statt

Grammatik Konjunktion
Mit dieser Konjunktion können sowohl Satzteile als auch Sätze (dass-Satz, Infinitiv) verbunden werden.
Aussprache  [ʃtat]
Wortbildung  mit ›statt‹ als Letztglied: anstatt1
ZDL-Verweisartikel

Bedeutung

Synonym zu anstatt¹
Beispiele:
Statt einen Managementvortrag zu halten, erzählte er von seinem kranken Bruder. [Süddeutsche Zeitung, 30.12.2020]
Die indische Eisenbahn[…] verkauft Tee nur noch in Keramik‑ statt in Plastik‑Bechern. [Süddeutsche Zeitung, 31.12.2020]
Statt dass sie sich freut, beschwert sie sich bei mir. [Zeit Magazin, 07.05.2015]
Sie haucht es mehr, statt es zu sagen. [Krausser, Helmut: Eros. Köln: DuMont 2006, S. 125]
Als ich noch klein war, habe ich, wenn ich Kaufmannsladen spielte, zu den Murmeln, die ich verkaufte, dem Käufer noch Spielgeld dazugegeben, statt zu kassieren. [Erpenbeck, Jenny: Wörterbuch. Frankfurt a. M.: Eichborn Verlag 2004, S. 27]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Statt · Stätte · anstatt · statt · abstatten · erstatten · stattfinden · stattgeben · Statthalter · zustattenkommen · zustatten
Statt f. ‘Ort, Platz, Stelle’. Die mit dem Suffix ie. -ti- gebildeten i-Stämme ahd. stat f. (8. Jh., in den flektierten Kasus steti), mhd. stat f., asächs. stedi m. f., mnd. stat f., mnl. stat, stēde f., nl. stad f., aengl. stede m. ‘das Stehen(bleiben), Stätte’, engl. stead ‘Stelle, Platz’, anord. staðr m. ‘Stehen, Stätte, Ort’, schwed. stad, got. staþs m. ‘Stätte, Stelle, Gegend’ stellen sich mit aind. sthíti- ‘Standort, Rang’, griech. stásis (στάσις) ‘das Stehen, Stillstehen, Stand(ort), Stellung’, auch ‘das Stellen, Abwägen’, lat. statio ‘das Stehen, Standort, Aufenthalt’, statim ‘feststehend auf der Stelle, stehenden Fußes, sofort’, lit. statùs ‘gerade, direkt, schroff, unhöflich, steil, abschüssig’ zu der unter stehen (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *stā-, *stə- ‘stehen, stellen’. Daneben begegnen (mit Suffix ie. -tā) ahd. stata ‘rechter, bequemer Ort, günstiger Zeitpunkt, Gelegenheit’ (9. Jh.), mhd. state, mnd. stāde, mnl. stade, anord. staða ‘Stelle, Standort, Richtung’; die dt. Formen fallen bereits im Spätmhd. durch Aufgabe des auslautenden -e mit oben genanntem mhd. stat zusammen. Das Substantiv nhd. Statt wird nach seiner Aufspaltung in Stadt (s. d.) und Stätte (s. unten) selten, begegnet aber noch als zweites Kompositionsglied, vgl. Heim-, Lager-, Ruhe-, Werkstatt, außerdem in festen Fügungen an meiner Statt (Dativ Sing.) ‘an meiner Stelle’, vgl. mhd. an sīne stat ‘an