statuarisch

GrammatikAdjektiv · Komparativ: statuarischer · Superlativ: am statuarischsten, Komparativ selten, Superlativ ungebräuchlich
Worttrennungsta-tu-arisch · sta-tua-risch
DWDS-Vollartikel, 2020

Bedeutung

Kunst auf die Statue, das Standbild, die bildhauerische Darstellung von Figuren bezogen
Beispiele:
Die Außenseiten [des Klappaltars] zeigen Einzelfiguren in schmucklosen steinernen Innenräumen. […] In ihrer statuarischen Wucht sind sie zugleich überpräsent und geisterhaft. [Süddeutsche Zeitung, 12.05.2011]
Aufregender aber [als die Büste Karls V.] sind die Krebse und Frösche der italienischen Bronzegießer. Welch umwälzendes Ereignis, daß auf einmal die niedere Tierwelt nicht mehr Attribut ist, sondern bildwürdig, ja statuarisch wird! [Die Zeit, 24.02.1955, Nr. 08]
Besonders hervorheben möchten wir Hans Klakow, dessen herbe statuarische Kunst unmittelbar aus dem Wesen der Plastik geboren ist […]. [Neues Deutschland, 30.12.1947]
Zum weiteren statuarischen Schmuck stand uns als Eigentum der Museen Pigalles Meisterwerk, die Marmorstatue des Merkur, zur Verfügung. [Bode, Wilhelm von: Mein Leben, 2 Bde. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004, S. 10831. Zitiert nach: Bode, Wilhelm von: Mein Leben, 2 Bde, Berlin: Hermann Reckendorf GmbH, 1930.]
Wo auch immer man einer dieser monumentalen Skulpturen[…] begegnet, ist es, als würde die Wirklichkeit einen Moment angehalten und als wäre die Schwerkraft ausser Funktion. Es scheint, als müssten diese instabilen Gebilde jeden Augenblick in sich zusammenfallen, und doch sind sie beständiger, statuarischer als die ringsum in Wandel begriffene Welt. [Neue Zürcher Zeitung, 28.01.1999] ungewöhnl.
Kollokationen:
als Adjektivattribut: statuarische Kunst; statuarische Schönheit, Ruhe
a)
meist abwertend aufrecht, starr wie eine Statue, ein Standbild; einen steifen, hölzernen Eindruck machend
Synonym zu statuenhaft, siehe auch statisch
Beispiele:
Fotografen mussten sich mit langen Belichtungszeiten herumschlagen. Darum wirken frühe Fotografien oft so statuarisch. [Die Welt, 18.08.2016]
Gustaves (= Gustave Caillebotte) Landschaften und Genreszenen, so klassisch und gekonnt sie auch sind, haftet doch oftmals etwas Statuarisches, Lebloses, an. [Die Welt, 26.04.2011]
Nun, da er mir gegenübersitzt, sehr aufrecht, geradezu statuarisch, die Züge fast unbewegt, die Augen sehr wach, sieht er jünger aus, als er ist. [Neue Zürcher Zeitung, 17.09.2005]
Zwei Jahre nach ihrer ersten Wahl in den Landtag gehörte die stets etwas statuarisch wirkende, elegant und korrekt kostümierte Katholikin bereits dem CSU-Fraktionsvorstand an. [Berliner Zeitung, 26.06.1997]
Uninteressante Arrangements, Rampensingen, statuarisches Spiel, Zeigefinger und Holzhammer – da verkam die leidenschaftslohende Liebesbeziehung zum rührseligen Konversationsstück. [Berliner Zeitung, 13.11.1992]
Die Komponistin Doro Popovici […] schuf […] ein »Byzantinisches Poem« für Streicher, drei Blechbläser und Glokken [sic!], das [die Choreographin] Alexa Mezincescu zu [ihrer Inszenierung] »Ikonen in Bewegung« benutzte, stilistisch strengen Tanzbildern von sparsamstem Gestus, fast statuarisch. [Berliner Zeitung, 07.03.1979]
Ein schwerer, erdhafter Ernst liegt über ihren Bauernbildern [den Bildern der Brüder Le Nain]; statuarisch aufgereiht, ohne alle die reichen kompositorischen Kunstmittel des Barock, stehen oder sitzen sie [die Dargestellten] bei ihrer Tätigkeit […]. [Die Zeit, 04.12.1952, Nr. 49]
Ministerpräsident Werner Zeyer erschien[…] noch ein wenig statuarischer als sonst, ziemlich schweigsam, aber proper und mit angenehm freundlichen Umgangsformen. [Die Zeit, 30.05.1980, Nr. 23] ungewöhnl.
Kollokationen:
als Adjektivattribut: eine statuarische Strenge, Haltung; eine statuarische Inszenierung; statuarische Bilder, Posen
übertragen starr, steif, unbeweglich in der Haltung, Gesinnung
Beispiele:
Das aber, woran der christliche Glaube glaubt, ist keine statuarische zeitlose Wahrheit, sondern sie kommt von geschichtlichen Ereignissen und Worten und geht wieder zu geschichtlichen Menschen. [Die Zeit, 19.04.1963, Nr. 16]
[Der Schauspieler] E[…] legte sich allzusehr auf einen trotzigen Sarkasmus fest und kam aus einer statuarischen Abkapselung kaum heraus. [Berliner Zeitung, 21.09.1947]
b)
übertragen (hoch) aufragend, gewaltig; ruhig, erhaben, beeindruckend, imposant
Beispiele:
Der Name [Agnolo] Bronzino hat einen ehrfurchtsvollen Klang. Sofort denkt man an die ikonischen Porträts des florentinischen Meisters: erhaben, statuarisch. [Neue Zürcher Zeitung, 02.02.2013]
Diese Dame wirkt nicht gerade sexy: zu groß, zu hart, zu statuarisch. Auch das siebenzackige Diadem lässt in punkto Chic zu wünschen übrig. Dafür hat die Freiheitsstatue allerhöchsten Symbolwert. [Die Welt, 08.10.2012]
Wenn seine früheren politischen Weggefährten aus grünen Tagen ihn so sehen, gewichtig, statuarisch, gravitätisch, staatstragend, dann sagen sie, [der SPD-Politiker Otto] Schily sei konservativ geworden; aber das ist falsch. [Süddeutsche Zeitung, 19.10.2001]
In emotionsloser Ruhe, zum Profil neigender Ansicht und statuarischer Magnifizenz thront der König im Sattel, derweil er das Pferd eine Levade ausführen lässt. [Neue Zürcher Zeitung, 05.06.1999]
Seine Ausstrahlung liegt dabei zwischen der auratischen Schüchternheit der jungen [Lillian] Gish und der statuarischen Schönheit der [Greta] Garbo. [Die Zeit, 10.02.1995, Nr. 07]
Nebenfiguren, wie etwa der biblisch feurige Hafenprediger – gemimt und gedröhnt von Orson Welles mit wahrhaft statuarischer Haltung – geben den Vorgängen einen robusten Legendencharakter. [Die Zeit, 02.08.1956, Nr. 31]

Thesaurus

Synonymgruppe
statuarisch  ●  standbildhaft  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›statuarisch‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Figur Haltung Pose Ruhe Schönheit Strenge Würde fast wirkend

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›statuarisch‹.

Zitationshilfe
„statuarisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/statuarisch>, abgerufen am 21.01.2020.

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