegen und dabei ein dumpfes, stark rhythmisch stoßendes und klopfendes Geräusch erzeugen
Beispiele:
auf dem Korridor hörten wir schwere, stampfende Schritte
das stampfende Geräusch eines vorbeifahrenden Eisenbahnzuges
das rhythmische Stampfen der Maschinen, Motoren, Fabriken
der Neubau war erfüllt von Hämmern und Stampfen, Rufen und Geschrei
die Papiermühle stampfte, der Eisenhammer und die Pulvermühle machten Lärm [MoloEin Deutscher11]
3.
mit Hilfsverb ›hat‹
auftretend oder mit einem entsprechenden Gerät drückend, schlagend, stoßend, formend auf etw. einwirken
Beispiele:
Sauerkraut stampfen
lockere Erde, den Schnee stampfen (= festtreten)
er zerbrach das Glas und stampfte die Scherben in die aufgeweichte Erde
Beton, Sand stampfen (= mit einem Gerät einebnen und zusammendrücken)
ein Fußboden aus gestampftem Lehm
Kartoffeln zu Brei, Mus stampfen
Zucker zu Staub stampfen (= zerkleinern)
Pfähle für ein Bauwerk in den Boden stampfen (= rammen)
umgangssprachlich, bildlich etw. aus dem Boden, der Erde stampfenetw. aus dem Nichts schaffen
Beispiele:
wie aus dem Boden gestampft stand er plötzlich vor ihr
Kann ich ein Häuschen aus der Erde stampfen? [SteinbergEinzug479]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

stampfen · Stampfer · Stampe1
stampfen Vb. ‘schwer und kräftig mit dem Fuß auftreten, (im Mörser) zerkleinern’, ahd. stamphōn (um 1000), mhd. stampfen ‘zerstoßen, enthülsen’, mnd. mnl. nl. stampen, engl. to stamp ‘aufstampfen, trampeln’, anord. stappa (aus *stampa-) ‘stampfen, zusammenpacken’, schwed. stampa ‘stampfen, treten, walken’ (germ. *stampōn) sowie ahd. stamph (8. Jh.), mhd. stampf, asächs. mnd. stamp ‘Werkzeug zum Stoßen, Stampfen, Mörserstößel’, mnd. stamp(e), aengl. pīlstampe ‘Stößel’ und die jan-Bildung mhd. stempfen ‘stampfen, schlagen, prägen, mit einem Stempel versehen’, mnd. mnl. stempen, aengl. stempan ‘(im Mörser) zerstoßen’ (germ. *stampijan) lassen sich mit aind. stambáḥ ‘(Gras)büschel’, griech. stémbein (στέμβειν) ‘unaufhörlich schütteln, mißhandeln, schmähen’ und (ohne s-Anlaut) lat. temnere (aus *tembn-) ‘verachten, verschmähen’, eigentlich ‘mit den Füßen treten’, auf die nasalierte Variante ie. *stemb- ‘(auf)stampfen, treten, beschimpfen’ der verbreiteten, unter ↗Stab (s. d.) angeführten Wurzel zurückführen. Die Ausgangsbedeutung ‘mit den Füßen stampfen’ entwickelt sich im Germ., als Gewebe nicht mehr mit den Füßen, sondern in Holzfässern gewalkt werden, zu ‘stampfend bearbeiten, im Mörser zerstoßen’. Stampfer m. ‘Gerät zum Stampfen’ (17. Jh.), mnd. stamper (14./15. Jh.); ‘wer stampfend etw. bearbeitet’ (16. Jh.), ‘wer mit den Füßen stampft’ (17. Jh.). Stampe1 f. nordd. berlin. ‘Bierlokal, Kneipe’ (um 1900), zu mnd. nd. stampen ‘(auf)stampfen, trampeln’ (s. oben), also Bezeichnung für eine Stehkneipe.

Thesaurus

Synonymgruppe
stampfen · ↗stapfen · trampelt · ↗treten (auf)
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
kippeln · ↗kippen · ↗rollen (Schiff) · ↗schaukeln · ↗schunkeln · ↗schwanken · ↗schwenken · stampfen (Schiff) · ↗wippen
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Boden Fuß Huf Kolben Mörser Rekordzeit Rhythmus Sand Takt Waldboden Wüstenboden Wüstensand aufstampfen brüllen dampfen einstampfen entgegen feststampfen herein herumstampfen hinauf hineinstampfen hüpfen johlen klatschen los niederstampfen schnauben trampeln wiehern

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›stampfen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Man webt die Wolle nicht, sondern stampft unter Druck Flächen.
Süddeutsche Zeitung, 15.10.2004
Ich bin eine deutsche Dose, stampfen sie das Blech zusammen.
Die Zeit, 03.02.2003, Nr. 05
Zuerst kam der namenlose Esel durch den Eingang gestampft, schnuppernd wie eine große Maus.
Hilsenrath, Edgar: Das Märchen vom letzten Gedanken, München: Piper 1989, S. 468
Da haben wir wie wild geschmettert, geschnattert, gestampft und gebrüllt.
Tucholsky, Kurt: Nächtliche Unterhaltung. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1926], S. 4320
Sie stampfte mit den Füßen und fing an zu weinen.
Frapan, Ilse: Arbeit. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1903], S. 5340
Zitationshilfe
„stampfen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/stampfen>, abgerufen am 18.04.2019.

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