seiner Stelle’, an Eides Statt (18. Jh.) aus an eines aids stat (15. Jh.), an Kindes Statt (18. Jh.), vgl. jmdn. an Kindsstatt annehmen (um 1700). Stätte f. ‘Stelle, Ort’ (16. Jh.), frühnhd. stete ‘Schießplatz’ (15. Jh.), vgl. mnd. schērstēde ‘Haus, in dem Schafe geschoren werden’, aus den flektierten Kasus (Genitiv bzw. Dativ) von mhd. stat (s. oben) hervorgegangen, wohl unter Einfluß von mnd. stēde, stedde ‘Stätte, Stelle, Ort. Gegend, Gebiet’. Stätte ersetzt in allgemeiner Verwendung zurücktretendes Statt, wird dann aber selbst vielfach von Stelle abgelöst (vgl. Brandstatt, -stätte, -stelle). Es bildet in frühnhd. Zeit einen neuen schwachen Plural Stätten. anstatt Präp. mit Genitiv ‘an Stelle von’, entwickelt aus Konstruktionen mit nachgestelltem Genitiv (15. Jh.; vgl. ziecht frische Hembder an, das ist anstatt viel Badens, 16. Jh.). Aus Verwendungen von anstatt ohne abhängigen Kasus entsteht im 17. Jh. konjunktionaler Gebrauch (vgl. anstatt erfreuliche Antwort zu erlangen). statt Präp. Konj. (17. Jh.), aus anstatt gekürzt. Dazu statt daß, statt zu (18. Jh.). abstatten Vb. ‘ableisten, ablegen’ (17. Jh.), ‘abfinden, entrichten, bezahlen’ (16. Jh.), zu mhd. staten ‘an seine Stelle bringen, zu etw. verhelfen’ (vgl. auch bestatten). erstatten Vb. ‘zurückgeben, bezahlen, ersetzen, Bericht geben’, mhd. erstaten ‘ersetzen’, eigentlich ‘wieder an seine Stelle bringen’. Semantischer Einfluß von ahd. stata, mhd. state, stat f. ‘bequemer Ort oder Zeitpunkt, gute Gelegenheit’ (s. oben sowie gestatten) scheint vorzuliegen bei stattfinden Vb. ‘geschehen, erfolgen, sich abspielen’, eigentlich ‘einen guten Platz, eine gute Gelegenheit finden’, vgl. ein gut wort find eine gute stadt (Luther), ahd. stat findan (9. Jh.), mhd. stat vinden; Zusammenschreibung erst im 19. Jh.; stattgeben Vb. ‘gewähren, bewilligen’, eigentlich ‘Platz oder Gelegenheit geben’, mhd. stat geben, ebenfalls seit dem 19. Jh. zusammengeschrieben. Statthalter m. ‘Stellvertreter’ (15. Jh.), in der Kanzleisprache entstanden als Übersetzung von lat. locum tenēns, eigentlich ‘den Platz Haltender’ (s. Leutnant). zustattenkommen Vb. ‘zu gelegener, zu rechter Zeit kommen, nützen’, Zusammenrückung aus zustatten Adv. ‘zu rechter Gelegenheit, zu Hilfe’, mhd. ze staten, dem Dativ Plur. von mhd. state, ahd. stata ‘rechter, bequemer Ort, Gelegenheit’ (s. oben; im Sing. ahd. zi statu, mhd. ze state) und kommen (s. d.).
Zitationshilfe
„statt“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/statt#1>, abgerufen am 26.07.2021.

