starren

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungstar-ren
Wortbildung mit ›starren‹ als Erstglied: ↗Starrsucht  ·  mit ›starren‹ als Letztglied: ↗anstarren · ↗aufstarren · ↗emporstarren · ↗entgegenstarren · ↗erstarren · ↗hinabstarren · ↗hinaufstarren · ↗hinausstarren · ↗hinstarren · ↗hinüberstarren · ↗nachstarren
 ·  formal verwandt mit: ↗schmuckstarrend · ↗schmutzstarrend · ↗waffenstarrend
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
bewegungslos, unablässig, starr in eine Richtung blicken, stieren
Beispiele:
auf jmdn., etw., in, nach etw. starren
er starrt regungslos, erstaunt auf die Neuangekommenen
wortlos, überrascht starrte sie ihm ins Gesicht
seine Augen starren unverwandt in die Ferne
wie gebannt ins Dunkel starren
in die Luft, in den Himmel, ins Leere, auf den Boden, zur Erde starren
finster, entgeistert starren
saloppwie ein Ölgötze starren
bildlich
Beispiel:
saloppLöcher in die Luft starren (= vor sich hinstieren)
2.
vor, von etw. starrenganz voll sein von etw., bedeckt sein mit etw.
Beispiele:
die Straße starrte vor, von Schmutz, Dreck
ihre Kleider starren von Staub
gehobenvon, in Waffen starren (= hochgerüstet sein)
auf steifen Fahnen, die von Goldstickerei und eingelegten Kleinodien starrten [A. ZweigRegenbogen40]
3.
ragen, emporragen
Beispiele:
die entlaubten Äste starren in den Himmel
die Stacheln des Igels starrten nach allen Seiten
starrende Felsen, Klippen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

starren · starr · Starrheit · Starre
starren Vb. ‘steif sein, strotzen von etw., mit unbewegtem Auge blicken, unentwegt in eine Richtung blicken’. Zugrunde liegen zwei ursprünglich getrennte, aber etymologisch verwandte Verben. Ahd. storrēn ‘steif, starr hervorragen’ (11. Jh.), got. andstaúrran ‘Unwillen zeigen’ und (durch Ablaut unterschiedenes) mhd. starren, (md.) staren ‘starr, steif sein oder werden’ bilden mit mhd. storre ‘Baumstumpf’, dem unter ↗störrisch (s. d.) behandelten Adjektiv und mhd. sterre ‘starr, steif’, mnl. sterre, starre, nl. star, anord. starr ‘steif, starr’ eine etymologisch zusammengehörige Gruppe. Daneben stehen die verwandten Verben ahd. starēn (8. Jh.), starōn (um 1100), mhd. star(e)n ‘mit unbewegten Augen blicken, stieren’, mnd. mnl. stāren, nl. staren, aengl. starian, engl. to stare, anord. stara, die offensichtlich von einem als erstes Kompositionsglied in ahd. starablint, aengl. stær(e)blind (weitere Formen s. ↗Star) belegten Adjektiv germ. *stara- ‘starr (besonders vom Auge)’ abgeleitet sind. Im Nhd. fallen beide Verben (ahd. storrēn ‘steif hervorragen’, mhd. starren ‘steif sein’ und ahd. starēn, starōn, mhd. star(e)n ‘unbeweglich blicken’) lautlich und semantisch zusammen. Außergerm. sind vergleichbar griech. stereós (στερεός) ‘steif, hart, fest, hartnäckig’, strēnḗs (στρηνής) ‘rauh, hart, schrill’, eigentlich ‘kraftvoll, Kraft’, dann ‘streng, hart’, lat. strēnuus ‘kräftig, rührig, betriebsam, unternehmend, schnell’, kymr. trin ‘Mühe, Kampf’, lit. starìnti ‘spannen, straff anziehen, steifen, angestrengt ziehen, schleppen, steif gehen’, russ. starát’sja (стараться) ‘sich bemühen’. Zugrunde liegt die im Germ. überaus häufig (in verschiedenen Erweiterungen) vertretene Wurzel ie. *(s)ter(ə)-, *(s)trē- ‘starr, steif sein, starrer, fester Gegenstand, besonders Pflanzenstamm oder -stengel; steif gehen, stolpern, fallen, stolzieren’. Die Gruppe um ahd. storrēn (s. oben) dürfte sich an eine r-Erweiterung oder, wenn rr aus rn, an eine n-Erweiterung der Wurzel anschließen. starr Adj. ‘steif, unbewegt, unbeeinflußbar’ (16. Jh.), aus dem Verb rückgebildet. Starrheit f. ‘Zustand des Starrseins’ (17. Jh.). Eine späte Abstraktbildung zum Verb ist Starre f. ‘das Starrsein’ (um 1700), zuerst in Hals-, Kopfstarre (Ende 17. Jh.); danach Leichen-, Totenstarre (19. Jh.; medizin.-lat. rigor mortis).

Thesaurus

Synonymgruppe
gaffen · starren · ↗stieren  ●  Augen machen  ugs. · ↗glotzen  ugs.
Synonymgruppe
(irgendwohin) starren · (sein) Augenmerk richten auf · seine Blicke (irgendwohin) heften
Assoziationen
  • nicht aus den Augen lassen · nur noch Augen haben für · ständig herübersehen (zu)  ●  (seinen) Blick nicht lassen können (von)  Hauptform · (einfach immer) hinsehen müssen (zu)  ugs. · ↗äugeln  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bildschirm Decke Dunkelheit Ferne Kaninchen Leere Monitor Schlange anstarren emporstarren entgegenstarren entgeistert entsetzt fassungslos fasziniert gebannt geradeaus herüberstarren hinaufstarren hinausstarren hineinstarren hinstarren hinunterstarren hinüberstarren minutenlang nachstarren starren ungläubig unverwandt zurückstarren

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›starren‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Derzeit hat man sich auf die starre Zahl 30 Jahre festgelegt.
Der Tagesspiegel, 07.02.2000
Es war wie eine Befreiung, von der starren Doktrin, wie auch von der Isolation.
Süddeutsche Zeitung, 14.01.1995
Aber selbst da gilt es, sich vor starrem Schematisieren zu hüten.
Buchinger, Otto: Das Heilfasten und seine Hilfsmethoden als biologischer Weg, Stuttgart: Hippokrates-Verl. 1982 [1935], S. 47
An die Stelle einer fast starren Einheit ist eine gegliederte Einheit getreten.
Delbrück, Hans: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte - Erster Teil: Das Altertum, Berlin: Directmedia Publ. 2002 [1920], S. 975
Doch andere liegen da - mit offenen Augen, starr, weiß umrändert.
Ganghofer, Ludwig: Lebenslauf eines Optimisten. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 26515
Zitationshilfe
„starren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/starren>, abgerufen am 14.11.2019.

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