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statt

Grammatik Präposition (mit Genitiv)
Möglich ist auch der Anschluss von endungslosen Nomen ohne erkennbaren Kasus oder von Nomen im Dativ in Fällen, in denen sich der Genitiv formal nicht von anderen Kasus unterscheidet.
Aussprache  [ʃtat]
Wortbildung  mit ›statt‹ als Letztglied: anstatt2
ZDL-Vollartikel

Bedeutungen

1.
Synonym zu anstatt²
Beispiele:
Statt der sonst fälligen 49 Euro kostet die Tageskarte 44 Euro. [Süddeutsche Zeitung, 31.12.2020]
Mehr und mehr Zeit verbringt sie mit mir, spricht mit mir, redet statt meiner, nimmt mir meine Fragen vorweg und legt mir die Antworten in den Mund. [Schrott, Raoul: Tristan da Cunha oder die Hälfte der Erde. Hanser Verlag 2003, S. 222]
Das Meer war weiterhin blau, aber statt Blaufußtölpeln umkreisten nun Fregattvögel sein Schiff[…]. [Schrott, Raoul: Tristan da Cunha oder die Hälfte der Erde. Hanser Verlag 2003, S. 153]
Er streichelte statt jeder Erwiderung die neben der seinen auf dem Tisch liegende Hand Lenas mit zärtlichem Respekt. [Duncker, Dora: Großstadt. In: Deutsche Literatur von Frauen. Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1900], S. 17715]
2.
häufig gehoben an jmds., etw. stattdrückt aus, dass die Funktion, Rolle, Stelle o. Ä. einer anderen Person oder Sache eingenommen, übernommen wird
Grammatik: Diese Verwendung wurde vor der Rechtschreibreform großgeschrieben.
Beispiele:
Deshalb gestehe ich, dass ich mal an einem Fastnachtswochenende derart die Grippe hatte, dass ich meinen Mann anflehte, an meiner statt mit den damals kleinen Kindern […] auf den Fastnachtsumzug zu gehen. [Die Welt, 12.10.2019]
Als nach dem Zweiten Weltkrieg einige Politiker von Europa sprachen, dachten sie an ein kulturell homogenes Gebilde, das die Nationalstaaten überwinden sollte. An deren statt sollte ein Land namens Europa entstehen. [Welt am Sonntag, 03.12.2006]
Er selbst hat viele Modelle von Freunden und Bekannten geschenkt bekommen und hat sogar einmal eine umfangreiche Sammlung von US‑Modellen eines säumigen Mieters an Geldes statt übernommen. [Luzerner Zeitung, 19.04.2004]
Dann schreitet ein SS‑Mann an des Redners statt die erste Reihe ab. [Beyer, Marcel: Flughunde. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1995 [1995], S. 15]
a)
Phrasem:
an Eides statt (= anstelle eines Eides, eidesstattlich)
Kollokationen:
als Adverbialbestimmung: eine Versicherung an Eides statt; etw. an Eides statt versichern
Beispiele:
In beiden Fällen, beim Gericht und beim Notar, müssen Erben an Eides statt versichern, dass die Angaben nach ihrem Dafürhalten der Wahrheit entsprechen. [Südkurier, 31.10.2020]
Mehrere Vorstandsmitglieder hatten an Eides statt behauptet, dass es den geheimen Plan in der Führung gegeben habe, internen Gegnern Schmuddelkram auf deren Computer zu überspielen, um sie dann damit bloßzustellen. [Thüringer Allgemeine, 13.10.2020]
Beide haben ihre jeweiligen Behauptungen sogar eidesstattlich versichert, weshalb jetzt der allgemeine Tenor dahin geht, dass sich einer der beiden wohl wegen Falschaussage an Eides statt strafbar gemacht haben könnte. [Süddeutsche Zeitung, 19.02.2000]
B[…] will nach eigenen Angaben die Vorsitzenden beider Stadtratsfraktionen auffordern, an Eides statt zu erklären, daß die Ausschußunterlagen nicht von Mitgliedern ihrer Fraktion herausgegeben worden sind. [Saarbrücker Zeitung, 09.11.1995]
Ich erkläre an Eides Statt, daß die von mir genannten Tatsachen vollkommen der Wirklichkeit entsprechen. [Berliner Zeitung, 03.12.1948] ungültige Schreibung
b)
veraltend
Phrasem:
an Kindes, Sohnes statt (= anstelle eines eigenen (leiblichen) Kindes, Sohns)
Kollokationen:
als Adverbialbestimmung: Annahme an Kindes statt (= Adoption)
Beispiele:
Mütter und Väter werden akribisch auf ihre Befähigung geprüft, ehe sie einen minderjährigen Menschen an Kindes statt annehmen dürfen. [Der Tagesspiegel, 18.08.2019]
Der Mann hatte den Kleinen an Sohnes statt angenommen, nachdem dessen Mutter nicht mehr auftauchte. [Münchner Merkur, 19.06.2018]
Neben der Adoption fremder Kinder, der so genannten Fremdadoption, gibt es auch die Stiefadoption, das heißt die Annahme an Kindes statt durch den neuen Ehepartner einer Mutter oder eines Vaters. [Leipziger Volkszeitung, 04.02.2015]
Seit 1980 hat es einen Wandel in der Gesetzesterminologie gegeben. Hieß es früher »an Kindes statt«, lautet es seitdem »als Kind« – was bedeutet, daß alle anderen vorherigen Verwandtschaftsbeziehungen annulliert werden. [Saarbrücker Zeitung, 22.02.1999]
Allen gemeinsam ist die Erfahrung, daß die Adoptiveltern ihre Kinder an Kindes statt mit sich selbst vergleichen, als seien sie ihre leiblichen Kinder. [die tageszeitung, 07.12.1993]

letzte Änderung:

Zitationshilfe
„statt“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/statt#2>, abgerufen am 26.07.2021.

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